Die wunderbaren Geschäfte des Herrn Moses

Teil 1

Textmarken: Schon seit jeher...,    Wie alles begann...,    Fehler in der Zeitrechnung,    Der Niedergang eines Sozialstaats,    Der Blutbräutigam,    Der brennende Dornbusch


Schon seit jeher haben sich die Menschen, wenn sie in ein gewisses Alter kamen, gefragt, wo sie herkommen, wer die Eltern ihrer Großeltern waren, und wen es vor ihnen gab. Von lebenswichtigem Interesse war auch, wie man Krankheit und Naturgewalten beeinflussen kann. Nun ist es eine Eigenschaft menschlicher Gemeinschaften, daß dort, wo ein Bedarf entsteht, es bald jemanden gibt, der diesen Bedarf zu decken versucht.

In den Stammesgemeinschaften, die es vor etwa 3000 Jahren in und rund um Ägypten gab, übernahmen Medizinmänner die Rolle der Beantwortung von Lebensfragen. Sie traten auf als Sterndeuter, Magier, Arzt oder gar als Berater von Stammesfürsten.

Solch ein Medizinmann war auch Moses, der Gründer einer Weltreligion, die heute noch existiert, der jüdischen Religion.

Wie alles begann . . .

Nach 2. Mose wurde Moses in Ägypten geboren. Der Name Moses könnte ägyptischen Ursprungs sein. Moses bedeutet im ägyptischen Sohn oder Kind. In Verbindung mit Götternamen findet man diesen Namen häufig als Namen großer Pharaonen (z. B. Tutmosis oder Ramses, entstanden aus Ra-Moses).

Die Abstammung des Moses schien dem Endredaktor des Pentateuch wohl selbst unklar zu sein, deshalb finden sich dazu Texte aus zwei Überlieferungen.

2. Mose 2,1

Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm ein Mädchen aus dem Hause Levi zur Frau.

2. Mose 6:11

Aram nahm Jochebed, die Schwester seines Vaters, zur Frau, die gebar ihm Aaron und Mose.

Nach der ersten Überlieferung stammt Moses von einem Mann aus dem Volk. Nach der zweiten Überlieferung von einem der Stammesfürsten.

Der israelitische Erzähler hört dagegen hier das hebräische Zeitwort «ziehen» (mascháh) heraus und untermauert dies mit jener Geschichte von dem Findelkind, das aus einem Weidenkörbchen am Nil geborgen wird und das dann die Tochter Pharaos aufzieht. Ein beliebtes erzählerisches Motiv, das auch am Anfang der Dynastie der Akkader (ca. 2350-2200 v. Chr.) steht. Dieses Herrschergeschlecht führt seine Herkunft auf Sargon zurück Sargon bedeutet "der wahre König". In späteren Legenden war er der Sohn einer Priesterin, die ihn in einem Bastkörbchen im Fluss aussetzte. 1000 Jahre vor der Moses-Geschichte!

Nach der Bibel ist Moses dann am Hof des Pharao aufgewachsen (2. Mose 2). Der Name des Pharao wird jedoch in den Büchern Mose nirgends erwähnt. Die zeitgeschichtliche Einordnung der Führergestalt Moses ist daher schwierig. Man muß Rückschlüsse aus verschiedenen Bibelstellen ziehen, in denen Namen von Städten oder Königen erwähnt werden. Zum Beispiel:

2. Mose 1:11

Da setzten sie Zwangsarbeitsoberste über sie, zu dem Zwecke sie beim Tragen ihrer Lasten zu bedrücken; und sie gingen daran für Pharao Städte als Vorratsplätze zu bauen, nämlich Pithom und Ramses.

Diese beiden Städte wurden vom Pharao Ramses II. (1304-1237 v. Chr.) im östlichen Nildelta als Garnisons- und Vorratsstädte zur Vorbereitung seines Feldzugs gegen die Hetiter angelegt.

