Gottesbild und Weltbild im alten Israel

Textmarken: Existenzielle Fragen,    Der Begriff Gott,    Polytheismus im alten Israel,    Woher kommt das Leben,    Das Leib-Geist-Seele Problem,   Kann man Gott sehen und hören,    Gottesbilder in der Bibel,    Das Weltbild zur Zeit der Dichter und Propheten,    Welchen Vorteil bringt der Ein-Gott-Glaube


Existenzielle Fragen

Jede Antwort ist die Antwort auf eine Frage. Wir brauchen also nur den Fragen nachzugehen, die sich uns im Umgang mit der Natur stellen, um zu sehen, wie die Menschen zu einem Gottesglauben kamen. Folgende Fragen tauchen hierbei auf:

  1. Warum ist Etwas und nicht Nichts?
  2. Woher kommen Naturkräfte, wie das Feuer oder der Wind, Blitze und Donner, Regen…? Wer bewegt das alles?
  3. Woher kommt das Leben und jene Kraft, die uns bewegt?
  4. Woher kommt der menschliche Geist und wohin geht er nach dem Tod?

Diese Fragen haben Menschen wohl zu allen Zeiten bewegt und sie haben diese Fragen aus ihrem Weltbild heraus, aus ihrem Wissen über diese Welt beantwortet, wie wir noch sehen werden.

Nun ist die einfachste Antwort auf eine Frage eine Vermutung. Je mehr nun dieser Vermutung zustimmen, desto mehr wird sie zum Allgemeingut. 

Wenn aber etwas nur als Vermutung dasteht, hat der Prediger auf Dauer ein Problem. Eine Vermutung wirkt nicht so überzeugend wie eine Behauptung mit Wahrheitsanspruch. In Konkurrenz mit anderen Predigern ist er also sehr bald gezwungen aus der Vermutung eine Glaubenswahrheit zu machen.

Von ihrer Entstehungsgeschichte sind Religionen begründet in damals vernünftigen Überlegungen. Rein gefühlsmäßig erfindet niemand Personen, wie sie die Götter nun mal darstellen.

Da ist zum einen die Überlegung, dass unser Geist, die Fähigkeit zu denken, doch nicht plötzlich verschwinden kann. Dies mündet dann in den Ahnenkult und in die Vorstellung von der Wiedergeburt. Zum anderen die Überlegung, dass Naturgewalten ähnlich wie auch unsere Handlungsweisen nicht berechenbar sind. Also personifizierte man sie in Göttern. Das galt zumindest für jenes Verständnis von der Natur, das vor zweitausend Jahren herrschte. Damals wusste man noch nichts von Nervenzellen und damals wusste man auch noch nichts vom Energieinhalt der Materie. Also personifizierte man Naturgewalten in Göttern mit menschlichen Eigenschaften. Damit waren diese Götter ansprechbar. Wer ansprechbar ist, ist nach unserem Verständnis auch beeinflussbar. Eine Bitte oder ein Opfer müsste also wirken.

Dieser Glaube an die Götter war aber auch geeignet gesellschaftliche Probleme zu lösen. In einer hierarchisch geordneten Gesellschaft steht die Führungsschicht immer im Verdacht Gesetze zu ihren Gunsten zu erlassen und häufig nutzt sie auch diese Chance. Götter sind per Definition mächtiger als Menschen und sind damit auch befugt Gesetze zu erlassen, nach denen wir leben sollen. Das erkannten Priester und Herrscher und legitimierten ihre Gesetzgebung auf diese Weise. Man braucht nur nachzulesen wie Moses zu den Gesetzestafeln kam. Da steht unter anderem auch:

Zu Mose sprach er (Gott): Steig zum Herrn hinauf zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und mit siebzig von den Ältesten Israels; werft euch in einiger Entfernung nieder! (2. Mose 24,1)

Da war also die Führungsschicht versammelt. Das Ergebnis war dann jener Bundesschluss, der zwölf Stämme mit "göttlicher" Legitimation.

Die Priester sorgten mit ihren Schriften für den religiösen Überbau. Es rankten sich Legenden und Berichte von Gläubigen um jene Götter, wo sie überall geholfen hatten, wo man sie gesehen hat, wie es im Himmel aussieht . . . Es entstand - wie ich es nenne - die kleine Welt der Gläubigen.

Wir neigen wohl alle ein wenig zur Religiosität, weil wir unsere Träume wahr machen möchten und dabei gerne jenen vertrauen, die auf alles eine Antwort haben und alles versprechen, ohne es halten zu können.

Ein wesentliches Motiv ist sicher auch die Suche nach Geborgenheit und Verlässlichkeit. Unsere kognitiven Strukturen des Gehirns haben im Laufe der Evolution gelernt die uns umgebende Welt zu strukturieren. Wer gelernt hat jene Strukturen zu erkennen, wo Nahrung zu finden ist, hat genügend zu essen. Wir haben gelernt die Welt einzuteilen in Objekte, die sich bewegen und solche, die sich nicht bewegen. Objekte, die sich nicht bewegen sind verlässliche Orientierungspunkte. Objekte, die sich bewegen, sind eine mögliche Gefahrenquelle. Es sind unserer Erfahrung nach überwiegend Lebewesen, die sich bewegen. Die Religion ist wohl auch auch eine Antwort darauf die Welt zu strukturieren. Die etwas fundiertere Antwort ist die Naturwissenschaft. Es ist der Wunsch nach einer geordneten Welt.

 

Der Begriff Gott

Weithin redet die Bibel von Gott als »Gott« ohne weitere Namensnennung. Im Hebräischen verwendet sie dazu drei Wörter: el, äloah, elohim, im Griech. theos. Die hebr. Wörter haben eine gemeinsame Wurzel, deren Bedeutung nicht mehr eindeutig zu ergründen ist; vielleicht sind sie von einer Wurzel 'wl »vorn sein, stark sein« abzuleiten.

Die Einzahlform el wird häufiger mit näheren Bestimmungen verwendet (Gott der Höchste 1Mo14,18; der allmächtige Gott 1Mo17,1). Sie ist weit seltener als ihre Mehrzahlform elohim (etwa 2500 mal). Die Form äloah (z.B. 5Mo32,15; Ps50,22; Hab3,3 u. ca. 40mal in Hiob) mag altertümliche Anredeform von el sein und wird nur in gehobener Sprache gebraucht.

Die Mehrzahlform elohim kann heißen: Gott; ein Gott; der Gott; Götter; die Götter. Sie kann also Einzahl- oder Mehrzahlbedeutung haben, was jeweils der Zusammenhang erkennen lässt, und wird nicht nur für den Gott Israels gebraucht (2. Mose 20,3 u.ö.). (Quelle: Bibellexikon).

Im alten Testament taucht aber noch ein anderer Name als Bezeichnung für Gott auf JHWH ausgesprochen Jahwe. Er wird übersetzt mit: Ich bin, der ich bin oder ich werde sein, der ich sein werde oder lt. Einheitsübersetzung ich bin da oder ich bin derjenige. über 6800 Mal taucht diese Zeichenfolge im Alten Testament auf.

Die bisher älteste Inschrift, auf der dieser Name auftaucht, ist in Soleb aufgefunden worden. Soleb ist eine antike Stadt in Nubien, dem heutigen Sudan. Der Ort besitzt einen großen Tempel aus Sandstein, der von Amenophis III. errichtet worden ist. Die Inschriften berichten von den Schlachten des Pharao. Unter anderem auch von einer Schlacht gegen das Volk der Shasu (Schasu), die einen Gott namens Jahwe verehrten. Die Schasu waren Nomaden, beheimatet in den Tälern des Nils und ihre Wanderrute führte auch an einem Vulkangebiet vorbei  (2. Mose 24,12-18, Psalm 104,32, siehe unten). Damals wie heute gibt es im westlichen Arabien aufgrund der Kontinentalverschiebung eine Reihe von Vulkanen. Die Schasu haben auf ihren Wanderungen, die über Timmna, einem Ort auf dem Sinai, bis nach Kanaan führten wohl auch dieses Gebiet kennen gelernt. (Quelle: Wikipedia und die ZDF Sendereihe Terra X "Die Karriere Gottes" vom 25. 11. 2012. Moses hat wohl durch Kontakt mit diesen Nomaden - er lebte ja lange Zeit bei einem Priester Midians - diesen Feuergott kennen gelernt.

