Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens
Teil 1

Textmarken: Die Wahrheit nach Maß,    Sippenhaft,    Meine Gedanken sind höher als eure Gedanken,    Killerphrasen gegen Bibelwidersprüche,    Der Wissenschaftler als Gutachter


Die Wahrheit nach Maß

In Lukas 10 verflucht Jesus drei Städte, in denen er vermutlich mit seinen "Wundertaten" kein Glück hatte. Jedenfalls hat er dort kein billiges Quartier gefunden.

Lukas 10:10-15

Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, und sie euch nicht aufnehmen, so geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht: Auch den Staub aus eurer Stadt, der sich an unsere Füße gehängt hat, schütteln wir ab auf euch. Doch sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage als dieser Stadt. Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche gesessen und Buße getan. Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch. Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. (Luther‘84)

Ist man denn gezwungen, dahergelaufene Wanderprediger oder solche, die sich als Wanderprediger ausgeben, zu beherbergen? Im alten Israel galt freilich die Gastfreundschaft mehr als bei uns.

Was aber unserem Rechtsempfinden völlig widerspricht, ist die Sippenhaft. Jesus verflucht ganze Städte ohne die Bewohner und ihre Motive im Einzelnen zu beurteilen. Die Sippenhaft - ein Relikt aus der Stammesgesellschaft, eine Sichtweise, die nicht differenziert, Schwarz-Weiß-Malerei, die Sichtweise eines Primitiven. (siehe hierzu auch Noah und der "gerechte" Gott). Auch die Geschichte vom Sündenfall bei dem Gott alle Nachkommen von Adam und Eva bis heute verflucht hat, ist nur aus diesem antiken Rechtsverständnis heraus zu verstehen.

Was macht nun ein Theologe, wenn man ihn mit solchen oder ähnlichen Ungereimtheiten seiner angeblich von Gott inspirierten Glaubengrundlage konfrontiert. Kein Problem! Für solche Fälle hatten schon die jüdischen Priester ein umfangreiches Repertoire an Antworten parat.

Ein trickreiches Repertoire, das den Vordenkern der einzelnen christlichen Kirchen auch dazu diente und dient, sich von anderen christlichen Kirchen abzugrenzen. Der ganze Streit zwischen den christlichen Kirchen könnte beigelegt werden, wenn man sein Augenmerk nicht auf die unterschiedlichen Auslegungen richten würde, sondern auf die Verfahrensweise nach der diese "Wahrheit nach Maß" - nämlich nach dem Maß der Kirchen - entstanden ist.

 

Meine Gedanken sind höher als eure Gedanken . . .

In der Bibel gibt es zahlreiche Stellen, wo der logische Zusammenhang fehlt. So antwortet Jesus in Matthäus 9:15 den Jüngern des Johannes. Aber der nächste Satz (Matthäus 9:16) geht völlig am Thema vorbei.

Matthäus 9:14-16

Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht? Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten. Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid ab, und der Riss wird ärger. Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.
(Luther‘84 Erläuterung aus der Einheitsübersetzung: Die zwei Klugheitsregeln weisen auf die Unverträglichkeit von Neuem und Altem hin. - «Schläuche» waren zusammengenähte Ziegenfelle, die man im Altertum anstelle von Weinfässern verwendete. Ungewalktes Tuch zieht sich bei Nässe zusammen.)

Wollte Jesus hier vom Thema ablenken, nachdem ihm die Jünger des Johannes unangenehme Fragen gestellt haben? Die beiden Klugheitsregeln, die unmittelbar im Anschluss genannt werden, passen logisch nicht zum vorher Gesagten. Wenn Jesus hier auf den Anbruch eines neuen Zeitalters hinweisen will, dann ist unverständlich, wieso an anderer Stelle berichtet wird, dass er selbst 40 Tage gefastet hat (Matthäus 4:2). In Matthäus 9:15 erklärt er, dass die Jünger nach seinem Tod fasten werden, nicht zuletzt deshalb, weil sie von Almosen gelebt haben, die durch seine Tätigkeit als Wanderprediger und Wunderheiler  hereinkamen (Johannes 12,6 Kassenverwalter Judas). Die Tradition des Fastens wird also fortgeführt. Es kommt in diesem Fall nichts Neues. Die beiden Klugheitsregeln passen also nicht dazu.