2. Mose 12:37

Und die Söhne Israels gingen daran, von Ramses nach Suckoth aufzubrechen, in der Zahl von sechshunderttausend körperlich tauglichen Männern zu Fuß, außer dem Kleinvolk.

Einer der ersten Bezugspunkte zur ägyptischen Geschichte ist in 1. Könige 11:40 zu finden

1. Könige 11:40

Und Salomo suchte von da an an Jerobeam zu Tode zu bringen. Da machte sich Jerobeam auf und eilte dann weg nach Ägypten zu Schischak, dem König von Ägypten, und blieb in Ägypten bis zum Tode Salomos.

Schischak hatte 945 v. Chr. die 21. Dynastie, die mit Salomo verschwägert war, gestürzt.

1.Kön 6,1 besagt, dass der Tempelbau Salomos im vierhundertachtzigsten Jahr nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, im vierten Jahr der Regierung Salomos über Israel, im Monat Siw, das ist der zweite Monat, begann. Diese Zahl würde allerdings auf eine Zeit vor Ramses II. verweisen.

Ein weiterer Bezugspunkt steht in der 2. Chronik 36:4-6

2. Chronika 36:4-6

Ferner machte der König von Ägypten Eljakim, seinen Bruder, zum König über Juda und Jerusalem und änderte seinen Namen in Jojakim ab; seinen Bruder Jehoachas aber nahm Necho und brachte ihn nach Ägypten. Fünfundzwanzig Jahre alt war Jojakim, als er zu regieren begann, und er regierte elf Jahre lang in Jerusalem; und er fuhr fort zu tun, was böse war in den Augen Jehovas, seines Gottes. Gegen ihn zog Nebukadnezar, der König von Babylon herauf, damit er ihn mit zwei Fesseln von Kupfer binde, um ihn nach Babylon wegzuführen.

Fehler in der Zeitrechnung

Mit der geschichtlichen Querverbindung zu dem Pharao Schischak kann man versuchen die Führergestalt Moses über die  Herrschaftzeiten der Könige zeitlich einzuordnen. Zu manchen Zeiten war Israel allerdings ohne Herrscher. Z. B. nach dem Tod Josuas (Richter 1 bis 2) oder am Ende der Richter- Zeit.

Richter 21:25

In jenen Tagen gab es keinen König in Israel. Ein jeder war gewohnt zu tun, was recht war in seinen Augen.

Auch die Rückrechnung aus den Stammbäumen ist nicht exakt, denn in den Stammbäumen werden manchmal weniger bedeutende Namen ausgelassen. Dies ergibt sich, wenn man die Stammbäume näher betrachtet.

1. Mose 5:6-7

Und Seth lebte hundertfünf Jahre und wurde dann der Vater des Enosch. Und nachdem er der Vater des Enosch geworden war, lebte Seth noch achthundertsieben Jahre. Unterdessen wurde er der Vater von Söhnen und Töchtern.

1. Mose 10:24

. . . und Arpachschad wurde der Vater Schelachs, und Schelach wurde der Vater Ebers.

Lukas 3:35-36

. . . Sohn des Eber, Sohn des Schelach, Sohn des Kainan, Sohn des Arpachschad...

Im Unterschied zu 1. Mose steht bei Lukas zwischen Schelach und Arpachschad der Name Kainan.

Auch die chronologische Reihenfolge der Generationen wird nicht immer exakt wiedergegeben.

1. Mose 10:23

Und die Söhne Arams waren Uz und Chul und Gether und Masch.

1. Chronika 1:17

Und die Söhne Sems waren Elam und Asur und Arpachschad und Lud und Aram und Uz und Chul und Gether und Masch.

Die Söhne Arams werden hier als Söhne Sems genannt.

Der Stammbaum von Moses gehört vermutlich zu jener Reihe von Stammbäumen, die nicht vollständig sind, obwohl 1. Mose 15,16 (siehe unten) die Vollständigkeit zu bestätigen scheint. Dies ergibt sich aus einem Vergleich der Lebensalter mit der Zeit, die die Söhne Israels in Ägypten verweilten und jenes Zeitraums, in dem die Söhne Israels in Ägypten versklavt waren.

