Jesus von Nazareth 
Teil 3

Die Wunder des Jesus von Nazareth


Textmarken: Im Wein liegt die Wahrheit,    Jesus befreit Kranke von krankmachenden Dämonen,    Brot für alle!    Tote auferweckt,    Der Gang auf dem Wasser - ein beliebtes Motiv,    Das Taufwunder von Jesus,    Wunder als verklausulierte Botschaft,    Wunder durch den rechten Glauben,    Fehler in der Überlieferung,    Die Wunder Jesu aus der Sicht des Koran,    Die Folgen für die Medizin,    War das schon ein Wunder?    Jesus ein Kind seiner Zeit,    Warum vollbrachte Jesus keine Wunder an Tieren?    Das theologische Problem mit dem Wunder


Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

In vino veritas (Im Wein liegt die Wahrheit)

Das erste Wunder geschah nach Johannes beim Hochzeitsfest in Kana in Galiläa.

Johannes 2:7-11

Jesus sprach zu ihnen: "Füllet die Wasserkrüge mit Wasser." Und sie füllten sie bis zum Rande. Und er sprach zu ihnen: "Schöpft nun davon und bringt es dem Festleiter." Da brachten sie es. Als nun der Festleiter das Wasser kostete, das zu Wein geworden war, aber nicht wusste, woher er kam, obwohl die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, es wussten, rief der Festleiter den Bräutigam und sagte zu ihm: "Jeder andere Mensch stellt zuerst den vortrefflichen Wein auf und, wenn die Leute trunken sind, den minderwertigen. Du hast den vortrefflichen Wein bis jetzt aufbehalten." Jesus tat dies in Kana in Galiläa als den Anfang seiner Zeichen, und er machte seine Herrlichkeit offenbar; und seine Jünger glaubten an ihn.

Eine plausible Erklärung ist, dass wie auch heute bei vielen Festen, die Becher der Gäste noch teilweise gefüllt waren, als man das Wasser nachgeschenkt hat. Auch ein verdünnter Wein schmeckt noch nach Wein. Das Lob des Festleiters über den guten Wein wirkte dann als Massensuggestion. Allerdings bleibt in diesem Fall der Vorwurf des Betrugs an Jesus haften, denn er hat seine Mitmenschen in dem Glauben gelassen, zaubern zu können.

Aus der Sicht des Alten Testaments begeht Jesus mit dem Besuch dieses Trinkgelages sogar eine Sünde. Von einem Heiligen oder einem Propheten erwartet man, dass er ein solches Trinkgelage meidet.

Jeremia 16:8

Du sollst auch in kein Hochzeitshaus gehen, um bei ihnen zu sitzen zum Essen und zum Trinken.(Luther 84)

Jesaja 5:22-24

Weh denen, die Helden sind, wenn es gilt, Wein zu trinken, und tapfer, wenn es gilt, starke Getränke zu brauen, die den Schuldigen für Bestechungsgeld freisprechen und dem Gerechten sein Recht vorenthalten.
(Einheitsübersetzung)

3. Mose 10:8-11

Und Jehova redete dann zu Aaron und sprach: "Trinke nicht Wein noch berauschendes Getränk, du und deine Söhne mit dir, wenn ihr in das Zelt der Zusammenkunft kommt, damit ihr nicht sterbet. Es ist eine Satzung für eure Generationen auf unabsehbare Zeit, um sowohl einen Unterschied zu machen zwischen dem Heiligen und dem Nichtheiligen als auch zwischen dem Unreinen und dem Reinen und um die Söhne Israels alle Bestimmungen zu lehren, die Jahwe durch Moses zu ihnen geredet hat."

Warum hat also der Evangelist Johannes trotzdem diese Geschichte aufgenommen, in der Jesus die Konsumdroge Wein (Alkohol) herbeizaubert. Bekannt war damals, dass der Wein den Geist des Menschen verändert / erfreut.

Psalm 104,15
. . .daß der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

Und das passt nun wieder recht gut zu dem, was der Evangelist sagen will. Jesus hat den Geist der Menschen verändert.

 

Jesus befreit Kranke von den unreinen (krankmachenden) Dämonen

Markus 1,39
Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Markus 5,8
Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlaß diesen Mann, du unreiner Geist!

Mt 17,21
21 []
Spätere Textzeugen fügen hier entsprechend Mk 9,29 ein: Diese Art (von Dämonen) aber kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.

Matthäus 7,22 (Lukas 13,25-27)
Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?

Matthäus 12,27 - 28
Und wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil.
Anhänger, wörtlich: Söhne. Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.

Die Symptome jener bedauernswerter Menschen, die lt. Jesus von einem bösen Geist befallen waren, deuten bei einer der Teufelsaustreibungen einwandfrei auf Epilepsie hin - Schaum vor dem Mund, Bewusstlosigkeit, Knirschen mit den Zähnen, nervöse Zuckungen (vier Symptome der Epilepsie). Markus beschreibt dies sehr genau.

Markus 9:17

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.

Epileptiker waren für die Wunderheiler wunderbare  Objekte, denn nach einem Anfall waren sie wieder weitgehend normal, also nach Meinung der Beobachter geheilt. Solch eine Anfall konnte man leicht durch Hyperventilation (rasche Atmung) erzeugen. Wenn wirklich jemand bemerkte, dass die Heilung nicht von Dauer war, so war der Meister schon wieder an einem anderen Ort. Und wenn ihm tatsächlich jemand Betrug vorwarf, so hatte der Meister immer noch eine Ausrede parat.

Matthäus 12:43-45

Wenn ein unreiner (krankmachender) Geist von einem Menschen ausfährt, durchwandert er dürre Orte, um eine Ruhestätte zu suchen, und findet keine. Dann sagt er: ‘Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin’; und bei seiner Ankunft findet er es unbewohnt, doch sauber gefegt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und nachdem sie eingezogen sind, wohnen sie dort; und die letzten Umstände jenes Menschen werden schlimmer als die ersten.

 

Brot für alle!

Alle Evangelisten berichten über das Brotwunder

Johannes 6,1-13 (Matthäus 14,13-21, Matthäus 15,32-39; Markus 8,1-10; 6,31-44; Lukas 9,10-17 )
Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. (Der See Gennesaret heißt hier und in 21,1 auch See von Tiberias.) Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, daß so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wußte, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! (Die «Gerstenbrote» (so nur bei Johannes) erinnern an das Brotwunder des Propheten Elischa (2 Kön 4,42-44). Jesus sagte: Laßt die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, soviel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

Eine einfache Erklärung für dieses Wunder ist, dass die Menschen, als Jesus und seine Jünger das Brot und die Fische mit den Menschen in ihrer Umgebung teilten, ihren eigenen Proviant auspackten, denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass nur der kleine Junge daran gedacht hat Proviant mitzunehmen, den sich nun die Jünger auch noch mit ihm teilten.