Wenn solche Widersprüche in "Gottes Wort" auftauchen oder wirre Texte, wie sie bei den Propheten zu finden sind, dann haben Theologen da eine besondere Erklärung parat. Der Prophet Jesaja erklärt dies so:

Jesaja 55:8-9

"Denn eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, noch sind meine Wege eure Wege" ist der Ausspruch Jahwes. "denn wie die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Diese Worte scheinen zu besagen, dass Gottes Gedanken für uns wegen ihrer undurchschaubaren Komplexität, ähnlich wie höhere Mathematik, undurchschaubar sind. Liest man jedoch zwei Sätze weiter, dann erkennt man, dass Gottes Wort so eindringlich und mächtig ist, dass es bewirkt, was er will.

Jesaja 55:10-11

Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
 

Aber es gibt weitere Bibelzitate, die nahe legen, dass wir Analphabeten sind, wenn es um Gottes unerforschliche Gedanken geht. Hier ein Jesus-Zitat.

Johannes 3:12
Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?

Wobei das Zitat aus Johannes, wenn man es im Zusammenhang liest, nur besagt, dass Jesus eben nicht über himmlische Dinge gesprochen hat. Wenn man einen Satz weiter liest stellt man zudem fest, dass bisher noch kein noch kein Mensch im Himmel ist. Jesus widerspricht damit Lukas 16,19-31, der hier erwähnt, dass Abraham im Himmel ist.

Johannes 3,11-13

Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen (Jesus und seine Jünger), davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche? Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.

Paulus spricht gar von der Torheit der Verkündigung.

1. Korinther 1:21

Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten.

1. Korinther 1:25

Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen.

1. Korinther 3:18-19

Niemand verführe sich selbst: Wenn jemand unter euch denkt, er sei in diesem System der Dinge weise, so werde er ein Tor, damit er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott; denn es steht geschrieben (Hiob 5:13): ‚Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List.‘ Und wiederum: ‚Jahwe weiß, dass die Überlegungen der Weisen nichtig sind.‘

1. Korinther 13:11-12

Als ich ein Unmündiger war, pflegte ich wie ein Unmündiger zu reden, wie ein Unmündiger zu denken, wie ein Unmündiger zu überlegen; nun aber, da ich ein Mann geworden bin, habe ich die Merkmale eines Unmündigen abgelegt. Denn jetzt sehen wir wie mit Hilfe eines metallenen Spiegels in verschwommenen Umrissen, dann aber wird es von Angesicht zu Angesicht sein. Jetzt erkenne ich teilweise, dann aber werde ich genau erkennen, so, wie ich genau erkannt worden bin.

Man darf natürlich zu der eben zitierten Stelle 1. Korinther 13:11- 12 nicht gleichzeitig Matthäus 11:25 zitieren, denn Jesus beurteilt die Unmündigen ganz anders als Paulus.

Matthäus 11:25

Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach: "Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge vor den Weisen und Intellektuellen verborgen und sie Unmündigen geoffenbart hast.

Die offensichtliche Furcht vor der Argumentation Intellektueller kommt bei Matthäus an anderer Stelle noch deutlicher zum Ausdruck.

Matthäus 7:6

Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Die christliche Gegenargumentation besteht nicht in einer Widerlegung der gegnerischen Argumentation, wodurch man den anderen überzeugen könnte, sondern es wird einfach behauptet, dass Gottes Weisheit unsere geistigen Fähigkeiten übersteigt und wir den eigentlichen Sinn seiner Worte nicht mehr erfassen können. Sie erscheinen uns daher manchmal unsinnig und nicht nur uns, sondern sogar den Aposteln; denn der Apostel Paulus hat ja in der bereits zitierten Bibelstelle zugegeben, dass auch er nur alles in verschwommenen Umrissen erkannt hat. Wobei unklar bleibt, wieso sich im Jenseits plötzlich Bibel-Widersprüche auflösen sollen (siehe Link "Briefe" und den weiteren Link "Kann Gott rechnen"). Falls es ein Jenseits gibt, so werden wir dort die gleichen kleinen Geister bleiben wie hier. Eine Reinigung von Sünden bringt ja keine zusätzliche Intelligenz.

