Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens
Teil 3

Textmarken: Wie die Schriften gefälscht wurden,   Der Aussendungsbefehl,    Heiden bezeichnet Jesus als Hunde,     Wie aus der Sekte der Nazarener die christliche Kirche wurde,    Gott wohnt nicht in Tempeln,    Das Auffinden älterer Werke,    Geteilte Wahrheit,    Legendenbildung,    Lesarten,   


Wie die Schriften gefälscht wurden

Bei der Darstellung der Wunder Jesu übertreffen sich die Evangelisten gegenseitig. Das Wunder ist eben des Glaubens liebstes Kind.

Bei Blutern kommt der Blutfluss manchmal durch den geringeren Blutdruck zum Stillstand. Ob die Frau auf Dauer geheilt war? Wahrscheinlich nicht, denn die Priester, die Jesus verurteilten, konnten mit der Unterstützung des Volkes rechnen, deshalb ließen sie Jesus öffentlich hinrichten.

Markus 5:25-34 (Matthäus 9:20-22, Lukas 8:43-48)

Nun war da eine Frau, die zwölf Jahre lang mit einem Blutfluss behaftet war, und sie war von vielen Ärzten vielen Schmerzen ausgesetzt worden und hatte ihr ganzes Vermögen verbraucht, und es hatte ihr nichts genützt, sondern es war eher schlimmer geworden. Als sie die Dinge über Jesus hörte, trat sie in der Volksmenge von hinten herzu und rührte sein äußeres Kleid an, denn immer wieder sagte sie: "Wenn ich nur seine äußeren Kleider anrühre, werde ich gesund werden." Und sogleich vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie fühlte es an ihrem Leibe, dass sie von der lästigen Krankheit geheilt worden war.

Lukas 8:43-48

Und sogleich erkannte Jesus an sich, dass Kraft von ihm ausgegangen war, und er wandte sich in der Volksmenge um und begann zu sagen: "Wer hat meine äußeren Kleider angerührt" Aber seine Jünger begannen zu ihm zu sagen: "Du siehst, dass die Volksmenge dich drängt, und du sagst: ‚Wer hat mich angerührt?‘" Er aber schaute ringsum, um die Frau zu sehen, die das getan hatte. Die Frau aber, furchterfüllt und zitternd, da sie wusste, was ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er sprach zu ihr: "Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh‘ hin in Frieden, und sei von deiner lästigen Krankheit geheilt."

Dass die Wunder offenbar nur dort geschehen, wo daran geglaubt wird, bestätigt auch Matthäus in

Matthäus 13,58
Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

Und ein Blick in fremde Kulturen zeigt, dass es offenbar gleichgültig ist, an welchen Gott man glaubt.

Bei Matthäus und Lukas findet man eine dem Markus-Evangelium ähnliche Bibelstelle. Während Matthäus nicht erwähnt, dass hier von Jesus eine Kraft ausgeströmt ist, denn dies steht im Widerspruch zu seinen folgenden Worten "dein Glaube hat dich gesund gemacht", sagt Jesus bei Lukas: 

Lukas 8,46 

Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist. (Luther 84)

Diese interpretierende Erweiterung, um die Bedeutung jenes Jesus zu steigern, hatte natürlich ein Ende, wenn das Evangelium schriftlich fixiert war und in Abschriften bei verschiedenen Gemeinden lag.

Man konnte dann allenfalls das Evangelium durch erläuternde Kommentare erweitern oder man fügte am Schluss noch einige Verse an und behauptete, andere Schriftrollen seien nicht vollständig.

Ein Beispiel dafür findet sich im Johannesevangelium.

Johannes 20:30-31 

Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Johannes 20:30-31 ist ein Schlusssatz zum Johannesevangelium. Danach folgen noch einige Auferstehungslegenden. Wenn man die Geschichte mit Markus vergleicht so stimmt sie bis Johannes 20:10 überein.  

Johannes 20:8-10

Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. Da gingen die Jünger wieder heim.

D. h. auch die folgenden 20 Verse sind vermutlich eine Einfügung aus späterer Zeit, eine Übernahme der Legenden aus anderen Berichten - als Ergänzung.

Ein anderes Beispiel ist der Schluss des Markusevangeliums. Es gibt alte Handschriften, bei denen das Markusevangelium mit Markus 16:8 endet.