2. Mose 12:40-41

Der Aufenthalt der Israeliten in Ägypten dauerte vierhundertdreißig Jahre. Nach Ablauf der vierhundertdreißig Jahre, genau an jenem Tag, zogen alle Scharen des Herrn aus Ägypten fort. (Einheitsübersetzung)

Als Summe der Lebensalter ergibt sich aus dem Stammbaum von Moses:

Kehath 133 Jahre (2. Mose 6:18)
Aram 137 Jahre (2. Mose 6:20)
Moses 80 Jahre beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 7:7)
Summe 350 Jahre
 
Die Zeugen Jehovas behaupten hier zwar, daß sich die Zeit von 430 Jahren auf die gesamte Wohnzeit der Söhne Israels bezieht, also nicht nur auf ihre Zeit in Ägypten, wie aus der obigen Übersetzung von 2. Mose 12:40 hervorgeht.

Aber hier hilft ein weiterer Anhaltspunkt, nämlich Apostelgeschichte 7:6.  Hier gibt Stephanus den Zeitraum der Unterdrückung in Ägypten mit 400 Jahren an. Auch in einer Prophezeiung an Abraham in 1. Mose 15:13 ist davon die Rede, dass Abrahams Nachkommen 400 Jahre als Sklaven in einem Land dienen werden, das ihnen nicht gehört.

Die ersten Jahre in Ägypten wurden sie jedoch nicht unterdrückt, denn in dieser Zeit lebte noch Jakob (er lebte noch 17 Jahre in Ägypten (siehe 1. Mose 47:28) und Joseph, der lange nach ihm starb (1. Mose 50:22-23). Erst als ein Pharao an die Macht kam, der Joseph nicht mehr kannte, begann die Zeit der Unterdrückung (2. Mose 1:8).

Weiterhin wird in 1. Mose 15:16 auch noch erwähnt, dass erst die vierte Generation nach Kanaan zurückkehren wird, was ja passen würde. Aber auch nach dieser Rechnung kommt man nur auf weniger als 333 Jahre (350 - 17 - Josephs Zeit nach Jakobs Tod). Die 400 bzw. 430 Jahre kommen nicht zusammen.

Dabei kann man das Lebensalter Kehaths nicht voll rechnen, denn sein Vater Levi kam mit ihm als Kind nach Ägypten (1. Mose 46:8- 27, 2. Mose 1:1-5). Und die hier genannten Patriarchen werden ihre Erstgeborenen wohl auch nicht mit ihrem letzten Atemzug gezeugt haben.

Man kommt also noch nicht einmal auf 350 Jahre. Es bleibt somit eine Differenz von mindestens 80 Jahren.

Für die Nachkommen Judas fehlen die Zeitangaben, so daß man nicht überprüfen kann, ob wenigstens dieser Stammbaum vollständig ist. Juda brachte seinen Enkel Chezron mit nach Ägypten (1. Mose 46:12). Dessen Sohn Kaleb war Zeitgenosse Josuas, des Nachfolgers von Moses. Kaleb wird aber auch als Sohn des Jephunnes genannt (4. Mose 14:30, 1. Chronika 2:18). Verfolgt man eine andere Stammbaumlinie, so kommt man über Chezron zu Ram. Der Sohn Rams war Amminadab, und der Sohn Amminadabs war Nachschon. Nachschon war bei der Einschreibung der Söhne Israels Vorsteher des Stammes Juda (4. Mose 2:3). Diese Einschreibung fand am ersten Tag des zweiten Monats im zweiten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten statt (4. Mose 1:1- 3). Es werden also nur 4 Namen für einen Zeitraum von 430 Jahren genannt. Nur bei Lukas wird ein Name mehr genannt: Arni als Sohn des Chezron. Maximal also 5 Generationen! Etwas wenig, wenn man bedenkt, daß es bei der Einschreibung 186400 Nachkommen Judas gab (4. Mose 2:9).