Außerdem muss man noch bedenken: Gott hat sich den Menschen ihm zum Bilde geschaffen, als ein Wesen, das ihn erkennt und deshalb anbetet  (wenn man der Schöpfungsgeschichte Glauben schenkt). Man fragt sich also, warum ein Wesen wie Gott, ein Wesen von so überragender Intelligenz sich nicht verständlich machen kann.

Und was für einen Nutzen hat ein Buch, das auf viele Fragen eine für uns unlogische Antwort parat hat?. Ein Buch, das dadurch unglaubwürdig ist.

Mit den oben genannten Bibelzitaten kann der Gläubige Überlegenheit demonstrieren. Er muss aber indirekt zugeben, dass die christliche Lehre nicht sehr überzeugend wirkt. Die Wahrheit dessen, was er glauben soll, kann der Christ selbst nicht erkennen. Ein blinder Glaube wird hier gefordert. Ein Glaube, der sich nur auf das Vertrauen in den Menschen Jesus und die Evangelisten, die über ihn berichtet haben, stützt.

Im täglichen Leben glauben wir im allgemeinen nur das, was uns nach oberflächlicher Prüfung möglich erscheint. Die christliche Religion fordert jedoch einen Glauben, der nur dann als echt gilt, wenn man auch an das Unwahrscheinliche glaubt, z. B. an die Auferstehung eines Menschen nach dem Tod. Schon Jesus belehrt den ungläubigen Thomas:

Johannes 20:29

"Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt? Glücklich sind die, die nicht sehen und doch glauben."

Hebräer 11:1
Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.

Wahrer Glaube ist also ein Glaube, der ohne die verstandesmäßige Einsicht auskommt. Ein Glaube für Leute, die nicht lang fragen. "Denn wir wandeln durch den Glauben und nicht durch Schauen", sagt Paulus in 2. Korinther 5:7. Der Idealtypus eines Gläubigen ist demnach ein Blindgänger.

Ja - vom blinden Glauben leben die Seher.

Aber mal ehrlich, niemand kann sich zwingen etwas zu glauben. Das wäre ein frommer Selbstbetrug. Glauben heißt doch nicht nur vertrauen, sondern auch etwas für wahr halten.

 

Killerphrasen gegen Bibel-Widersprüche

Bis vor einigen Jahren behaupteten christliche Fundamentalisten immer noch die Bibel enthalte keine Widersprüche. Da sich jedoch heute mit Hilfe des Internet jeder davon überzeugen kann, dass dies nicht stimmt, wird heute gelegentlich auch von Fundamentalisten zugegeben, dass Gott in der Bibel vermeintliche Widersprüche eingebaut hat, damit Atheisten und Andersgläubige darüber stolpern.

Im Alten Testament wird tatsächlich von einigen Begebenheiten berichtet, wo Gott angeblich absichtlich Menschen verblendet, so dass sie in ihr Unglück rennen, aber auch etlichen Anderen damit schaden.

Exodus 11:9-10

Der Herr sprach zu Mose: Der Pharao hört nicht auf euch; denn ich will viele Wunder in Ägypten vollbringen. Mose und Aaron vollbrachten alle diese Wunder vor den Augen des Pharao, aber der Herr verhärtete das Herz des Pharao, so dass er die Israeliten nicht aus seinem Land fortziehen ließ.

Wunder bei denen dann der "liebe" Gott lt. Überlieferung etliche Erstgeborene erschlug und angeblich auch die Armee des Pharao. In der ägyptischen Überlieferung wird das jedoch nirgends bestätigt. Aber Fundamentalisten haben da ihr eigenes Geschichtsbild.

