Die wunderbaren Geschäfte des Herrn Moses
Teil 4

Textmarken: Medizinische Stilblüten,    Der hungrige Gott des Moses,    Mit dem Hackebeil gegen die Bösen, Moses verspricht Regen


Medizinische Stilblüten

Wie weit die göttliche Inspiration des Moses reichte, wird vor allem bei der Diagnose und der Behandlung von Krankheiten offenbar. Die Kapitel 13 und 14 des 3. Mose beschäftigen sich ausführlich mit der damals häufigsten Erkrankung, der Lepra (in der Bibel Aussatz genannt). Hier eine kleine Kostprobe.

3. Mose 14:34-40

Wenn ihr in das Land Kanaan kommt, das ich euch als Besitz gebe, und ich setze wirklich die Plage des Aussatzes an ein Haus des Landes eures Besitztums, dann soll der, dem das Haus gehört, kommen und dem Priester mitteilen und sagen: ‚Etwas wie eine Plage hat sich mir im Haus gezeigt.‘ Und der Priester soll Befehl geben, und man soll das Haus ausräumen, ehe der Priester hereinkommt, die Plage zu besehen, damit er nicht alles, was im Hause ist, für unrein erkläre; und danach wird der Priester hereinkommen, um das Haus zu besehen. Wenn er die Plage gesehen hat, falls sich dann die Plage an den Wänden des Hauses mit gelblichgrünen oder rötlichen Vertiefungen zeigt, und sie erscheinen tiefer als die Wandoberfläche, dann soll der Priester aus dem Haus hinausgehen, an den Eingang des Hauses, und er soll das Haus sieben Tage unter Quarantäne stellen. Und der Priester soll am siebenten Tag zurückkehren und soll es besichtigen; und wenn sich die Plage an den Wänden des Hauses ausgebreitet hat, dann soll der Priester Befehl geben, und man soll die Steine herausreißen, an denen die Plage ist, und man soll sie aus der Stadt hinaus an einen unreinen Ort werfen.

Ab Vers 49 des selben Kapitels kann man dann lesen, was es kostete, wenn ein Haus auf diese Art von der Plage befreit worden ist. Eine Krankheit war eben noch nie billig. Aber ein wahrer Freund bietet seine Hilfe selbstlos an.

Um diese "Wahrheiten", die hier verkündet werden zu überprüfen, habe ich im Brockhaus (Ausgabe 1970) unter dem Stichwort "Lepra" nachgesehen.

Brockhaus Stichwort "Lepra"

Erreger ist ein dem Tuberkelbakterium ähnliches säurefestes Stäbchen, das Mycobakterium Leprae, das 1869 von dem norwegischen Arzt G. H. A. Hansen entdeckt wurde. Es kann im Nasenschleim und in den Hautflecken Lepröser nachgewiesen werden. Seine Züchtung und Übertragung auf Tiere ist noch nicht sicher gelungen. Das Leprabakterium lebt im Kranken intrazellulär (d. h. in der Zelle) und kann sich lange und in größeren Massen innerhalb der Zellen aufhalten, ohne daß diese zugrunde gehen. Seine geringe Giftigkeit und seine langsame Vermehrung machen die Lepra zu einem chronischen Leiden.

Für die Diagnose der Lepra ist der Lepromintest nach K. Mitsuda wichtig; er entspricht dem Tuberkulin-Hauttest und ist nur bei der tuberkolösen Lepra verwendbar, bei der der Erregernachweis oft sehr schwierig ist, während man diesen bei der Knoten-Lepra leicht führen kann. Mit diesem Test konnte auch bewiesen werden, daß Frühformen der Lepra gar nicht selten spontan ausheilen können.

Die Behandlung der früher unheilbaren, höchstens örtlich mit Chaulmoogra-Öl beeinflußbaren Krankheit, hat durch die Einführung der Chemotherapie großen Fortschritt gemacht, so daß die Lepra heute heilbar ist, mindestens aber ansteckungsunfähig gemacht werden kann. Die Muttersubstanz der Chemotherapie für Lepra ist das DDS (Diaminodiphenylsulfon), das den Sulfonamiden nahesteht; es muß über Monate und Jahre hin gereicht werden. Daneben gibt es zahlreiche andere wirksame Mittel, die auch bei der Tuberkolose angewandt werden.

Soweit das Zitat aus dem Brockhaus. Was für einen Rat gab nun Moses dem Aussätzigen (Leprakranken).

