Die Sintflut in der Diskussion

Noah und der "gerechte" Gott


Gott macht Fehler   Noah besoffen    Kanaan statt Ham verflucht   Turmbau zu Babel


In der Geschichte der Sintflut erleben wir Gottes "Gerechtigkeit" und seine "Liebe" und "Barmherzigkeit" hautnah. 

1. Mose 6:5-7

Da sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und dass jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war. Und Jehova bedauerte, dass er Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es schmerzte ihn in seinem Herzen. Da sprach Jehova: " Ich werde die Menschen, die ich erschaffen habe, von der Oberfläche des Erdbodens wegwischen, vom Menschen bis zum Haustier, bis zu dem sich regenden Tier und bis zu dem fliegenden Geschöpf der Himmel, denn ich bedauere in der Tat, dass ich sie gemacht habe."

Gott glaubt offenbar selbst nicht mehr an die Vollkommenheit seiner Schöpfung. Er versucht nun eine Fehlentwicklung seiner Schöpfung zu korrigieren. Ob er nun diese Fehlentwicklung vorausgesehen hat oder bewußt einkalkuliert hat, sei dahingestellt. Widerlegt wird hier jedenfalls die alte Behauptung, dass Gott keine Fehler macht und seine Schöpfungen im Gegensatz zu menschlichen Schöpfungen vollkommen sind; denn eine vollkommene Schöpfung reagiert auch in kritischen Situationen, wie dem Sündenfall, richtig, d. h. langfristig zum eigenen Vorteil und nicht zum Schaden anderer.

Unverständlich bleibt, wieso der Gott Jahwe auch fast alle Tiere vernichten will. Es muss wohl damals etliche sündige Esel und Schafe gegeben haben.

Es wird hier zwar von der Schlechtigkeit der Menschen geredet, aber den ersten Krieg gab es lt. Bibel erst nach der Sintflut (1. Mose 14). Und von Noahs Vorfahren ist außer Abel (Brudermord) keiner einem Verbrechen zum Opfer gefallen, im Gegenteil, ihnen war ein außerordentlich langes Leben beschieden und Noah war wohlhabend, sonst hätte er die riesige Arche nicht bauen können.

Das hohe Lebensalter Noahs und seiner Vorfahren lässt sich aber auch folgendermaßen erklären: Als die Israeliten noch Nomaden waren, rechneten sie die Jahre nach den Mondphasen. Als sie sesshaft wurden, rechneten sie die Jahre nach der Anzahl der Ernten. Von den Ägyptern übernahmen sie schließlich die Zeitrechnung nach der Sonne. Gegen diese Deutung spricht jedoch folgende Bibelstelle.

1. Mose 7:11

Im sechshundertsten Jahr des Lebens Noahs im zweiten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, an diesem Tag wurden alle Quellen der großen Wassertiefe aufgebrochen, und die Schleusen der Himmel wurden geöffnet.  (Die Einheitsübersetzung übersetzt hier die Schleusen des Himmels)

Solche Bibelstellen kann man natürlich nur symbolisch deuten, sonst würde dem gebildeten Leser sofort auffallen, daß man damals an ein anderes Weltbild glaubte. In diesem alten Weltbild war die Erde noch eine Scheibe, die auf dem Wasser schwamm. Über die Erde waren wie Käseglocken ein paar Himmel gestülpt (siehe auch 1. Mose 8:2).

Ob bei dieser Flutkatastrophe wirklich alle Menschen, außer Noah und seinen Söhnen, den Tod fanden ist fraglich, denn sowohl vor der Sintflut als auch nach der Sintflut berichtet die Bibel von einer besonderen Rasse außergewöhnlich großer Menschen, den Nephilim.

1. Mose 6:4

In jenen Tagen befanden sich die Nephilim auf der Erde, und auch danach (nach der Sintflut?) als die Söhne des wahren Gottes fortfuhren, mit den Töchtern der Menschen Beziehungen zu haben, und sie ihnen Söhne gebaren, waren sie die starken Männer, die vor alters waren, die Männer von Ruhm.

4. Mose 13:33

Und wir sahen dort die Nephilim, die Söhne Enaks, die von den Nephilim stammen, so daß wir in unseren eigenen Augen wie Grashüpfer wurden, und so wurden wir in ihren Augen.

Im Norden Afrikas gibt es übrigens noch heute eine Nomadenstamm dessen Angehörige außergewöhnlich groß sind, die Massai.