Man kann also nur vermuten, wann Moses in Ägypten gelebt hat, denn in der ägyptischen Geschichtsschreibung wird Moses nirgends erwähnt.

So manchem mag die Zeitrechnung wie eine Haarspalterei erscheinen, aber es geht hier immerhin um die Frage, ob die Bibel in ihren Angaben exakt, unverfälscht und ein von Gott inspiriertes Werk ist oder nur ein mit Legenden durchsetztes altertümliches Buch. Die Zeugen Jehovas berufen sich dabei auf

Offenbarung 22,18-19

Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. (Dtn 4,2; 13,1; 29,20) Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. (Dtn 4,2; Gen 2,9; 3,22)

Die Bibel wird dabei als von Gott inspiriertes Werk betrachtet, ungeachtet der Tatsache, dass hier verschiedene Autoren mitgewirkt haben, ungeachtet der Tatsache, dass die Bibel erst von Hieroymus ca 395 n. Chr. zu einem Werk der so genannten Vulgata zusammengestellt wurde und ungeachtet der Tatsache, dass sich die unterschiedlichen christlichen Kirchen nie einig wurden, welche Bücher zu diesem Werk gehören und welche als apokryph zu bezeichnen sind.

Diese Bibelstellen als nebensächlich abzutun würde heißen, dass in der Bibel jede Menge "Schrott" drin steht.

In 2 Petr 1,19-21 steht jedoch

Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen. Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet. (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 3,15-16)

Trotzdem ist natürlich die eigenmächtige Auslegung der Schrift kirchliche Praxis.

Der Niedergang eines Sozialstaats

Ägypten war damals bereits ein gut organisierter Staat. Die vielen Bauwerke gaben vielen Leuten Arbeit. Die landwirtschaftlichen Produkte kamen in die Vorratshäuser und wurden dort von Beamten verteilt. Gegenüber anderen Staaten in der damaligen Zeit gab es in Ägypten einen hohen Lebensstandard. Das wird auch in der Bibel nicht verschwiegen.

2. Mose 16:3

Und die Söhne Israels sprachen fortgesetzt zu ihnen (Moses und Aaron): "Wären wir doch nur durch Jehovas Hand im Land Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen, als wir Brot bis zur Sättigung aßen, denn ihr habt uns in diese Wildnis hinausgebracht, um diese ganze Versammlung durch Hunger zu Tode zu bringen."

4. Mose 11:5

Wie wir doch der Fische gedenken, die wir in Ägypten jeweils umsonst zu essen bekamen, der Gurken und der Wassermelonen und des Lauchs und der Zwiebeln und des Knoblauchs!

4. Mose 11:18

. . . Wer wird uns Fleisch zu essen geben, denn es ging uns gut in Ägypten?

Einem  Verdrängungswettbewerb sind wir auch im freien Welthandel ausgesetzt.

Unter diesen günstigen Bedingungen vermehrte sich bald die Bevölkerung (2. Mose 1:7-10). Was dann passiert kann man auch heute noch beobachten. Die sozialen Unterschiede nehmen zu. Die untersten Bevölkerungsschichten verarmen und beginnen sich zu organisieren. Nun werden Sündenböcke gesucht. Die Zuwanderung sei verantwortlich für die wirtschaftlichen Probleme. Der Verdrängungswettbewerb, der dadurch entstanden ist, ist ein einleuchtendes Argument. Die Gastarbeiter, genügsam, oft nur Objekte der Ausbeutung, werden nun verfolgt. Eine andere Religion, andere Sitten, ein anderes Aussehen und eine andere Mentalität lassen sie, selbst wenn sie sich friedlich verhalten, als Fremdkörper erscheinen.

In einer solchen Zeit wuchs auch Moses heran, und so kam er auch bald mit dem Gesetz in Konflikt.

