Die Stammväter - eine "ehrenwerte Gesellschaft"
Teil 2

Textmarken: Mord und Brudermord,    Der Gott der Mörder,    Tempelprostitution,    Gesegnet sei der Diebstahl


Den durch ihre Gotteserscheinungen berühmten Vätern folgten die etwas weniger berühmten Söhne.

Die Söhne Jakobs wurden alle zu Stammvätern des Volkes Israel. Wie hinterlistig und grausam diese Stammväter waren, zeigte sich schon bald.

1. Mose 34:1-3

Dina nun, Leas Tochter, die sie dem Jakob geboren hatte, pflegte auszugehen, um die Töchter des Landes zu sehen. Und Sichem. der Sohn Chamors des Chiwiters, eines Vorstehers des Landes, bekam sie zu sehen, und da nahm er sie und legte sich zu ihr und schändete sie. Und seine Seele begann an Dina, der Tochter Jakobs, zu hängen, und verliebte sich in die junge Frau und redete fort und fort in überzeugender Weise auf die junge Frau ein.

Wegen der überzeugenden Worte scheint Dina wohl freiwillig bei Sichem geblieben zu sein. Sichem hatte durchaus edle Absichten. Seinen Vater läßt er zu Jakob gehen. Er soll Jakob um die Hand seiner Tochter zu bitten. Er macht ein großzügiges Angebot.

1. Mose 34:12

Setzt den Heiratspreis und die mir auferlegte Gabe recht hoch an, und ich will gemäß dem geben, was ihr mir sagen mögt; nur gebt mir die junge Frau zum Weibe.

Die Söhne Jakobs verlangen, daß Sichem und Chamor bei ihrem Stamm den israelitischen Beschneidungsritus durchsetzen.

Der Beschneidungsritus - ein Opfer an die Gottheit. Das äußerste Opfer, das ein Mensch darbringen konnte, war das Fleisch seiner Kinder (die fast ausgeführte Opferung Isaaks) oder sein eigenes Fleisch.

Sichem und Chamor gelingt es den Beschneidungsritus bei ihrem Stamm durchzusetzen. Trotzdem werden sie überfallen und getötet (1. Mose 34:25-27). Die Frauen und Kinder werden versklavt, die Viehherden und der übrige Besitz werden mitgenommen (1. Mose 34:28-29). Selbst dem abgebrühten Vater Jakob ist dies zuviel. "Ihr habt mich in Verruf gebracht", rügt er seine Söhne Simeon und Levi, denselben Levi, der zum Stammvater der Priesterkaste Israels wurde.

Der Gott Israels nimmt den Vorfall gelassen hin. Er verlangt nur, daß Jakob die fremdländischen Götter wegschafft und, daß ihm Jakob einen Altar bauen soll. Dafür beschützt er dann Jakob vor Verfolgung durch die verbündeten Stämme.

1. Mose 35:5

Nach diesem brach er (Jakob) auf, und dann kam der Schrecken Gottes über die Städte, die rings um sie her waren, so daß sie den Söhnen Jakobs nicht nachjagten.

Einige der Stammväter schreckten sogar vor einem Brudermord nicht zurück.

1. Mose 37:18-19

Nun erblickten sie ihn (Joseph) aus einiger Entfernung, und noch ehe er zu ihnen herankommen konnte, begannen sie arglistig einen Anschlag gegen ihn zu planen, um ihn zu Tode zu bringen. So sprachen sie zueinander: "Seht! Da kommt dieser Träumer. Und nun kommt, und laßt uns ihn töten und ihn in eine der Wassergruben werfen; und unserem Vater sagen wir dann, ein bösartiges wildes Tier habe ihn gefressen, dann laßt uns sehen, was aus seinen Träumen werden wird."

Ruben verhinderte noch den Mord und erreicht, daß sie ihn in eine leere Wassergrube werfen. Juda kam dann auf die Idee ihn an midianitische Kaufleute für zwanzig Silberstücke zu verkaufen (1. Mose 37:21-22,26-28). Ihrem Vater erzählen sie, daß ein wildes Tier den armen Joseph gefressen hat.