Exodus 12:29-30

Es war Mitternacht, als der Herr alle Erstgeborenen in Ägypten erschlug, vom Erstgeborenen des Pharao, der auf dem Thron saß, bis zum Erstgeborenen des Gefangenen im Kerker, und jede Erstgeburt beim Vieh. Da standen der Pharao, alle seine Diener und alle Ägypter noch in der Nacht auf, und großes Wehgeschrei erhob sich bei den Ägyptern; denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter war.

Exodus 14:4

Ich will das Herz des Pharao verhärten, so dass er ihnen nachjagt; dann will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht meine Herrlichkeit erweisen, und die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin. Und so taten sie es.

Die Ägypter haben das freilich nicht erkannt. Sie haben nach wie vor ihre Götter verehrt. Krieg und Niederlagen haben dem Volksglauben noch nie geschadet, denn wenn jemand durch Verkettung glücklicher Umstände mit dem Leben davon gekommen ist, dann war dies natürlich ein Wunder, das die Kirche dann vermarktet hat.

Vor einigen Jahren hatte ich mal hier an meinem Wohnort ein Gespräch mit dem katholischen Geistlichen Pfarrer Kurz. Er hat mich damals mit seiner Interpretation der Hegelschen Philosophie konfrontiert, wonach sich These und Antithese auf höherer Ebene zur Synthese vereinigen lassen. Und er schloss daraus, dass es aus philosophischer Sicht keine Lüge gibt. Wieso dann lügen eine Sünde ist, blieb allerdings ein Rätsel, das sich seiner Ansicht nach sicher im Jenseits lösen wird.

Ich zähle diese Argumente zu den Killerphrasen, mit denen man jedes Argument beantworten kann, ohne den Widerspruch dadurch aufzulösen. Mit diesen Argumenten kann man jedes Märchenbuch zu einer heiligen Schrift machen.

Wer so urteilt baut nicht mehr auf intersubjektiv nachprüfbare Wahrheitskriterien, wie sie die Naturwissenschaft anbietet, sondern er setzt bedingungslos auf eine Glaubensautorität, auf einen Menschen, dessen Worte er für Gottes Worte hält, gleichgültig welchen Unsinn er erzählt hat.

 

Ich orientiere mich da lieber an dem deutschen Sprichwort:

Wer einmal lügt,

dem glaubt man nicht,

und wenn er selbst

die Wahrheit spricht.

 

Schon der französische Philosoph Diderot (1713 - 1784) sagt: Wenn Gott, von dem wir die Vernunft haben, das Opfer der Vernunft verlangt, so ist er ein Taschenspieler, der das, was er gegeben hat, wieder verschwinden lässt. (mehr dazu unter dem Link Aphorismen )

 

Ich gehe davon aus, dass es auch den religiösen Betrug gibt. Wie anders ist sonst zu erklären, dass es unterschiedliche Religionen gibt.

Der Wissenschaftler als Gutachter

Autoritätsgläubige Menschen sind auch empfänglich für die Worte von Kapazitäten aus der Wissenschaft. Und Kirchen schmücken ihre Lehre gern mit Zitaten von Wissenschaftlern aus ihren Reihen. Das verleiht dem Glauben mehr Glaubwürdigkeit und versöhnt ihn scheinbar mit der Wissenschaft. Einige Zitate sollen hier für viele stehen, die man anführen könnte. Ganze Bücher sind damit gefüllt worden.

Ein Naturwissenschaftler, der von christlichen Fundamentalisten häufig zitiert wird ist Prof. Werner Gitt.

Prof. Gitt behauptet u. a.: das DNS-Molekül, auf dem unsere Erbinformationen gespeichert sind, stellt die höchst mögliche Informationsdichte dar (Gitt, Das biblische Zeugnis der Schöpfung Seite 78 bis 82). Er verschweigt aber das so genannte C-Wert-Paradoxon (siehe Link Evolution). Es kodieren nämlich keineswegs alle Moleküle der DNS Proteine, sondern die DNS enthält auch zwischen den codierten Sequenzen jede Menge unsinnigen Code, der nicht in Proteine übersetzt wird. Man weiß, dass bei Säugetieren nur etwa 2 bis 8 % der DNS Proteine codieren. (Die Zelle VCH Verlag).

