Jesus von Nazareth
Teil 7


Textmarken: Widersprüche bei der Auferstehung,    Auferstehung macht hungrig,    Zweifel an der Glaubwürdigkeit,    Die Entwicklung des Auferstehungsgedankens,    Der Odem Gottes als Leihgabe,    Die leibliche Auferstehung,    Die geistige Wiedergeburt in anderen Personen,    Die Auferstehung mit einem geistigen Leib,    Die Rekonstruktion der Auferstehung Jesu,    Was geschah beim Pfingstwunder?


Widersprüche bei der Auferstehung

Einig sind sich die Evangelisten, daß ein reicher Mann von Arimathia, namens Joseph, sich bei Pilatus die Genehmigung holte, Jesus in seiner Grabstätte bestatten zu dürfen. (Matthäus 27:58, Markus 15:43, Lukas 23:52, Johannes 19:38).

Nach Lukas 23:50-51 war er ein guter und gerechter Mann. Im Lied vom Gottesknecht (Jesaja 53) wird jedoch prophezeit:

Jesaja 53:9-10

Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war. Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.

Für die Einbalsamierung stiftet Nikodemus, der das erste Mal bei Nacht zu ihm gekommen war, eine Rolle Myrrhe und Aloe, ungefähr hundert Pfund davon (Johannes 19:39). War Nikodemus vielleicht derjenige, der nackt nach Hause gelaufen ist (Markus 14:31). Nun, es ist schwierig das heute nach so vielen Jahren noch festzustellen.

Nach dem Johannes-Evangelium wird Jesus sofort einbalsamiert.

Johannes 19:40

Da nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn mit Binden samt Spezereien, so wie es bei den Juden Sitte ist, ein Begräbnis vorzubereiten.

Das Lukas-Evangelium berichtet dagegen, daß Jesus erst einmal nur in ein Tuch gewickelt und in die Felsengruft gelegt wurde. Die Spezereien müssen erst einmal aufbereitet werden. Am ersten Tag der Woche gehen dann die Frauen mit den Spezereien zum Grab (Lukas 23:53-24:1).

Markus 16:1

Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome, Gewürze um hinzugehen und ihn einzusalben. Und ganz früh am ersten Tag der Woche kamen sie zur Gedächtnisgruft, als die Sonne aufgegangen war.

Bei Matthäus wird Jesus auch nur in eine Leinwand gewickelt und in die Felsengruft gelegt. Nach dem Sabbat, am ersten Tag der Woche kamen dann Maria Magdalene und die andere Maria, um das Grab zu besehen.

Wiederum einig sind sich die Evangelisten darüber, daß Maria Magdalene ganz früh zum Grab von Jesus ging, wenngleich nicht in jedem Evangelium alle ihre Begleiterinnen erwähnt werden.

Doch wie viele Engel sahen nun die Frauen am Grab und wo befanden sich die Engel?

Matthäus 28:2

Und siehe! ein großes Erdbeben hatte sich ereignet; denn Jehovas Engel war vom Himmel herabgestiegen und herzugetreten und hatte den Stein weggewälzt und saß darauf.

Durch das Erdbeben muß der Stein wohl nach innen gerollt sein, denn Markus berichtet:

Markus 16:5

Als sie in die Gedächtnisgruft eintraten, sahen sie einen jungen Mann, mit einem weißen, langen Gewand bekleidet, auf der rechten Seite sitzen, und waren bestürzt.

Hier handelte es sich natürlich nicht um Einbildung, sondern um eine echte Vision. Dies bestätigt auch Lukas, denn bei Lukas sahen die Frauen statt einem sitzenden Engel zwei stehende Engel.

Lukas 24:2-3

Sie fanden aber den Stein von der Gedächtnisgruft weggewälzt, und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Als sie darüber in Verlegenheit waren, siehe! da standen zwei Männer in blitzender Kleidung bei ihnen.

Keiner dieser beiden jungen Männer war jedoch Jesus, wie aus den folgenden Versen hervorgeht. Er erscheint zuerst Maria Magdalene.

