Jesus von Nazareth 
Teil 6

Textmarken: Der Verrat und die Hinrichtung,    Die ungläubigen Brüder,    Ein loses Ohr,     Das Scheidungsrecht,    Donnergetöse oder Engelsgesang


Der Verrat und die Hinrichtung des Jesus von Nazareth

Wer hatte denn schon gedacht, daß nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem (Matthäus 21:1-11) nun dieser weitere Besuch seiner Vaterstadt ein so tragisches Ende nehmen würde. Das erste Mal hatte alles geklappt wie am Schnürchen. Den Leihesel für seinen Einzug hatte er sogar umsonst bekommen. Durch seine vorseherische Planung und dank des diplomatischen Vorgehens seiner Jünger konnten so die Kosten für diese PR-Maßnahme drastisch gesenkt werden. Und dann noch jene Aufsehen erregende "Tempelreinigung" (Matthäus 21:12-13). Da konnte er doch endlich einmal Feindesliebe demonstrieren!

Jesus war ja schon damals mordsmäßig beliebt.

Lukas 4:28-29

Alle nun, die diese Dinge in der Synagoge hörten, wurden voller Wut; und sie standen auf und trieben ihn (Jesus) eilends aus der Stadt hinaus, und sie führten ihn auf den Vorsprung des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn kopfüber hinabzustürzen. Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging seines Weges. (Siehe hierzu auch Johannes 5:18; Johannes 8:59; Johannes 10:31;; Johannes 11:53-54; Johannes 12:36; Lukas 13:31; Johannes 10:39)

So ähnlich muß dann wohl auch sein Einzug in Jerusalem verlaufen sein. Der Evangelist Johannes berichtet jedenfalls:

Johannes 7:1-13

Nach diesen Dingen nun wanderte Jesus weiter in Galiläa umher, denn er wollte nicht in Judäa umherwandern, weil die Juden ihn zu töten suchten. Indes nahte das Fest der Juden, das Laubhüttenfest. Darum sagten seine Brüder zu ihm: "Geh weg von hier, und begib dich nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust. Denn niemand tut etwas im verborgenen, während er selbst öffentlich bekannt zu werden sucht. Wenn du diese Dinge tust, so mache dich der Welt offenbar." Seine Brüder übten tatsächlich keinen Glauben an ihn aus. Daher sagte Jesus zu ihnen: "Meine bestimmte Zeit ist noch nicht da, doch eure bestimmte Zeit ist stets da. Die Welt hat keinen Grund, euch zu hassen, mich aber haßt sie; weil ich über sie Zeugnis ablege, daß ihre Werke böse sind. Ihr geht zum Fest hinauf; ich gehe noch zu diesem Fest hinauf, weil meine bestimmte Zeit noch nicht völlig gekommen ist." (die Einheitsübersetzung übersetzt hier anders als die Neue Weltübersetzung der Zeugen Jehovas von 1970/1971: "Geht ihr nur hinauf zum Fest; ich gehe nicht zu diesem Fest hinauf, weil meine Zeit noch nicht erfüllt ist." und macht damit Jesus zum Lügner)
Nachdem er ihnen also diese Dinge gesagt hatte, blieb er in Galiläa. Als aber seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, ging auch er selbst hinauf, nicht öffentlich, sondern wie im verborgenen. Daher begannen die Juden auf dem Fest nach ihm zu suchen und sprachen: "Wo ist dieser Mensch?" Und es gab unter den Volksmengen viel Gemurmel über ihn. Die einen sagten: "Er ist ein guter Mensch." Andere sagten: "das ist er nicht, sondern er führt die Volksmenge irre." Aus Furcht vor den Juden redete natürlich niemand öffentlich über ihn.

Es war natürlich alles längst vorherbestimmt und Jesus wußte es natürlich. - der allmächtige Gott mußte seinen eigenen Sohn opfern, damit er diese Welt von ihren Sünden erlösen kann. Die Bibelstelle, wo das im alten Testament steht, findet man allerdings nicht so leicht. Stattdessen findet man jede Menge Möglichkeiten, um sich von seinen Sünden zu befreien.

Psalm 51,9

Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee. 

