Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens
Teil 4

Textmarken: Die Irrationalität des Glaubens,    Glaube und Aberglaube,    Die Verschleierungstaktik,    Bibelsprüche - unendlich dehnbar,    Die kleine Welt der Gläubigen


Die Irrationalität des Glaubens

Dieses Argument wird ebenfalls angewandt, um Widersprüche aufzulösen, etwa den Widerspruch der fleischlichen Auferstehung bei den Evangelisten und der Auferstehung des geistigen Leibes bei Paulus (1 Korinther 15). Hier sagte mir einmal ein Theologe, dass man dieses Ereignis der Auferstehung überhaupt nicht mit unseren Kategorien beschreiben kann und es daher immer missverständlich sein muss.

Tatsächlich bleibt heute auch manches im naturwissenschaftlichen Bereich widersprüchlich. Die Entdeckung des Welle-Teilchen Dualismus ist ein Beispiel dafür. Und da fragt der Theologe Heinz Zahrnt natürlich zu Recht: "Wenn selbst die "exakte" Naturwissenschaft ihre Wahrheit nur noch in Bildern und Gleichnissen auszudrücken vermag, hat dann nicht erst recht die Theologie ein Recht dazu?"

Heinz Zahrnt (Heinz Zahrnt - Warum ich glaube Seite 206,207) erzählt hierzu eine Anektote von Werner Heisenberg.

Werner Heisenberg zitiert einmal zustimmend Niels Bohr, der bei gemeinsamen Küchenarbeiten während eines Skiurlaubs auf einer Almhütte gesagt hat: "Mit dem Geschirrwaschen ist es doch genau wie mit der Sprache. Wir haben schmutziges Spülwasser und schmutzige Küchentücher, und doch gelingt es, damit die Teller und Gläser schließlich sauber zu machen. So haben wir in der Sprache unklare Begriffe, und eine in ihrem Anwendungsbereich in unbekannter Weise eingeschränkte Logik, und doch gelingt es damit Klarheit in unser Verständnis der Natur zu bringen." Heisenberg weitet diese Aussage Bohrs von der Naturwissenschaft auf die Philosophie und die Metaphysik aus und sagt von ihnen allen: "Wir sind gezwungen in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die nicht genau das treffen, was wir wirklich meinen. Wir können auch gelegentlich Widersprüche nicht vermeiden, aber wir können uns doch mit diesen Bildern dem wirklichen Sachverhalt irgendwie nähern."

Glaube muss nicht rational begründet werden, aber er sollte doch wie naturwissenschaftliche Erkenntnis hinterfragbar sein und nicht zum Dogma erstarren.

Aristoteles hat schon in vorchristlicher Zeit darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit verschwimmt, wenn man die Grundsätze der Logik verlässt.

Offen bleibt für den Gläubigen, wie er Phantasie und Glaube, bzw. Glaube und Aberglaube trennen soll. Wie soll er die Glaubwürdigkeit messen? - Mit dem Gefühl? Auch Gefühle sind fehlbar! Wer kann schon die Giftigkeit von Autoabgasen mit seinem Gefühl ermessen?

Wenn man bei der Bibelexegese irrationale Interpretationen in seine Betrachtungen einbezieht, kommt man zu einer unendlichen Mehrdeutigkeit einer Bibelstelle. Will man nun eine Bibelstelle zur Handlungsgrundlage machen, muss diese Mehrdeutigkeit auf einige wenige Deutungen reduziert werden.

 

Die Verschleierungstaktik

Es gibt fast keine Methode, die nicht genutzt wird, um die Wahrheit zu verschleiern. So werden unliebsame Bibelstellen bei der Wiedergabe in Kommentaren einfach durch Punkte ersetzt. Die Bibelstelle 1. Mose 49:9-10 wird in einem Buch der Wachturmgesellschaft (Organisation der Zeugen Jehovas) so zitiert:

Zitat aus dem Buch "Dein Königreich komme" Seite 51

Ein Löwenjunge ist Juda . . . Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo (was "Er, dessen es ist" bedeutet) kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören.

