Die Sintflut in der Diskussion

Aus theologischer Sicht


Flutkatastrophen hat es zu allen Zeiten gegeben und ebenso wundersame Errettungen, die dann Priestern als Begründung ihrer Glaubenslehre gedient haben und so wurde auch die Geschichte von der Sintflut im alten Israel erzählt.

Ähnlich wie bei der Schöpfungsgeschichte, wo ganz offensichtlich zwei einander leicht wiedersprechende Geschichten hintereinander gesetzt wurden, lassen sich auch bei der Sinflutgeschichte zwei Überlieferungen feststellen.

Die zwei Überlieferungen verwenden u.a. unterschiedliche Namen für Gott. In der einen Überlieferung wird Gott als Jahwe bezeichnet in der anderen als Elohim.

Die Sintflutgeschichte ist eine Mixtur aus den zwei Überlieferungen. Erkennbar sind die beiden Überlieferungen an den Wiederholungen. So geht Noah in 1. Mose 7:7 mit seinen Söhnen seiner Frau und den Frauen seine Söhne in die Arche. In Vers 13 geht er noch einmal in die Arche. Es gibt aber auch einige unterschiedliche Details. Die Elohim-Quelle spricht bei jeder Tierart von einem Paar. Die Jahwe-Quelle erwähnt sieben Paare von den reinen Tieren und ein Paar von den unreinen Tieren.  Die Elohim-Quelle gibt an, dass die Flut ein Jahr (370 Tage) lang andauerte. Laut der Jahwe-Quelle waren es vierzig Tage und vierzig Nächte.

Von christlichen Fundamentalisten kommt hier allerdings der Einwand, dass Gott im alten Testament mehrere Namen hat, so wie andere mehrere Vornamen haben. Vierzig Tage gab es einen Dauerregen, aber Noahs Irrfahrt dauerte ein Jahr. So sind diese Argumente rasch vom Tisch.

Die Zahl vierzig steht übrigens ähnlich wie die Zahl sieben in der Bibel für eine bestimmte Bedeutung. Während die Zahl sieben immer im sakralen Zusammenhang steht (z. B. der siebenarmige Leuchter), so steht die Zahl vierzig meist für eine Zeit der Prüfung / Strafe. Jesus fastete 40 Tage und Nächte, Moses zog mit dem Volk Israel 40 Jahre durch die Wildnis... Die Zahl vierzig ist daher vermutlich nicht als exakte Zeitangabe zu sehen, sondern vielmehr als ein unerträglich langer Zeitraum.

Allein der Umstand, dass es möglich ist, zwei fortlaufende Erzählungen wie diese beiden hier herauszuarbeiten, ist bemerkenswert und bildet eine gewichtige Stütze der Hypothese. Man muss bloß einmal das Gleiche mit irgendeinem anderen Buch versuchen, um festzustellen, wie beeindruckend dieses Faktum ist.

Quelle: Richard Elliott Friedmann "Wer schrieb die Bibel" Verlag Bastei Lübbe ISBN 3-404-60320-6


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