Endlich nach über einem Jahr war die Erde wieder trocken. Noah baute gleich einen Altar und opferte einige von den reinen Tieren.

1. Mose 8:21-22

Und Jehova begann einen beruhigenden Wohlgeruch zu riechen, und so sprach Jehova in seinem Herzen: "Nie wieder werde ich des Menschen wegen Übles auf den Erdboden herabrufen, weil die Neigung des Menschenherzens böse ist von seiner Jugend an; und nie wieder werde ich alles Lebende schlagen, wie ich getan habe. Denn alle Tage, da die Erde besteht, werden Saat und Ernte und Kälte und Hitze und Sommer und Winter und Tag und Nacht niemals aufhören."

Vergleichen wir dazu

Jesaja 6:25

Darum ist der Zorn Jehovas gegen sein Volk entbrannt, und er wird seine Hand gegen sie ausstrecken und sie schlagen. Und die Berge werden erbeben, und ihre Leichname werden dem Unrat inmitten der Straßen gleich werden. Bei all diesem hat sich sein Zorn nicht abgewandt, sondern seine Hand ist noch ausgestreckt.

Offenbarung 16:1-2

Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Heiligtum zu den sieben Engeln sagen: "Geht und gießt die sieben Schalen des Grimmes Gottes nach der Erde hin aus."

Damit sie nun nicht denken, Gott sei ein Menschenfresser, lesen wir noch:

Lukas 6:36

Fahrt fort, barmherzig zu werden, wie euer Vater barmherzig ist.

Oder sollte hier Gott wieder einmal seine Meinung geändert haben? Da könnte man sich ja gar nicht mehr auf seine Worte in der Heiligen Schrift verlassen.

Noah gegenüber zeigte sich Gott jedenfalls überaus "großzügig". Schon kurz vor der Sintflut begrenzt er die Lebenszeit auf 120 Jahre.

1. Mose 6,3

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen.

Aber keine Regel ohne Ausnahme.

1. Mose 9, 29
Die gesamte Lebenszeit Noachs betrug neunhundertfünfzig Jahre, dann starb er.

Hiob 42,16

Ijob lebte danach noch hundertvierzig Jahre; er sah seine Kinder und Kindeskinder, vier Geschlechter.

Nach dem Glauben der Israeliten bestand die Kost der frommen Israeliten vor der Sintflut ausschließlich aus Pflanzennahrung (1. Mose 1:29-30). Nach der Sintflut durften auch Tiere gegessen werden, aber es durfte nicht das Blut der Tiere gegessen werden.

Bei Hiob hat Gott jene Jahre angerechnet, wo er unter seiner Wette mit Satan zu leiden hatte.

Auch für Nahrung hat Gott gesorgt.

1. Mose 9:3

Jedes sich regende Tier, das am Leben ist, möge euch zur Speise dienen. Wie im Falle der grünen Pflanzen gebe ich euch gewiß das alles.

Bei der Schierlingspflanze empfehle ich Ihnen allerdings nur kleine Häppchen zu sich zu nehmen. Es könnte Ihnen sonst, wie dem alten Sokrates, das Hören und Sehen vergehen. Ob es den giftigen Kugelfisch damals schon gab ist nicht überliefert.

Die wundersame Wirkung der gesunden grünen Kost bekommt Noah kräftig zu spüren.

1. Mose 9:20-27

Noah fing nun als Landwirt an und ging daran, einen Weinberg zu pflanzen. Und er begann von dem Wein zu trinken und wurde berauscht, und so entblößte er sich mitten in seinem Zelt. Später sah Ham, der Vater Kanaans, die Blöße seines Vaters und ging hin, es seinen zwei Brüdern draußen zu sagen. Darauf nahmen Sem und Japhet einen Überwurf und legten ihn auf ihre beiden Schultern und schritten rückwärts hinein. So bedeckten sie ihres Vaters Blöße, während ihre Angesichter abgewandt waren, und sie sahen ihres Vaters Blöße nicht. Schließlich erwachte Noah von seinem Weinrausch und erfuhr, was sein jüngster Sohn ihm angetan hatte. Darauf sprach er: "Verflucht sei Kanaan. Er werde der niedrigste Sklave seiner Brüder." Und er fügte hinzu: "Gesegnet sei Jehova, der Gott Sems, und Kanaan werde ihm zum Sklaven. Gott gewähre Japhet weiten Raum und lasse ihn weilen in den Zelten Sems. Kanaan werde auch ihm zum Sklaven."