Die Geschichte geht trotzdem noch gut aus. Der Traumdeuter Joseph wird in Ägypten angeblich zum Erfinder der Vorratskammern. In der ägyptischen Geschichtsschreibung wird dies jedoch nirgends bestätigt, und die Nachkommen jenes Joseph und die Nachkommen seiner Brüder werden in Ägypten hauptsächlich zur Sklavenarbeit eingesetzt.

2. Mose 1:11

Da setzten sie Zwangsoberste über sie, zu dem Zwecke, sie (die Israeliten) beim Tragen ihrer Lasten zu bedrücken; und sie gingen daran, für Pharao Städte als Vorratsplätze zu bauen, nämlich Pithom und Ramses.

Betrachten wir nun noch eine Geschichte aus dem Leben des Moralapostels Juda. Er war ja einer der Vorfahren von Jesus.

Wenn Prostitution unter Zwang ausgeübt wird, dann ist dies natürlich genauso zu verurteilen, wie jedes andere sklavenähnliche Arbeitsverhältnis. Wenn jedoch jemand polygam veranlagt ist und gleichgesinnte Partner findet - wem schadet dies?

Die Einehe ist ein Ergebnis der kulturellen Evolution, die vermutlich mit der Vereinzelung des Eigentums nach der Auflösung der Stammesgesellschaft zu tun hat, möglicherweise auch mit dem Wunsch der Frau nach bestmöglicher wirtschaftlicher Absicherung, dem Wunsch nach Geborgenheit.

Von der biologischen Entwicklung des Menschen ist die Einehe nicht erklärbar, da Affen im allgemeinen nicht monogam leben.

Nach dem Tod seiner Söhne Er und Onan, wäre Juda verpflichtet gewesen, die Schwagerehe mit seiner Schwiegertochter Tamar zu vollziehen. Er schickte sie jedoch in ihr Elternhaus zurück (1. Mose 38:6-11). Nun wußte Tamar, daß ihr Schwiegervater, nach dem Tod seiner Frau, nicht nur zum Scheren der Schafe nach Timmna ging. Also verkleidete sie sich als Tempelprostituierte. Ja - so etwas gab es damals noch. In manchen Orten bemühten sich Priester und Prostituierte gemeinsam um das leibliche und geistige Wohl derjenigen, die sich ihnen anvertrauten. Dem Propheten Hosea empfiehlt der Herr sogar sich eine Tempelprostituierte zu nehmen.

Hosea 1,2

So begann der Herr durch Hosea zu reden: Der Herr sagte zu Hosea: Geh, nimm dir eine Kultdirne zur Frau, und (zeuge) Dirnenkinder! Denn das Land hat den Herrn verlassen und ist zur Dirne geworden.

Prostitution war übrigens zur Zeit des weisen Königs Salomo kein Verbrechen. Salomo schlichtet u. a. einen Streit zwischen zwei Prostituierten. Es ging dabei um ein Kind. Beide Frauen behaupteten, daß das Kind ihr Kind sei (1. Könige 3:16- 28).

Auch der, angeblich von Gott, mit Wunderkräften ausgestattete Richter Simson vergnügte sich mit einer Prostituierten (Richter 16:1).

Von zwei Spähern des Josua wird berichtet, daß sie Unterkunft bei einer Prostituierten mit Namen Rahab nahmen (Josua 2:1, siehe auch Josua 6:17, 6:22-23).

Sogar von männlichen Tempelprostituierten wird berichtet (2. Könige 23:7).

Natürlich tat man das auch damals schon nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern des schnöden Mammons wegen.

Es gibt zwar in 3. Mose 19:29 ein Gesetz gegen die Prostitution und in 5. Mose 23:17 ein Gesetz gegen Tempelprostitution. Aber mit diesen Gesetzen nahm man es wohl nicht so genau, denn der Richter Jephta war der Sohn einer Prostituierten (Richter 11:1), obwohl in 5. Mose 23:2 steht:

5. Mose 23:2

Kein illegitimer Sohn darf in die Versammlung Jehovas kommen. Selbst bis zur zehnten Generation darf keiner der Seinen in die Versammlung Jehovas kommen.