3. Mose 16:6-9

Und Aaron soll einen Stier, sein Sündopfer, darbringen, daß er für sich und sein Haus Sühne schaffe, und danach zwei Böcke nehmen und vor den HERRN stellen an der Tür der Stiftshütte und soll das Los werfen über die zwei Böcke: ein Los dem HERRN und das andere dem Asasel (einem Wüstendämon), und soll den Bock, auf welchen das Los für den HERRN fällt, opfern zum Sündopfer.

Jesaja 6,6-7

Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Im alten Testament gibt es jedoch noch einige Bibelstellen, wo man leicht sehen kann, wie sich das Wort der Propheten erfüllt hat.

Matthäus 27:9-10

Damals erfüllte sich das, was durch Jeremia, den Propheten, gesagt wurde, welcher sprach: "Und sie nahmen die dreißig Silberstücke, den Preis für einen Abgeschätzten, auf den einige der Söhne Israels einen Preis gesetzt hatten, und sie gaben sie für das Feld des Töpfers, so, wie Jehova mir geboten hatte.

Von Bibelkennern wird hier Sacharja 11:12-13 und Jeremia 32:6-9 genannt. Die Stelle in Jeremia muß man allerdings sehr stark auslegen. Es handelt sich nämlich hierbei um ein Feld, das in Anathoth im Lande Benjamin liegt und, das für sieben Schekel und zehn Silberstücke gekauft werden soll.

Die Zeugen Jehovas verweisen daher auf die Bibelstelle in

Sacharja 11:12

Dann sprach ich zu ihnen: "Wenn es gut ist in euren Augen, gebt mir meinen Lohn; wenn aber nicht, so laßt es." Und sie zahlten mir dann meinen Lohn, dreißig Silberstücke.

Sie meinen, warum sie ihm den Lohn zahlten? Das geht aus Sacharja 11:8 hervor.

Sacharja 11:8

Und ich tilgte schließlich drei Hirten in einem Mondmonat aus, da meine Seele allmählich ungeduldig mit ihnen wurde und auch ihre eigene Seele mir gegenüber Ekel empfand.

Na das passt doch auf den barmherzigen Gott und jene drei, die er ans Kreuz schlagen ließ. Kein Wunder, dass die Seele von Jesus Ekel gegenüber dem Dreieinigen empfand.

Fest steht jedenfalls, daß Jesus für dreißig Silberstücke von einem seiner Jünger verraten wurde. Und vielleicht nicht nur von ihm, denn außer Judas gab es noch einige andere Jünger, die nicht hundertprozentig von Jesus überzeugt waren.

Johannes 14:6-9

Jesus sprach zu ihm: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. "Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sprach zu ihm: "Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns." Jesus sprach zu ihm: "So lange Zeit bin ich bei euch gewesen, und dennoch hast du mich nicht kennengelernt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen. Wie kommt es, daß du sagst: Zeige uns den Vater?"

Interessant ist auch, was mit den drei0ig Silberlingen geschah, die Judas für seinen Verrat erhielt. Nach der Apostelgeschichte kauft Judas sich davon einen Acker, was ihn allerdings gut bekommt.

Apostelgeschichte 1,18 - 20
Mit dem Lohn für seine Untat kaufte er (Judas) sich ein Grundstück. Dann aber stürzte er vornüber zu Boden, sein Leib barst auseinander, und alle Eingeweide fielen heraus. (Man kann vermuten, dass man dem Verräter den Bauch aufgeschlitzt hat und wie beim Tod des Ananias hat man dies als Wunder verkauft) Das wurde allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; deshalb nannten sie jenes Grundstück in ihrer Sprache Hakeldamach, das heißt Blutacker. Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Gehöft soll veröden, niemand soll darin wohnen! und: Sein Amt soll ein anderer erhalten! (Ps 69,26; 109,8)

Nach Matthäus kaufen die Priester den Acker, nachdem Judas die Silberlinge in den Tempelgeworfen hat und sich erhängt hat.

Matthäus 27,3 - 10
Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe euch einen unschuldigen Menschen ausgeliefert. Sie antworteten: Was geht das uns an? Das ist deine Sache. (einen unschuldigen Menschen, wörtlich: unschuldiges Blut.) Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich. Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran. Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden. Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker. So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke - das ist der Preis, den er den Israeliten wert war - (Kommentar der Einheitsübersetzung: Sach 11,12f; Jer 18,2f; 32,8f; Ex 9,12 G Das dem Propheten Jeremia zugeschriebene Zitat ist eine freie Verbindung von Stellen aus Sacharja, Jeremia und Exodus Sach 11,12f; Jer 18,2f; 32,8f; Ex 9,12) und kauften für das Geld den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.