Markus 16:9-11

Nachdem (Jesus) früh am ersten Tag der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalene, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie ging und berichtet es denen, die bei ihm gewesen waren, da sie trauerten und weinten. Doch als sie hörten, daß er zum Leben gekommen und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht.

Maria Magdalene galt wohl als nicht besonders glaubwürdig, denn man kann annehmen, daß sie unter epileptischen Anfällen (Dämonen) litt. Lukas 8:2 bestätigt, daß Jesus aus Maria Magdalene 7 Dämonen ausgetrieben hat.

Und, was sah nun Maria Magdalene bei Johannes.

Johannes 20:1-10

Am ersten Tag der Woche kam Maria Magdalene in der Frühe, als es noch dunkel war, zur Gedächtnisgruft, und sie sah den Stein bereits von der Gedächtnisgruft weggenommen. Daher lief sie und kam zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, zu dem Jesus Zuneigung hatte, und sie sagte zu ihnen: "Sie haben den Herrn aus der Gedächtnisgruft weggenommen und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben."

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und machten sich auf den Weg zur Gedächtnisgruft. Ja, die beiden begannen miteinander zu laufen; doch der andere Jünger lief mit größerer Eile dem Petrus voraus und erreichte die Gedächtnisgruft zuerst. Und sich nach vorn bückend, sah er die Binden daliegen, doch er ging nicht hinein. Dann kam auch Simon Petrus, der ihm folgte, und er ging in die Gedächtnisgruft hinein. Und er sah die Binden daliegen, auch das Tuch, das auf seinem Haupt gewesen war, nicht bei den Binden liegend, sondern an einer Stelle für sich zusammengerollt. Jetzt ging daher auch der andere Jünger, der die Gedächtnisgruft zuerst erreicht hatte, hinein und er sah und glaubte (daß man Jesus weggenommen hatte). Denn sie verstanden das Schriftwort noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müsse (Jesaja 53:9-10). So kehrten denn die Jünger in ihre Häuser zurück.

Die Jünger haben sich offenbar inzwischen einige Bungalows gemietet, aber lesen wir weiter.

Johannes 20:11-12

Maria aber blieb draußen in der Nähe der Gedächtnisgruft stehen und weinte. Dann, während sie weinte, bückte sie sich nach vorn, um in die Gedächtnisgruft hineinzublicken, und sie sah zwei Engel in Weiß dasitzen, einen zu Häupten und einen zu Füßen der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte.

Das waren natürlich nicht die Jünger, die hätte sie ja sicher erkannt, so wie sie Jesus dann erkannt hat.

Johannes 20:14

Nachdem sie diese Dinge gesagt hatte, wandte sie sich rückwärts und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war.

Vielleicht hat ihr da gerade die Sonne in ihre verweinten Augen geschienen. Maria Magdalene hat ihn dann natürlich wiedererkannt, zuerst als Gärtner, dann als Lehrer und dann als ihren Herrn (Johannes 20:15-18).

Außerdem ist es ja anderen Jüngern, die Jesus nach der Auferstehung gesehen haben, ganz ähnlich ergangen. Sie haben ihn einfach nicht erkannt.

Johannes 21:4

Indes, als es gerade Morgen wurde, stand Jesus am Strand, doch erkannten die Jünger natürlich nicht, daß es Jesus war.

Jesus frühstückt dann mit ihnen zusammen einen Fisch, was auch Lukas bezeugt (Lukas 24:42). Bei Lukas zeigt er ihnen auch noch seine Wunden: Da stellt sich natürlich die Frage: Wieso ist Jesus nicht unversehrt auferstanden? Hat er vielleicht die Kreuzigung schwer verletzt überlebt?

Lukas 24:39

Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst es bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe.

Es ist natürlich sichergestellt, daß Jesus tot war.

Markus 15:44

Pilatus aber wunderte sich, daß er schon tot sei, rief den Offizier herbei und fragte ihn, ob er schon gestorben sei. Nachdem er sich also durch den Offizier vergewissert hatte, überließ er Joseph den Leichnam.

Bestechung war da völlig ausgeschlossen.