Der Satz "Vom Raub wirst du, mein Sohn, gewisslich emporsteigen" sowie der darauf folgende Satz sind hier durch Punkte ersetzt worden.

Aber vielleicht wird auch diese unliebsame Stelle eines Tages durch eine andere Übersetzung entschärft. Auch eine Methode, um die Glaubwürdigkeit der Bibel zu erhöhen. In der Lutherbibel (Ausgabe von 1984) bezieht sich der Satz nur auf Juda und nicht auf die Zukunft des Stammes Juda. Hier steht: "Du bist hochgekommen mein Sohn vom Raube." Schilo (lt. Neue Weltübersetzung) wird in der Lutherbibel mit "Held" übersetzt. Die Einheitsübersetzung übersetzt den Vers 10 folgendermaßen: "Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt." Hierzu steht als Kommentar: "Gemeint ist vielleicht David, der den Herrscherstab übernimmt. Die Übersetzung ist unsicher."
 

 

Bibelsprüche - unendlich dehnbar

In einer Stellungnahme zum Schöpfungsglauben und zur Evolutionstheorie liefert der jetzige Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger) ein Musterbeispiel moderner Interpretationskunst.

Hier können nur seine wesentlichen Argumente wiedergegeben werden. Wer sich für die ganze Abhandlung interessiert, sei auf das Buch "Wer ist das eigentlich - Gott" (1969) aus dem Kösel Verlag verwiesen (siehe Seite 238 ff).

"Das Problem", so schreibt Prof. Ratzinger, "hat verschiedene Ebenen, die wir voneinander unterscheiden und getrennt würdigen müssen. Zunächst gibt es einen verhältnismäßig vordergründigen Aspekt des Ganzen, der nur zum Teil wirklich theologischer Natur ist: Die vor Darwin herrschende Idee der Konstanz der Arten hatte sich vom Schöpfungsgedanken her legitimiert; sie sah jede einzelne Art als eine Schöpfungsgegebenheit an, die seit dem Beginn der Welt durch Gottes schöpferisches Wirken als etwas eigenes und anderes neben den sonstigen Arten besteht. Es ist klar, dass dieser Form von Schöpfungsglauben der Entwicklungsgedanke widerspricht und dass diese Ausprägung des Glaubens heute unhaltbar geworden ist."

Ratzinger spielt hier eine der Schwächen des Schöpfungsglaubens herunter. Der grundsätzliche Unterschied zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie wird zur Ausprägung, zu einer der möglichen Interpretationen der Schöpfungsgeschichte. Nun definiert er die Grundaussage des Glaubens und setzt sie in Beziehung zur Evolutionstheorie.

"Die Ausweitung des Schöpfungsbegriffs in Einzelgebilde hinein konnte lange Zeit den tieferen Unterschied und damit das eigentliche Problem verdecken, um das es geht. Der Schöpfungsglaube fragt nach dem Dass des Seins als solchen; sein Problem ist, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts. Der Entwicklungsgedanke hingegen fragt, warum gerade diese Dinge sind und nicht andere, woher sie ihre Bestimmtheit erlangt haben und wie sie mit den anderen Bildungen zusammenhängen."

Damit reduziert Prof. Ratzinger den Schöpfungsglauben erst einmal auf das Grundproblem. 

Die Bibel gibt jedoch im Schöpfungsbericht Antworten, mit denen ein Weltbild definiert wird. Sie stellt die Schöpfung in einen zeitlichen Rahmen. Dieser Widerspruch zum naturwissenschaftlich gesicherten Weltbild stellt für Prof. Ratzinger jedoch kein Problem dar, da er immer schon existiert hat. Die Bibel entstand ja in verschiedenen Kulturepochen, von der babylonischen bis zur hellenistischen bestimmten Zeit. Lt. Prof. Ratzinger bedient sich der Glaube eines Weltbilds, aber er fällt nicht mit ihm zusammen."