Der berühmte Aussendungsbefehl "gehet hin in alle Welt und lehret alle Kreatur" (Markus 16:15) wurde erst in späterer Zeit hinzugefügt. Dies ergibt sich aus dem Verhalten der Apostel, das in der Apostelgeschichte dokumentiert ist. Paulus geht in jeder Stadt erst einmal in die Synagoge und er besucht nur solche Orte, die eine Synagoge haben.

Apostelgeschichte 17:1

Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden. (Luther‘84)

Die Samariter hatten auf ihrem Gebiet einige Heiligtümer u.a. den Jakobsbrunnen und jenes Stück Land, das der Legende nach Jakob dem Josef vermacht hatte (Johannes 4,6). Sie hatten aber auch auf dem Berg Garizim einen Tempel, der in Konkurrenz zum Tempel in Jerusalem stand. Jesus erkannte nur den Tempel in Jerusalem als Haus Gottes an. Das Verhältnis zwischen Galiläern und Samaritern war vor allem deshalb gespannt, weil der kürzeste Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samaria verlief. Die Galiäer, die hier durchreisten, nahmen zwar die Gastfreundschaft in Anspruch, aber besuchten keines ihrer Heiligtümer. Insofern waren diese Reisenden ein Verlustgeschäft für die Samariter. Auch Jesus hatte bei seinen Wanderungen Schwierigkeiten hier ein Quartier zu bekommen (Lukas 9,52-53).

Paulus, aber auch Petrus und andere Jünger (Apostelgeschichte 11:19), halten sich anfangs an einen anderen Missionsbefehl.

Matthäus 10:5-6

Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. (Luther‘84)

Matthäus 15:24

Er (Jesus) antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Matthäus 7,6
Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Markus 7,24-30 (Matthäus 15, 21-28)

Jesus brach auf und zog von dort in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, daß niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu Füßen. Die Frau, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin (wörtlich Griechin). Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den Dämon auszutreiben. Da sagte er zu ihr: Laßt zuerst die Kinder (die Kinder Israels) satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (Heiden) vorzuwerfen. Sie erwiderte ihm: Ja, du hast recht, Herr! Aber auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen. Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen. Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, daß der Dämon es verlassen hatte. (mehr dazu siehe Jesus Teil 3)

Mit Hunden vergleicht Jesus Menschen, die nicht den rechten Glauben haben und dazu gehörten seiner Meinung nach auch die Samariter, obwohl diese die 5 Bücher Mose anerkannten.

Johannes 4,20-22

Unsere Väter (Samariter) haben auf diesem Berg (Berg Garizim) Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muß. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

Die Missionserfolge bei den Juden bleiben jedoch gering. Die Gemeinden sind der ständigen Verfolgung durch die Priesterschaft ausgesetzt (Apostelgeschichte 8:1). Daher versuchten nun einige der aus Zypern und Zyrene stammenden Juden Heiden zu missionieren.

Apostelgeschichte 11:19-20

Bei der Verfolgung, die wegen Stephanus entstanden war, kamen die Versprengten bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia; doch verkündeten sie das Wort nur den Juden. Einige aber von ihnen, die aus Zypern und Zyrene stammten, verkündeten, als sie nach Antiochia kamen, auch den Griechen das Evangelium von Jesus, dem Herrn.

Die Mitglieder der weltoffenen Gemeinde in Antiochia waren auch die ersten, die sich Christen nannten (Einheitsübersetzung, Apostelgeschichte 11:26). Paulus wird von seinen Gegnern, die ihn verhaften und dem Statthalter Felix vorführen der jüdischen Sekte der Nazoräer (Nazarener) zugerechnet.

Apostelgeschichte 24:5-6

Wir finden nämlich, dieser Mann (Paulus) ist eine Pest, ein Unruhestifter bei allen Juden in der Welt und ein Rädelsführer der Nazoräersekte (Nazarenersekte). Er hat sogar versucht, den Tempel zu entweihen. Wir haben ihn festgenommen.

Als Hindernis erweisen sich zum einen die Beschneidung und zum anderen das Gesetz Moses, das regelt, welches Fleisch gegessen werden darf und welches nicht. Beide Hindernisse werden in der Zeit nach dem Tod Jesu aus dem Weg geräumt. Hier zeigt der neue Glaube seine Flexibilität. Als sich der römische Hauptmann Kornelius mit Almosen bei der Sekte anbiedert (Apostelgeschichte 10:31), hat der hungernde Petrus eine Vision, in der ihm Gott kundtut: "Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten" (Apostelgeschichte 10:10-16). Der Alleingang ist offensichtlich nicht mit den anderen Aposteln abgesprochen, wozu auch, wo doch alle Apostel den gleichen heiligen Geist haben, wie dies im Matthäusevangelium bestätigt wird.