Matthäus 28:12-15

Und nachdem sich diese mit den älteren Männern versammelt und Rat gehalten hatten, gaben sie den Soldaten eine genügende Anzahl Silberstücke und sprachen: "Sagt: ‘Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen.’ Und wenn dies dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn bereden und veranlassen, daß ihr ohne Sorge sein könnt." Da nahmen sie die Silberstücke und taten, wie sie angewiesen worden waren; und dieses Wort ist unter den Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag.

Ja, die Wachen haben hier Jesus auf recht lukrative Art verleugnet. Aber mußten sie nicht fürchten, daß sich Jesus vor dem ganzen Volk zeigt und sie dann als Betrüger dastehen?

Die Wachen hatte Pilatus auf Bitten der Pharisäer und Oberpriester einen Tag nach der Hinrichtung aufstellen lassen. Es steht zwar nicht in der Bibel, ob die Wachen nachgesehen haben, ob Jesus noch in der Gedächtnisgruft lag. Aber sie versiegelten den Stein (Matthäus 27:66).

Die Jünger haben natürlich nie daran gedacht, Jesus zu stehlen.

Matthäus 27:59-61

Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine, feine Leinwand und legte ihn in seine neue Gedächtnisgruft, die er im Fels gehauen hatte. Und nachdem er einen großen Stein an die Türöffnung der Gedächtnisgruft gewälzt hatte, ging er weg. Maria Magdalene und die andere Maria aber blieben dort vor dem Grabe sitzen (nach Markus 16:1 entdecken sie später das leere Grab).

Eine Familiengruft, die von einem Mann (Joseph von Arimathia) geschlossen werden konnte, ist natürlich nicht so leicht von zwei Frauen zu öffnen. Das Hebelgesetz, das Archimedes schon ein paar Jahrhunderte früher kannte, war diesen beiden Damen garantiert unbekannt.

Markus 16:3

Und sie sagten zueinander: "Wer wird uns den Stein von der Türöffnung der Gedächtnisgruft wegwälzen?"

Doch nicht etwa die Wachen? Die Frauen erfuhren ja erst nachdem die Wachen weggelaufen waren, daß Wachen aufgestellt worden waren. Matthäus ist übrigens der einzige Evangelist, der die Wachen erwähnt. Eigentlich waren die Wachen unnötig, denn, wenn die Jünger damals einem Pharisäer gegenüber behauptet hätten, daß Jesus auferstanden ist, dann hätte sie der Pharisäer doch gefragt, wo man denn dieses Weltwunder besichtigen kann.

Aber was bedeuten schon diese paar kleinen Unterschiede in den Evangelien. Man soll doch die Evangelien nicht miteinander vergleichen, sondern man soll an sie glauben, weil sie so unwahrscheinlich glaubwürdig sind. Es handelt sich doch bei den Evangelien um eine einzigartige Sammlung von Jesusworten. Man muß ja nicht gerade die Worte zitieren, die Jesus zu Maria Magdalene nach seiner Auferstehung gesagt hat, und die in jedem der Evangelien anders nacherzählt werden. Über den Ort an dem Maria Magdalene Jesus nach seiner Auferstehung zum ersten Mal gesehen hat, sind sich die Evangelisten ja auch nicht einig. Aber wer wird denn schon so kleingläubig sein?

Matthäus 28:16

Die elf Jünger dagegen gingen nach Galiläa zu dem Berge, wohin Jesus sie (nach seiner Auferstehung) bestellt hatte, als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten.

Für das Volk, das Jesus angeblich so verehrt hatte, gab es noch ein anderes Zeichen.

Matthäus 27:52

Und die Gedächtnisgrüfte wurden geöffnet, und viele Leiber der Entschlafenen Heiligen wurden aufgerichtet und Leute, die nach seiner Auferweckung von den Gedächtnisgrüften herkamen, gingen in die heilige Stadt, und sie wurden vielen sichtbar.

Die Leute haben diese Heiligen natürlich auch ohne Foto sofort wiedererkannt.

Als Erklärung dafür wird manchmal Johannes 5:24 genannt. "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer auf mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen." Dazu muss man aber wissen, dass in Römer 7:4 steht: "Ebenso seid auch ihr, meine Brüder, durch das Sterben Christi tot für das Gesetz, so daß ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde; ihm gehören wir, damit wir Gott Frucht bringen."