Man kann dieses Wunder aber auch als politische Botschaft verstehen. Jesus teilt das vorhandene Essen auf und es zeigt sich, alle haben mehr als genug zu essen. Jesus ruft an zahlreichen Stellen in den Evangelien dazu auf zu teilen.

Lukas 12,33 Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! . . .

Matthäus 6,24
Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Anmerkung der Einheitsübersetzung: Der ursprüngliche Sinn des hebräischen und aramäischen Wortes «Mammon» ist umstritten, vielleicht: das, worauf jemand vertraut, oder: das Sichergestellte, Gesicherte. Es wurde dann zur allgemeinen Bezeichnung für Besitz und Geld. Im Neuen Testament wird es Mt 6,24; Lk 16,9.11.13 im abwertenden Sinn für die dämonische Macht des Besitzes gebraucht.)

Matthäus 19,21-26
Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.

Siehe auch das Gleichnis vom untreuen Verwalter (Lukas 16,1-9), wo Jesus am Schluss sagt: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Reichtum . . . Diese Tradition des Teilens setzt sich fort in den ersten Christengemeinden. Die Apostelgeschichte berichtet, dass die ersten Christen ihr Hab und Gut untereinander teilten.

Apostelgeschichte 2,44-45
Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.

Apostelgeschichte 4,34-35
Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.

Dass dies auch zu Problemen führte, davon berichtet die Apostelgeschichte ebenfalls. Siehe Apostelgeschichte 5,1-11, Apostelgeschichte 11:27-30

Aus der Apostelgeschichte wird auch klar, dass es sich bei diesen Massenversammlungen um politische Veranstaltungen handelt. Als Paulus in Jerusalem verhaftet wird, erinnert sich der Oberst der römischen Kohorte, die ihn festnimmt, an einen Ägypter, der vor einiger Zeit viertausend Sikarier (Dolchmänner, jüdische Freiheitskämpfer) aufgewiegelt und in die Wüste hinausgeführt hat (Apostelgeschichte 21,38). Man erinnere sich: Jesus hat gemäß dem Matthäus-Evangelium seine Kindheit in Ägypten verbracht (Matthäus 2,13-15) und bei einem der Brotwunder waren es ca viertausend Menschen, die ihn als Messias verehrten.

Aus diesem Zusammenhang heraus ist auch  Matthäus 16,5-12 zu verstehen

Matthäus 16:5-12 (Markus 8:14-21)

Nun begaben sich die Jünger an das andere Ufer hinüber und vergaßen, Brote mitzunehmen. Jesus sprach zu ihnen: "Haltet eure Augen offen, und nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und der Sadduzäer in acht." Da begannen sie unter sich zu überlegen und sagten: "Wir haben keine Brote mitgenommen." Jesus erkannte dies und sprach: "Warum überlegt ihr unter euch so, weil ihr keine Brote habt, ihr Kleingläubigen? Begreift ihr die Sache noch nicht, oder erinnert ihr euch nicht an die fünf Brote im Falle der fünftausend und daran, wie viele Körbe ihr aufhobt? Oder an die sieben Brote im Fall der viertausend und daran, wie viele Proviantkörbe ihr aufhobt? Wie kommt es, dass ihr nicht versteht, dass ich nicht von Broten zu euch gesprochen habe? Nehmt euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in acht." Da begriffen sie, dass er gesagt hatte, sie sollten sich nicht vor dem Sauerteig der Brote in acht nehmen, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Mit dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer ist die politische Haltung der Staatsführung in Jerusalem gemeint, die sich mit den Römern arrangiert hatte und gute Geschäfte machte.

Matthäus 21,12-13
Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus (Israel) soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. (Jeremia 7,11)

Es geht hier ganz klar nicht darum zu beweisen, dass Jesus Brot herbeizaubern konnte, sondern es geht Jesus darum für gerechte Verhältnisse zu sorgen. Mehr als einmal berichten die Evangelien, dass Jesus und seine Gefolgsleute gehungert haben.

Markus 2:23-27

Nun begab es sich, dass er am Sabbat durch die Getreidefelder ging, und seine Jünger fingen an, ihres Weges zu gehen, wobei sie Ähren abpflückten. Daher sagten die Pharisäer zu ihm: "Sieh doch! warum tun sie am Sabbat etwas, was nicht erlaubt ist?" Er sprach zu ihnen: "Habt ihr niemals gelesen, was David tat, als er in Not geriet und hungrig wurde, er und die Männer bei ihm? Wie er - nach dem Bericht über Abjathar, den Oberpriester - in das Haus Gottes hineinging und die Brote der Darbietung aß, die zu essen niemandem erlaubt ist als den Priestern, und dass er davon auch den Männern gab, die bei ihm waren?" Dann fuhr er fort zu ihnen zu sagen: "Der Sabbat ist um des Menschen willen ins Dasein gekommen und nicht der Mensch um des Sabbats willen; somit ist auch der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbats."

Matthäus 8,20 (Lukas 9,58)
Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Eine Klage über die mangelnde Gastfreundschaft unter der er zu leiden hatte.

Mit dem Brotwunder wird Jesus in eine Reihe gestellt mit dem Propheten Elija und dessen Wiedergeburten. Das Brotwunder hat eine Parallele bei Elija (1. Könige 17,13-15) und Elischa (2. Könige 4,42-44).

Der Messiasgedanke, aber auch der Gedanke an die Wiedergeburt wird aus diesem Volksglauben genährt, dass der Geist jenes Elija in der Gestalt anderer Propheten wiederkehrt, die dann als Söhne Gottes, man könnte auch sagen als Werkzeuge Gottes agieren. In diesem Zusammenhang wird verständlich, dass Jesus sich mal als Menschensohn, mal als Sohn Gottes sieht, als Messias. Siehe hierzu auch

Johannes 10,34
Jesus erwiderte ihnen: Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? Wenn er jene Menschen Götter genannt hat, an die das Wort Gottes ergangen ist, und wenn die Schrift nicht aufgehoben werden kann, dürft ihr dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott - weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn? (Anmerkung der Einheitsübersetzung: Das Zitat aus Ps 82,6 dient einem Schriftbeweis, der sich nur an den Wortlaut der Schriftstelle hält, ohne Rücksicht auf den Zusammenhang, aus dem das Wort stammt. Als «Götter» werden im Ps 82 ungerechte Richter angesprochen.)
 

Es ist gut möglich, dass Mohammed den Messias-Gedanken übernommen hat und dann als neuer und letzter Prophet aufgetreten ist. Mohammed erwähnt im Koran Jesus und auch einige Geschichten des Alten Testaments.