Beide Chronisten reklamieren für sich jeweils eine andere Stelle aus dem Alten Testament, die es aber so gar nicht gibt. Beide Chronisten bezeichnen den Acker als Blutacker.

Wer konnte denn schon ahnen, daß Gott sterben kann, und daß das Leben sterben kann (Johannes 14:6), und daß sogar der Tod sterben kann (Offenbarung 20:14).

Und Petrus weiß sogar, dass es von David vorhergesagt wurde, dass Judas ihn verraten würde.

Apostelgeschichte 1,15 - 16
In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder - etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen - und sagte:Brüder! Es mußte sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. (Nur - wo steht dieser Ausspruch im Alten Testament)

Jesus hat es natürlich geahnt.

Lukas 21:37 - 22:2

So lehrte er denn tagsüber im Tempel, nachts aber ging er hinaus und übernachtete an dem Berg, der Ölberg genannt wird. Und frühmorgens kam gewöhnlich alles Volk zu ihm, in den Tempel, um ihn zu hören. Es nahte nun das Fest der ungesäuerten Brote, das sogenannte Passah. Auch suchten die Oberpriester und die Schriftgelehrten Mittel und Wege, wie sie ihn beseitigen könnten, denn sie fürchteten das Volk.

Deshalb wurde Jesus dann auch öffentlich hingerichtet im Unterschied zu Johannes dem Täufer, der immerhin der Sohn des berühmten Propheten Sacharja war (Lukas 1:18-80).

Jesus übernachtete übrigens wahrscheinlich deshalb im Freien am Ölberg, weil es so schön ist, wenn es nachts kalt wird und frühmorgens der Tau die Kleidung durchnäßt. Jesus war eben bescheiden. Nur am Tag vor seiner Hinrichtung ließ er sich im Gastzimmer eines Hauses das Passah-Mahl bereiten (Lukas 22:7- 13). Es folgte nun jenes unvergessliche Abendmahl, das noch heute von allen großen christlichen Kirchen gefeiert wird.

Markus 14:22-26 (Matthäus 26:26-30, Lukas 22:19-20)

Und während sie weiteraßen, nahm er sein Brot, sprach einen Segen, brach es und gab es ihnen und sagte: "Nehmt es, dies bedeutet meinen Leib," Und er nahm einen Becher, sagte Dank und gab ihnen diesen, und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: "Dies bedeutet mein ‘Blut des Bundes’, das zugunsten vieler vergossen werden wird. Wahrlich ich sage euch: Ich werde keinesfalls mehr von dem Erzeugnis des Weinstocks trinken bis zu jenem Tage, an dem ich es neu trinke in dem Königreich Gottes." Nach Lobgesängen gingen sie schließlich hinaus zum Ölberg.

Die Umsetzung dieser Stelle in die kirchliche Liturgie hat allerdings immer schon etwas Schwierigkeiten bereitet, da die Kirche ja kein Wirtshaus ist. Und so feiern die christlichen Kirchen das Abendmahl heute recht unterschiedlich. In der katholischen Kirche nimmt der Pfarrer, stellvertretend für die Gemeinde, ein kleines Schlückchen Wein zu sich. Man darf hier natürlich nicht an 3. Mose 10:8-11 oder an Jeremia 16:8 denken. Es gelten ja jetzt neue Gesetze (Johannes 13:34-35). Jetzt ist Psalm 104:15 die neue Losung.

Die Mormonen legen den Psalm 104:15 etwas anders aus. Hier bekommt man beim Abendmahl einen Plastikbecher mit Wasser auf einem Tablett serviert. Sehr hygienisch!

Im Gegensatz dazu, trinkt bei der evangelischen Kirche die ganze Gemeinde, getreu dem Jesuswort, aus einem Becher. Besonders appetitlich, wenn vor einem eine schrumpelige Oma an dem gleichen Becher genippt hat! So war das jedenfalls noch anfangs der 70iger Jahre.

Bei den Zeugen Jehovas wird an Ostern ein Becher mit Wein gefüllt und herumgereicht. Aber trinken dürfen davon nur jene, die zum Leib Christi gehören. 1959 waren das noch 14511 Zeugen Jehovas. Von Jahr zu Jahr sterben jedoch einige und so kommt es, daß heute in vielen Gemeinden der Zeugen Jehovas der Becher mit dem Wein nur noch herumgetragen wird.