Jesus hat ja den Tod besiegt. Der Tod muß dann allerdings irgendwann wieder auferstanden sein und das, obwohl Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung versichert:

Matthäus 28:18

... "Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben worden."

In diesem Zusammenhang sollte man sich erinnern, was Jesus noch kurz vor seinem Tod gesagt hat.

Markus 13:21-23

Wenn dann auch jemand zu euch sagt: ‘Siehe! Hier ist der Christus, Siehe! dort ist er,’ Glaubt es nicht. Denn falsche Christusse und falsche Propheten werden aufstehen und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich die Auserwählten irreführen. Seht euch also vor; ich habe euch alles vorhergesagt.

 

Zweifel an der Glaubwürdigkeit

Das Markusevangelium endet nach alter Überlieferung mit Markus 16:8. 

Markus16:8

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Und sie sagten niemandem etwas . . . Wer wusste also zu der Zeit als das Evangelium geschrieben wurde von der merkwürdigen Erscheinung jenes Jünglings, der den beiden Frauen, Maria Magdalena und Maria, der Mutter des Jakobus, verkündete, Jesus sei auferstanden. Niemand! Denn die beiden Frauen sagten es niemand. Die Geschichte, die Markus hier erzählt, war also auch für die wundergläubigen Anhänger jenes Jesus neu. Und man fragt sich, wie Markus sie erfahren hat. Der Verdacht liegt nahe, dass er selbst die Geschichte erfunden hat, um so sein Buch besser verkaufen zu können. Die beiden Frauen lebten zu jener Zeit als die Evangelien niedergeschrieben wurden vermutlich nicht mehr, so konnte sie auch niemand mehr befragen.

Zwei der Auferstehungszeugen bei Markus werden nicht namentlich genannt. Erst Lukas macht aus dem einen Satz bei Markus (Markus 16:12) die Geschichte mit den Emmaus-Jüngern. 

Auch bei Johannes sind die Auferstehungsberichte angehängt. Dies ergibt sich aus:

Johannes 19:40-42 
Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie die Juden zu begraben pflegen. Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.

Die Jünger hatten ihn also einbalsamiert und begraben. Es bestand also kein Grund das Grab in den folgenden Tagen noch einmal wegen des Verwesungsgeruchs zu besuchen. Deshalb wird in anderen Berichten die geplante Einbalsamierung auf den Zeitpunkt nach der Auferstehung verschoben.

 

Die Entwicklung des Auferstehungsgedankens

 

Der Odem Gottes als Leihgabe

Nach 1. Mose 6,3 ist der Lebensgeist Gottes (Odem Gottes) nur eine Leihgabe für maximal 120 Jahre, die dem Menschen bei seiner Geburt / Schöpfung über die Nase eingeblasen wird (1. Mose 2, 7; 1. Mose 7,22 Alles, was auf der Erde durch die Nase Lebensgeist atmete, kam um.) Im Pentateuch gibt es daher nirgends den Gedanken an eine Auferstehung.

Diese Auffassung vom Leben als Leihgabe Gottes vertritt auch der Psalmist.

Psalm 104:29

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.

Der Autor der Prediger Texte wirft immerhin schon die Frage auf, ob es eine Welt über uns und eine Welt unter der Erde gibt. Aber die Lebenskraft, der Odem, bleibt auch für ihn eine Gabe Gottes.

Prediger 3:19-21

Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: wie dies stirbt, so stirbt auch er, und sie haben alle einen Odem, und der Mensch hat nichts voraus vor dem Vieh; denn es ist alles eitel. Es fährt alles an einen Ort. Es ist alles aus Staub geworden und wird wieder zu Staub. Wer weiß, ob der Odem der Menschen aufwärts fahre und der Odem des Viehes hinab unter die Erde fahre?

Auch in der Apokalypse des Jesaja wird dem Menschen in der Gemeinschaft mit Gott auf seinem heiligen Berg nur das volle Alter versprochen.