Polytheismus im alten Israel

In der Schöpfungsgeschichte wird nirgends erwähnt, dass Gott andere Götter (Engel, Dämonen) geschaffen hat. Diese Gottheiten sind von Anfang an da. Hier unterscheidet sich die israelitische Überlieferung von griechischen und babylonischen. In der griechischen Mythologie entstehen die Götter als Nachkommen von Ur-Gottheiten (Kronos = die Zeit, Gäa = Mutter Erde) und treten, sofern sie sich nicht verwandeln, in menschlicher Gestalt auf. Im Unterschied zu den Göttersagen in anderen Kulturen beginnt die Bibel ohne auf die Herkunft der Götter einzugehen. Es heißt nur im Anfang schuf Gott Himmel und Erde (1. Mose 1,1). Aber schon in der Schöpfungsgeschichte wird klar: Es gibt nicht nur einen Gott.

1. Mose 1,26 - 27

Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. (2,7; Ps 8,6-9; Eph 4,24; Kol 3,10) Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

Es sind sowohl männliche als auch weibliche Gottheiten, die ihr Spiegelbild schaffen. Die Gottheiten haben sich ihr Spielzeug geschaffen und diese Exemplare in einen Garten gesetzt und haben dann geschaut, was da passiert. 

1. Moses 3:22-23

Und Jahwe Gott sprach dann: "Siehe, der Mensch ist im Erkennen von Gut und Böse wie einer von uns geworden, und nun, dass er seine Hand nicht ausstrecke und tatsächlich auch Frucht vom Baum des Lebens nehme und esse und auf unabsehbare Zeit lebe - ." Darauf tat ihn Jahwe Gott aus dem Garten Eden hinaus, damit er den Erdboden bebaue, von dem er genommen worden war.

Die Götter, die hier geschildert werden, haben Angst, die uralte menschliche Angst, die Kontrolle über die eigene Schöpfung zu verlieren und von ihr beherrscht zu werden, deshalb jagen sie die Menschen aus ihrem Reich.

Diese Götter stehen offenbar nicht über den Dingen, die sie geschaffen haben.

In der israelitischen Überlieferung wurden zwei Überlieferungen zusammengeführt. Eine, die einen Gott Jahwe (JHWH) kennt und eine, die den ugaritischen (babylonischen) Gott El kennt. Diese Zusammenführung der Überlieferung ist insbesondere an der Schöpfungsgeschichte erkennbar, wo die beiden Schöpfungsüberlieferungen nebeneinander stehen. Ab 1. Moses 2:5 beginnt die zweite Überlieferung der Schöpfung. Der Gott Jahwe wird so zum Synonym für den Gott El. Mehr dazu unter dem Kapitel zum Sündenfall.

Ein weiterer Hinweis auf einen Polytheismus in Israel mit babylonischem Gedankengut ist in 5. Mose (Deuteronomium) 32,8 enthalten.

5. Mose (Deuteronomium) 32,8
Als der Höchste (den Göttern) die Völker übergab, als er die Menschheit aufteilte, legte er die Gebiete der Völker nach der Zahl der Götter fest;

Der Kommentar der Einheitsübersetzung erwähnt dazu, dass es hier zwei Lesarten gibt, statt "nach der Zahl der Götter" heißt es "nach der Zahl der Söhne Israels". - Diese letztere Lesart ist jünger. Sie wurde eingeführt, um polytheistische Vorstellungen, die dieses Lied noch ohne Bedenken benutzt, zu beseitigen. Die gemeinte Zahl ist die Zahl 70. Es gab nach babylonischer Vorstellung 70 Götter. Dies wurde in den israelitischen Glauben übernommen. Da gab es dann 70 Götter, die die 70 Völker der Welt regierten. Da nun Jakob als Stammvater der Völker angesehen wurde musste er 70 Nachkommen haben. (1. Mose 46,1-27, 1. Mose (Exodus) 1,5) Wenn man in der Genesis (1. Mose 46,1-27) nachliest, stellt man fest, dass namentlich wesentlich weniger Söhne genannt werden. Lediglich, wenn man die summarischen Angaben der Söhne der zwei Frauen Jakobs und ihrer beiden Mägde zusammenzählt, kommt man auf die Zahl siebzig.

In der Lutherbibel versuchte man diesen Polytheismus durch die Übersetzung zu verdecken.

5. Mose 32,8
Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.

Der Höchste ist hier der ugaritische (babylonische) Gott El, der Vater der siebzig Götter.

Der Gedanke, dass alle Völker von einem gemeinsamen Stammvater abstammen taucht in der Bibel mehrfach auf. Zuerst ist es Noah, dann Abraham und dessen Nachkomme Jakob.

Gen 9,19
Diese drei sind die Söhne Noachs; von ihnen stammen alle Völker der Erde ab. (unter anderem Kusch, Ägypten, Put und Kanaan als Söhne Hams des Sohnes Noahs)

Gen 26,4
Ich mache deine Nachkommen (die Nachkommen Abrahams) zahlreich wie die Sterne am Himmel (die Engel / das Himmelsheer / die Götter) und gebe ihnen alle diese Länder. Mit deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde sich segnen,

Gemäß dem Weltbild der damaligen Zeit wurden die Stammbäume der Herrscher auf ein göttliches Ebenbild zurückgeführt. Damit war auch der Herrschaftsanspruch göttlich legitimiert. Da der Pentateuch eine Zusammenführung unterschiedlicher Überlieferungen ist, hat man auch die Stammbäume zusammengeführt. Dahinter mag die Überlegung der Priester gestanden sein, dem Volk Israel, das sich aus einem Zusammenschluss unterschiedlicher Stämme entwickelte, eine gemeinsame Identität zu geben.

Für die Vermehrung der Götter brauchte man eine weibliche Gottheit. Gemäß der Überlieferung zeugt die syrisch/ ugaritische Fruchtbarkeitsgöttin Aschera mit dem Gott El 70 Götter und Göttinnen.

Die Zahl siebzig taucht bei Moses als Herrschaftszahl auf.

2. Mose (Exodus) 24, 1
Zu Mose sprach er: Steig zum Herrn hinauf zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und mit siebzig von den Ältesten Israels; werft euch in einiger Entfernung nieder!

Auch Jakob der Stammvater Israels hatte der Üverlieferung nach 70 Söhne. Siehe unten.

Aber das nur nebenbei Aschera wurde mit einem Kultpfahl verehrt, der einen stilisierten Baum darstellt. Zeitweise galt Aschera in Israel als Ehefrau von JHWH (Jahwe). So fand sich in Kuntillet Adschrud ein Vorratskrug aus dem 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr. mit folgender Inschrift:

Amaryo sprach zu seinem Herrn: ...
Ich habe dich gesegnet durch JHWH und seine Aschera.
Er möge dich segnen,
und er möge dich behüten,
und er möge sein mit meinem Herrn

Auf eine Wand in Kirbet el Kom (nahe Hebron) fand sich folgende Inschrift:

Uriyahu, der Reiche, hat dies geschrieben:
Ein Gesegneter ist Uriyahu durch JHWH -
aus seinen Bedrängnissen hat er ihn durch Aschera gerettet.
Durch Onyahu.

Der Name Aschera kommt etwa vierzig mal in der Bibel vor, als Name der Göttin und als Bezeichnung für ihren Kultpfahl.

1 Könige 15,13 erwähnt, dass die Königinmutter der Aschera ein Standbild errichtet hat. Auch König Manasse (2 Könige 21,7) stellte ein Kultbild der Aschera auf. 400 Propheten Ascheras aßen vom Tisch Isebels (1 Könige 18,19). König Joschija entfernte aus dem Tempel (2. Könige 23,4) Gegenstände, "die für den Baal, Aschera und das ganze Heer des Himmels angefertigt worden waren." 2. Könige 23 beschreibt die Beseitigung des Ascherakultes. Aschera wurde in einer Ähnlichkeitsbeziehung zu der ägyptischen Göttin Hathor gesehen, so dass sie auch mit deren Attributen, zwei Lotosblüten als Symbolen der Fruchtbarkeit, dargestellt wird.

(Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Aschera_%28G%C3%B6ttin%29)

Der Prophet Jeremia erntet wenig Verständnis beim Volk, als er gegen den Kult der Himmelkönigin predigt.