3. Mose 13:45-46

Was den Aussätzigen betrifft, der die Plage an sich hat, seine Kleider sollten zerrissen sein und sein Haupthaar sollte ungepflegt herabhängen, und er sollte den Schnurrbart bedecken und ausrufen ‚Unrein, unrein!‘ Alle Tage, da die Plage an ihm ist, wird er unrein sein. Er ist unrein. Er sollte abgesondert wohnen. Außerhalb des Lagers ist sein Wohnort.

Moses muß wohl auch schon das Sprichwort "vorbeugen ist besser als heilen" gekannt haben; denn eine Beschreibung von Heilpflanzen habe ich in den Büchern Moses vergeblich gesucht.

Wenn ein Aussätziger bei dieser Therapie zufällig gesund wurde, dann hatte er Glück im Unglück. In 3. Mose 14:1-32 ist genau aufgeführt, was er dann dem Priester schuldig war und welche Prozedur er über sich ergehen lassen mußte. Wie überall war das Gesundwerden mit ein Paar Unannehmlichkeiten und nicht unerheblichen Kosten verbunden.

 

Der hungrige Gott des Moses

Ganze Kapitel fast ausschließlich den Opfergaben gewidmet (3. Mose 1 - 5, 22-23, 4. Mose 6, 15, 18). Der Glaube ist eben eine wunderbare Sache - für den, der daran verdient.

Und verdient wurde kräftig. Moses hatte durch seine Gesetze der Priesterschaft eine gesunde finanzielle Grundlage gegeben. Da gab es nicht nur Steuern, wie die Abgabe des Zehnten und das Loskaufopfer für jeden Erstgeborenen (3. Mose 27:30-32, 2. Mose 13:13), sondern da gab es auch damals schon das schlechte Gewissen der einfachen Leute, das man nur wecken mußte.

2. Mose 29:32-33

Und Aaron und seine Söhne sollen das Fleisch des Widders und das Brot essen, das im Korb am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft ist. Und sie sollen die Dinge essen, mit denen Sühne geleistet worden ist, um ihnen die Hand mit Macht zu füllen, um sie zu heiligen.

Immer wieder hämmerte Moses seinen Leuten ein, daß man Gott nur durch ständige Brandopfer gnädig stimmen kann.

3. Mose 6:13

Das Feuer auf dem Altar wird beständig in Brand gehalten werden. Es soll nicht ausgehen.

2. Mose 29:42

Es ist ein beständiges Brandopfer durch eure Generationen hindurch am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft vor Jehova, wo ich mich bei euch einfinden werde, um mit dir zu reden.

Kein Wunder, daß der "Schornstein" bei Moses & Co fast immer rauchte (2. Mose 40:34-38). Gerade in den ersten Kapiteln des 3. Mose kann man den Satz "ein Feueropfer von beruhigendem Wohlgeruch" besonders häufig lesen. Der beruhigende Wohlgeruch kam übrigens nicht vom Fleisch, sondern von den Eingeweiden, dem Blut und dem Fett des Tieres, das verbrannt wurde (3. Mose 1:13, 3. Mose 7:1-8).

Eine sichere Einnahmequelle während der vierzigjährigen Wanderschaft war auch folgendes Gesetz.

3. Mose 17:3-4

Was irgendeinen Mann vom Hause Israel betrifft, der einen Stier oder einen jungen Widder oder eine Ziege im Lager schlachtet oder der es außerhalb des Lagers schlachtet und es nicht tatsächlich an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft bringt, um es Jehova als eine Opfergabe vor der Stiftshütte Jehovas darzubringen, diesem Mann wird Blutschuld zugerechnet werden. Er hat Blut vergossen, und dieser Mann soll von den Reihen seines Volkes abgeschnitten werden, damit die Söhne Israels ihre Schlachtopfer, die sie auf dem freien Felde opfern, bringen mögen, und sie sollen sie Jehova an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft zu dem Priester bringen, und sie sollen diese als Gemeinschafts-Schlachtopfer Jehova opfern.

Bei Gemeinschaftsschlachtopfern gehörte der rechte Schenkel dem Priester (3. Mose 7:32-33).