Jesaja 65,20
Dort gibt es keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht (Das volle Alter beträgt lt 1. Mose 6,3 120 Jahre); wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als verflucht.
(Sacharia 8,4)

 

Die leibliche Auferstehung

Hesekiel dachte sich den Lebensgeist (Odem) als einen Dämon, den er den Winddämonen zuordnete. Hesekiel (Ezechiel) glaubte, wie viele Israeliten seiner Zeit, an Winddämonen. In einer Vision beschreibt er, wie ein ganzes Heer aus den bereits vermoderten Gebeinen wieder zu neuem Leben erwacht.

Hesekiel 37:5-10

So spricht Gott der HERR zu diesen Gebeinen: Siehe, ich will Odem in euch bringen, daß ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Odem geben, daß ihr wieder lebendig werdet; und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin. Und ich weissagte, wie mir befohlen war. Und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und siehe, es regte sich, und die Gebeine rückten zusammen, Gebein zu Gebein. Und ich sah, und siehe, es wuchsen Sehnen und Fleisch darauf, und sie wurden mit Haut überzogen; es war aber noch kein Odem in ihnen. Und er sprach zu mir: Weissage zum Odem; weissage, du Menschenkind, und sprich zum Odem: So spricht Gott der HERR: Odem, komm herzu von den vier Winden (den vier Winddämonen) und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer.

So wurde der Gedanke von der leiblichen Auferstehung zu einem Bestandteil der jüdischen Religion. Allerdings nicht unumstritten! Kommentar der Einheitsübersetzung zu Matthäus 22,23-33: Zur Zeit Jesu hofften die Pharisäer und ein großer Teil des jüdischen Volkes auf eine allgemeine Auferstehung der Toten am Ende der Zeit; die Sadduzäer lehnten diese Vorstellung ab.

Nach Matthäus 27:52-53 gibt es demgemäß eine Auferstehung aller Toten, die mit der leiblichen Auferstehung Jesu schon geschehen ist. Wobei er diesen Leib als unsterbliche Engelsgestalt versteht. (Matthäus 22,30)

Matthäus 27:52-53
Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

Paulus brandmarkt allerdings genau dies als gottloses Geschwätz:

2. Timotheus 2, 15 - 18
Bemüh dich darum, dich vor Gott zu bewähren als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, als ein Mann, der offen und klar die wahre Lehre vertritt. Gottlosem Geschwätz geh aus dem Weg; solche Menschen geraten immer tiefer in die Gottlosigkeit, und ihre Lehre wird um sich fressen wie ein Krebsgeschwür. Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetus (1. Timotheus 1, 20), die von der Wahrheit abgeirrt sind und behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen. So zerstören sie bei manchen den Glauben.

Die Vorstellung von dem lebendig machenden Odem (Windhauch), der den Körper beim Tod verlässt, finden wir auch bei allen Evangelisten.

Matthäus 27,50 (Markus 15,37)
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

Lk 23,46
. . . und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.

Johannes 19,30
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf. (Kommentar der Einheitsübersetzung: Wörtlich: er übergab den Geist (das pneuma). - Geist (pneuma) ist hier wie Joh 11,33; 13,21 als das Lebensprinzip, die Lebenskraft, die Seele Jesu zu verstehen.)

Johannes 20,22
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
 

 

Die geistige Wiedergeburt in anderen Personen

Diese Vorstellung baut darauf auf, dass der Geist eines Menschen in einem anderen Menschen wirksam wird. Eine Vorstellung, die uns allen in der Vorstellung der Übernahme des geistigen Erbes in der nachfolgenden Generation geläufig ist. Wir bauen ja alle auf dem Wissen auf, das uns unsere Vorfahren überliefert haben. Dieser Gedanke wird in der Bibel mit der Wiedergeburt des Geistes des Elija in Elischa und später dann in Johannes und Jesus verknüpft. Paulus sieht sich selbst wohl ebenfalls als den wiedergeborenen Christus.

Schon Elija und Elische wirkten Wunder, zum Teil die gleichen Wunder, die Jesus später wirkte. Auch Paulus werden Heilungswunder (z. B. Apostelgeschichte 16,18) und eine Totenerweckung (Apostelgeschichte 20,10) zugeschrieben. Zu den Parallelen zu den Wundern von Jesus siehe  Jesus Teil 3.