Aber nun zurück zu Jesus.

Johannes 18:1-3

Nachdem Jesus diese Dinge gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus, über den Winterwildbach Kidron hinüber an den Ort (Ölberg Lukas 22:39), wo ein Garten war (Gethsemane Matthäus 26:36), in den er und seine Jünger eintraten. Nun kannte auch Judas, sein Verräter, den Ort, denn Jesus war dort oftmals mit seinen Jüngern zusammengekommen. Daher holte Judas die Abteilung Soldaten und Beamte von den Oberpriestern und von den Pharisäern und kam mit Fackeln und Lampen und Waffen dorthin.

Man wundert sich hier immer wieder, daß die Oberpriester und die Pharisäer nicht wußten, wo Jesus zu finden war, wo er doch, wie Lukas bereits erwähnte, jeden Tag im Tempel predigte. Aber lesen wir dazu noch einmal genau nach, was zum Thema Tempel bei Matthäus steht:

Matthäus 24:1

Als Jesus nun wegging und sich aus dem Tempel begab, traten jedoch seine Jünger herzu, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen.

Diese Jünger scheinen wohl die Geschichte, die in Lukas 2 erwähnt wird, nicht zu kennen. Aber das nur nebenbei.

Lukas 22:36
Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen, und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.

Jesus wird nun gefangengenommen. Die beiden Schwerter, die seine Jünger besaßen (Lukas 22:38), brauchten sie sonst natürlich nur, um sich nachts, wenn Jesus schlief, vor den wilden Tieren zu schützen.

Johannes 18:10

Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es und schlug den Sklaven des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Sklaven war Malchus.

Die Geschichte von dem geheilten Ohr wird leider nicht von allen Evangelisten bezeugt. Hierauf kommen wir nachher noch einmal zu sprechen.

Markus 14:50-52

Und sie alle (die Jünger) verließen ihn und flohen. Aber ein gewisser junger Mann, der ein Kleid aus feiner Leinwand auf dem bloßen Leib trug, begann ihm nahe zu folgen; und man suchte ihn zu greifen, er aber ließ sein leinernes Kleid zurück und entfloh nackt.

Ob der Jünger Jesus auch nackt in die Stadt gefolgt ist, ist nicht überliefert. Petrus jedenfalls folgte ihm in gutem Abstand (Markus 14:54).

Matthäus 26:57 (Markus 14:53, Lukas 22:54)

Die, die Jesus in Gewahrsam nahmen, führten ihn ab zu Kaiphas, dem Oberpriester, wo die Schriftgelehrten und die älteren Männer versammelt waren.

Das heißt laut Johannes führten sie ihn erst zu Annas, denn er war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war (Johannes 18:13).

Bekannt ist, daß Petrus ihn nun dreimal verleugnet hat, und daß danach jedesmal ein Hahn gekräht hat. Weniger bekannt sind jedoch die Personen, gegenüber denen Petrus Jesus verleugnet hat. Hier eine kleine Aufstellung.

Matthäus 26:69-75

1. Dienstmädchen

2. Anderes Mädchen

3. Dabeistehende

Markus 14:66-72

1. Dienstmädchen

2. Nochmal das selbe Dienstmädchen

3. Dabeistehende

 

Lukas 22:56-62

1. Dienstmädchen

2. Jemand anders

3. Ein anderer

Johannes 18:15-27

1. Dienstmädchen (Türhüterin)

2. Dabeistehende

3. Ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte.

Die Geschichte von dem Ohr, das Jesus geheilt hatte, hatte sich eben noch nicht überall rundgesprochen. Lesen wir doch die Geschichte noch einmal nach.

Johannes 18:25-27

Simon Petrus nun stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: "Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?" Er leugnete es und sprach: "Ich bin es nicht." Einer von den Sklaven des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: "Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?" Petrus jedoch leugnete es wieder; und sogleich krähte ein Hahn.

Petrus mußte sich also vor jenem Mann fürchten, der eines der Wunder Jesu erlebt hatte. War wohl doch nicht ganz so wundervoll, das Wunder.

Wie heißt es doch in

Sprüche 25:18
Keule und Schwert und scharfer Pfeil: das ist einer, der falsch aussagt gegen seinen Nächsten.

Na, wenn das nicht auf Petrus passt. 

Jesus wird inzwischen vom Hohen Rat verhört.