Matthäus 10:20
Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.

Petrus muss sich vor den jüdischen Glaubensbrüdern und den anderen Aposteln rechtfertigen (Apostelgeschichte 11:1-2).

Bei einer weiteren Auseinandersetzung geht es um die Beschneidung. Petrus behauptet, dass Gott die Sache schon längst entschieden hat und fordert, den neu hinzugewonnenen Jüngern nicht ein Joch aufzuerlegen, das auch unter den Juden niemand tragen konnte (Apostelgeschichte 15:10) und meint damit die hundertprozentige Erfüllung des Gesetzteswerks von Moses. Petrus unterstützt von Paulus und Jakobus machen nun auch die Heiden-Christen gegen den Widerstand gläubig gewordener Pharisäer zu vollwertigen Mitgliedern der Gemeinde (Apostelgeschichte 15:1-26). Paulus redet nun von den im Geiste Beschnittenen (Römer 2:26-29). Während Galater 5,11 andeutet, dass er wohl früher selbst die Beschneidung gefordert hat.

Auch für ein anderes Problem, die fehlenden Gotteshäuser, hatte man eine Ausrede.

Apostelgeschichte 7:47-49 (siehe auch Matthäus 6:5-6 - Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest ...)

Salomo aber baute ihm ein Haus. Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: "Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen, spricht der Herr, oder was ist die Stätte meiner Ruhe?" (Jesaja 66:1)

Wozu dann nur die Tempelreinigung durch Jesus?

Aber zurück zum Thema "Erweiterung des Schrifttums". Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die vermutlich auch genutzt wurde, das Auffinden älterer Werke.

Diese Verfahrenweise war nicht neu. Schon im alten Testament steht:

2. Chronika 34:14 (2. Könige 22:8)

Während sie nun das Geld herausnahmen, das zum Hause Jahwes gebracht wurde, fand Chilkija, der Priester, das durch die Hand Moses übermittelte Buch des Gesetzes Jahwes.

Wenn man das fünfte Buch Mose liest, wird man feststellen, dass hier einige Gesetzestexte wesentlich detaillierter ausgeführt sind, als im dritten Buch Mose (vergleiche 3. Mose 20:27 mit 5. Mose 18:10-22).

Aber auch das dritte und vierte Buch Mose könnte von einem Chronisten aus späterer Zeit stammen, denn Moses verheißt hier den Leviten 48 nicht näher bezeichnete Städte mitsamt dem Weidegrund in Stadtnähe (4. Mose 35, 3. Mose 25:32-34). Dagegen sagt Josua, der Nachfolger von Moses, ausdrücklich:

Josua 13:14 (Josua 13:33)

Nur dem Stamm der Leviten gab er (Moses) kein Erbe. Die Feueropfer Jahwes, des Gottes Israels, sind ihr Erbe, so, wie er ihnen verheißen hat.

Dieses Verfahren der Büchervermehrung hatte auch bei den Evangelien den Nachteil, dass nun mehrere einander widersprechende Werke existierten. Die Geschichte wurde dadurch nicht glaubwürdiger, sondern eher unglaubwürdiger. Im Konzil zu Nizäa (335 nach Christus) verringerte man daher die Zahl der Evangelien auf vier, die immer noch einige Widersprüche enthalten.

 

Geteiltes Leid gleich halbes Leid, geteilte Wahrheit gleich . . .

In der evangelischen und der katholischen Kirche wird zugegeben, dass die Zuverlässigkeit der Quellen nicht hundertprozentig erwiesen ist und man gibt zu, dass bei Übersetzungen Kommentare mit eingeflossen sein könnten, damit die Evangelien einem anderen Kulturkreis verständlich gemacht werden konnten.

Die Verfälschung durch Legendenbildung wollen viele freilich nicht wahr haben. Ein Beispiel dafür findet sich im Johannesevangelium:

Johannes 18:3-11

Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte von den Hohenpriestern und Pharisäern, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. Da nun Jesus alles wusste, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sagte: Ich bin's!, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen! Damit sollte das Wort erfüllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; der war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war.