Die "Auferstehung" des Elija in Elischa wird in 2. Könige 2,11-15 so erzählt.

2. Könige 2,11-15
Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor. Elischa sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und sein Lenker! Als er ihn nicht mehr sah, fasste er sein Gewand und riß es mitten entzwei. Dann hob er den Mantel auf, der Elija entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. Er nahm den Mantel, der Elija entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der Herr, der Gott des Elija? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten, und Elischa ging hinüber. Die Prophetenjünger von Jericho, die in der Nähe standen, sahen ihn und sagten: Der Geist des Elija ruht auf Elischa. Sie kamen ihm entgegen und warfen sich vor ihm zur Erde nieder.

Dieser Gedanke der geistigen Wiedergeburt taucht in mehreren Evangelien auf. Bei Markus fragen sich die Jünger, ob Jesus der wiedergeborene Elia ist oder gar der Messias. Jesus lässt dies offen.

Markus 8, 27-30
Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

Markus 6,14-16 (Matthäus 16,14, Matthäus 14,1f; Lukas 9,7-9)
Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten. Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden.

Jesus bestätigt die geistige Wiedergeburt des Propheten Elija.

Matthäus 17,10-13 (Markus 9,11-13; Lukas 1,17)
Da fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen. Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.

Bei Lukas verkündet der Erz-Engel Gabriel dem staunenden Zacharias natürlich ohne Zeugen, sein Sohn werde mit dem Geist und der Kraft des Elija zum Wegbereiter des Messias (Lukas 1,11-20).

Der Gedanke einer geistigen Wiedergeburt in anderen Personen würde erklären, warum die Jünger Jesus nach seiner Auferstehung nicht sofort erkennen, wie oben gezeigt wurde.

Zu diesem Gedanken passt auch jene Stelle im Matthäusevangelium, wo Jesus sagt: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20)

Bezeichnend ist, dass Jesus bei den Synoptikern (Markus, Matthäus und Lukas) erst nach der Taufe durch Johannes den Täufer und nach dessen Gefangennahme seine Tätigkeit aufnimmt, während er im Johannes-Evangelium zur gleichen Zeit wirkt.

Die Apostel begründen später ihre Machtstellung mit der Ausgießung des Geistes Jesu beim Pfingstereignis. Nach Petrus waren hiermit die letzten Tage der Menschheit gekommen.

Apostelgeschichte 2,14-21
Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen; sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. (Joël 3,1-5) Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein. Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und qualmenden Rauch. Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und herrliche Tag. Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet.

Der Gedanke wird dann bei Paulus weiterentwickelt zum Leib Christi, womit er alle meint, die als Christen getauft sind und im Geiste Christi handeln.

Römer 12,4-5
Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, (1 Kor 12,12.27f; Eph 1,23) so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.

 

Die Auferstehung mit einem geistigen Leib

Im Römerbrief weckt Paulus noch die Hoffnung auf eine Auferstehung des Leibes.

Römer 8,11
Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Im Korintherbrief spricht Paulus dann von einem geistigen Leib.

1.Korinther 15:44

Es wird gesät ein physischer Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib.

Paulus begründet dies mit einem Vergleich, der jedem Biologen die Haare zu Berge stehen läßt:

1.Korinther 15:36-38

...Was du säst wird nicht lebendig gemacht, es sterbe denn zuvor; und hinsichtlich dessen, was du säst: Du säst nicht den Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es vom Weizen, sei es von irgendeiner der übrigen Samenarten; Gott aber gibt ihm einen Körper, so wie es ihm gefallen hat, und jeder der Samenarten ihren eigenen Körper.

Ein Samenkorn ist natürlich keineswegs tot. Chemische Veränderungen finden auch im Samen statt. Manche Samen brauchen, um keimen zu können, eine Kälteperiode. Das "schlafende Leben" (Samen, tiefgeforene Mikroorganismen, tiefgefrorenes Sperma) ist heute ein Problem für die Theologie. Hier ist Leben auf Abruf.

