Das zusammengeschusterte "heilige Buch"

Die Sprachen der Bibel


1) Sprachen des alten Testaments 

Das AT wurde überwiegend in Hebräisch geschrieben. Bis zur Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (587 v.Chr.) war Hebräisch die Umgangs- und Schriftsprache der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Deutlich wird dies bei der Rede des Rabschaken vor Jerusalem, als die Obersten des Volkes ihn baten, aramäisch zu sprechen, damit nicht das ganze Volk ihn verstehen könne.

Jes 36, 11-13

"Aber Eljakim und Schebna und Joasch sprachen zum Rabschake: Rede doch mit deinen Knechten aramäisch, denn wir verstehen's gut, und rede nicht hebräisch mit uns vor den Ohren des Volks, das auf der Mauer ist. Da sprach der Rabschake: Meinst du, daß mein Herr mich nur zu deinem Herrn oder zu dir gesandt habe, solche Worte zu reden, und nicht vielmehr zu den Männern, die auf der Mauer sitzen und samt euch ihren eigenen Mist fressen und ihren Harn saufen werden? Und der Rabschake trat hin und rief laut auf hebräisch und sprach: Hört die Worte des großen Königs von Assyrien!"

Wie Aramäisch und Arabisch ist auch Hebräisch ein Hauptzweig der semitischen Sprachfamilie. Aramäisch, das im Nordosten Kanaans gesprochen wurde, verdrängte während des Exils mehr und mehr Hebräisch als Umgangssprache. Schließlich wurde Hebräisch nur noch im Gottesdienst gebraucht.

So findet sich neben Hebräisch auch Aramäisch im AT. Es handelt sich dabei um folgende Abschnitte:

  • Dan 2,4b - 7,28
  • Esr 4,8 - 6,18; 7,12-26

Die Muttersprache von Jesus war Aramäisch. Schon zu seiner Zeit gab es nur noch vereinzelt Menschen mit hebräischer Muttersprache. Sie war nur noch die Sprache in religiösen Büchern und Gebeten. Selbst in den Synagogen wurden die hebräischen Texte nach der "Textlese" vor der Predigt in das Aramäische übersetzt.

Im Jahre 1881 wurde Ittamar ben Awi in Jerusalem geboren. Sein Vater, ein hebräischer Gelehrter, sprach nur Hebräisch mit ihm. Er war der erste Mensch der Neuzeit, der als Muttersprache Hebräisch redete. Das moderne Hebräisch (sogenanntes Ivrit) hat zwar einige Veränderungen und vor allem Erweiterungen erfahren, ist aber dennoch im Kern die Sprache der Könige und Propheten des AT. Die Jerusalemer Sprachakademie versucht, auf der Basis der at-lichen Sprache immer wieder neue, logische und einpassungsfähige Wörter und Wendungen zu schaffen. Man sagt, daß vom klassischen Hebräisch zum Ivrit ein kürzerer Weg liege als von der Sprache Luthers zum Deutsch der Gegenwart!

2) Sprache des neuen Testaments 

Das NT wurde in griechischer Sprache geschrieben. Hier haben wir es jedoch nicht mehr mit dem klassischen Griechisch der Philosophen zu tun, sondern mit einem späteren Dialekt, der sogenannten Koine. Die Eroberungszüge Alexander des Großen hinterließen nicht nur in der ganzen damals bekannten Welt des Mittelmeerraumes und Vorderasiens griechische Städte und Verwaltungen, sondern es entwickelte sich Koine auch zur Umgangssprache aller Nationen.

Natürlich hob sie die jeweiligen regionalen Volkssprachen nicht auf, aber sie stand gleichberechtigt daneben. 

Quelle: www.theo-notizen.de


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