Jeremia 44, 15 - 18 Da antworteten alle Männer, die wußten, daß ihre Frauen anderen Göttern opferten, und alle Frauen, die dabeistanden, eine große Schar, sowie alle Leute, die in Ägypten und in Patros wohnten, dem Jeremia: Was das Wort betrifft, das du im Namen des Herrn zu uns gesprochen hast, so hören wir nicht auf dich. Vielmehr werden wir alles, was wir gelobt haben, gewissenhaft ausführen: Wir werden der Himmelskönigin Rauchopfer und Trankopfer darbringen, wie wir, unsere Väter, unsere Könige und unsere Großen in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems es getan haben. Damals hatten wir Brot genug; es ging uns gut, und wir litten keine Not. Seit wir aber aufgehört haben, der Himmelskönigin Rauchopfer und Trankopfer darzubringen, fehlt es uns an allem, und wir kommen durch Schwert und Hunger um.

Ein weiterer Hinweis auf Urgottheiten, die von Jahwe / El in einem Kampf besiegt wurden steht in Hiob und in den Psalmen.

Ijob 9,13
Gott hält seinen Zorn nicht zurück, unter ihm mußten selbst Rahabs Helfer sich beugen.

Ijob 26,12
Durch seine Kraft stellt still er das Meer, durch seine Klugheit zerschmettert er Rahab.

Ps 89,11
Rahab hast du durchbohrt und zertreten, deine Feinde zerstreut mit starkem Arm.

Kommentar der Einheitsübersetzung: Rahab ist der Name für das Urchaos oder für das mythische Chaosmeer.

Eine andere mythische Gestalt, die in der Bibel mehrfach auftaucht ist der Leviatan.

Psalm 74,14
Du hast die Köpfe des Leviatan zermalmt, ihn zum Fraß gegeben den Ungeheuern der See. (Text korr.; H: dem Volk von Dämonen).

Psalm 104,26
Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviatan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen.

Ijob 3,8
8 Verwünschen sollen sie die Verflucher der Tage, die es verstehen, den Leviatan zu wecken.

Jesaja 27,1
An jenem Tag bestraft der Herr mit seinem harten, großen, starken Schwert den Leviatan, die schnelle Schlange, den Leviatan, die gewundene Schlange. Den Drachen im Meer wird er töten.

Ein weiterer Hinweis für den Polytheismus sind die Namen der Erzengel. Sie enden alle mit der Silbe el, die für eine Gottheit steht.

Micha-el (hebräisch: Wer ist Gott). Nach christlicher Auffassung stürzte Michael den Drachen (Satan) aus dem Himmel und wurde nach dieser Tat zum Erzengel erhoben (Offenbarung 12,7-9). Er wird mit einem flammenden Schwert dargestellt. Er erschafft Feuer und Wärme. Sein Element ist das Feuer und seine Farbe die Farbe Rot. Michael wird in der Bibel in Judas 9 erwähnt.

Gabri-el (auch Gavri-el hebräisch: Gott ist mein Held bzw. meine Stärke ist Gott oder auch mein Mann ist Gott).  Er tritt in der Bibel als Verkünder der Geburt des Johannes des Täufers, aber auch als Verkünder der Geburt Jesu auf. Nach urchristlicher Auffassung ist Gabriel der Herrscher über das Wasser und über das Prinzip des Flüssigen. Er regiert außerdem die Welt der Gefühle. Seine Farbe ist blau in allen Schattierungen. Gabriel wird in der Bibel viermal erwähnt (Daniel 8,16 und 9,21; Lukas 1,19 und 26)

Rapha-el (hebräisch: Gott hat geheilt) Ihm unterstehen die Winde, durch die er heilende Kräfte beherrschen soll. Er wird namentlich im Buch Tobit erwähnt. Seine Farbe ist Grün.

Uri-el (heräisch: Mein Licht ist Gott) Er ist Herr der Ordnung und der Harmonie. Seine Farbe ist Silbrig-Weiß. Er wird nur im 4. Buch Esra erwähnt, das nur von einigen altorientalischen Kirchen als kanonische Schrift anerkannt ist. (Quelle zu den Engelnamen Wikipedia)

Die spätere jüdische Theologie zählte sieben Erzengel. Dies wird auch in der Bibel erwähnt, wo Raphael sagt er sei nur einer von sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen empor tragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten (Tobias 12,15)

Die Verehrung anderer Gottheiten hatte zu Jakobs Zeiten noch keine schlimmen Konsequenzen. Insbesondere in fremden Gebieten ehrte man auch die dort heimischen Götter.

1. Mose 31, 11-13

Der Engel Gottes sprach im Traum zu mir: Jakob! Ich antwortete: Hier bin ich. Dann sprach er: Schau hin: Alle Böcke, welche die Tiere bespringen, sind gestreift, gesprenkelt oder gefleckt. Ich habe nämlich alles gesehen, was dir Laban antut. Ich bin der Gott von Bet-El, wo du das Steinmal gesalbt und mir ein Gelübde gemacht hast. Jetzt auf, zieh fort aus diesem Land, und kehr in deine Heimat zurück!

Jakob hat also einer der Gottheiten, die dort verehrt wurden ein Opfer dargebracht und hat ein Gelübde getan. Der Glaube an fremde Götter galt damals offenbar nicht als Aberglaube, wie auch aus der folgenden Geschichte hervorgeht.

1. Mose 31, 17-21

Da machte sich Jakob auf, hob seine Söhne und Frauen auf die Kamele und führte sein ganzes Vieh fort, seinen ganzen Besitz an Vieh, den er in Paddan-Aram erworben hatte, um zu seinem Vater Isaak nach Kanaan zurückzukehren. Laban war weggegangen, um seine Schafe zu scheren; da stahl Rahel die Götterbilder (Theraphim) ihres Vaters, und Jakob überlistete den Aramäer Laban: Er verriet ihm nicht, daß er sich davonmachen wollte. Mit allem, was ihm gehörte, machte er sich auf und davon. Er überquerte den Strom (den Eufrat) und schlug die Richtung zum Gebirge von Gilead ein.

Von der heimlichen Mitnahme der Hausgötter weiß jedoch Jakob nichts. Als ihn Laban deswegen verfolgt, nimmt er jedoch die Sache sehr ernst. Laban gegenüber sagt er:

1. Mose 31,32

Wer immer es ist, bei dem du deine Götter findest, er möge nicht leben.

Sein Glück ist, daß Laban die Hausgötter nicht findet. Laban läßt ihn noch bei seinem Gott schwören, daß er die Hausgötter nicht hat, bevor er ihn ziehen läßt.

1. Mose 31,53

"Möge der Gott Abrahams und der Gott Nachors zwischen uns richten, der Gott ihres Vaters." Jakob aber schwor bei dem von seinem Vater Isaak Gefürchteten.

Jakob glaubte offenbar an die Existenz mehrerer Götter.

Auch Moses glaubte an die Existenz mehrerer Götter. Obwohl er zumindest zu Beginn seiner Karriere die alleinige Verehrung seines Gottes Jahwe fordert.

2. Mose 12:12

Und ich werde bestimmt in dieser Nacht durch's Land Ägypten gehen und jeden Erstgeborenen im Land Ägypten schlagen, vom Menschen bis zum Tier; und an allen Göttern Ägyptens werde ich Strafgerichte vollziehen. Ich bin Jahwe.

An Göttern kann man natürlich nur dann Strafgerichte vollziehen, wenn sie existieren. Später opfert Moses zusätzlich einem weiteren Gott.

3. Mose 16:7-10

Und er soll die zwei Böcke nehmen und sie vor Jahwe an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft stellen. Und Aaron soll über die zwei Böcke Lose ziehen, das eine Los für Jahwe und das andere Los für Asasel (einen Wüstengott, lt. Brockhaus). Und Aaron soll den Bock über dem das Los für Jahwe heraufkam, darbringen, und er soll ihn zu einem Sündopfer machen. Der Bock aber, über den das Los für Asasel heraufkam, sollte lebend vor Jahwe gestellt werden, damit man für ihn Sühne leiste, um ihn dann für Asasel in die Wildnis weg zu senden.

Diesem Bock wurden in einer Zeremonie die Sünden der Söhne Israels aufgeladen, dann sollte er die Sünden in ein wüstes Land tragen (3. Mose 16:20-26). Für die Vergebung der Sünden hatte man sich so mit einem zweiten Gott rückversichert.