Das Zerreißen der Kleider und zwar nur der inneren Kleider galt als Besiegelung des Urteilsspruchs (siehe 2. Könige 18:37). Stelle und Länge des Risses waren genau vorgeschrieben, ein kleiner Riß in den Unterkleidern (siehe Talmud Siifre Levitikus 24,11; Sanhedrin7:5, Sanhedrin 60a; j Sanhedrin 7,25a; Moed Katan 25b). Markus berichtet korrekt vom Zerreißen des Unterkleids. Nach 2. Mose Kapitel 18 stand Moses und damit der Priesterschaft nur in besonderen Fällen die Gerichtsbarkeit zu, nämlich bei der Einsetzung (Bestätigung, Salbung) der Richter. Der Hohepriester durfte weder trauern noch Recht sprechen. Dies war das Privileg der Exekutive. Dies besagt die Stelle in 3. Mose 21:10. Die Einnahmen aus der aus der Gerichtsbarkeit flossen in die Taschen der Stammesführer. Da ging es um viel Geld. Samuel z. B. war unter dem Priester Eleasar als Prophet und Richter anerkannt (1. Samuel 7:1- 6). Seinen Söhnen entzog der Ältestenrat das Richteramt wegen Gewinnsucht und Rechtsbeugung (1. Samuel 8:4). Es wird wohl so gewesen sein, daß der Hohepriester bei der Verurteilung von Jesus als Kläger befragt worden ist und daher auch kein Grund bestand sein Unterkleid zu zerreißen.

Matthäus 26:65

Da zerriß der Hohepriester seine äußeren Kleider und sprach: "Er hat gelästert! Wozu brauchen wir weiter Zeugen? Seht! Jetzt habt ihr die Lästerung gehört.

Was ist eure Meinung?"

Hierbei wundert man sich vor allem darüber, daß keinem der anwesenden Schriftgelehrten die Gesetzesübertretung des Hohenpriesters aufgefallen ist.

3. Mose 21:10

Und was den Hohenpriester von seinen Brüdern betrifft, auf dessen Haupt das Salböl ausgegossen wurde, und dessen Hand mit Macht gefüllt wurde, um die Kleider zu tragen, er sollte sein Haupthaar nicht ungepflegt hängen lassen, und er sollte seine Kleider nicht zerreißen.

Daß der Hohepriester sich hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Blöße gibt, ist eines der Wunder, über das wir uns noch heute wundern können.

Markus 14:57-59

Auch erhoben sich einige und legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, indem sie sprachen: "wir hörten ihn sagen: ‘Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht wurde, niederreißen, und in drei Tagen will ich einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.’" Doch auch darin stimmte ihr Zeugnis nicht überein.

Was hat Jesus nun wirklich gesagt?

Johannes 2:18

Die Juden gaben ihm daher zur Antwort: "Welches Zeichen kannst du uns zeigen, da du diese Dinge tust?" Als Antwort sagte Jesus zu ihnen: "Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten." Deshalb sagten die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren aufgebaut worden und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?" Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes (aber das wußten die Jünger damals noch nicht). Als er jedoch von den Toten auferweckt worden war, kam es seinen Jüngern in den Sinn, daß er dies wiederholt gesagt hatte; und sie glaubten der Schrift und dem Worte, das Jesus gesprochen hatte.

Jesus hat allerdings auch nichts unternommen, um dieses Mißverständnis aufzuklären.

Für den Hohen Rat war Jesus natürlich längst schuldig. Wer Gesetze, wie z. B. das Scheidungsrecht ändern will, muß erst einmal die Autorität dazu besitzen.

Matthäus 5:31

Außerdem ist gesagt worden (von "Gott" durch Moses in 5. Mose 24:1-41): Wer immer seine Frau durch Scheidung entläßt, der gebe ihr ein Scheidungszeugnis. Doch ich sage euch, daß jeder, der seine Frau durch Scheidung entläßt, ausgenommen wegen Hurerei, sie dem Ehebruch aussetzt, da jeder, der eine Geschiedene heiratet, Ehebruch begeht.

Man kann sich darüber streiten, ob das Gesetz von Mose oder das Gesetz von Jesus mehr den Bedürfnissen der Menschen entspricht. Es steht jedoch fest, daß sich, trotz des Widerstands der christlichen Kirchen, ein dem Scheidungsrecht des Moses ähnliches Gesetz durchgesetzt hat. Jesus hat sich auch nirgends für die Einehe ausgesprochen und trotzdem hat sich diese im europäischen Kulturraum durchgesetzt.