2. Mose 2:11

Nun begab er sich in jenen Tagen, als Moses stark wurde, daß er zu seinen Brüdern hinausging, um sich die Lasten anzusehen, die sie trugen; und er erblickte einen gewissen Ägypter, der einen gewissen Hebräer von seinen Brüdern schlug. Da wandte er sich hierhin und dorthin und sah, daß niemand in Sicht war. Dann schlug er den Ägypter nieder und verbarg ihn im Sande.

Was der Ägypter getan hatte, war zwar unmenschlich, aber nach den Gesetzen, die zu dieser Zeit gegolten haben, rechtmäßig. Auch später, unter der Herrschaft von Moses, war dies rechtmäßig.

2. Mose 21:20-21

Und falls ein Mann seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt und dieser unter seiner Hand tatsächlich stirbt, so soll er unbedingt gerächt werden. Wenn er jedoch einen Tag oder zwei Tage am Leben bleibt, so werde er nicht gerächt, denn er ist sein Geld.

Auch in der Gesetzgebung Moses sind die Sklaven Menschen zweiter Klasse. Gott nimmt hier keinen Anstoß an der Sklaverei (2. Mose 21:1-8, 21:26-27, 3. Mose 25:39-55). Wer hier meint, daß es sich bei Sklaverei um ein Arbeitsverhältnis gehandelt hat, wie es eben in der damaligen Zeit üblich war, wird durch 3. Mose 22:10-11 eines besseren belehrt. Hier wird klar zwischen Tagelöhnern und Sklaven unterschieden.

Moses hatte also einen vorsätzlichen Mord begangen. Auch in den Augen mancher Hebräer war er ein Mörder. Seine Tat wurde dem Pharao gemeldet (2. Mose 2:13-1).

 

Moses Lehrjahre bei einem Wundertäter

Moses floh nun zu den Midianitern. Er fand Zuflucht bei einem midianitischen Priester und hütete dort dessen Herde. Er gewann dessen Vertrauen und heiratete bald eine der sieben Töchter des Priesters. Der Name des Priesters wird zuerst mit Reuel angegeben (2. Mose 2:18), später wird er nur noch Jethro genannt (2. Mose 3:1, 4:18, 2. Mose 18).

Moses Frau Ziporra gebar ihm zwei Söhne, Gerschom (2. Mose 2:22) und Elieser (2. Mose 18:3). Es ist anzunehmen, daß Moses hier das Priesterhandwerk gelernt hat. Moses hatte hier eine Vertrauensstellung als Schwiegersohn und es anzunehmen, dass er so hinter die Kulissen des Priesteralltags blicken konnte.

Es ist anzunehmen, dass die Priester der damaligen Zeit einige Zauberkunststückchen entwickelt hatten, um den Gläubigen ihre Macht über die Krankheitsgeister  demonstrieren zu können. Dazu gehörte auch, dass man den Gläubigen demonstrierte, dass man die damals gefährlichste Krankheit, den Aussatz (die Lepra) beherrschte. 

2. Mose 4,6-7

Weiter sprach der Herr zu ihm: Leg deine Hand in deinen Gewandbausch! Er legte seine Hand hinein. Als er sie herauszog, war seine Hand von Aussatz weiß wie Schnee. Darauf sagte der Herr: Leg deine Hand noch einmal in deinen Gewandbausch! Er legte seine Hand noch einmal hinein. Als er sie wieder herauszog, sah sie wieder aus wie der übrige Leib.

Eine Hand weiß oder rötlich einzufärben ist mit Steinstaub unterschiedlicher Farbe in zwei Gewandtaschen aufbewahrt eine Kleinigkeit. Man muss nur die Reihenfolge beachten erst weiß einfärben, dann rot. Da nun die Hand rot eingefärbt ist kann man noch nachlegen mit einem weiteren „Wunder“. 