Als das Volk Israel sesshaft wurde, wollte allerdings deswegen niemand mehr kilometerweit zur Stiftshütte laufen, und so sind wahrscheinlich die Einnahmen der zahlenmäßig starken Priesterschaft zurückgegangen. Not macht bekanntlich dreist. So kam es dann, daß einige Priester das Fleisch aus dem Kochtopf der Israeliten holten (1. Samuel 2:12-17). Das führte dann dazu, daß die Israeliten Saul als König wählten. Die Priesterschaft verlor dadurch langsam ihre Macht, zumal die Einnahmen aus der Rechtsprechung wahrscheinlich von Anfang an in die Taschen der weltlichen Herrscher geflossen sind. Schon unter Moses standen die Krieger unter der Gerichtsbarkeit der Heerführer (2. Mose 18:24-27).

 

Mit dem Hackebeil gegen die Bösen

Überrascht ist man heute vor allem über die Brutalität, die in der Gesetzgebung Moses steckt. Schon bei geringfügigen Vergehen wurde ein Körperteil abgehackt oder der Betreffende hingerichtet (5. Mose 25:11, 3. Mose 20:10, 5. Mose 22:20-21). Wahrscheinlich hat Moses viele der Stammesgesetze einfach übernommen.

Moses versuchte allerdings nicht nur mit Härte und Drohungen (z. B. 3. Mose 26:14-41) den Israeliten seine Gesetze schmackhaft zu machen. Er hat den frommen Israeliten auch einige Segnungen in Aussicht gestellt.

2. Mose 23:25-26

Und ihr sollt Jehova, eurem Gott, dienen, und er wird dein Brot und dein Wasser gewiß segnen; und ich werde in der Tat langwierige Krankheiten von deiner Mitte abwenden. Weder eine Fehlgebärende noch eine Unfruchtbare wird in deinem Lande sein. Ich werde die Zahl deiner Tage vollmachen (siehe auch 1. Mose 6:3).

Weiterhin verspricht Moses den Israeliten, daß sie mit Hilfe ihres Gottes ihre Feinde besiegen werden (2. Mose 23:27-31).

Auch Regenschauer verspricht er (3. Mose 26:4, 5. Mose 28:12). Gemäß dem israelitischen Weltbild ist Gott der Herr über die Naturgewalten also auch über den Regen.

2. Mose (Exodus) 9:33
Mose verließ den Pharao, ging vor die Stadt hinaus und breitete seine Hände vor dem Herrn aus. Da hörte der Donner auf, und kein Hagel und kein Regen fiel mehr auf die Erde.

5. Mose (deuteronomium) 11:17
Sonst wird der Zorn des Herrn gegen euch entbrennen; er wird den Himmel zuschließen, es wird kein Regen fallen, der Acker wird keinen Ertrag bringen, und ihr werdet unverzüglich aus dem prächtigen Land getilgt sein, das der Herr euch geben will. (5. Mose 28,24)

Hier werden die Pflanzen für die Missetaten der Menschen bestraft.

 

Moses ist auch nicht der Einzige, der in der Bibel mit Naturgewalten droht.

 

1.Samuel 12:17-18
Ist jetzt nicht gerade Weizenernte? Ich werde zum Herrn rufen, und er wird Gewitter und Regen schicken. So werdet ihr erkennen und einsehen, wie groß euer Unrecht in den Augen des Herrn ist, das ihr dadurch begangen habt, daß ihr für euch einen König verlangt habt. Samuel rief zum Herrn, und der Herr schickte noch am gleichen Tag Gewitter und Regen. Da geriet das ganze Volk in große Furcht vor dem Herrn und vor Samuel, . . .

Jesaja 5:6
Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden.

Während im Alten Testament Gott sogar selektiv Regen spendet

 

Amos 4,7
Ich versagte euch den Regen drei Monate vor der Ernte. Über der einen Stadt ließ ich es regnen, über der anderen nicht; das eine Feld bekam Regen, das andere nicht, so daß es verdorrte.

heißt es bei Matthäus

Matthäus 5:45
damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Es fällt auf, daß alle Versprechen des Moses im irdischen Leben ihre Erfüllung finden. Moses war nicht so vermessen wie andere Religionsgründer, die ihren Gläubigen ein herrliches Leben nach dem Tod versprochen haben. Über ein Leben nach dem Tod macht Moses keine Aussagen. Er ahnte nicht, daß an dieser Frage die religiöse Einheit des Volkes zerbrechen sollte. Zur Zeit von Jesus glaubten die Pharisäer an die Auferstehung nach dem Tode (Apostelgeschichte 23:8), die Sadduzäer glaubten nicht daran (Matthäus 22:23).


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