Azazel (hebräisch, auch Asasel, Azaël, Asael) gilt als Wüstendämon und erster Bannerträger der Höllenarmeen. Er tritt in Bockgestalt auf und ist der Anführer der gefallenen Engel. Azazel lehrte die Menschen den Gebrauch von Waffen, die Herstellung von Schmucksachen, die Kunst des Schminkens und die Fertigung von Spiegeln. Er verriet somit die himmlischen Geheimnisse, wofür er von dem Erzengel Raphael gebunden, gesteinigt und in die Finsternis geworfen wurde ( "Mache in der Dudael-Wüste eine Grube, und wirf ihn hinein. Lege scharfe, spitze Steine unter ihn und bedecke ihn mit Finsternis. Laß ihn dort für immer wohnen und bedecke sein Antlitz, damit er kein Licht schaue. Am Tag des Endgerichts soll er in den Feuerpfuhl geworfen werden...war doch die ganze Erde durch die von Azazel gelehrten Werke verdorben worden..." Aus dem apokryphischen Buch 1. Henoch 10, 4). Manche Ausleger interpretieren die Zeremonie auch dahingehend, dass dort symbolisch die Sünde zum Teufel (zu Azazel) gejagt wird, an ihren Ursprung zurückkehrt. (Quelle: Wikipedia)

Eine andere Erklärung gibt das so genannte "Ansichten-Buch" der Zeugen Jehovas. Zitat:

(Asasel) [Ziege, die (ver)schwindet].
Das Wort „Asasel“ kommt in der Bibel viermal vor, und zwar in Verbindung mit den Vorschriften für den Sühnetag (3Mo 16:8, 10, 26).
Die Etymologie dieses Wortes ist umstritten. Wenn wir die Schreibweise des massoretischen Textes für richtig halten, ist `asa´sél vielleicht eine Verbindung der beiden Wurzelwörter, die „Ziege“ und „schwinden“ bedeuten. Das ergibt: „Ziege, die "ver)schwindet“. Nach einer anderen Ableitung, gestützt auf die Annahme, daß zwei Konsonanten vertauscht wurden, bedeutet es „Stärke Gottes“. Die Vulgata gibt das hebräische Wort mit caper emissarius wieder, was „der zu entlassende (freizulassende) Bock“ oder „der Sündenbock“ bedeutet. Und der griechische Ausdruck, der in der Septuaginta gebraucht wird, bedeutet: „der Unheil abwendet“.

Aus dieser Sicht könnte Asasel der Gott sein, der die Ziegen verschwinden lässt, was in der Wüste leicht geschehen kann. Die Darstellung des Gottes Asasel als Ziegenbock deutet dies an. Aber wieso bürdet das Volk Israel dieser Ziege ihre Sünden auf. Sollten gleichzeitig mit dem Opfer an die Wüstengottheit auch die Sünden in der Wüste verschwinden, verzehrt von einer Gottheit?

Moses Nachfolger Josua glaubte ebenfalls an die Existenz mehrerer Götter. Dies geht aus Josua 24 Vers 2 und Vers 19 hervor.

Josua 24,2

Josua sagte zum ganzen Volk: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors und dienten anderen Göttern.

Josua 24,19

Da sagte Josua zum Volk: Ihr seid nicht imstande, dem Herrn zu dienen, denn er ist ein heiliger Gott, ein eifersüchtiger Gott; er wird euch eure Frevel und eure Sünden nicht verzeihen. (Exodus 20,5) Wenn ihr den Herrn verlaßt und fremden Göttern dient, dann wird er sich von euch abwenden, wird Unglück über euch bringen und euch ein Ende bereiten, obwohl er euch zuvor Gutes getan hat.

Man kann nur auf jemanden eifersüchtig sein, der existiert.

Weitere Hinweise auf den Polytheismus im alten Israel finden sich insbesondere in den Psalmen.

Psalm 136,2
Dankt dem Gott aller Götter, denn seine Huld währt ewig!

Psalm 97,9

Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde, hoch erhaben über alle Götter.

Neben dieser polytheistischen Gottesvorstellung, die an zahlreichen Stellen des Alten und Neuen Testaments (Satan, die Engel, Dämonen) durchscheint, kommt es den Verfassern der Bibel vor allem darauf an die eigene Geschichte mit ihrem Gott Jahwe zu verbinden. Ein Sieg ist immer auch ein Sieg über fremde Gottheiten. Eine Niederlage eine Strafe ihres Gottes Jahwe für die Verehrung fremder Götter.

 

Woher kommt das Leben

Ein Anzeichen dafür, dass in der Schöpfungsgeschichte der Bibel zwei Überlieferungen zusammengefügt wurden, sind die unterschiedlichen Erklärungen, die für die Herkunft des Lebens gegeben werden. In Genesis 2,7 und Genesis 6, 3 wird der Lebensgeist als Leihgabe des Schöpfergottes betrachtet.  

1. Mose 6:3

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen. 

Im Gegensatz dazu gibt es in Genesis 3,22 jenen Baum des Lebens, dessen Früchte Leben spenden

Dieser Widerspruch im Buch Genesis ist nur dadurch zu erklären, dass es zwei unterschiedliche Gottesvorstellungen gab, hinter denen zwei unterschiedliche Erfahrungen standen. Einmal die Erfahrung, dass pflanzliches Leben Erde und Wasser benötigt und dass pflanzliche Nahrung die Basis für tierisches Leben ist. Zum anderen die Erfahrung, dass zum menschlichen Leben der Verstand gehört und dass dieser Geist mit dem Tod verschwindet.

Ein Totenreich gibt es im Pentateuch noch nicht und damit auch kein Leben nach dem Tod.

Das Buch Genesis versucht beide Vorstellungen zu verbinden. Solche Integrationsbemühungen hat es zu allen Zeiten gegeben. (Ökumene; es führen viele Wege nach Rom).

 

Das Leib-Geist-Seele-Problem

Der ursprünglich richtigen Überlegung, dass Nahrung - der Baum des Lebens (Genesis 3,22) - die Energie liefert, die die biologischen Prozesse antreibt, stand die Überlegung entgegen, dass jede Bewegung veranlasst wird durch  einen geistigen Befehl.

Diese Vorstellung, dass sich nichts von selbst bewegt, hat man verallgemeinert und auch auf Naturprozesse übertragen. Daher sah sich der Mensch in der Antike umgeben von guten und bösen Geistern.

Auch die menschliche Seele (Lebenskraft) war ein solches aus Gott geborenes metaphysisches Wesen.

1. Mose 2:7

Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem (Odem = Geist des Windhauchs). So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

Dieser Geist, der nach antiker Vorstellung die Atmung und alle unsere Bewegungen angetrieben hat, wurde den Winddämonen zugeordnet.

Hesekiel (Ezechiel) 37:5-10
So spricht Gott der HERR zu diesen Gebeinen: Siehe, ich will Odem in euch bringen, daß ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Odem geben, daß ihr wieder lebendig werdet; und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin. Und ich weissagte, wie mir befohlen war. Und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und siehe, es regte sich, und die Gebeine rückten zusammen, Gebein zu Gebein. Und ich sah, und siehe, es wuchsen Sehnen und Fleisch darauf, und sie wurden mit Haut überzogen; es war aber noch kein Odem in ihnen. Und er sprach zu mir: Weissage zum Odem; weissage, du Menschenkind, und sprich zum Odem: So spricht Gott der HERR: Odem, komm herzu von den vier Winden (den vier Winddämonen) und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer.

Kohelet 11,8
Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, freue er sich in dieser ganzen Zeit, und er denke zugleich an die dunklen Tage: Auch sie werden viele sein.
Alles, was kommt, ist Windhauch. (Anmerkung der Einheistübersetzung: Andere Übersetzungsmöglichkeit: Jeder, der (zur Welt) kommt, ist Windhauch (d. h. er muß sterben)).

Genesis 4,2
Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer. (Anmerkung der Einheitsübersetzung: Abel bedeutet Windhauch, erinnert also an die Kürze und Hinfälligkeit des Lebens )
 

Diese Vorstellung der menschlichen Seele als Winddämon finden wir auch im Neuen Testament.

Matthäus 27,50 (Markus 15,37, Lukas 23,46)
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

Johannes 3,8
Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. (Anmerkung der Einheitsübersetzung: Für «Wind» und «Geist» steht im griechischen Text das gleiche Wort "pneuma".)