2. Mose 4,8-9

Wenn sie dir nicht glauben und sich durch das erste Zeichen nicht überzeugen lassen, werden sie auf das zweite Zeichen hin glauben. Glauben sie aber selbst nach diesen beiden Zeichen nicht und lassen sie sich nicht überzeugen, dann nimm etwas Nilwasser, und schütt es auf trockenen Boden! Das Wasser, das du aus dem Nil geholt hast, wird auf dem Boden zu Blut werden.

Dass es sich hier tatsächlich um einen weißen Staub gehandelt hat wird bei einer weiteren Vorführung dieses "Wunders" deutlich.

4. Mose 1-10

Als sie in Hazerot waren, redeten Mirjam und Aaron über Mose wegen der kuschitischen Frau, die er sich genommen hatte. Er hatte sich nämlich eine Kuschiterin zur Frau genommen. Sie sagten: Hat etwa der Herr nur mit Mose gesprochen? Hat er nicht auch mit uns gesprochen? Das hörte der Herr. Mose aber war ein sehr demütiger Mann, demütiger als alle Menschen auf der Erde. Kurz darauf sprach der Herr zu Mose, Aaron und Mirjam: Geht ihr drei hinaus zum Offenbarungszelt! Da gingen die drei hinaus. Der Herr kam in der Wolkensäule herab, blieb am Zelteingang stehen und rief Aaron und Mirjam. Beide traten vor, und der Herr sprach: Hört meine Worte! Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm in Visionen zu erkennen und rede mit ihm im Traum. Anders bei meinem Knecht Mose. Mein ganzes Haus ist ihm anvertraut. Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, von Angesicht zu Angesicht, nicht in Rätseln. Er darf die Gestalt des Herrn sehen. Warum habt ihr es gewagt, über meinen Knecht Mose zu reden? Der Herr wurde zornig auf sie und ging weg. Kaum hatte die Wolke das Zelt verlassen, da war Mirjam weiß wie Schnee vor Aussatz. Aaron wandte sich Mirjam zu und sah: Sie war aussätzig.

Mirjam war natürlich nicht aussätzig und konnte nach der üblichen Quarantänezeit von 7 Tagen wieder in's Lager zurückkehren, wie aus den nachfolgenden Versen hervorgeht. Natürlich hatte sie dies nur der Fürbitte von Moses zu verdanken, berichtet der Chronist.

Der Schrecken aller waren, damals wie heute, Schlangen. Auch hierzu hatte Moses ein Kunststückchen parat als er nach Ägypten kam. Der Chronist berichtet wie er jenen Stab, der zur Schlange werden konnte, erhalten hat.

2. Mose 4,1-4

Mose antwortete: Was aber, wenn sie mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern sagen: Jahwe ist dir nicht erschienen? Der Herr entgegnete ihm: Was hast du da in der Hand? Er antwortete: Einen Stab. Da sagte der Herr: Wirf ihn auf die Erde! Mose warf ihn auf die Erde. Da wurde der Stab zu einer Schlange, und Mose wich vor ihr zurück. Der Herr aber sprach zu Mose: Streck deine Hand aus, und fasse sie am Schwanz! Er streckte seine Hand aus und packte sie. Da wurde sie in seiner Hand wieder zu einem Stab. 

Dieser Stab, der zur Schlage werden konnte, ist offenbar auch nach seinem Tod noch längere Zeit erhalten geblieben.  In 4. Mose 21, 7-9 wird erwähnt, dass Moses eine Kupferschlange als Mittel gegen Schlangenbisse auf Anordnung Jahwes herstellte und sie an einem Stab befestigte. Jeder, der die Kupferschlange angesehen hat, sollte am Leben bleiben. Und wenn nicht? Dann sind ihm/ihr seine/ihre Sünden eben icht vergeben worden.

2. Könige 18, 1-4

Im dritten Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Königs von Israel, wurde Hiskia König, der Sohn des Ahas, des Königs von Juda. Er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er König wurde; und er regierte neunundzwanzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, eine Tochter Secharjas. Und [a] er tat, was dem HERRN wohlgefiel, ganz wie sein Vater David. Er [a] entfernte die Höhen und zerbrach die Steinmale und hieb das Bild der Aschera um und  zerschlug die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte. Denn bis zu dieser Zeit hatte ihr Israel geräuchert, und man nannte sie Nehuschtan.