Mit dem Messiasgedanken war immer der Gedanke verbunden, dass hier aus den Reihen Israel jemand auftritt, der die Feinde Israels vernichtet und für Gerechtigkeit sorgt. Ein Gedanke der weitergeführt wird in dem Gedanken an eine letzte große Schlacht, in der das Böse auf dieser Welt endgültig vertilgt wird und wieder paradiesische Zustände herrschen.

Das Neue Testament spricht in diesem Sinn von der Wiedergeburt durch die Taufe. Mit der Taufe verpflichtet sich der Gläubige im Geiste Jesu zu handeln und er ist damit einer, der zum "Leib Christi" gehört. Zum Nachweis der Bibelstellen siehe das Kapitel Wiedergeburt und Reinkarnation unter dem Link Religionskritik.

 

Tote auferweckt

Matthäus 22,23-33 (Markus 12,18-27; Lukas 20,27-38; Apostelgeschichte 23,8)

Am selben Tag kamen zu Jesus einige von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung. Sie fragten ihn: Zur Zeit Jesu hofften die Pharisäer und ein großer Teil des jüdischen Volkes auf eine allgemeine Auferstehung der Toten am Ende der Zeit; die Sadduzäer lehnten diese Vorstellung ab. Meister, Mose hat gesagt: Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Bei uns lebten einmal sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder, ebenso der zweite und der dritte und so weiter bis zum siebten. Als letzte von allen starb die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Jesus antwortete ihnen: Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel. Habt ihr im übrigen nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden. Als das Volk das hörte, war es über seine Lehre bestürzt.

Warum war das Volk hier über seine Lehre bestürzt? Der Schlüssel zum Verständnis ist wieder die Lehre, dass Gott den Geist eines Menschen in unterschiedlichen Personen auferstehen lässt (in Abraham, Isaak und Jakob), wie bei Elija. Jesus sagt hier ganz klar: Gott ist ein Gott der Lebenden, also derjenigen, die jetzt leben und nicht derjenigen, die gemäß jüdischer Vorstellung am Ende der Tage, am Tag des großen Weltgerichts auferstehen. Er sagt damit indirekt: Es gibt den Messias! Das war nun keine religiöse Botschaft mehr. Das war höchst politisch. Damit wollte kaum einer in Jerusalem etwas zu tun haben, denn hier hatte man sich mit den Römern arrangiert (Johannes 11:48). Die Garnisonsstadt machte Geschäfte mit den Römern. Gegen Geld konnte man römischer Bürger werden und hatte damit die gleichen Privilegien wie vorher (Apostelgeschichte 22,28). Die Steuern flossen nach Jerusalem.

Die Menschenmassen, die diese Glaubenslehre innerhalb kurzer Zeit an sich zog, ist nicht aus den Wundertaten allein zu erklären. Leute, die mit "Wundern" dubiose Geschäfte machten, gab es viele. Aber diese Glaubenslehre hat das Protestpotential gebündelt, das in diesem heterogenen römischen Staatswesen vorhanden war.

Jesus war auch nicht der Erste, der Tote auferweckt hat. Wieder sind es Elija und Elischa, denen diese Macht zugeschrieben wird.
1. Könige 17, 21-23 berichtet eine Totenerweckung durch Elija; 2. Könige 4,34 eine Totenerweckung durch Elischa. In der weiteren Tradition ist es dann Paulus, dem eine Totenerweckung gelingt (Apostelgeschichte 20,10). Ebenso wie Elija, Elischa werden auch Paulus in der Apostelgeschichte zahlreiche Heilungswunder zugeschrieben. Diese Wunder dienten nur als Ausweis göttlicher Bevollmächtigung. Auffallend ist bei den Totenerweckungen: Fast alle Auferweckten hatten erst vor kurzem kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Es stellt sich die Frage, ob sie wirklich tot waren, oder nur die Menschen sie für tot gehalten haben, weil sie nicht mehr reagierten.

 

Lediglich bei Johannes wird die Totenerweckung des Lazarus berichtet, wo Jesus den Toten aus der Grabeshöhle ruft, wo er bereits vier Tage einbalsamiert liegt  (Johannes 11,17-44). Bei Lukas taucht dagegen Lazarus nur in dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus auf. Nach dem Tod findet sich der reiche in der Hölle wieder, Lazarus dagegen im Paradies (Abrahams Schoß) und die Geschichte endet damit, dass Abraham im Jenseits dem Reichen sagt:  Wenn sie (die Brüder des Reichen, die gewarnt werden sollen vor den Folgen des Reichtums) auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. (Lukas 16,31).

 

Es wird hier unterschieden zwischen einer Totenerweckung und der Auferstehung. Totenerweckungen gab es viele. Die Auferstehung aller Toten findet dagegen erst am Tag des Gerichts statt gemäß der pharisäischen Glaubensüberzeugung, die in der christlichen Lehre übernommen wird.

 

Die Auferstehung war vor allem in der Zeit unmittelbar nach dem Tod von Jesus ein Streitpunkt, denn einige glaubten offenbar mit der Auferstehung von Jesus hätte nun eine neue Zeit begonnen. Sie glaubten, dass mit der Auferstehung von Jesus auch andere auferstanden sind.  Paulus bekämpft später diesen Glauben.

 

Matthäus 27,53
Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.


Apostelgeschichte 4,2
Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.

Apostelgeschichte 17,32
Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.

2.Timotheus 2,16-18 (1 Timotheus 1,19-20)
Gottlosem Geschwätz geh aus dem Weg; solche Menschen geraten immer tiefer in die Gottlosigkeit, und ihre Lehre wird um sich fressen wie ein Krebsgeschwür. Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetus, die von der Wahrheit abgeirrt sind und behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen. So zerstören sie bei manchen den Glauben.

Jesus kann wie andere Wundertäter seiner Zeit nur "Tote" erwecken. Als Johannes der Täufer geköpft wurde, hat sich Jesus an einen einsamen Ort zurück gezogen.

 

Matthäus 14:10-13 (Markus 6:14-33)

... und er (Herodes) sandte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt wurde auf einer Platte gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter. Schließlich kamen seine Jünger herauf und holten den Leichnam weg und begruben ihn und kamen und berichteten es Jesus. Als Jesus dies hörte, zog er sich von dort in einem Boot an einen einsamen Ort zurück, um für sich zu sein; doch als die Volksmengen davon hörten, folgten sie ihm zu Fuß aus den Städten nach.

Als einer der Jünger meldet, dass sein Vater gestorben ist, ist dies Jesus völlig egal.