Ratzinger bezeichnet dies als die Weite des Glaubens. Diese Weite des Glaubens ist, so Prof. Ratzinger, mit der buchstäblichen Exegese seit etwa dem 13. Jahrhundert verloren gegangen.

Von daher hat Prof. Ratzinger keine Skrupel in der Person Adams, dessen Lebensgeschichte in der Bibel erzählt wird, den Menschen von gestern, heute und morgen zu sehen. Er schreibt: 

"Da wäre denn zuerst daran zu erinnern, daß auch hinsichtlich der Erschaffung des Menschen die Schöpfung nicht einen fernen Anfang bezeichnet, sondern mit Adam jeden von uns meint: Jeder Mensch ist direkt zu Gott. Der Glaube behauptet vom ersten Menschen nicht mehr als von jedem von uns und umgekehrt von uns nicht weniger als vom ersten Menschen."

Im weiteren Text dieser Argumentation erfahren wir dann von Prof. Ratzinger, was der unbekannte Autor der Schöpfungsgeschichte eigentlich sagen wollte.

"Wenn Schöpfung Seinsabhängigkeit bedeutet, so ist besondere Schöpfung nichts anderes als besondere Seinsabhängigkeit. Die Behauptung, der Mensch sei in einer spezifischeren, direkteren Weise von Gott geschaffen als die Naturdinge, bedeutet etwas weniger bildhaft ausgedrückt, einfach dies, dass der Mensch in einer spezifischen Weise von Gott gewollt ist: nicht bloß als ein Wesen, das "da ist", sondern als ein Wesen, das ihn kennt; nicht nur als Gebilde, das er gedacht hat, sondern als Existenz, die ihn wieder denken kann. Dieses spezifische Gewolltsein und Gekanntsein des Menschen von Gott nennen wir seine besondere Erschaffung. Von da aus wird man geradezu eine Diagnose über die Form der Menschwerdung aufstellen dürfen: Der Lehm war in dem Augenblick zum Menschen geworden, in dem ein Wesen erstmals, wenn auch noch so verschattet, den Gedanken Gott zu bilden vermochte."

Wenn man diese beiden Sätze im Zusammenhang mit der Haltung der Kirche zur Abtreibungsfrage betrachtet wird sofort klar, dass Ratzinger hier die Menschwerdung des einzelnen Menschen von heute anders definiert als die Kirche. Der Mensch wird hier erst zum Menschen, wenn er Gott denken kann. Kinder kommen i. a. nicht von selbst auf die Idee, dass es Gott gibt und es kommen auch nicht alle Erwachsenen auf die Idee, dass es Gott gibt.  Schließlich ist dies eine Glaubenssache. Sind das dann alles keine Menschen?

Die Anschauung, dass die Menschwerdung im Rahmen der Evolutionsgeschichte mit der Religion beginnt, ist in der kath. Kirche weit verbreitet.

Zum Thema Geist vertritt Prof. Ratzinger hier eine materialistisch wirkende Erklärung:

"Sodann wäre die Einsicht aufzugreifen, daß Geist nicht als etwas Fremdes, als eine andere, zweite Substanz zur Materie hinzutritt; das Auftreten des Geistes bedeutet nach dem Gesagten vielmehr, daß eine voranschreitende Bewegung an dem ihr zugewiesenen Ziel ankommt."

Soweit Prof. Ratzinger.

Der Mensch als Ziel der Evolution, das entspricht dem biblischen Verständnis vom Menschen als der Krone der Schöpfung. Aber die Evolution geht auch in unseren Tagen weiter. Zur biologischen Evolution kommt die kulturelle Evolution und vielleicht eines Tages der gentechnisch veränderte Mensch.

Von der Schöpfungsgeschichte der Bibel ist hier nichts mehr übrig geblieben. Für Ratzinger enthält diese Geschichte nur zwei epochale Ereignisse, die Schöpfung des Seins aus dem Nichts, und die Schöpfung des menschlichen Bewusstseins. Diese zwei epochalen Ereignisse hat der Autor der Schöpfungsgeschichte durch die Brille seines Geistes und seiner Zeit gesehen und heraus kam dann jene primitive Schöpfungsgeschichte. 