Gemäß dem Buch Genesis war dieser Geist aber nur eine Leihgabe für maximal 120 Jahre. Das gilt für weite Teile des alten Testaments nach der Sintflut. Eine Ausnahme ist Hiob (Job), dem für seine Leidenszeit zwanzig Jahre mehr zugerechnet werden. Es gilt auch für die Apokalypse des Jesaja.

Jesaja 65,20
Dort gibt es keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht (Das volle Alter beträgt lt 1. Mose 6,3 120 Jahre); wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als verflucht.
(Sacharia 8,4)

1. Mose 6,3
Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen.

Jak 4,5
Oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ. (Anmerkung der Einheitsübersetzung: Die Herkunft des Zitats ist unbekannt. Der Sinn ist vermutlich: Gott, der dem Menschen seinen Geist eingehaucht hat (Gen 2,7), macht diesem Geist gegenüber seinen Anspruch geltend. - Andere Übersetzungsmöglichkeit: Neidisch zeigt der Geist, den er in uns wohnen ließ, sein Verlangen.)

Nach israelitischer Vorstellung, gab es neben jenem Geist, der die Atmung antrieb noch den menschlichen Geist.

1.Thessalonicher 5,23
Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt.

Dieser Geist repräsentierte das Denkvermögen und die Gefühle des Menschen. Dieser Geist war verantwortlich für die Regungen des Herzen und der Nieren und hatte seinen Wohnsitz im Herzen. Nach israelitischer Vorstellung dachte der Mensch nicht mit dem Gehirn, sondern mit dem im Herzen wohnenden Geist.

Hebr 4,12
Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; (Weisheit 18,15f)

Psalm 26:2
"Prüfe mich, Herr, und erprobe mich, erforsche meine Nieren und mein Herz."

Jeremia 20:12 "Und nun, Herr Zebaoth, der du die Gerechten prüfst, Nieren und Herz durchschaust: Lass mich deine Vergeltung an ihnen sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen."

1.Johannes 3:19-20
"Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge."

Umgangssprachlich hat sich diese Vorstellung bis heute erhalten. Ein gefühlloser Mensch, eine gefühllose Tat wird als herzlos bezeichnet. Und diese Wortwahl wird von den Repräsentanten der Kirche bewusst gepflegt, auch wenn man weiß, dass das Gehirn unser Organ ist, das unser Denken und Fühlen steuert.

Dazu zwei Zitate aus der Rede von Papst Benedikt XVI. (alias Josef Ratzinger) am 22. September 2011 vor dem Deutschen Bundestag:.

Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, daß Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Könige 3,9).  

Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität war es entscheidend, daß sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt haben. Diesen Entscheid hatte schon Paulus im Brief an die Römer vollzogen, wenn er sagt: „Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie… sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, daß ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab…“ (Röm 2,14f). Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft.

Neben diesen beiden Geistern, die nach damaliger israelitischer Vorstellung im Leib des Menschen wohnen, kann der noch weitere Geister beherbergen. Da ist z. B. der Heilige Geist, den Gott nur denen verliehen hat, die ihm gehorchen.

Apostelgeschichte 5,32
Zeugen sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die Ihm gehorchen.

2.Timotheis 1,14
Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den heiligen Geist, der in uns wohnt.

Kollosser 2,9
Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig,

Johannes 1,18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige (Jesus), der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Römer 8,9
Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

Röm 8,11
Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Leviticus 20,27
Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder ein Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden. Man soll sie steinigen, ihr Blut soll auf sie kommen.

Prophetisches Reden war den Priestern vorbehalten. Da es hier um viel Geld ging, wurde es als Rechtsbruch schwer bestraft.

Apostelgeschichte 16,16
Als wir einmal auf dem Weg zur Gebetsstätte waren, begegnete uns eine Magd, die einen Wahrsagegeist hatte und mit der Wahrsagerei ihren Herren großen Gewinn einbrachte.

Nach der Vorstellung der Apostel und der Evangelisten war die prophetische Rede auch manchen verliehen, die vom Geist Gottes beseelt waren.

1. Korinther 12, 6 - 10
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.

1. Korinther 11,2-13
Ich lobe euch, daß ihr in allem an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe. Ihr sollt aber wissen, daß Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi. Wenn ein Mann betet oder prophetisch redet und dabei sein Haupt bedeckt hat, entehrt er sein Haupt. Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen. Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen. Ist es aber für eine Frau eine Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahlscheren zu lassen, dann soll sie sich auch verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann. Deswegen soll die Frau mit Rücksicht auf die Engel das Zeichen ihrer Vollmacht auf dem Kopf tragen.

Kommentar der Einheitsübersetzung: Es galt damals unter Juden wie Judenchristen als unanständig, wenn eine Frau ihr Haar offen trug. Deswegen war es Vorschrift für sie, ein Kopftuch zu tragen, wenn sie ausging. Durch die judenchristlichen Missionare der Frühzeit fand dieser Brauch auch Eingang in die heidenchristlichen Gemeinden, wenigstens für den Gottesdienst. Paulus bestand auf dieser Verhüllung um so mehr, als er der Frau hier das geisterfüllte laute Beten und prophetische Reden gestattete (vgl. 11,5). So wurde das Kopftuch auch ein Zeichen ihrer Vollmacht, vor der Gemeinde charismatisch aufzutreten.

Markus 16,15 - 20 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.

Anmerkung der Einheitsübersetzung: Dieser Abschnitt findet sich nicht bei den ältesten Textzeugen. Er ist eine im 2. Jahrhundert entstandene Zusammenfassung der in anderen Evangelien stehenden Berichte über die Erscheinungen und Anweisungen des Auferstandenen; er gehört also inhaltlich zur Evangelienüberlieferung. In einer altlateinischen Handschrift findet sich statt dessen folgende Ergänzung: Und sie berichteten alles, was ihnen aufgetragen worden war, dem Kreis um Petrus. Danach sandte Jesus selbst durch sie vom Osten bis in den Westen die heilige und unvergängliche Botschaft vom ewigen Heil. Amen. Bei einigen Textzeugen finden sich auch beide Zusätze.


Erst als mit der Entwicklung von Maschinen, der Beherrschung des Feuers immer mehr sichtbar wurde, dass sich Naturprozesse beherrschen lassen, ja sogar in gewissen Grenzen berechnen lassen, begann der Mensch am Glauben an Geister zu zweifeln.

 

Kann man Gott sehen und hören?

Hier gibt die Bibel widersprüchliche Antworten.

Jakob darf  das Angesicht Gottes sehen, ja er darf sogar mit ihm ringen und erhält dafür den Namen Israel, was Gottesstreiter bedeutet (1. Mose 32:22-32, 1. Mose 35:9-14).

1. Mose 32:30

Folglich gab Jakob dem Ort den Namen Peniel, denn: "Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und doch ist meine Seele befreit worden.

Moses dagegen bekommt Gott meist umhüllt von einer Feuersäule oder von einer Wolke zu sehen (2. Mose 19:18-20, 2. Mose 20:21, 2. Mose 24:16-18, 2. Mose 34:5-7).

Gemäß dem zweiten Buch Mose war es auch für Moses lebensgefährlich Gott zu sehen.

2. Mose 33:20

Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

Dem widerspricht jedoch 4. Mose 5-9.

Numeri 12:5-9

Der Herr kam in der Wolkensäule herab, blieb am Zelteingang stehen und rief Aaron und Mirjam. Beide traten vor, und der Herr sprach: Hört meine Worte! Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm in Visionen zu erkennen und rede mit ihm im Traum. Anders bei meinem Knecht Mose. Mein ganzes Haus ist ihm anvertraut. Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, von Angesicht zu Angesicht, nicht in Rätseln. Er darf die Gestalt des Herrn sehen. Warum habt ihr es gewagt, über meinen Knecht Mose zu reden? Der Herr wurde zornig auf sie und ging weg. (Einheitsübersetzung)

Für normale Sterbliche war Gott seit eh und je unsichtbar.