1. Korinther 15,45-51
So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendig machender Geist. (Gen 2,7 Wörtlich: Adam, der Erste Mensch, wurde ein lebendiges Wesen (vgl. Gen 2,7; 3,19). Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische. Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel. (Gen 2,7) Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. (Wörtlich: Wie der Irdische, so auch die Irdischen, und wie der Himmlische, so auch die Himmlischen.) Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden. (Gen 5,3; Röm 8,29) Damit will ich sagen, Brüder: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; das Vergängliche erbt nicht das Unvergängliche. (Joh 3,5f)
Seht, ich enthülle euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt werden - (Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Paulus noch unter dem Eindruck einer Naherwartung stand.)

Diese Vorstellung von einem geistigen Leib wird durch das Matthäusevangelium gestützt, wo Jesus sagt:

Matthäus 22,30
Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel.

Den Gedanken der Auferstehung aller Toten, die mit der Auferstehung Jesu schon geschehen ist, wie es das Matthäus-Evangelium berichtet, und wie man dies erwarten würde, man denke an das Kreuzeswort "heute noch wirst du mit mir im Paradies sein" (Lukas 23,43), bezeichnet Paulus als gottloses Geschwätz (2. Timotheus 2:16-18). Paulus behauptet in 1. Timotheus 1,20 sogar, dass er einen Vertreter dieser Glaubensrichtung, nämlich Hymenäus, Satan übergeben hat, damit er durch diese Strafe lerne, Gott nicht mehr zu lästern.

Paulus hatte wohl die Vorstellung von der Auferstehung eines geistlichen Leibes im Sinn, der in jeder Gestalt auftreten kann, also auch in der ursprünglichen. Wie die Engel kann dieser geistliche Leib auch unsichtbar werden.

Diese Diskrepanz zwischen der Auferstehung eines geistigen Leibes und der leiblichen Auferstehung ist gemäß Papst Benedikt XVI (Prof. Josef Ratzinger) auf Unterschiede in der hellenistischen und der hebräischen Denkweise zurückzuführen. Ratzinger schreibt dazu in seiner Einführung des Christentums:

Der griechischen Auffassung liegt die Vorstellung zugrunde, im Menschen seien zwei an sich einander fremde Substanzen zusammengefügt, von denen die eine (der Körper) zerfällt, während die andere (die Seele) von sich aus unvergänglich ist und daher aus sich, unabhängig von irgendwelchen anderen Wesen, weiterbesteht. Ja, in der Trennung von dem ihr wesensfremden Körper käme die Seele erst zu ihrer vollen Eigentlichkeit. Der biblische Gedankengang setzt dem gegenüber die ungeteilte Einheit des Menschen voraus; die Schrift kennt beispielsweise kein Wort, das nur den Körper (abgetrennt und unterschieden von der Seele) bezeichnen würde, umgekehrt bedeutet auch das Wort Seele in den allermeisten Fällen den ganzen leibhaftig existierenden Menschen; die wenigen Stellen, in denen sich eine andere Sicht abzeichnet, bleiben in einer gewissen Schwebe zwischen griechischem und hebräischem Denken und geben jedenfalls die alte Sicht keineswegs auf.  (Zitat aus "Einführung in des Christentum" Joseph Ratzinger)

 

Die Rekonstruktion der Auferstehung Jesu

Berücksichtigt man die Legendenbildung, so ergibt sich in der Rekonstruktion folgender geschichtliche Ablauf. Nach dem Tod Jesu setzte sich der engere Kreis um Jesus zusammen. Da Judas umgekommen war, brauchte man aus symbolischen Gründen einen Nachfolger. Die Wahl fiel auf Mathias. Matthias gehörte nun zu jenem Kreis der bezeugte, dass in Jakobus, dem Bruder von Jesus, nun sein Geist auferstanden ist.

Apostelgeschichte 1,21-26 Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde, - einer von diesen muß nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

 . . .einer von diesen (aus dem Kreis der 12) muß nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein.

Das heißt nur diese 12 haben als Führungsgremium bestimmt wer am authentischten den Geist Jesu repräsentieren sollte. Ihre Wahl fiel auf Jakobus, Bruder von Jesus, Sie legitimierten ihn damit, dass man, gemäß der Geschichte  von Elija und Elischa, behauptete der Geist Jesu wäre auf ihn übergegangen. Damit war Jesus präsent. Er war auferstanden.