Die Evolutionstheorie erklärt nicht, wie die Materie aus dem Nichts gekommen ist und sie erklärt auch nicht wie der Geist die Lebewesen erfüllte. Es bleiben zwei ungelöste Fragen. Für Ratzinger ein Hinweis auf seinen Gott. Aber ungelöste Fragen müssen nicht unlösbar sein und die Lösung muss auch nicht Gott heißen. Ist es nicht ehrlicher sie einfach offen zu lassen? Der Lückenbüßergott ist tot, sagen die Theologen, nach den schlechten Erfahrungen, die man in der Vergangenheit damit gemacht hat, aber er lebt offenbar immer wieder auf.

Für Ratzinger ist Materie ein passives Element dieser Welt, ein Spielball des göttlichen Geistes. Aber Materie ist nicht passiv. Materie besteht nicht nur aus dem Sein. Sie ist ein Ding mit Eigenschaften. Sie reflektiert das Licht. Sie geht chemische Reaktionen ein, in der Sonne auch atomare Reaktionen. Elemente wie Uran und die Transurane geben energiereiche Strahlung ab. Sie zeigt sich als Festkörper oder als Flüssigkeit. Von ihr geht die Schwerkraft aus. Nur durch diese Eigenschaften nehmen wir sie wahr. Ein Ding ohne Eigenschaften würden wir nicht wahrnehmen. Und diese Eigenschaften, die je nach Zusammensetzung der Elemente unterschiedlich sind, reichen auch aus, um die Entstehung des Lebens und des Geistes zu erklären (siehe das Kapitel "Dimensionen des Geistes").

Die zeitlich grob fixierbare Entstehung des Lebens auf unserem Planeten ist ein Hinweis auf die Entstehung unserer Erde, aber nicht auf die Entstehung der Materie. Im riesigen Weltall ballt sich die Materie in Supernovas zusammen und von Zeit zu Zeit explodieren diese und die Materie verteilt sich wieder über den Raum. Die astronomische Zeit, mehr als 15 Milliarden Jahre seitdem dies so abläuft, ist, gemessen an unserer Lebensspanne, eine Ewigkeit. Aber Worte wie Ewigkeit und Unendlichkeit sind in Religionsgemeinschaften dem Allerhöchsten vorbehalten.

 

Die kleine Welt der Gläubigen

Die Welt in der wir leben ist riesig. Bis zu den fernsten bekannten Sternen sind es Milliarden von Lichtjahren. Unsere Erde ist von anderen Planeten unseres Sonnensystems nur als kleiner Lichtpunkt zu sehen. Das wissen wir. Aber wie nehmen wir unsere Welt wahr.  Da sind zuerst einmal wir selbst mit unseren Ängsten, unseren Erfolgen, unseren Plänen . . . In unserer Vorstellung nimmt dieses Bild von uns selbst den breitesten Raum ein, auch bei denen, denen es an Selbstbewusstsein mangelt. Daneben erscheint unser persönlicher Besitz. Dann kommen einem da ein paar Hundert Bekannte und Verwandte in den Sinn. Ein paar Politiker, ein paar Unternehmer, ein paar Verbrecher . . .. Die Weltbevölkerung von einigen Milliarden Menschen nehmen wird nur als Zahl wahr. Dann sind da noch ein paar Häuser in der Umgebung. Aber Städte wie München oder Berlin nehmen wir nur noch als Landkarte wahr. Auch unser Planetensystem haben wir nur als kleines Bild verinnerlicht, wo ein paar kleine Kugeln um eine große Kugel kreisen. Ähnliches gilt für ganze Galaxien. Auch hier erscheint ein Bild in gleicher Größe wie das Bild von unserem Sonnensystem. Die Welt, die unser Gehirn zusammengebastelt hat, ist klein mit einem Zentrum, das sind wir selbst. Und zu dieser kleinen Welt haben Priester in der n r Antike den passenden unsichtbaren Kosmos für ihre Götter und Geister geschaffen. Der moderne Gläubige glaubt natürlich nur noch an einen Gott, den großen Alleskönner.  