In einem anderen den christlichen Fundamentalisten nahe stehenden Werk wird dieses C-Wert-Paradoxon damit erklärt, dass Gott reichhaltige Grundtypen geschaffen hat, die sich seitdem auseinander entwickelt haben (Junker/Scherer Evolution - ein kritisches Lehrbuch). In der Bibel steht jedoch nur, dass die Menschen vom Baum des Lebens getrennt wurden. Von einer raschen Ausdifferenzierung / Degeneration in unterschiedliche Arten wird nirgends berichtet. Der Mensch müsste dann auch zu den Affen gezählt werden und das will man keinesfalls.

Für Prof. Gitt ist die Sintflut ein globales Ereignis. Um die naturwissenschaftlichen Widersprüche aufzulösen behauptet Prof. Gitt:

„Wir hatten bereits festgestellt, dass - naturwissenschaftlich gesehen - die Sintflut einen Ereignishorizont darstellt. Was davor war können wir in der Regel nicht mehr feststellen. Die Bibel gibt uns aber zahlreiche Informationen, so dass wir zu einer Reihe von Schlussfolgerungen befähigt werden. (Gitt, Das biblische Zeugnis der Schöpfung Seite 115).

Zu den Problemen mit der Arche, wie z. B. Fütterung der Tiere, Kot-Beseitigung, wie kamen die Beuteltiere nach Australien ohne gefressen zu werden, wieso gibt es keinen Bruch in der ägyptischen Kultur zum Zeitpunkt der Sintflut (Beibehaltung der Sprache und der Religion), die rasche Entfernung der Landmassen nach der Sintflut, nimmt Prof. Gitt nicht Stellung. Ebenso nicht zur der Tatsache, dass es nicht nur Flutkatastrophen gab, sondern es gab auch eine Reihe großer Meteoriten-Einschläge, von denen die Bibel nichts berichtet (z. B. der Einschlag im Nördlinger Ries). Auch von einer Eiszeit weiß die Bibel nichts. Man findet auch nicht wie Gitt behauptet überall Sedimente.

Mit Hilfe von Stichproben lässt sich der Bereich der größten Flut im Gebiet von Euphrat und Tigris abstecken. Nach Wooleys Ansicht hat die Katastrophe nordwestlich vom persischen Golf ein Gebiet in einer Ausdehnung von 630 Kilometer Länge und 160 Kilometer Breite verschluckt. Wenn man die Landkarte betrachtet, war es nur, wie wir heute sagen würden ein „lokales Ereignis“ - für die Bewohner dieser Flussniederung war das einst ihre ganze Welt. (Quelle: Keller "Und die Bibel hat doch recht"). Mehr dazu siehe unter Link Bibelkritik die Kapitel unter "Die Sintflut in der Diskussion".

Die Frage wieso wir das Licht weit entfernter Sterne empfangen beantwortet Gitt so, dass Gott mit der Schöpfung auch das Licht der Sterne geschaffen hat, zig Trillionen von Photonen, alles kein Problem für den großen Alleskönner. Weit entfernte Supernova-Explosionen in einem Abstand von mehr als 6000 Lichtjahren sind dann aber nur als Licht sichtbar und nicht tatsächliches Geschehen. Gott hätte dann ein Alter des Universums mit Licht vorgetäuscht. Hier behauptet Gitt, dass sich das Licht nicht mit gleichmäßiger Geschwindigkeit im Weltraum fortbewegt hat.

Zu Problemen bei kosmologischen Fragen sagt Gitt:

„Bei kosmologischen Fragen stoßen wir dennoch laufend an unvermeidbare Denkgrenzen. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Struktur des Universums verwiesen (Jeremia 31,37). Wenn die Gedanken Gottes höher sind als unsere (Jesaja 55,8-9), warum sollten dann alle seine Werke verstehbar sein? (Gitt „Das biblische Zeugnis der Schöpfung“ Seite 135). Zur Gegenargumenten von Jesaja 55,8-9 kommen wir weiter unten.