Die Lösung war aber nicht allgemein von den Aposteln akzeptiert. Die anderen Apostel wollten beteiligt werden. Man fand mit der Stelle in Joel 3,1-5 eine Lösung, die Ausgießung des Heiligen Geistes in den letzten Tagen der Menschheit. Also inszenierte man vor den Gläubigen das Pfingstschauspiel, das Petrus dann den versammelten Gläubigen erklärt, wie oben bereits erwähnt. Dieser Akt der Weihe hat sich in der Weihe-Zeremonie katholischer Priester erhalten. Mit der symbolischen Handlung der Taufe werden die Gläubigen in der "Leib Christi" aufgenommen und sind damit nach dem christlichen Glauben ebenfalls Teilhaber jenes heiligen Geistes. Man beachte: Die Kirche verfügt hier ganz selbstverständlich über den Heiligen Geist.

 

Was geschah beim Pfingstwunder?

Sichtbares Zeichen der Ausgießung des heiligen Geistes auf die Apostel war, dass jeder die Apostel in seiner Sprache reden hörte.

Eine Erklärung dieses Ereignisses ist, dass der Autor dieser Erzählung damit nur sagen wollte, dass es auch nonverbale Kommunikationsformen gibt, die über Sprachgrenzen hinweg verstanden werden. Zum Beispiel werden Rituale über Sprachgrenzen hinweg verstanden. Und von dem Musiker und Komponisten Georg Friedrich Händel stammt das Zitat "Meine Sprache versteht die ganze Welt". Diese Erklärung passt allerdings nicht ganz zur Reaktion der Zuhörer, etwa zur Frage: Was hat das zu bedeuten?

Lesen wir die Bibelstelle noch mal genau und überlegen, was die Leute tatsächlich hörten..

Apostelgeschichte 2, 5 - 13

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

Aus der Apostelgeschichte geht hervor, dass mehrere gleichzeitig redeten, manche vielleicht nur Gebete aufsagten. Die Leute  hörten also nur ein Stimmengewirr. Das Gehirn versucht aber in jedem Fall bekannte phonetische Sequenzen der Muttersprache zu selektieren. So hört dann der Betreffende zusammenhanglose Wortfetzen in seiner Sprache.  Daher auch die Frage einiger Zuhörer: "Was hat das zu bedeuten?" Während andere vermuteten, dass hier nur einige Besoffene sich zur Schau stellen.

 

Man kann dieses "Wunder" in jeder vollen Gastwirtschaft / jedem vollen Biergarten nachprüfen. Versuchen Sie in einer deutschen Gastwirtschaft, ob Sie im Stimmengewirr englische Wörter erkennen, einen Amerikaner im Hintergrund reden hören.

 

Das Ganze geht natürlich auch umgekehrt. Nehmen wir einen englischen Satz, setzen diesen phonetisch um und extrahieren daraus die deutschen Worte.

 

Beispiel:

Many people believe things from anecdotes in which there is only one case instead of a large number of cases. (Zitiert aus dem Buch "The meaning of it all" von Richard P. Feynman)

phonetisch:

männi/Bibel/bilief/sings/fromm/enedots/in/witsch/ sehr/isounli/wank/äsinstetofälartschnambaofkäsis.

extrahiert: Bibel, sing's fromm in der Bank.

Und schon hat man die leise Stimme Gottes im Hintergrund gehört. Wobei wir berücksichtigen müssen, was Paulus dazu sagt.

 

1. Korinther 13, 12

Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

 

Petrus erklärt dies mit der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Apostelgeschichte 2,14 - 18

Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen; sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein.

Wunder in der Bibel beruhen gelegentlich auf natürlichen Phänomenen, für die der Autor dieser Erzählung keine natürliche Erklärung sah. Wer nach einer mystischen Erfahrung sucht, will diese natürliche Erklärung auch gar nicht sehen. Das Phänomen ist heute bekannt als "Paranormales Tonbandstimmen-Phänomen". Siehe zum Beispiel:

http://www.tonbandstimmen.de


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