Auffallend ist, daß hier Kanaan verflucht wird, der selbst gar nichts böses getan hat. Die Söhne Kanaans waren allesamt Stammväter von Stämmen, die zur Zeit des weisen Königs Salomo versklavt waren. Gott scheint also diesen ungerechten Fluch unterstützt zu haben. Man kann hierin aber auch einen Hinweis auf die Entstehungszeit jener Geschichte sehen; denn die sichersten Prophezeiungen sind jene, die erst veröffentlicht werden, wenn die Prophezeiung in Erfüllung gegangen ist.

Was hatte nun Ham böses getan? Er hatte gegen ein Gesetz verstoßen, das Moses von Gott erst ein paar hundert Jahre später erhält.

Das Gesetz, gegen das Ham verstoßen hat, findet sich in

3. Mose 18:7

Die Blöße deines Vaters und die Blöße deiner Mutter sollst du nicht aufdecken (siehe auch 3. Mose 18:3).

Vielleicht gab es dieses Gesetz auch schon früher, und Moses hat es nur aufgeschrieben. Nur taucht dann die Frage auf, welche Gesetze Moses von Gott erhalten hat.

Aus der Geschichte von Adam und Eva geht z. B. hervor, dass Gott Adam und Eva bekleidet hat, aber das bedeutete noch nicht, dass sie diese Kleidung auch ständig anbehalten mussten. Lesen wir hierzu

1. Mose 4:1

Adam hatte nun Verkehr mit seiner Frau, und sie wurde schwanger.

1. Mose 1:28

Auch segnete Gott sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und werdet viele und füllet die Erde . . .

Die Vermutung, dass sich Ham über seinen Vater lustig gemacht hat, wird durch die Bibel nicht bestätigt. Wenn man voraussetzt, dass Noah die Wirkung des Weines nicht gekannt hat, dann kannte sie auch sein Sohn nicht. Der Zustand, in dem sich sein Vater befand, musste ihm also wie ein Krankheitszustand erschienen sein, über den er sich sicher nicht lustig gemacht hat.

Das Minarett von Samarra mit dem spiralförmigen Aufgang, erbaut 836. So ähnlich könnte der ebenfalls zur Gottesverehrung erbaute Turm zu Babel ausgesehen haben.

Das Minarett von Samarra mit dem spiralförmigen Aufgang, erbaut 836. So ähnlich könnte der ebenfalls zur Gottesverehrung erbaute Turm zu Babel ausgesehen haben.

Die "Gerechtigkeit" jenes Gottes offenbart sich auch in der Geschichte des Turmbaus zu Babel (1. Mose 11). Die Babylonier bauten damals einen Turm zur Verehrung ihrer Stadtgottheit. Nach der Bibel belohnt Gott diese Meisterleistung der Baukunst damit, dass er die Sprache der Menschen verwirrt. Das verfluchte Babylon war dann allerdings später so mächtig, dass es, das zu diesem Zeitpunkt ebenfalls verfluchte Israel, erobern konnte. Viele Israeliten wanderten damals in die babylonische Gefangenschaft (2. Könige 24:16). Vermutlich hat Babylon schon damals in Gefangenschaft geratene Stämme für seine Großbauten eingesetzt. Die Israeliten lernten so Menschen mit anderen Sprachen kennen. Vielleicht ist so die Legende von der Verwirrung der Sprachen entstanden.

Im Laufe der Jahre scheint Gott seine Meinung über die Turmbauer geändert zu haben. Jedenfalls war es nicht mehr ganz ungefährlich einen Turm zu erobern.

Richter 9:52-54

Und Abimelech bahnte sich den Weg bis zum Turm und eröffnete den Kampf gegen ihn, und er ging weiter hinauf, nahe an den Turmeingang heran, um ihn mit Feuer zu verbrennen. Da warf eine gewisse Frau einen oberen Mühlstein auf Abimelechs Kopf und zerschmetterte seinen Schädel. Da rief er schnell den Burschen, der ihm die Waffen trug, und sprach zu ihm: "Ziehe dein Schwert und gib mir den Todesstoß, damit man nicht von mir sage: 'Ein Weib hat mich getötet'". Sogleich durchstach ihn sein Bursche , so dass er starb.

Wie jemand mit zertrümmertem Schädel noch reden kann, bleibt wohl eines der unergründlichen Geheimnisse der Bibel. Über die Funktion des Gehirns war damals offensichtlich noch nichts bekannt.

Später baute auch einer der Könige Israels ungestraft mehrere Türme (2. Chronika 26:9-10).


Inhalt

Index

weiter