Moses lebte jahrelang in Midian. Erst als der Pharao gestorben war (2. Mose 2:23) und alle, die ihm wegen der Mordsache nachstellten, ebenfalls gestorben waren (2. Mose 4:19), kehrt er nach Ägypten zurück. Seinem Schwiegervater Jethro sagt er, daß er sehen will, ob seine Brüder in Ägypten noch am Leben sind (2. Mose 4:18). Seinen Brüdern in Ägypten erzählt er dagegen, daß ihm Gott am Berg Horeb in einem Dornbusch erschienen sei, und, daß er nun in göttlichem Auftrag handle. Zeugen für jene Gotteserscheinung in dem brennenden Dornbusch gab es nicht.

Jenen Dornbusch, dessen ölige Früchte in der heißen Sonne zu brennen beginnen, ohne, daß der ganze Strauch verbrennt, gibt es noch heute im Katharinenkloster auf dem Sinai (früher "Dornbuschkloster", Brockhaus Ausgabe 1970) und es gab ihn wahrscheinlich sogar schon in der Zeit vor Mose. Die besondere Bedeutung des Dornbuschs unterstreicht eine Legende, die Jotham in Richter 9:8 - 15 zitiert, die Legende vom Dornbusch als dem König der Bäume.

Ob Moses seine Frau Zippora nach Ägypten mitgenommen hat, oder ob sie ihn nur ein Stück begleitet hat, geht aus der Bibel nicht klar hervor (2. Mose 4:20-26). Zippora wird erst wieder nach dem Exodus in 2. Mose 18 erwähnt. In dieser Zeit hatte sich Moses bereits von ihr getrennt (2. Mose 18:2). Sie wohnte wieder bei ihrem Vater Jethro. Ihr Vater reist mit ihr und mit den beiden Söhnen zum Lager Moses. Jethro gibt Moses einige Ratschläge zur Organisation seines Stammesverbands und geht dann wieder in sein eigenes Land. Moses Söhne bekommen keines der Priesterämter im Unterschied zu den Söhnen Aarons.

Bevor Moses in Ägypten ankommt, wird er schwer krank.

2. Mose 4:24-26

Nun geschah es unterwegs im Nachtlager, daß Jehova ihm dann entgegentrat und ihn irgendwie zu Tode zu bringen suchte. Schließlich nahm Zippora ein Steinmesser und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und ließ sie seine Füße berühren und sprach: "Es ist, weil du mir ein Blutbräutigam bist." Demzufolge ließ er von ihm ab. Damals sprach sie: "Ein Blutbräutigam wegen der Beschneidung."

Zippora hat offenbar nur widerwillig die Beschneidung ihres Sohnes nach israelitischen Ritus vollzogen (1. Mose 17:12-14). Nach israelitischem Gesetz mussten männliche Nachkommen 8 Tage nach der Geburt beschnitten werden (Genesis 17,12).

Es steht zwar hier nicht explizit, dass Moses schwer erkrankt ist, sondern nur, dass ihm Gott entgegen trat und ihn irgendwie zu Tode zu bringen suchte. Man muss aber diese Stelle im damaligen weltanschaulichen Kontext sehen und da war eben jemand, der bei hohem Fieber zu phantasieren anfing von einem Geist besessen. Die Seuchen von denen im alten Testament berichtet wird, werden immer als Strafe Gottes betrachtet, werden also auf geistige Ursachen zurück geführt. Man wusste ja nichts von Bakterien und Viren. Auch Jesus heilt Kranke, indem er Dämonen austreibt.

Eine etwas widersprüchliche Handlungsweise wird in dieser Geschichte Gott unterstellt. Nachdem er Moses erst beauftragt hat nach Ägypten zu gehen, versucht er nun Moses umzubringen.


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