Nach Gitt enthält die Bibel 6408 prophetische Angaben, von denen sich 3268 erfüllt haben (Gitt in seinem Buch „So steht’s geschrieben“). Wenn man sich die Bibel jedoch genauer ansieht, dann stellt man fest, dass einige der Prophezeiungen falsch sind.

Beispiel: 1. Mose 49,10

Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt.

Eine Bibelstelle, die gerne auf Jesus gedeutet wird. Aber vor Jesus gab es die assyrische Gefangenschaft (2. Könige 17:1-4) und die babylonische Gefangenschaft (2. Könige 25:21-27). Mehr dazu auf meiner Homepage unter dem Link Bibelkritik „Weissagungen, die auf Jesus hindeuten“.

In vielen evolutionskritischen Werken wird immer das Argument der Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Leben diskutiert und dann mit Zahlenangaben untermauert, die eine Evolution unwahrscheinlich erscheinen lassen (siehe unter anderem Junker / Scherer Evolution - ein kritisches Lehrbuch). Das Problem ist nur, dass Leben nicht als ein Wesen mit einer bestimmten DNS-Struktur oder RNS-Struktur definiert ist, sondern als ein Gebilde, das einen Stoffwechsel hat und sich reproduzieren kann. Leben ist also von seiner Funktion her definiert und nicht von seiner Struktur. Das heißt aufgrund dieser Definition kann ich keine Berechnung anstellen. Beliebt ist auch eine Wahrscheinlichkeitsberechnung zur Entstehung des Geiselantriebs. Man schließt hier von der Komplexität (man könnte auch sagen es ist umständlich realisiert) darauf, dass dieser Geiselantrieb nie zufällig entstanden sein kann. Tatsächlich enthält aber eine längere Zufallsfolge eher einen Lösungsweg für die Verwendung einer Geisel als eine kurze (siehe auf meiner Homepage Link Evolution und dort den weiteren Link Evaluo - ein Programm, das mit Zufallsstrategien ein Zahlenspiel löst. Außerdem führt jede Wiederholung eines Bewegungsablaufs zu einer rhythmischen Bewegung. Mehr dazu unter dem Link Evolution.

Gern zitiert wird auch Einstein. So soll Einstein gesagt haben: "Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns." 

Die Auslastung des Gehirns konnte man aber zu seiner Zeit gar nicht messen. Solche Studien am lebenden Objekt sind erst in den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Computertomographie möglich geworden. Und hier ergibt sich durchaus ein anderes Bild als von Einstein vorhergesagt. Von den Sinneszellen werden gewaltige Informationsmengen erfasst. Was uns bewusst wird, ist nur das Ergebnis einer überaus komplexen Verarbeitung, die zu jeder Sekunde große Teile des Gehirns in Anspruch nimmt.

Man muss hier immer unterscheiden, ob es sich um eine naturwissenschaftlich begründete Aussage handelt oder um eine Meinungsäußerung.

Heisenberg soll einmal gesagt haben:

"Wenn man am Becher der Naturwissenschaft nur nippt, so wird man Atheist, leert man ihn aber bis zur Neige, so erscheint auf dem Grunde Gott."

Solche Worte, zumal wenn sie von einem Nobelpreisträger stammen, machen Eindruck. Ich habe allerdings noch nirgends gelesen, wie Heisenberg zu dieser Schlussfolgerung gekommen ist.

Wer den Satz von Heisenberg ein zweites Mal liest, der stellt sich die Frage, ob es überhaupt jemanden gibt, der den Becher der Naturwissenschaft bis zur Neige leeren kann. Angesichts der Fülle des gesammelten Wissens eine unlösbare Aufgabe. Hat sich Heisenberg hier nicht genauso überschätzt wie jene Theologen, die glauben von Gott auserwählt zu sein, und die nun im Namen Gottes ihre eigenen Gedanken verbreiten?