5. Mose 4:15-18

Und ihr sollt gut achtgeben auf eure Seelen, denn ihr saht keine Gestalt an dem Tage, an dem Jehova am Horeb mitten aus dem Feuer zu euch redete, damit ihr nicht verderblich handeln mögt und euch nicht wirklich ein geschnitztes Bild machet, die Gestalt irgendeines Sinnbildes, die Darstellung eines Mannes oder Weibes, die Darstellung irgendeines Tieres, das auf der Erde ist, die Darstellung irgendeines geflügelten Vogels, der am Himmel fliegt, die Darstellung von irgendetwas, was sich auf dem Erdboden regt, die Darstellung irgendeines Fisches, der in den Wassern unter der Erde ist.

Diese Gotteserscheinung am Berg Horeb, wie sie im zweiten Mose berichtet wird, hört sich an wie die Schilderung eines damals noch tätigen Vulkans.

2. Mose 24,12-18

Danach stiegen Mose, Aaron, Nadab, Abihu und die siebzig von den Ältesten Israels hinauf,  und sie sahen den Gott Israels. Die Fläche unter seinen Füßen war wie mit Saphir ausgelegt und glänzte hell wie der Himmel selbst. Gott streckte nicht seine Hand gegen die Edlen der Israeliten aus; sie durften Gott sehen, und sie aßen und tranken. Der Herr sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg, und bleib hier! Ich will dir die Steintafeln übergeben, die Weisung und die Gebote, die ich aufgeschrieben habe. Du sollst das Volk darin unterweisen. Da erhob sich Mose mit seinem Diener Josua und stieg den Gottesberg hinauf. Zu den Ältesten sagte er: Bleibt hier, bis wir zu euch zurückkehren; Aaron und Hur sind ja bei euch. Wer ein Anliegen hat, wende sich an sie. Dann stieg Mose auf den Berg, und die Wolke bedeckte den Berg. Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Sinai herab, und die Wolke bedeckte den Berg sechs Tage lang. Am siebten Tag rief der Herr mitten aus der Wolke Mose herbei. Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer. Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg hinauf. Vierzig Tage und vierzig Nächte blieb Mose auf dem Berg.

Psalm 102,32 Er blickt auf die Erde, und sie erbebt; er rührt die Berge an, und sie rauchen.
 

Die siebzig Ältesten sahen das erkaltete, in der Sonne glänzende Vulkangestein (die Fläche unter seinen Füßen war wie mit Saphir ausgelegt). Was die Israeliten auch sahen, war jene Feuersäule am Gipfel des Berges (Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer). Und das Volk hörte offenbar das Donnern eines Vulkanausbruchs (am siebenten Tag rief der Herr mitten aus der Wolke Mose herbei).

Dieses Reden Gottes hörte natürlich nur der Priester. Das Volk hörte nur ein Donnergrollen. Dies steht zwar hier nicht explizit, aber es steht an anderer Stelle in der Bibel nämlich in

Johannes 12,29

Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet.

Jeremia 10,13

Läßt er seine Stimme ertönen, dann rauschen die Wasser am Himmel. Wolken führt er herauf vom Rand der Erde; er läßt es blitzen und regnen, aus seinen Kammern entsendet er den Wind.

Ezechiel (Hesekiel) 1,24

Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel; es war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen.

Ijob 38,1
Da antwortete der Herr dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach:

Offb 10,1-4

Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne, und seine Beine waren wie Feuersäulen. In der Hand hielt er ein kleines, aufgeschlagenes Buch. Er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken auf das Land und rief laut, so wie ein Löwe brüllt. Nachdem er gerufen hatte, erhoben die sieben Donner ihre Stimme. Als die sieben Donner gesprochen hatten, wollte ich es aufschreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel her rufen: Halte geheim, was die sieben Donner gesprochen haben; schreib es nicht auf!

 

Gottesbilder in der Bibel

Der Feuergott mit der großen Dienerschar.

Daniel 7:9-10

Ich schaute weiter, bis Throne aufgestellt wurden und der Alte an Tagen sich setzte. Seine Kleidung war so weiß wie Schnee, und das Haar seines Hauptes war wie reine Wolle. Sein Thron waren Feuerflammen, dessen Räder waren brennendes Feuer. Da war ein Feuerstrom, der floß und von der Stelle vor ihm ausging. Da waren tausend Tausende, die ihm ständig Dienst leisteten, und zehntausend mal zehntausend, die fortwährend direkt vor ihm standen. Das Gericht setzte sich und Bücher wurden geöffnet.

Der Jesus-Gott, der Geschenke an seine Getreuen verteilt.

Matthäus 11:28-29

"Wahrlich ich sage euch: In der Wiedererschaffung, wenn der Sohn des Menschen sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzt, werdet auch ihr selbst, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Ländereien verlassen hat, wird vielmal mehr empfangen und wird ewiges Leben ererben."

Der Edelstein-Gott mit dem Kronrat – hier 24 Ratsmitglieder anders als bei Matthäus, wo es nur 12 sind

Offenbarung 4:2-6

Und nach diesen Dingen geriet ich sogleich unter die Macht des Geistes: Und siehe! Ein Thron war im Himmel aufgestellt, und auf dem Throne saß einer. Und der Sitzende ist dem Aussehen nach gleich einem Jaspisstein und einem kostbaren rotfarbenen Stein, und rings um den Thron ist ein Regenbogen, dem Aussehen nach gleich einem Smaragd. Und rings um den Thron sind vierundzwanzig Throne, und auf diesen Thronen sah ich vierundzwanzig ältere Personen sitzen, in weiße äußere Kleider gehüllt und auf ihren Häuptern goldene Kronen. Und aus dem Throne gehen Blitze und Stimmen und Donner hervor; und da sind sieben Feuerlampen, die vor dem Throne brennen, und diese bedeuten die sieben Geister Gottes. Und vor dem Throne ist gleichsam ein gläsernes Meer wie Kristall.

Selbst wenn man dies nur als symbolische Beschreibung jenes Gottes auffasst. So stellt sich doch aus heutiger Sicht die Frage, ob hier die richtigen Bilder gewählt wurden.

Ein Gott, der Rachegefühle hegt, steht nicht über den Dingen. Ein Gott, der sich mit Gold und Edelsteinen umgibt, der primitive Demutsbezeugungen fordert, ist primitiv. Ein Gott, der sich am Tod der Opfertiere freut, kennt nicht den Wert des Lebens.

 

Das Weltbild zur Zeit der Dichter und Propheten

1.Mose 1,7-10

Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es, und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag. Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es. Das Trockene nannte Gott Land, und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, daß es gut war.

Dies entspricht dem damaligen antiken Weltbild. Eine feste Kuppel als Himmel (Hiob 37,18), an die die Sterne angeheftet sind, wobei es hier erst mal nur einen Himmel gibt.

 

Jesaja 42,5

So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen.

Anmerkung: Luther 84 und die Elberfelder Bibel übersetzen hier "die Himmel" in der Mehrzahl, so wie es auch diese Darstellung zeigt. Die Einheitsübersetung übersetzt "den Himmel".

Bildquelle: Evangeliar Heinrichs des Löwen

Unter griechischem Einfluss sind es dann mehrere Himmel.

Deuteronomium 10,14
Sieh, dem Herrn, deinem Gott, gehören der Himmel, der Himmel über den Himmeln, die Erde und alles, was auf ihr lebt.

 

Psalm 97,6

Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.

Im neuen Testament spricht Jesus in Johannes 14,2 davon, dass es im Hause seines Vaters viele Wohnungen gibt. Auch Lukas 16,9 spricht von den ewigen Wohnungen. Paulus glaubt ebenfalls an mehrere Himmel.

2. Korinther 12,2-5

Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. Und ich weiß, daß dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann. Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit. (siehe auch Hebräer 1,10)

Unter der Kuppel ist die Erde als zusammenhängende Landmasse umgeben von Wasser.

 

Die beweglichen Himmelskörper betrachtete man entweder als weit entfernte Lichtgestalten, als Gottheiten oder man dachte sich, dass sie von Gottheiten bewegt werden.   

Genesis 37,9 (einer der Träume des Joseph)

Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf Sterne verneigten sich tief vor mir.

Deuteronomium 4,19 (Dtn 17,3)
Wenn du die Augen zum Himmel erhebst und das ganze Himmelsheer siehst, die Sonne, den Mond und die Sterne, dann laß dich nicht verführen! Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen. Der Herr, dein Gott, hat sie allen anderen Völkern überall unter dem Himmel zugewiesen.

1. Könige 22.19
Micha aber fuhr fort: Darum - höre das Wort des Herrn: Ich sah den Herrn auf seinem Thron sitzen; das ganze Heer des Himmels stand zu seiner Rechten und seiner Linken.
 