Jesus war dieser Geschichte nach durch die ehrfurchtsvoll am Boden liegenden Soldaten gar nicht bedroht. Man fragt sich also, warum Petrus einem ehrfurchtsvoll am Boden liegenden Sklaven das rechte Ohr abgeschlagen hat. Weiter unten heißt es dann aber doch "Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn". . . Jesus ist also gar nicht freiwillig mitgegangen, man musste ihn fesseln. 

Nach Markus sind die Jünger geflohen und einer verlor bei dem Handgemenge sein Kleid und musste nackt fliehen.

Markus 14:50-52

Und sie alle (die Jünger) verließen ihn und flohen. Aber ein gewisser junger Mann, der ein Kleid aus feiner Leinwand auf dem bloßen Leib trug, begann ihm nahe zu folgen; und man suchte ihn zu greifen, er aber ließ sein leinernes Kleid zurück und entfloh nackt.

An der ganzen Geschichte stimmt also etwas nicht. Liest man nur die fett gedruckten Stellen in Johannes 18:3-11 dann ist der logische Zusammenhang da. Die anderen Stellen wurden also eingefügt, um Jesus als göttliche Autorität darzustellen.

Eine andere Fehlerquelle sind Eigentümlichkeiten der damaligen Schreibweise und die daraus entstehenden Lesarten

Die griechische Sprache wurde wie auch Hebräisch und Aramäisch in einem Zug, ohne Abstände zwischen Wörtern und Sätzen, geschrieben. Außerdem konnte ein Wort ohne Trennstrich auf zwei Zeilen verteilt werden. Ein Beispiel aus http://www.theo-notizen.de/:

Amos 6,12 "Rennen Pferde denn auf Felsen , oder pflügt man darauf mit Rindern?"Teilt man die Buchstabenkette anders, so ergibt sich in der Übersetzung:

Amos 6,12 "Rennen Pferde denn auf Felsen, oder pflügt man mit dem Rind das Meer?"(Ein Beispiel aus dem Englischen: Godisnowhere - Otherwisemenwoulddoit)

Da hebräisch vokallos geschrieben wurde, konnten je nach zugefügten Vokalen unterschiedliche Wörter entstehen: so lesen wir in 1.Mose 47,31 "Bett" und in Hebr 11,21 "Stab". Beide Wörter haben in Hebräisch dieselben Konsonanten, aber andere Vokale.

Aber auch der Mensch war Quelle verschiedener Lesarten. In Zeiten, da alle Texte von Hand geschrieben wurden, traten natürlich schnell Schreib- und Lesefehler auf. Zu dieser Rubrik zählen auch Hörfehler, die beim Diktat von Bibeltexten entstanden.

  • Manchmal wurden ähnlich aussehende Buchstaben verwechselt: z.B. (He) mit (Hêth).
  • Oder das Auge des Schreibers irrte sich beim Lesen in der Zeile, so werden in manchen Handschriften ganze Zeilen einfach wiederholt, oder nachweislich deshalb ausgelassen.
  • Zu den Hörfehlern (beim Diktat!) können im NT Varianten gerechnet werden, die ein "wir" durch ein "ihr" ersetzen. Die Aussprache dieser zwei Wörter war in späterer Zeit weitgehend identisch.

Unbequeme Bibelstellen können so der manchmal der fehlerhaften Überlieferung zugeschrieben werden.

Selbst, wenn man einen Sachverhalt vereinfacht darstellt, um verstanden zu werden, muss man ihn doch nicht falsch darstellen.

Und  zu berücksichtigen ist auch, dass es auch damals wie heute kein einheitliches Weltbild gab. Schon in vorchristlicher Zeit gab es durchaus unterschiedliche Meinungen über die Gestalt der Erde. Hesiod dachte sie sich als von Wasser umgebene Erdscheibe. Anixamander meinte sie habe eine zylindrische Gestalt. Und der Grieche Eratosthenes  aus Kyrene (um 230 v.Chr.) entwickelte als erster eine brauchbare Methode zu Berechnung des Erdumfangs.

Eine andere Möglichkeit ist zu behaupten, die christlichen Schriftsteller hätten sich des Weltbilds der Antike bedient, um nicht unglaubwürdig zu erscheinen.

Man teilt so die Bibel auf in einen wahren (inspirierten) Teil und einen unwahren oder interpretationsbedürftigen Teil.