Eine Änderung der Gesetze ist schließlich nur dann erforderlich, wenn sich die Menschheit geändert hat oder sich zumindest die Lebensbedingungen der Menschen verschlechtert haben. Durch Gesetze kann man die Lebensbedingungen der Menschen verändern. Bei einer so vollkommenen Gesetzgebung sollte dies eigentlich garnicht notwendig sein.

In einem Priesterstaat, wie dem damaligen Israel, war selbstverständlich jeder, der die Gesetze Moses (Gottes) ändern wollte, eine Gefahr für den Staat (siehe 5. Mose 28:15-68). Und, wenn jemand noch dazu Behauptungen, wie in Matthäus 26:64, aufstellte, dann mußte er damit rechnen, daß man ihn beim Wort nahm.

Matthäus 26:64

Jesus sprach zu ihm : "Du selbst hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen."

Aus den folgenden Reaktionen des Hohenpriesters und des Hohen Rats geht hervor, daß sie Jesus nicht in den Wolken gesehen haben. Vielleicht nahmen ihnen die Rauchschwaden von dem Kohlenfeuer (Johannes 18:18) im Hof die Sicht, an dem sich gerade Petrus aufwärmte.

So kam es zur Verurteilung von Jesus.

Markus 14:64

"Ihr habt die Lästerung gehört. Was scheint euch?" Sie alle verurteilten ihn als des Todes schuldig.

Joseph aus Arimathia hat man offenbar überhört.

Lukas 23:50-51

Und siehe! ein Mann namens Joseph, der ein Ratsmitglied war, ein guter und gerechter Mann - dieser hatte ihrem Anschlag und ihrer Handlungsweise nicht zugestimmt - , er war von Arimathia, einer Stadt der Judäer, und er wartete auf das Königreich Gottes.

Jesus wurde nun zu Pilatus geführt, d. h. nach Lukas 23:8 freute sich erst noch Herodes ihn zu sehen, denn er hatte schon viel von ihm gehört und hoffte irgendein Zeichen von ihm getan zu sehen.

Pilatus nun findet keine Schuld an ihm (Johannes 19:6), deshalb ist Jesus dann auch von seinen Soldaten hingerichtet worden. Ist doch logisch oder?

Matthäus 27:19

Während er auf dem Richterstuhl saß, sandte überdies seine Frau zu ihm und ließ sagen: "Habe nichts mit diesem gerechten Menschen zu schaffen, denn ich habe heute seinetwegen in einem Traum viel gelitten."

Allerdings hat seine Frau nur bei Matthäus geträumt. Die anderen Evangelisten berichten darüber nichts.

Matthäus 27:15-16

Nun war es von Fest zu Fest Brauch, daß der Statthalter der Volksmenge einen Gefangenen, den sie haben wollte, freigab. Gerade zu jener Zeit hatte man einen berüchtigten Gefangenen, der Barrabas hieß.

Nach Johannes 18:40 war Barrabas ein Räuber. Bei Markus 15:7 und Lukas 23:18-19 war er ein Mann, der bei einem Aufstand, der in der Stadt vorgekommen war, einen Mord begangen hatte. Aber vielleicht war er beides, ein Räuber und ein Aufständischer.

Matthäus 27:20

Doch die Oberpriester und die älteren Männer überredeten die Volksmengen, um Barrabas zu bitten, Jesus dagegen umzubringen.

Die durch Wunder Geheilten haben sich offenbar nur gewundert.

Matthäus 27:24-26

Da Pilatus sah, daß es nichts nützte, sondern daß vielmehr ein Aufruhr entstand, nahm er Wasser und wusch seine Hände vor der Volksmenge und sprach: "Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache. Darauf erwiderte alles Volk: "Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder." Dann gab er ihnen Barrabas frei, Jesus aber ließ er auspeitschen und lieferte ihn aus, damit er an den Pfahl gebracht werde.

Nach Lukas 23:16 und Johannes 19:1 übernimmt er sogar freiwillig das Auspeitschen.

Jesus muß nun seinen letzten schweren Gang antreten.