2.Kön 23,11
Er entfernte die Pferde, die die Könige von Juda zu Ehren der Sonne am Eingang zum Haus des Herrn bei der Zelle des Kämmerers Netan-Melech am Parwar aufgestellt hatten, und verbrannte die Sonnenwagen im Feuer.

Psalm 19,5

Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.

Psalm 33,7

Wie in einem Schlauch faßt er das Wasser des Meeres, verschließt die Urflut in Kammern.

Psalm 148,2-5

Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Scharen; lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne; lobt ihn, alle Himmel und ihr Wasser über dem Himmel! Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn er gebot, und sie waren erschaffen.

Richter 5,20

Vom Himmel her kämpften die Sterne, von ihren Bahnen aus kämpften sie gegen Sisera.

Die für Israel nicht erlaubte Verehrung der Gestirne wird anderen Völkern zugestanden. Das heißt aber auch, dass man an deren personelle, göttliche Existenz glaubte.

Die Fixsterne waren für die Israeliten nichts anderes als kleine Lämpchen, die auch vom Himmel fallen können. Wobei die beweglichen Sterne von Engeln bewegt werden oder auch als Lichtgestalten mit diesen Sternen identifiziert werden. Jesus spricht von den Söhnen des Lichts (Lukas 16,8; Johannes 12,36)

Jesaja 34,4

...alle Hügel zerfließen. Wie eine Buchrolle rollt sich der Himmel zusammen, sein ganzes Heer (das Himmelsheer / die Sterne) welkt dahin, wie Laub am Weinstock verwelkt, wie Früchte am Feigenbaum schrumpfen.

Offenbarung 6,13-14

Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie wenn ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt. Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle weggerückt.

In den apokalyptischen Prophezeiungen von Jesus in den Evangelien werden die Prophezeiungen des Jesaja übernommen.

Markus 13:24-27 (Lukas 21:26, Matthäus 24, 29-34)

Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, daß das Ende vor der Tür steht.  Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.

Jesus sagt also seinen Jüngern, wenn ihr die Sterne vom Himmel fallen seht, dann wisst ihr dass das Ende nahe ist. Dass Sterne bis auf die wenigen Planeten i. a. um ein vielfaches größer sind als die Erde und daher nicht auf die Erde fallen können, schon gar nicht alle auf einmal. Davon hat Jesus keine Ahnung.

Nach israelitischen Glauben waren es Götter, mit Intelligenz begabte Wesen, die unter dem Kommando des Gottes Jahwe standen.

Josua 10,12-13
Damals, als der Herr die Amoriter den Israeliten preisgab, redete Josua mit dem Herrn; dann sagte er in Gegenwart der Israeliten: Sonne, bleib stehen über Gibeon und du, Mond, über dem Tal von Ajalon! - Und die Sonne blieb stehen, und der Mond stand still, bis das Volk an seinen Feinden Rache genommen hatte. Das steht im «Buch des Aufrechten». Die Sonne blieb also mitten am Himmel stehen, und ihr Untergang verzögerte sich, ungefähr einen ganzen Tag lang.

Jesaja 14,12

Ach, du bist vom Himmel gefallen, du strahlender Sohn der Morgenröte. Zu Boden bist du geschmettert, du Bezwinger der Völker.

Der Text verwendet mythische Bilder. Nach babylonischer Anschauung wurde Helel, der Sohn der Morgenröte, in die Unterwelt gestürzt, als er in den Himmel aufsteigen wollte (Kommentar der Einheitsübersetzung). Diesen Text hatte vermutlich auch der Verfasser der Offenbarung im Sinn als er schrieb:

Offenbarung 22,16
Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern.

 

Für die Wellenbewegung des Meeres machte man die Geister des Meeres verantwortlich.

Hiob 26:5

Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.

Für den Wind gab es Winddämonen.

Jeremia 10:13 (Jer 51,16)
Bei seiner Stimme gibt es durch ihn ein Getöse von Wassern in den Himmeln, er lässt Dämpfe aufsteigen vom äußersten Ende der Erde. Er hat sogar Schleusen für den Regen gemacht, und er bringt den Wind aus seinen Vorratshäusern hervor

Offenbarung 7:1

Danach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen und die vier Winde festhalten, damit kein Wind über die Erde wehe oder über das Meer oder über irgendeinen Baum.

Die ausführlichste Schilderung des Weltbild findet sich bei Hiob.

Hiob 26,10-11

Eine Grenze zieht er rund um die Wasser bis an den Rand von Licht und Finsternis. Die Säulen des Himmels erzittern, sie erschrecken vor seinem Drohen.

Die Erde steht nach israelitischer Anschauung ebenfalls auf Säulen (vgl. Psalm 75,4).

Hiob 37,9

Aus seiner Kammer kommt der Sturm, von den Winden des Nordens die Kälte.

Hiob 37,2-4

Hört, hört das Toben der Stimme Gottes, welch ein Grollen seinem Mund entfährt. Unter dem ganzen Himmel läßt er es los und seinen Blitz über die Säume der Erde. Hinter ihm brüllt der Donner drein, er dröhnt mit erhabener Stimme. Nicht hält er (die Blitze) zurück, wenn sein Donner gehört wird.

Hiob 37,18

...wölbst du gleich ihm das Wolkenfirmament, das fest ist wie ein gegossener Spiegel?

Hiob 38,1 – 40,1 (In diesen beiden Kapiteln ist die Nachwirkung der sog. weisheitlichen Listenwissenschaft des Alten Orient erkennbar.)

Da antwortete der Herr dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach:

Wer ist es, der den Ratschluß verdunkelt mit Gerede ohne Einsicht? Auf, gürte deine Lenden wie ein Mann: Ich will dich fragen, du belehre mich! Wo warst du, als ich die Erde gegründet? Sag es denn, wenn du Bescheid weißt. Wer setzte ihre Maße? Du weißt es ja. Wer hat die Meßschnur über ihr gespannt? Wohin sind ihre Pfeiler eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als alle Morgensterne jauchzten, als jubelten alle Gottessöhne? (Psalm 19,2; 148,2f) Wer verschloß das Meer mit Toren, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll, als Wolken ich zum Kleid ihm machte, ihm zur Windel dunklen Dunst, als ich ihm ausbrach meine Grenze, ihm Tor und Riegel setzte und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muß sich legen deiner Wogen Stolz? (Ps 65,8; 104,6-9; Spr 8,29) Hast du je in deinem Leben dem Morgen geboten, dem Frührot seinen Ort bestimmt, daß es der Erde Säume fasse und daß die Frevler von ihr abgeschüttelt werden? Sie wandelt sich wie Siegelton, (die Dinge) stehen da wie ein Gewand. Den Frevlern wird ihr Licht entzogen, zerschmettert der erhobene Arm.  Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen, hast du des Urgrunds Tiefe durchwandert? Haben dir sich die Tore des Todes geöffnet, hast du der Finsternis Tore geschaut? Hast du der Erde Breiten überblickt? Sag es, wenn du das alles weißt. Wo ist der Weg zur Wohnstatt des Lichts? Die Finsternis, wo hat sie ihren Ort, daß du sie einführst in ihren Bereich, die Pfade zu ihrem Haus sie führst? Du weißt es ja; du wurdest damals ja geboren, und deiner Tage Zahl ist groß. Bist du zu den Kammern des Schnees gekommen, hast du die Kammern des Hagels gesehen, den ich für Zeiten der Drangsal aufgespart, für den Tag des Kampfes und der Schlacht? Wo ist der Weg dorthin, wo das Licht sich verteilt, der Ostwind sich über die Erde zerstreut? Wer grub der Regenflut eine Rinne, einen Weg für das Donnergewölk, um Regen zu senden auf unbewohntes Land, auf die Steppe, darin niemand wohnt, um zu sättigen die Wildnis und Öde und frisches Gras sprossen zu lassen? Hat der Regen einen Vater, oder wer zeugte die Tropfen des Taus? Aus wessen Schoß ging das Eis hervor, des Himmels Reif, wer hat ihn geboren? Wie Stein erstarren die Wasser und wird fest die Fläche der Flut. (erstarren, wörtlich: verbergen sich). Knüpfst du die Bande des Siebengestirns, oder löst du des Orions Fesseln? Führst du heraus des Tierkreises Sterne zur richtigen Zeit, lenkst du die Löwin samt ihren Jungen? Kennst du die Gesetze des Himmels, legst du auf die Erde seine Urkunde nieder? Erhebst du zu den Wolken deine Stimme, daß dich die Woge des Wassers bedeckt? Entsendest du die Blitze, daß sie eilen und dir sagen: Wir sind da?