Die Unendlichkeit eines Gottes wird behauptet und geglaubt, aber die Kirche akzeptiert nur einen endlichen Raum und eine endliche Zeit, eine geordnete Welt, eine kleine Welt, wobei vermieden wird diese Welt als ein Spielzeug Gottes darzustellen, denn Gott ist schließlich erwachsen, verantwortungsbewusst und gerecht. Nur eine solche Welt vermittelt die Geborgenheit und den Schutz, den der Gläubige sucht.

Die christliche Religion bietet genau dies. Sie verspricht einen Gott, der sich Tag und Nacht um sein Gärtlein kümmert, in dem die Menschen,  seinen Naturgewalten ausgesetzt sind, natürlich nur die Bösen oder diejenigen, deren Glauben er gerade prüft. Ansonsten ist er bei jeder Panne sofort für den betenden Gläubigen im Einsatz.

Matthäus 7,7

Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. (Matthäus 18,19; Matthäus 21,22; Markus 11,24; Johannes 14,13f; 15,7; 16,24; 1. Johannes 5,14f; Lukas 11,9-13)

Kleiner als die bekannte irdische Welt ist daher die himmlische Welt, die die Bibel beschreibt. In der himmlischen Welt gibt es nur eine einzige Stadt, das himmlische Jerusalem. Aber hiervon hat die Bibel immerhin 2 Ausgaben im Angebot.

Eine sehr kleine Stadt, die der Größe nach eher einem Dorf entspricht, wo jeder jeden kennt und wo Gott gleich um die Ecke wohnt, bietet das Alte Testament bei Hesekiel.

Hesekiel (Ezechiel) 48,30-35
Das sind die Ausgänge der Stadt. Die Stadttore sind nach den Stämmen Israels benannt: auf der Nordseite, die 4500 Ellen mißt, drei Tore: ein Tor ist nach Ruben benannt, ein Tor nach Juda und ein Tor nach Levi; auf der Ostseite, die 4500 Ellen mißt, drei Tore: ein Tor nach Josef, ein Tor nach Benjamin und ein Tor nach Dan; auf der Südseite, die 4500 Ellen mißt, drei Tore: ein Tor nach Simeon, ein Tor nach Issachar und ein Tor nach Sebulon; auf der Westseite, die 4500 Ellen mißt, drei Tore: ein Tor nach Gad, ein Tor nach Ascher und ein Tor nach Naftali. Der Umfang der Stadt beträgt 18000 Ellen. Und der Name der Stadt soll von heute an sein: Hier ist der Herr.

Eine Elle gemäß dem Maß des Herrn ist lt. Bibellexikon gleich 52,5 cm. 4500 x 52,5 = 236250 cm also ist die heilige Stadt ein Quadrat mit einer Kantenlänge von ca 2,36 km. Da wohnt Gott ganz in der Nähe der auserwählten Kinder des Volkes Israel. Er ist da der nette Nachbar, den man mal eben zum Kaffeekränzchen einladen kann.

Und es ist eine friedliche Welt, in der Gerechtigkeit herrscht. Das weiß Jesaja

Jesaja 11,1-9

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. (Psalm 72,4; 2 Thessalonischer 2,8) Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib.

Erstaunt sieht der Zoobesucher den großen Löwen mit einem Schaf zusammen in einem Käfig.

Er wendet sich an den Wärter:
"Das ist ja großartig. Wie bringen Sie das fertig?"

"Ganz einfach", sagt der Wärter, "wir wechseln jeden Tag das Schaf."

Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frißt Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

Jesaja kennt aber auch 1. Mose 6,3, wonach der Geist Gottes nur eine begrenzte Zeit dem Menschen Leben schenkt, und so prophezeit er:

Jesaja 65,20
Dort gibt es keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht (Das volle Alter beträgt lt 1. Mose 6,3 120 Jahre); wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als verflucht.
(Sacharia 8,4)

Der Autor der Offenbarung liebt mehr die Weite und er rechnet mit einer großen Schar, die in der heiligen Stadt wohnen soll, und so sieht er ein architektonisches Meisterwerk, und da Jesus ewiges Leben versprochen hat, gibt es den Tod nicht mehr.