Lukas 23:26 (Markus 15:21, Matthäus 27:32)

Als sie ihn nun abführten, ergriffen sie Simon, einen von Kyrene Gebürtigen, der vom Lande herkam, und sie legten den Marterpfahl auf ihn, damit er ihn hinter Jesus hertrage.

Nach Johannes war der Gang nach Golgatha etwas schwerer.

Johannes 19:17

Und selbst den Marterpfahl tragend, ging er hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf hebräisch Golgatha genannt wird.

Das tragische Ende von Jesus schildern alle Evangelisten und von allen sind uns seine letzten Worte überliefert, die er sprach, kurz bevor er verschied.

Matthäus 27:46 (Markus 15:34)

Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme und sprach: "Eli, Eli, lama sabachtani?", das heißt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Lukas 23:46

Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach. "Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an."

Johannes 19:30

Als Jesus nun den saueren Wein empfangen hatte, sagte er: "Es ist vollbracht!" Und sein Haupt neigend übergab er seinen Geist.

Mit den Worten "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ..." fängt übrigens auch der Psalm 22 an. Vielleicht wundert sich mancher darüber, daß nicht alle Evangelisten diesen Vers gehört haben. So etwas kommt jedoch in der Bibel häufiger vor.

Johannes 12:28-29

"Vater, verherrliche deinen Namen." Darum kam eine Stimme vom Himmel: "Ich habe ihn verherrlicht und ich will ihn wieder verherrlichen." Daher sagte die Volksmenge, die dabeistand und es hörte, es habe gedonnert. Andere begannen zu sagen: "Ein Engel hat zu ihm geredet."

Apostelgeschichte 22:6-9

Als ich (Paulus) aber hinreiste und sich Damaskus näherte, da umblitzte mich um die Mittagszeit plötzlich aus dem Himmel ein großes Licht und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme zu mir sagen: "Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" Ich antwortete: ‘Wer bist du, Herr ?’ Und er sprach zu mir: "Ich bin Jesus, der Nazarener, den du verfolgst." Die Männer nun, die bei mir waren, sahen zwar das Licht, hörten aber die Stimme dessen nicht, der zu mir redete. (Mehr dazu unter Gottesbild und Weltbild im alten Israel)

Paulus war danach einige Tage blind. Diese vorübergehende Blindheit kann man übrigens auch bei Leuten beobachten, die einen Stromschlag erlitten haben. Meine Vermutung daher: Paulus kam mit seinen Gefährten in ein Gewitter.

Man fragt sich natürlich, warum die Männer, die bei Paulus waren, nicht auch gleich zum Glauben gefunden haben. Aber da verweist schon Johannes 12:40 auf Jesaja 6:9-10.

Johannes 12:39-40

Der Grund, weshalb sie nicht glauben konnten, ist, da Jesaja wiederum sagte: "Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie mit den Augen nicht sehen und mit dem Herzen den Gedanken erfassen und umkehren und ich sie heilen werde."

Eine ähnliche Argumentation findet sich auch bei Mose.

2 Mose 7:3-4

Was mich (Gott) betrifft, ich werde das Herz des Pharao verstockt werden lassen, und ich werde gewißlich meine Zeichen und meine Wunder im Land Ägypten mehren. Und Pharao wird nicht auf euch hören; und ich werde meine Hand auf Ägypten legen und meine Heere, mein Volk, die Söhne Israels, mit großen Gerichten aus dem Land Ägypten hinausführen müssen.

Aber kommen wir noch einmal auf die Stelle in Jesaja zurück. Jesaja gibt nämlich auch noch eine Antwort auf die Frage, wie lange es noch Ungläubige geben wird.

Jesaja 6:11

Da sprach ich: "Wie lange, o Jehova?" Darauf sprach er: "Bis die Städte tatsächlich in Trümmer zusammenbrechen, um ohne Bewohner zu sein, und die Häuser ohne Erdenmenschen sind, und der Erdboden selbst zu einer Einöde verderbt ist.

Das stimmt! Wenn es keine Menschen mehr gibt, dann gibt es auch keine Ungläubigen mehr. Lesen wir noch zum Vergleich

1. Mose 8:21

Und Jehova begann einen beruhigenden Wohlgeruch zu riechen, und so sprach Jehova in seinem Herzen: "Nie wieder werde ich des Menschen wegen Übles auf den Erdboden herabrufen, weil die Neigung des Menschenherzens böse ist von seiner Jugend an; und nie wieder werde ich alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe."

Aber lassen wir doch diese alten Geschichten.


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