Matthäus 8:21-22

Dann sagte ein anderer von den Jüngern zu ihm: Herr, erlaube mir, dass ich zuerst weggehe und meinen Vater begrabe." Jesus sprach zu ihm : "Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben."

 

Der Gang auf dem Wasser - ein beliebtes Motiv

Fußballer Berti Vogts:
"Wenn ich über's Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er..."

Das Wunder, wo Jesus auf dem Wasser geht (Matthäus 14,22-33; Markus 6,45-52; Johannes 6,15-21), hat mehrere Parallelen im Alten Testament. Die Beherrschung des Wassers ist ein beliebtes Motiv, das zuerst bei Moses auftaucht. In Darstellungen sieht man gewöhnlich wie Gott eine Schneise durch das Wasser schlägt mit hohen Wasserwänden. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass es sich hier um ein Sumpfgebiet gehandelt hat, das er überquert hat. Die Streitwagen des Pharao konnten ihm hier nicht folgen.

Josua 2,10
Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser des Schilfmeers euretwegen austrocknen ließ, als ihr aus Ägypten ausgezogen seid. (Mehr dazu unter dem Link Bibelkritik und dem weiteren Link Moses Teil 2)

Dass das Wasser wie ein Wall dasteht, dieser Gedanke taucht bei Josua 3,13-16 auf, als die Priester die Bundeslade durch den Jordan tragen.  

Das Wunder wie man trockenen Fußes über das Wasser geht, taucht dann bei Elija uns Elischa auf (2. Könige 2,8; 2. Könige 2,14). Es passte zu Jesus und so kann man als natürliche Erklärung dieses Wunders vermuten, dass die Evangelisten das Bild in diesem Sinne vervollständigten, indem sie auch dieses Wunder Jesus zugeschrieben haben.

 

Das Taufwunder von Jesus

Der Sinn der Taufe ist eine Reinigung. Der christliche Tauf-Ritus entwickelte sich aus den rituellen Waschungen, die im Gesetzbuch Moses vorgeschrieben sind (Hebräer 9,10).

Die Taufe war bei den Israeliten für jene üblich, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind (Proselyten). Man taufte aber auch Sklaven bei ihrer Freilassung. Diese Taufe wurde als eine Art Wiedergeburt verstanden.

Man betrachtete die zum jüdischen Glauben Übergetretenen bzw. aus der Knechtschaft Entlassene,  als solche, die damit ein neues Leben beginnen. Das alte Leben war damit tot. Aber wer mit einem Kranken oder gar mit einem Toten in Berührung gekommen war, galt als unrein, auch wenn dies in diesem Fall nur ein symbolischer Toter war, musste er sich nach den jüdischen Reinheitsgeboten gründlich mit Wasser waschen.

Die Frage, warum sich Jesus taufen ließ, wird im allgemeinen damit beantwortet, dass hier offenbart werden sollte, Jesus ist der Messias.

Markus 1,9-11 (Johannes 1,29-34; Matthäus 3,13-17; Lukas 3,21f)

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Der Himmel öffnete sich . . . Nach dem israelitischen Weltbild war der Himmel ein Gewölbe über dem sich Wasser befand (1. Mose 1,7). Das heißt also, wenn der Himmel sich öffnete, dann regnete es. Aus der Sicht dieses antiken Weltbilds ist auch die Stimme Gottes zu deuten, die hier erschallte. Dies steht zwar hier nicht explizit, ist aber an anderer Stelle nachzulesen.

Johannes 12,29
Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. (Weitere Bibelstellen hierzu unter Gottesbild und Weltbild im alten Israel )

Es stellt sich also die Frage, wer nun gehört hat, dass Gott zu ihm gesprochen hat. Im allgemeinen waren es Priester, die die "Stimme Gottes" gedeutet haben.  Nach dem Johannesevangelium war es Johannes der Täufer.

Dabei muss man vor allem eines doch folgendes sehen: Trotz seiner angeblichen Bewunderung für Jesus – Johannes der Täufer wurde nie ein Jünger Jesu. Nur zwei seiner Jünger wurden zu den ersten Gefolgsleuten von Jesus. Und Jesus und seine Jünger wurden von den Jüngern des Johannes wegen ihres Lebenswandels kritisiert (Matthäus 9:14-15, Markus 2:18-20, Lukas 5:33-35).

Das bedarf einer Erklärung. Dazu müssen wir etwas weiter ausholen. Der Evangelist Johannes erzählt in Johannes 1, 19-40, dass die Juden aus Jerusalem (der Hohe Rat) Priester und Leviten zu ihm (Johannes dem Täufer) sandten mit der Frage, wer er sei, ob er ein Prophet sei, oder der Messias oder eine Wiedergeburt Elijas. Johannes der Täufer merkt, dass man ihm offenbar etwas anhängen will und antwortet: "Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat". (Johannes 1,23; Jesaja 40,3). Eine neutrale Antwort, mit der Johannes sagt, ich bin nur ein Diener des Herrn und das ist ja wohl nicht verboten.

Aber die Abgesandten aus Jerusalem legen ihm nun zur Last, dass er ja Leute tauft, obwohl er weder ein Prophet, noch ein Messias, noch eine Wiedergeburt Elijas ist. Johannes betrieb hier ein Geschäft, das Priestern vorbehalten war. Johannes kann nun nicht leugnen, dass er die Leute am Jordan tauft. Er versucht nun seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem er seine Taufe entwertet. Er antwortet: "Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren" (Johannes 1,26-27).

Johannes der Täufer weiß nun, dass er unter Beobachtung des Hohen Rats steht. Er muss sich etwas einfallen lassen. Die Abgesandten aus Jerusalem suchen jemand, dem sie etwas anhängen können. Im Moment ist er selbst derjenige. Am nächsten Tag sieht er nun Jesus, jemand, den er mal getauft hat, der aber nicht zu seinen Jünger gehört, sondern nun als Wanderprediger umherzieht. Er behauptet nun, dass seine eigene Taufe ja nur dazu dient herauszufinden, wer der Messias ist. "...ich bin gekommen", sagt Johannes der Täufer, "und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm (dem Messias) bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes (nach anderen Textzeugen "der Erwählte Gottes", lt. Anmerkung der Einheitsübersetzung) (Johannes 1, 31-34).

Johannes der Täufer müsste nun eigentlich allen seinen Jüngern empfehlen Jünger Jesu zu werden und vor allem er selbst müsste zu einem Jünger Jesu werden, denn seine Mission ist damit beendet. Davon ist aber im Johannesevangelium nicht die Rede.

Gemäß dem Johannesevangelium taufen Johannes der Täufer und Jesus zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.

Johannes 3, 22-24

Darauf ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden.