Evangelischer Erwachsenenkatechismus Ausgabe 1974 Seite 175:

Berücksichtigt man, dass biblische Schriftsteller wissenschaftliche Erkenntnisse ihrer Zeit aufgreifen, dann braucht es nicht zu einem Konflikt zwischen biblischer Schöpfungsdarstellung und naturwissenschaftlicher Erklärung zu kommen.

Diese Zeitbedingtheit macher Aussagen wird u. a. genutzt, um den Islam als friedliche und tolerante Religion darzustellen. Man behauptet einfach, dass jene Stellen, wo Mohammed fordert Christen und Ungläubige zu töten (Z. B. Sure 4,89 mehr unter dem Link Religion und Gewalt) nur solange gegolten haben bis sich der Islam gefestigt hat. Dies behaupten jedenfalls gemäßigte Anhänger des Islam.

Auch Papst Franziskus verweist in seinem Interview vom 20. September 2013 auf diese Zeitbedingtheit kirchlicher Aussagen.

"Es gibt zweitrangige kirchliche Normen und Vorschriften, die früher einmal effizient waren, die aber jetzt ihren Wert und ihre Bedeutung verloren haben. Die Sicht der Kirche als Monolith, der ohne jeden Abstrich verteidigt werden muss, ist ein Irrtum."

Und schon hat man die gewünschte Zweiteilung in einem zeitgenössischen Teil und einen theologischen Teil. Die Kirchenleitung hat damit die Möglichkeit in ihren Lehrschriften festzulegen, welche Bibelstelle vom ewigen Geist inspiriert ist und welche vom Zeitgeist. Die Aussagen der Bibel werden so relativiert durch die Aussagen der jeweiligen Kirchenleitung. In Veröffentlichungen heißt es dann, wir müssen uns beim Verständnis der Texte vom Geist Gottes leiten lassen, Auch wenn dieser Geist nirgends zu spüren ist. Gelegentlich hört man dazu die Formel: Die Bibel sei Gotteswort im Menschenwort.

Andererseits wird aber die Bibel nach wie vor als Gottes Wort bezeichnet und die katholische Kirche hält auch heute noch an der göttlichen Inspiration der Bibel, sowohl des Alten als auch des Neues Testaments in seiner Gesamtheit fest, wie dies in einem der Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils bekräftigt wird.

Zitat aus der Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung "Dei Verbum" (einem der Dokumente des z. Vatikanischen Konzils)
,Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind (Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006); Bibelkommission, Dekret, 18. Juni 1915: Denz. 2180 (3629) und Ench. Bibl. 420; Hi. Officium, Brief, 22. Dez. 1923: Ench. Bibl. 499)." (Quelle: htta://www.stjosef.at/ dort sind die Texte des 2. Vatikanischen Konzils sowohl in Deutsch als auch in Latein nachzulesen)

2. Petrus 19 - 21

Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen. Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet.

Die Kirche steckt hier in einem Dilemma, denn es gibt nun mal etliche Beispiele, wo der "heilige Geist daneben gehaucht hat", siehe Jesus Teil 8 und Gottesbild und Weltbild im alten Israel.

Wer behauptet die Bibel sei vom Zeitgeist verfälscht, der muss erklären, wieso der ewige Geist seine Botschaft durch den Zeitgeist verfälschen ließ. Kann man Gott nicht beim Wort nehmen?

Wer die Bibel nicht wörtlich nimmt, sondern eine Interpretation der Bibel bevorzugt, die die Bibel mit dem derzeitigen Weltbild versöhnt, der macht macht diese Interpretation zum Gotteswort. Jede Interpretation ist aber Menschenwort und nicht Gotteswort.

Wer sagt, dass die Bibel Gotteswort im Menschenwort ist, sagt damit nichts anderes, als dass sie Menschenwort ist, eben eine Interpretation des Gotteswortes und nicht das Gotteswort.

Das unverfälschte Gotteswort ist genau genommen für den Gottgläubigen nur in der Natur zu finden, denn die Schöpfung ist zur Realität gewordenes Gotteswort (Römer 1,20). Aber auch das stimmt nicht ganz, denn die Schöpfung ist nur in ihrer ursprünglichen Form Gotteswort und nicht in dem, was wir daraus gemacht. Diese ursprüngliche Form existiert aber nicht mehr und ist auch nicht rekonstruierbar.


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