Nach dieser Exkursion zum Thema Prostitution nun wieder zur Geschichte von  Juda und Tamar. Juda sah nun die verschleierte Tamar am Eingang des Dorfes Enajim sitzen. Er erkannte sie jedoch nicht. Da er jedoch ohnehin eine kleine Pause einlegen wollte, sprach er jene Tempelprostituierte an (1. Mose 38:13-15).

1. Mose 38:16-18

Da bog er zu ihr ab an dem Weg und sprach: "Gestatte mir bitte, mit dir Beziehungen zu haben." Denn er wußte nicht, daß sie seine Schwiegertochter war. Sie aber sprach: "Was wirst du mir geben, damit du mit mir Beziehungen haben kannst?" Darauf sprach er: "Ich selbst werde Ziegenböckchen von der Herde senden." Sie aber sprach: "Wirst du ein Pfand geben, bis du es sendest?" Und er fuhr fort: "Was soll ich dir als Pfand geben?" Worauf sie sagte: "Deinen Siegelring und deine Schnur und deinen Stab, den du in der Hand hast." Da gab er sie ihr und hatte Beziehungen mit ihr, so daß sie durch ihn schwanger wurde.

Durch seinen Diener läßt Juda das Ziegenböckchen schicken, aber der Diener kehrt unverrichteter Dinge zurück. Er erfährt nur, daß es an diesem Ort keine Tempelprostituierte gibt (1. Mose 38:19-23).

Aber wie reagiert nun Juda, als er erfährt, daß seine Schwiegertochter Tamar als Tempelprostituierte schwanger geworden ist.

1. Mose 38:24

Etwa drei Monate später jedoch geschah es, daß dem Juda mitgeteilt wurde: "Tamar, deine Schwiegertochter hat die Hure gespielt, und siehe, sie ist durch ihre Hurerei auch schwanger." Darauf sprach Juda: "Bringt sie hinaus, und sie werde verbrannt."

Zum Glück kann Tamar Judas Siegelring vorweisen, und Juda erkennt seine Ungerechtigkeit.

Der Charakter Judas wird von seinem Vater Jakob nochmal beleuchtet, als er ihn kurz vor seinem Tod segnet. Hier eine kleine Auswahl der Segenswünsche:

1. Mose 49:9

Ein Löwenjunge ist Juda. Vom Raub wirst du mein Sohn gewißlich emporsteigen.

1. Mose 49:11-12

An einen Weinstock bindet er seinen ausgewachsenen Esel und an eine Edelrebe das Junge seiner eigenen Eselin; seine Kleidung wird er bestimmt im Wein waschen und sein Gewand im Blute der Trauben. Dunkelrot sind seine Augen vom Wein und weiß seine Zähne von Milch.

Über einige der Brüder von Juda und die Zukunft ihrer Stämme urteilt Jakob nicht weniger kritisch.

1. Mose 49:5-7

Simeon und Levi sind Brüder. Werkzeuge der Gewalt sind ihre Schlachtwaffen. In ihre Gruppe von Vertrauten komme nicht, o meine Seele. Mit ihrer Versammlung werde nicht vereint, o mein Gemüt, denn in ihrem Zorn töteten sie Männer, und in ihrem Mutwillen durchschnitten sie Stieren die Sehnen. Verflucht sei ihr Zorn, denn er ist grausam, und ihr Zornausbruch, denn er handelt hart. Ich will sie aufteilen in Jakob und will sie zerstreuen in Israel.

Zur Sprache kommt bei diesen Segenswünschen auch, wie Jakob sein Eigentum erworben hat.

1. Mose 48:21-22

Danach sprach Israel zu Joseph: "Siehe, ich sterbe nun, aber Gott wird bestimmt weiterhin mit euch sein und euch in das Land eurer Vorväter zurückbringen. was mich betrifft, ich gebe dir einen Landrücken mehr als deinen Brüdern, den ich mit meinem Schwert und mit meinem Bogen aus der Hand der Amoriter genommen habe.

Wenn man solche Worte liest, fragt man sich unwillkürlich, ob denn das Sprichwort "unrecht Gut gedeiht nicht gut" für jene, angeblich von Gott begnadeten Menschen, nicht gilt, und man fragt sich, ob es damals auf dieser Welt keine besseren Menschen als jene Nachkommen Isaaks gegeben hat.


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