Anmerkung der Einheitsübersetzung: Dass Johannes in Änon taufte, wird nur hier erwähnt. Der Ort lag im nördlichen Samarien, südlich von Bet-Schean. Der Name Änon deutet auf ein Quellgebiet. Jesus oder, wie in Johannes 4,2 berichtigt wird, seine Jünger tauften in Judäa.

Nach dem Markus-Evangelium  und dem Matthäus-Evangelium tritt Jesus erst öffentlich in Erscheinung, als Johannes verhaftet wird.

Nach Matthäus 11,2-3 weiß Johannes der Täufer nichts davon, dass er Jesus als den Gottessohn, bzw. den Auserwählten, den Messias bezeichnet hat (Johannes 1, 31-34). Wer hat also die "Stimme des Herrn" gehört? Nur die Gewährsleute der Evangelisten? Die Jünger kamen erst später dazu. 

 

Wunder als verklausulierte Botschaft

Die Heilung des Besessenen:

Die Geschichte ist uns von Markus überliefert. Eine ähnliche Geschichte findet man auch in Matthäus 8:28-34, 9:1 und Lukas 8:26-39.

Markus 5:1-20
Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. (weniger bezeugte Lesarten Gadara, Gergesa). Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlaß diesen Mann, du unreiner Geist! Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. (Eine Legion war die größte römische Heereseinheit (6000 Mann)). Und er flehte Jesus an, sie nicht aus dieser Gegend zu verbannen. Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Die Erzählung spielt im halbheidnischen Ostjordanland, wo auch Schweine gezüchtet wurden. Schweine galten als unrein, darum war den Juden die Aufzucht von Schweinen und das Essen von Schweinefleisch verboten. Da baten ihn die Dämonen: Laß uns doch in die Schweine hineinfahren! Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere, und alle ertranken. Die Hirten flohen und erzählten alles in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. Da fürchteten sie sich. Die, die alles gesehen hatten, berichteten ihnen, was mit dem Besessenen und mit den Schweinen geschehen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, bei ihm bleiben zu dürfen. Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause, und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat. Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten.
 

Nach Markus waren es etwa zweitausend Schweine. Das Schwein galt in Israel als unreines (krankmachendes) Tier (siehe 3. Mose 11:7). Die ungewöhnlich große Zahl an Schweinen lässt vermuten, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt. Der jüdische Neutestamentler Prof. Lapide begründet diesen Verdacht mit der hebräischen Schreibweise des Wortes für die Zahl 1000. Dieses Wort kann leicht mit dem Wort für "Rudel", "Schar" verwechselt werden (Quelle: "Ist die Bibel richtig übersetzt?" Pinchas Lapide). Der Name Legion, ein ungewöhnlicher Name für einen Israeliten, deutet auf eine Verklausulierung des Sachverhalts hin. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Gruppe römischer Soldaten, die von Jesus und seinen Gefolgsleuten "kuriert" wurde.

Das Wunder vom verdorrten Feigenbaum:

Matthäus 21:18-22 (Markus 11,12-14 und 11,20-25

Als er (Jesus) am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt.

Um die wundergläubigen Jünger hier nicht ganz so naiv aussehen zu lassen, sehen manche Theologen den Feigenbaum in einem symbolischen Zusammenhang. Der unfruchtbare Feigenbaum, so wird behauptet, ist ein Sinnbild für das Volk Gottes, das den Glauben verweigert ( Anmerkung der Einheitsübersetzung vgl. Jeremia 8,13; Lukas 13,6-9).

Jeremia 8,13
Will ich bei ihnen ernten - Spruch des Herrn -, so sind keine Trauben am Weinstock, keine Feigen am Feigenbaum, und das Laub ist verwelkt. Darum habe ich für sie Verwüster bestellt.

In anderem Zusammenhang steht der Weinstock und der Feigenbaum für Glück und Zufriedenheit.  (Siehe den Kommentar der Einheitsübersetzung zu "1. Könige 5,5)

Aber Matthäus erzählt hier ein Erlebnis, das die Jünger erlebt haben. Jesus hat außerhalb der Stadt übernachtet und nun hat er, wie jeder andere Mensch, Hunger. Er sieht einen Feigenbaum, geht darauf zu und stellt fest, dass er vertrocknet ist. Zu seinen Jüngern sagt er: An diesem Feigenbaum wächst nie wieder etwas. Die Jünger gehen näher heran und stellen nun ebenfalls fest, dass der Feigenbaum verdorrt ist und halten dies nun für ein Wunder, das Jesus gewirkt hat, das geht aus dem nachfolgenden Dialog hervor, der in den oben vermuteten symbolischen Zusammenhang nicht passen würde.

 

Wunder durch den rechten Glauben

In den Evangelien heilt Jesus angeblich viele Kranke nur weil sie an ihn glauben (Matthäus 9,22; Matthäus 15,28; Markus 5,34; Markus 10,52 . . .). Umgekehrt ist auch der Unglaube gelegentlich ein Grund warum Jesus nur wenige Wunder vollbringt.

Matthäus 13,58
Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

Bei psychisch bedingten Krankheiten mag ja der Glaube noch helfen. Aber Jesus sagt auch zu der an der Bluter-Krankheit erkrankten Frau: Dein Glaube hat Dir geholfen (Lukas 8,43-48). Die Bluterkrankheit ist genetisch bedingt. Bei Blutern kommt der Blutfluss manchmal durch den geringeren Blutdruck zum Stillstand. Ob die Frau auf Dauer geheilt war? Wahrscheinlich nicht, denn die Priester, die Jesus verurteilten, konnten mit der Unterstützung des Volkes rechnen, deshalb ließen sie Jesus öffentlich hinrichten.

Der bekannte Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth ist einmal einigen in Lourdes verzeichneten Heilungswundern bei Krebs nachgegangen. Er hat sie alle wiedergefunden - auf dem Friedhof, gestorben innerhalb eines Jahres nach der angeblichen Heilung.

Jesus behauptet, mit dem rechten Glauben ist fast alles möglich

Markus 16,17
Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Diese Passage ab Vers 16,8 scheint allerdings an das Markus-Evangelium angehängt, denn sie findet man nicht in allen Quellen des Markus-Evangeliums. In Johannes 3,14 wird allerdings auf eine Stelle in 5.Mose (Numeri) 21, 9 verwiesen, wo Moses eine Schlange aus Kupfer an einem Mast hängt, die Schlangengift neutralisieren sollte.

5. Mose (Numeri) 21,9
Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.

Matthäus 17,20 (Matthäus 21,21; Markus 11,23; Lukas 17,6)
Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.