Offenbarung 21,1-5

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. (Jesaja 65,17; 66,22) Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. (Nach anderen Textzeugen: sie werden seine Völker sein.) Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.

Offenbarung 21, 12-17

Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Auf die Tore sind Namen geschrieben: die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels. (Ez 48,31; Ex 28,21) Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. (Ez 48,31-35) Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Und der Engel, der zu mir sprach, hatte einen goldenen Meßstab, mit dem die Stadt, ihre Tore und ihre Mauer gemessen wurden. (Ez 40,3.5) Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Er maß die Stadt mit dem Meßstab; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien. (Ez 43,16) Und er maß ihre Mauer; sie ist hundertvierundvierzig Ellen (ca 73,5 m) hoch nach Menschenmaß, das der Engel benutzt hatte. (Ez 40,5)

10 Stadien entsprechen ca 1,8 km lt. Bibellexikon. Die Stadt hat demnach einen quadratischen Grundriss mit der Kantenlänge von 2160 km, auf einem Berg gelegen, der ebenfalls 2160 km hoch ist. Na - wem bei diesem architektonischen Meisterwerk nicht die Luft wegbleibt. Dazu passt was schon der Psalmist sagt:

Psalm 68,17
Warum blickt ihr voll Neid, ihr hohen Gipfel, auf den Berg, den Gott sich zum Wohnsitz erwählt hat? Dort wird der Herr wohnen in Ewigkeit.

Und wer es immer noch nicht gemerkt hat, dass dies eine Phantasiewelt ist, die den Wunschvorstellungen aber auch den Schreckensvisionen ihrer Autoren entspricht, der lese

Offenbarung 7,1

Danach sah ich: Vier Engel standen an den vier Ecken der Erde. Sie hielten die vier Winde der Erde (Winddämonen) fest, damit der Wind weder über das Land noch über das Meer wehte, noch gegen irgendeinen Baum.

Offenbarung 10,1-4

Nach der Offenbarung des Johannes hat Gott sieben Leben (Offenbarung 4,5: Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes.) Hier wird der siebeneinige Gott gelehrt und nicht dreieinige. Demgemäß sind die sieben Donner die Stimme Gottes, denn die Stimme Gottes ist nach dem Verständnis der Evangelisten die Stimme des Himmels. Siehe

Johannes 12,29

Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. Mehr dazu unter "Gottesbild und Weltbild im alten Israel".

Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne, und seine Beine waren wie Feuersäulen. In der Hand hielt er ein kleines, aufgeschlagenes Buch (das Drehbuch Gottes?). Er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken auf das Land und rief laut, so wie ein Löwe brüllt. Nachdem er gerufen hatte, erhoben die sieben Donner ihre Stimme. Als die sieben Donner gesprochen hatten, wollte ich es aufschreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel her rufen: Halte geheim, was die sieben Donner gesprochen haben; schreib es nicht auf!

Die im Verhältnis zum Alten Testament überdimensionierten Ausmaße der heiligen Stadt in der Offenbarung lassen vermuten, dass die Ausmaße der Stadt dem erweiterten Weltbild angepasst wurden. Man fragt sich aus heutiger Sicht auch, warum die himmlische Stadt eine Stadtmauer hat, wo doch niemand da ist, der sie angreifen kann und gegen die heutigen Waffen sind Stadtmauern ohnehin wirkungslos.

Wer hier glaubt, dass diese Texte nur als verschlüsselte Botschaft zu verstehen sind, der möge bedenken, dass dieser Abschnitt der Bibel den Titel Offenbarung trägt. Es war also die Absicht des Autors dieser Zeilen etwas offen zu legen. Die ersten drei Kapitel wenden sich explizit an einige junge christliche Gemeinden der damaligen Zeit. 


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