Und welchen Gott meint Heisenberg? Meint er den Christengott, jene Vaterfigur aus dem "Vater unser", die ihren eigenen Sohn umbringen lassen muss, um die Welt von ihren Sünden erlösen zu können? Meint er Gott als Verkörperung der Weltformel, nach der die Wissenschaftler seiner Zeit gesucht haben? Meint er einen ansprechbaren Gott oder ein gesetzmäßiges Prinzip? Um diese Frage zu beantworten, hier noch zwei weitere Zitate von Heisenberg:

Heisenberg in "Die Plancksche Entdeckung und die philosophischen Grundfragen der Atomlehre" Kapitel "Schritte über Grenzen" Piper-Verlag 1971

"Die letzte Wurzel der Erscheinungen ist das mathematische Gesetz, das fundamentale Symetrieoperationen, wie zum Beispiel Verschiebung im Raum oder in der Zeit definiert und damit den Rahmen bestimmt, in dem alles Geschehen stattfinden kann."

"Die kleinsten Einheiten der Materie sind tatsächlich nicht mehr physikalische Objekte im gewohnten Sinne des Wortes, sie sind Formen, Strukturen oder - im Sinne Platons - Ideen." (Aus einem buddhistischen Kalender aus dem Jahr 1978)

Trotzdem verstand sich Heisenberg als Christ. Carl Friedrich von Weizsäcker ein anderer großer Physiker und Philosoph schreibt in seinem Buch "Zeit und Wissen":

"Meine Lehrer Bohr und Heisenberg glaubten seinerzeit nicht, dass die Physik ausreichen könne, Lebensphänomene zu erklären. Der frühe Kontakt mit Biologen machte mir jedoch wahrscheinlich, dass Gene, Pflanzen, Tiere und Menschen dem platonischen Reichtum mathematischer Gestalten nicht so viel fremder seien als Atome Schneekristalle und Sterne."

Wenn man nur diesen Satz Carl Friedrichs von Weizsäckers liest, könnte man meinen, er sei ein überzeugter Materialist. Er selbst versteht sich jedoch als Christ. In dem oben genannten Buch bekennt er, dass er täglich betet. Er betrachtet die Bibel, aber auch religiöse Werke anderer Religionen insbesondere des Buddhismus, als göttliche Offenbarung in der Form eines Mythos. Die Diskrepanz zu seinem physikalischen Weltbild überbrückt er mit Interpretationen des Mythos. Er geht davon aus, dass jene, die diesen Mythos verbreitet haben, ehrliche Menschen waren. Dieses grenzenlose Vertrauen ist es, was ihn vom Materialismus trennt. Ein Vertrauen, das nicht gerechtfertigt ist. Es hat zu allen Zeiten Betrüger gegeben, deren Geschäftsbasis die Religion war. Geltungssucht, Halluzinationen, in Notsituationen abgegebene Gelübde, das in der damaligen Zeit fehlende staatliche Sozialsystem sind weitere Motive. Skepsis ist also auch hier angebracht.

Es sind auch nicht alle bedeutenden Naturwissenschaftler Christen wie uns diese Zitate glauben machen sollen. Hier noch ein Zitat von Einstein:

"Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit, die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich sind, dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus; in diesem Sinn und nur in diesem gehöre ich zu den tief religiösen Menschen. Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren. Mir genügt das Mysterium der Ewigkeit des Lebens und das Bewusstsein und die Ahnung von dem wunderbaren Bau des Seienden sowie das ergebene Streben nach dem Begreifen eines noch so winzigen Teiles der in der Natur sich manifestierenden Vernunft."

(Quelle: Abraham Pais, Ich vertraue auf Intuition - Der andere Albert Einstein, Spektrum Akademischer Verlag, 1998, Seite 159. Fußnote dort: "Wieder abgedruckt in: Einstein, A., Mein Weltbild, Hrsg. von Seelig, C. Berlin 1993, Seite 10")


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