Was hier behauptet wird ist die absolute Herrschaft des Geistes, auch des menschlichen Geistes über die Materie. dass dies nicht stimmt, merkt jeder, der es ausprobiert. Daher werden heute solche Stellen von der Theologie symbolisch gedeutet, gemäß dem Grundsatz aller Fundamentaliten: Die Bibel ist wahr, aber wir haben sie noch nicht ganz verstanden. Der Berg ist dann eben nicht ein Berg in der Landschaft, obwohl dies so in der Bibel steht, sondern eine gewaltige Aufgabe, die man schafft, wenn man auch daran glaubt es zu schaffen.

Ein Blick in fremde Kulturen zeigt außerdem, dass es offenbar gleichgültig ist, an welchen Gott man glaubt.


 

Fehler in der Überlieferung

Die Evangelisten sind auch oft mit Ortsangaben oder Namen bei den Wunderheilungen recht sparsam. Das hätte ja damals vielleicht zu Nachforschungen geführt. Eines dieser Wunder ist das des geheilten Aussätzigen. Bei Markus kommt ein Aussätziger auf ihn zu - keine Ortsangabe (Markus 1:40). Bei Matthäus begegnet ihm der Aussätzige als er von einem nicht näher genannten Berg herabging (Matthäus 8:1). Bei Lukas hält sich der Aussätzige in einer nicht genannten Stadt auf (Lukas 5:12), was jüdischer Gesetzgebung völlig widerspricht.  

3. Mose 13:45

Wer nun aussätzig ist, soll zerrissene Kleider tragen und das Haar lose und den Bart verhüllt und soll rufen: Unrein, unrein! Und solange die Stelle an ihm ist, soll er unrein sein, allein wohnen, und seine Wohnung soll außerhalb des Lagers sein.

Ein anderes Beispiel ist die Berufung der ersten Jünger.

Nach dem Markus-Evangelium  und dem Matthäus-Evangelium tritt Jesus erst öffentlich in Erscheinung, als Johannes verhaftet wird. Die Berufung der ersten Jünger spielt sich hier so ab:

Markus 1,16-20 (Matthäus 4,18-22)
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Lukas lässt vor der Berufung der Jünger noch das Wunder vom reichen Fischfang geschehen. Dadurch beeindruckt folgen Jesus die ersten Jünger. (Lukas 5,1-11)

Nach dem Johannesevangelium treten Jesus und Johannes gleichzeitig in der Öffentlichkeit auf (Johannes 3, 22-24). Zwei der Jünger des Johannes folgen Jesus, weil sie, auf Grund einer missverstandenen Äußerung Johannes des Täufers, Jesus für den Messias halten (Johannes 1,35-40). Hätte Johannes dies ernst gemeint, dann hätte er selbst zum Jünger Jesu werden müssen. Er wurde jedoch nie ein Jünger Jesu. Mehr dazu unter dem Link Briefe in dem Kapitel "Wer hat den Geist Gottes".

 

Die Wunder Jesu aus Sicht des Koran

Im Koran wird Jesus an 30 Stellen erwähnt. In einigen wird auch von den Wundern Jesu berichtet. Zum Teil ist es eine Bestätigung der Wunder der Evangelien. Einige der Wunder liest man allerdings nicht in den zur Bibel gehörenden Evangelien. Das Wunder in Sure 5,110 wo Jesus aus Lehm Vögel erschafft findet man in ähnlicher Form im Thomas-Evangelium, einem apokryphen Evangelium. Hier spielt Jesus als fünfjähriger am Bach mit anderen Kindern. Er formt aus Lehm 12 Sperlinge. Ein frommer Jude beschwert sich nun bei Joseph, weil sein Sohn am Sabbat die Sabbat-Ruhe nicht einhält. Joseph geht daraufhin selbst zu Jesus an den Bach und weist ihn zurecht: >>"Warum tust Du am Sabbat solche Dinge, die zu tun doch nicht erlaubt sind?" Jesus aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu und sagte ihnen: "Auf! Davon!" Und die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon. Als aber die Juden das sahen, da erschraken sie und gingen hin und erzählten ihren Oberen, was sie Jesus hatten tun sehen.<< (Zitat aus dem Thomas-Evangelium) Nun zu dem Koran-Zitat.

Sure 5 Al-Ma'ida 110 (Damals) als Allah sagte: "Jesus, Sohn der Maria! Gedenke meiner Gnade, die ich dir und deiner Mutter erwiesen habe, (damals) als ich dich mit dem heiligen Geist stärkte, so daß du (schon als Kind) in der Wiege (mahd) zu den Leuten sprachst, und (auch später) als Erwachsener, und (damals) als ich dich die Schrift, die Weisheit, die Thora und das Evangelium lehrte, und (damals) als du mit meiner Erlaubnis aus Lehm etwas schufst, was so aussah wie Vögel, und in sie hineinbliesest, so daß sie mit meiner Erlaubnis (schließlich wirkliche) Vögel waren, und (als du) mit meiner Erlaubnis Blinde und Aussätzige heiltest, und als du mit meiner Erlaubnis Tote (aus dem Grab wieder) herauskommen ließest, und (damals) als ich die Kinder Israel von dir zurückhielt (so daß sie dir nichts anhaben konnten), als du mit den klaren Beweisen (baiyinaat) zu ihnen kamst, worauf diejenigen von ihnen, die ungläubig waren, sagten: "Das ist ganz offensichtlich Zauberei."

Mohammed stellt insbesondere mit der Schöpfung von neuem Leben Jesus als Werkzeug Gottes dar. Mohammed glaubte offenbar selbst an die Schöpfung neuen Lebens, in der hier dargestellten Weise, durch einblasen des Lebensgeistes (Odem), wie dies auch in der Schöpfungsgeschichte dargestellt wird. Dies widerspricht allen symbolischen / metaphorischen Auslegungen, die heute von religiösen Vertretern angeboten werden.

Während hier Jesus der Sohn der Maria ist, wird an anderer Stelle im Koran Jesus von Allah, ähnlich wie Adam, aus Erde geschaffen.

Sure 3 (Aal-Imraan) 59

Jesus ist (was seine Erschaffung angeht) vor Allah gleich wie Adam. Den schuf er aus Erde. Hierauf sagte er zu ihm nur: sei!, da war er.

 

Sure 15 (Al-Hidschr) 28

Und (damals) als dein Herr zu den Engeln sagte: "Ich werde einen Menschen (baschar) aus trockenem, tönendem Lehm, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm schaffen.

Im Koran prophezeit Jesus als nächsten Gesandten nicht Mohammed, sondern einen Mann namens Ahmad. Möglicherweise ein Hinweis auf jenen Schriftgelehrten, der Mohamed einige Geschichten aus dem Alten Testament (der Thora) erzählt hat.