Interessant ist u.a. dass das alte Testament auch einigen Tieren Weisheit / Verstand zubilligt, wogegen weite Teile der katholischen Kirche glauben Tiere haben nur einen Instinkt, sind sozusagen über Reizauslöser steuerbar. Der Ibis gilt übrigens auch in der ägyptischen Mythologie als ein weiser Vogel.

Wer verlieh dem Ibis Weisheit, oder wer gab Einsicht dem Hahn? Wer zählt in Weisheit die Wolken, und die Schläuche des Himmels, wer schüttet sie aus, wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und Erdschollen zusammenkleben? Erjagst du Beute für die Löwin, stillst du den Hunger der jungen Löwen (Psalm 104,21f), wenn sie sich ducken in den Verstecken, im Dickicht auf der Lauer liegen? Wer bereitet dem Raben seine Nahrung, wenn seine Jungen schreien zu Gott und umherirren ohne Futter? (Psalm 147,9) Kennst du der Steinböcke Wurfzeit, überwachst du das Werfen der Hirsche? Zählst du die Monde, die tragend sie füllen, kennst du die Zeit ihres Wurfs? Sie kauern sich, werfen ihre Jungen, werden los ihre Wehen. Ihre Jungen erstarken, wachsen im Freien, laufen hinaus und kehren nicht zu ihnen zurück. Wer hat das Maultier freigelassen, des Wildesels Fesseln, wer schloß sie auf? Ich gab ihm zur Behausung die Steppe, zu seiner Wohnung die salzige Trift. Er verlacht das Lärmen der Stadt, hört nicht des Treibers Geschrei. Die Berge sucht er nach Weide ab, jeglichem Grün spürt er nach. Wird dir der Wildstier dienen wollen, bleibt er an deiner Krippe zur Nacht? Hältst du am Seil ihn in der Furche, pflügt er die Täler hinter dir her? Traust du ihm, weil er so stark ist? Überläßt du ihm deine Arbeit? Glaubst du ihm, daß er wiederkommt und deine Saat auf die Tenne bringt? Lustig schlägt die Straußenhenne die Flügel. Ist ihre Schwinge darum so wie die des Storches und Falken? Nein, sie gibt der Erde ihre Eier preis, läßt sie erwärmen im Sand, vergißt, daß sie ein Fuß zerdrücken, das Wild des Feldes sie zertreten kann; sie behandelt ihre Jungen hart wie Fremde; war umsonst ihre Mühe, es erschreckt sie nicht. Denn Gott ließ sie Weisheit vergessen, gab ihr an Verstand keinen Teil. Im Augenblick aber, wenn sie hochschnellt, verlacht sie das Roß und seinen Reiter. Gabst du dem Roß die Heldenstärke, kleidest du mit einer Mähne seinen Hals? Läßt du wie Heuschrecken es springen? Furchtbar ist sein stolzes Wiehern. Es scharrt im Tal und freut sich, zieht mit Macht dem Kampf entgegen. Es spottet der Furcht und kennt keine Angst und kehrt nicht um vor dem Schwert. Über ihm klirrt der Köcher, Speer und Sichelschwert blitzen. Mit Donnerbeben wirbelt es den Staub auf, steht nicht still beim Klang des Horns. Sooft das Horn hallt, wiehert es «hui» und wittert den Kampf schon von weitem, der Anführer Lärm und das Schlachtgeschrei. Kommt es von deiner Einsicht, daß der Falke sich aufschwingt und nach Süden seine Flügel ausbreitet? Fliegt auf dein Geheiß der Adler so hoch und baut seinen Horst in der Höhe? Auf Felsen wohnt und nächtigt er, auf der Felsenzacke und an steiler Wand. Von dort erspäht er die Beute, seine Augen schauen ins Weite. Nach Blut schon gieren seine Jungen; wo Erschlagene sind, ist er zur Stelle. Da antwortete der Herr dem Ijob und sprach: Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? Der Gott anklagt, antworte drauf!

An dieses Weltbild glaubte auch Jesus. Mehr dazu siehe das Kapitel Jesus - ein Gläubiger der Legenden und des Weltbilds des alten Testaments.

Der überzeugte Christ wird hier natürlich behaupten, dass dies alles nur symbolisch zu interpretieren ist und keineswegs wörtlich. Zu diesem und ähnlichen Argumenten siehe unter dem Link Bibelkritik die Kapitel zum Thema "Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens".

 

Welchen Vorteil bringt der Ein-Gott-Glaube?

Der Ein-Gott-Glaube ist aus den Handlungen Gottes (Wirkungen in der Natur) nicht zu begründen, denn im Naturgeschehen ist keine Logik erkennbar. Bei einer Logik, wäre ein Ziel erkennbar. Die Natur sorgt aber sowohl für die Entstehung von Leben als auch für die massenhafte Vernichtung von Leben,  z. B. wenn Pflanzen, Tiere und Menschen bei einem Vulkanausbruch, einer Sturmflut oder einem Erdbeben umkommen. In der Natur gibt es auch weit mehr Chaos als erkennbare Ordnung. In den alten Naturreligionen hat man daher jede Naturkraft einem eigenen Gott zugeordnet.

Es wird zwar behauptet, der Mensch sei die Krone der Schöpfung und die Schöpfung sei auf den Menschen ausgerichtet. Aber wieso gibt es dann tödliche Krankheiten? Wieso gibt es Parasiten, die den Menschen befallen können. Der Mensch ist auch bei weitem kein vollkommenes Lebewesen. Es gibt Tiere, die über Sinnesfunktionen verfügen, die der Mensch nicht besitzt (Biolumineszenz, Magnetsinn, . . .). Weder der Geruchssinn, noch das Sehvermögen, noch das Hörvermögen sind beim Menschen optimal entwickelt. Auch von seiner Körperkraft her ist er vielen Tieren unterlegen.

Aus dem oben Gesagten können wir auch erkennen, dass die von den Priestern angestrebte Verehrung eines einzigen Gottes lange Zeit nicht durchsetzbar war. Wir können uns nun überlegen, warum die Priester trotzdem den Ein-Gott-Glauben wollten. Der Grund liegt vermutlich darin, dass man dann mit festen Einnahmen rechnen kann. Wenn dagegen bei jeder Naturkatastrophe ein anderer Gott verehrt wird, dann hat der Priester, dessen Heiligtum gerade nicht verehrt wird, auch nichts zu essen. Man hat dann höchstens einen kleinen Kreis von Stammkunden. Für den Tempel einer anderen Gottheit war daher in der ganzen Antike in kleineren Orten kein Platz. Nur in großen Städten, die überwiegend vom Handel lebten, gab es dann für die Händler unterschiedlicher Herkunft jeweils eigene Kultstätten. Ein anderer Grund warum man auch in der christlichen Lehre entgegen der Glaubensgrundlage (Engel, Dämonen, Satan) den Ein-Gott-Glauben propagiert, ist die Konkurrenz zum Islam. Ein weiterer Grund die Philosophie des Aristoteles, der sich Scholastiker wie Anselm von Canterburry und Thomas von Aquin stellen mussten.

2. Mose (Exodus) 34,14
Du darfst dich nicht vor einem andern Gott niederwerfen. Denn Jahwe trägt den Namen «der Eifersüchtige»; ein eifersüchtiger Gott ist er.

Eines der wesentlichen Kennzeichen der drei großen Welt-Religionen, die sich als monotheistisch bezeichnen, Judentum, Christentum und Islam, ist ihre Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. Als Paulus in Athen einen Altar vorfindet, der dem unbekannten Gott geweiht ist (Apostelgeschichte 17,23), verkündet er seine Botschaft vom eifersüchtigen Gott (2. Mose (Exodus) 34,14), der keine anderen Götter neben sich duldet und propagiert damit Intoleranz, wo Toleranz herrscht.

Würden wir die Zeit, die wir heute noch vielfach mit Geisterbeschwörung vergeuden (man nennt dies heute beten), dem Wissenserwerb widmen, wäre wohl allen mehr gedient.


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