Sure 61 (As-Saff) 6

Und (damals) als Jesus, der Sohn der Maria, sagte: "Ihr Kinder Israel! Ich bin von Allah zu euch gesandt, um zu bestätigen, was von der Thora vor mir da war, und einen Gesandten, dessen Name Ahmad ist, zu verkünden, der nach mir kommen wird." Als er dann mit den klaren Beweisen (baiyinaat) zu ihnen kam, sagten sie: "Das ist offensichtlich Zauberei".

 

Das Geschäft mit dem Wunder

Für viele, die wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht voll arbeitsfähig waren, war die Zusammenarbeit mit "Wundertätern" eine Existenzgrundlage. Ein Sozialsystem gab es damals nicht.

Apostelgeschichte 16:16

Und als wir zur Gebetsstätte gingen, geschah es, dass uns ein gewisses Dienstmädchen begegnete, das einen Geist, einen Wahrsagerdämon hatte. Sie pflegte ihren Herren viel Gewinn einzubringen, indem sie die Kunst der Voraussage betrieb.

Auch das Wunder am Sabbat hat als solch ein Geschäft auf Gegenseitigkeit eine natürliche Erklärung.

Matthäus 12:9-14 (Markus 3:1-6, Lukas 6:6-11)

Und er ging von dort weiter und kam in ihre Synagoge. Und siehe, da war ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie fragten ihn und sprachen: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen?, damit sie ihn verklagen könnten. Aber er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, der sein einziges Schaf, wenn es ihm am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreift und ihm heraushilft? Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! Darum darf man am Sabbat Gutes tun. Da sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und sie wurde ihm wieder gesund wie die andere. Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten Rat über ihn, wie sie ihn umbrächten. (Luther 1984)

Es war ein offenes Geheimnis, wie so etwas ablief. Die Pharisäer wussten das. Deshalb gingen sie empört aus der Synagoge; denn Jesus hatte es gewagt am Sabbat in der Synagoge seine Geschäfte zu betreiben. Die Evangelisten versuchen hier, wie auch an anderer Stelle, die Pharisäer als bösartig darzustellen. Aber es wird doch wohl niemand glauben, dass Jesus seine "Wunderheilungen" umsonst durchgeführt hat. Wovon hätten denn sonst seine 12 Jünger gelebt, und wozu gab es einen Kassenverwalter (Johannes 12:6).  Dass hier auch Geld geflossen ist, wird an anderer Stelle von Lukas berichtet. 

Lukas 8:1-3
Und es begab sich danach, dass er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Maria Magdalena ist offenbar nicht dauerhaft geheilt worden. Sieben Mal hatte es Jesus mit einer Teufelsaustreibung versucht. Kein Wunder - Epilepsie lässt sich so nicht heilen.

Wer hier meint, Jesus hatte das Volk bei seiner "Heilung am Sabbat" hinter sich, wird durch Matthäus 12:15 eines anderen belehrt.

Matthäus 12:15

Als Jesus dies erfuhr (dass die Pharisäer aus der Synagoge gegangen waren), zog er sich von dort zurück.

Jesus war damals nicht der einzige "Wundertäter". Die Konkurrenz war groß.

Lukas 11:19

Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.(Luther’84)

Apostelgeschichte 8:9

Nun befand sich in der Stadt ein gewisser Mann namens Simon, der vor diesem magische Künste getrieben und die Nation von Samaria in Staunen versetzt hatte, indem er sagte, er selbst sei ein Großer. Und sie alle, vom Geringsten bis zum Größten, gaben acht auf ihn und sagten: "Dieser Mann ist die Kraft Gottes, die man die Große nennen kann."

Markus 9:38

Johannes sprach zu ihm (Jesus): "Lehrer, wir sahen jemand unter Benutzung deines Namens Dämonen austreiben, und wir suchten ihn zu hindern, weil er uns nicht begleitete."

Jesus gibt sich hier noch tolerant, wie aus dem folgenden Text hervorgeht. Aber nach seinem Tod kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen mit Nachahmern.

Apostelgeschichte 19:11-17

Und Gott vollbrachte durch die Hände des Paulus weiterhin außergewöhnliche Machttaten, so dass man von seinem Leibe weg sogar Tücher und Schürzen zu den Leidenden brachte, und die Krankheiten wichen von ihnen, und die bösen Geister fuhren aus. Aber gewisse von den umherziehenden Juden, die Dämonen auszutreiben pflegten, unternahmen es ebenfalls, den Namen des Herrn Jesus über denen auszusprechen, die von bösen Geistern besessen waren, indem sie sagten: "Ich befehle dir feierlich bei Jesus, den Paulus predigt." Nun waren da sieben Söhne eines gewissen Skeva, eines jüdischen Oberpriesters, die das taten. Als Antwort sprach jedoch der böse Geist zu ihnen: "Ich kenne Jesus, und Paulus ist mir bekannt; wer aber seid ihr?" Darauf sprang der Mensch, in dem der böse Geist war, auf sie los, erlangte die Herrschaft über einen nach dem anderen und gewann die Oberhand über sie, so dass sie nackt und verwundetet aus jenem Hause flohen.

 


Die Folgen für die Medizin

Man muss sich einmal klar machen, welche Folgen solche und ähnliche Geschichten auf die Entwicklung der Medizin hatten, als die christliche Lehre zur Staatsreligion wurde. Jahrhunderte lang galt nun als erwiesen, dass die Ursache von Krankheiten böse Geister sind, die einen Menschen befallen. Jesus verwendet bei seinen Heilungen niemals Arzneien, zum Beispiel Kräuter. Für ihn haben alle Krankheiten geistige Ursachen. Das gilt sogar für genetisch bedingte Erbkrankheiten wie die Bluterkrankheit. Zu der an der Bluter-Krankheit erkrankten Frau sagt er: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“ (Lukas 8,48). Der Heilige Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens, hat aus diesem Grund seinen Anhängern verboten Medizin zu studieren. Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik machte erst dann wieder wesentliche Fortschritte, als in der Zeit der Reformation und der französischen Revolution die Unfehlbarkeit der christlichen Lehre in Frage gestellt wurde.

Für diejenigen, die auf ein Wunder warten sei noch gesagt, dass nach Johannes 9:31 Gott keine Sünder erhört.

Johannes 9:31

Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.

Und so hat der Priester eine gute Ausrede, wenn's mal mit einem dringend notwendigen Wunder nicht geklappt hat. Schuld ist dann eben der sündige Gläubige oder es heißt Gott hat dem Gläubigen mal eben in seiner unbegreiflichen "Gerechtigkeit" eine Prüfung auferlegt, wie dem armen Hiob.

 

War das schon ein Wunder?

Die Schwiegermutter des Petrus - Petrus war also verheiratet und er hatte auch einen Sohn namens Markus (1.Petr 5,13 Es grüßen euch die Mitauserwählten in Babylon und mein Sohn Markus.)
Jesus hat folglich nicht nur ehelose Jünger berufen. Der von der katholischen Kirche verordnete Zölibat für Priester hat damit nur in den Empfehlungen des Paulus eine theologische Grundlage.

Matthäus 8:14-15 (Markus 1:30-31, Lukas 4:38-39)

Und als Jesus in das Haus des Petrus kam, sah er dessen Schwiegermutter fieberkrank darniederliegen. Da rührte er ihre Hand an, und das Fieber verließ sie, und sie stand auf und begann ihm zu dienen.

Hier stellt sich die Frage, wie man damals Fieber gemessen hat. - Ganz einfach! Mit der flachen Hand! Ein Fieberthermometer gab es nämlich damals noch nicht. Die Schwiegermutter des Petrus, hat hier möglicherweise nur eine Gefälligkeitsäußerung von sich gegeben, dass es ihr schon wieder besser geht und schon galt diese Erzählung dem Gewährsmann des Evangelisten als Wunder.

 

Jesus ein Kind seiner Zeit

Mit ähnlich primitiven Mitteln wie andere Wunderheiler heilten auch Jesus und seine Jünger.

Johannes 9,6-7
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Seine Jünger salben die Kranken mit Öl. Nirgends ist von Heilkräutern die Rede.

Mk 6,13
Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Zu den Dämonen denen er droht, gehören auch Winddämonen und die Dämonen des Wassers.

Markus 4,39 - 41
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.

Jesus sah also offenbar in dem Wind ein mit Vernunft begabtes Wesen. Mehr dazu: Siehe Das Weltbild des Jesus von Nazareth

Auf den Vorwurf der Pharisäer, dass er die Dämonen nur vertreiben kann, weil er mit dem obersten der Dämonen im Bunde steht antwortet Jesus:

Matthäus 12,25-27
. . . Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde, und keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, wird Bestand haben. Wenn also der Satan den Satan austreibt, dann liegt der Satan mit sich selbst im Streit. Wie kann sein Reich dann Bestand haben?  Und wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger (wörtlich Söhne) sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil.

Anmerkung der Einheitsübersetzung: Beelzebul - ursprüngliche Bedeutung: Mistgott (Mist, d. h. das heidnische Opfer), oder: Herr der Wohnungen (von Dämonen), oder: Herr der Fliegen (d. h. Krankheiten) - wird hier mit Satan, dem Anführer aller bösen Geister, gleichgesetzt. - Unter Dämonen verstand man «böse» oder «unreine» Geister, die in Menschen oder Tieren hausten, schwere Krankheiten seelischer oder leiblicher Art verursachten und so die Menschen versklavten.
 



Warum vollbrachte Jesus kein Wunder an Tieren?

Schon Ludwig Feuerbach hat in seinem Buch "Das Wesen des Christentums" festgestellt, welch' geringen Stellenwert pflanzliches und tierisches Leben in der Bibel hat. Es ist kein einziges Wunder überliefert, bei dem Jesus ein Tier heilt. Tiere und Pflanzen waren für den Menschen in der Antike seelenlose Geschöpfe, allenfalls Werkzeuge, deren sich die Gottheit vorübergehend bediente. Die Schlange im Paradies passt in diese Kategorie (1. Mose 3:1-5), aber auch der Esel der angeblich zu Bileam sprach (4. Mose 22:28) und die Herde Schweine in die Jesus die bösen Geister schickte (Markus 5:1- 20). Ansonsten dienten Tiere nur als Blutopfer, um die Gottheit gnädig zu stimmen. Der Gott der Bibel ist offenbar ein blutrünstiger Gott, ein Gott der Heerscharen. Ein Gott, der sich offenbar nur eine Lösung für alle Probleme vorstellen kann, die Gewalt.

 

Das theologische Problem mit dem Wunder

Die Wunder beinhalten auch ein theologisches Problem.

Es stellt sich die Frage, warum ein angeblich barmherziger Gott nicht mehr Wunder geschehen lässt, um so die Fehler seiner Schöpfung zu korrigieren.

Es stellt sich aber auch die Frage nach der Verlässlichkeit Gottes. Wenn Gott eingreift, dann setzt er Regeln außer Kraft, denn ein echtes Wunder hat keine natürliche Erklärung. Wenn er aber Regeln lokal außer Kraft setzt, dann hält er sich nicht an seine von ihm verkündeten Gesetze. Ein Wunder ist meist auch nicht mit einer lokalen Änderung der Naturgesetze erklärbar. Das Brotwunder, als tatsächliche Vermehrung des Brotes, ist mit einer lokalen Änderung der Naturgesetze allein nicht zu erklären, denn damit ist das Brot noch nicht gebacken. Was hier behauptet wird ist Zauberei. Wenn ich daran glaube, wieso dann nicht auch an die Wunder, die von anderen Religionsgründern berichtet werden. Da könnte ich dann auch gleich an Märchenbücher glauben.

Deshalb ist die Theologie bemüht reale Erklärungen für Wunder zu finden, um so zu zeigen, Gott hält sich an seine Regeln. Sie gelten, wie die Naturgesetze universal. Man nutzt hierzu die einzige deterministische Lücke in den Naturgesetzen, das rein zufällige Auftreten von Quantenphänomenen (zum Beispiel beim radioaktiven Zerfall). Insbesondere die Vertreter des Intelligent Design, einer vor allem in den USA vertretenen Glaubensrichtung, die eine von Gott gelenkte Evolution / Schöpfung verkünden, vertreten die Meinung, dass Gott hier auf diese Weise, für den Menschen unsichtbar, eingreift.

Die Erlösungslehre baut darauf, dass Gott konsequent handelt. Deshalb muss Jesus das Sühneopfer für die Sünden der Welt leisten, um die Welt von ihren Sünden erlösen zu können. Aus polytheistischer Sicht ist das kein Problem. Da gibt es Gott, die Engel, die Dämonen und den obersten der Dämonen Satan und nicht zuletzt auch den Gottessohn. Aber im Monotheismus wird daraus eine schizophrene Handlung. Da ist Gott derjenige, der das Opfer erbringt und gleichzeitig auch der, der es entgegen nimmt. Um aus diesem Dilemma herauszukommen hat die Theologie die Dreieinigkeit erfunden. Ein philosophisches Konstrukt, das aus der Bibel nicht ableitbar ist.

Aber wundern wir uns nicht weiter, wandern wir wir lieber weiter. Jesus ist ja auch immer weitergewandert, weil er so mordsmäßig beliebt war.


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