Das zusammengeschusterte "heilige Buch"

Die wichtigsten Übersetzungen der Bibel


In manchen Bibelausgaben, aber auch in vielen Kommentaren, begegnen uns immer wieder Hinweise auf alte Übersetzungen. Aus diesem Grund wollen wir einen kurzen Blick auf ihre wichtigsten Vertreter werfen. Der Wert dieser Übersetzungen liegt darin,

  • daß sie Textvorlagen widerspiegeln, die uns heute nicht mehr zugänglich sind (also alte, heute nicht mehr existierende Handschriften in den Ursprachen). Sie können dann auf diesem Umweg rekonstruiert werden.

  • daß man in ihnen erkennen kann, wie schwierige oder auch mehrdeutige Texte von den Übersetzern verstanden wurden. Weil jede Übersetzung in eine andere Sprache zugleich auch Interpretation ist, können wir einen Einblick in das Verständnis der alten Übersetzer bekommen (Wortbedeutungen, grammatikalische Konstruktionen, usw...).

Im allgemeinen geht man davon aus, daß der Masoretentext, der uns erst aus dem 11. Jahrhundert vorliegt, genauer ist als eine wesentlich ältere Übersetzung. Man scheut sich deshalb davor, eine Handschrift in der Ursprache durch eine Übersetzung desselben Textes zu verbessern.

a) Targume  

Im nachexilischen Judentum wurde bekanntlich das Hebräisch durch das Aramäisch verdrängt. Um von allen - nicht nur den Gebildeten - verstanden zu werden, mußte die Textlesung in der Synagoge (hebräisch!) anschließend übersetzt werden (aramäisch). Die jüdische Tradition lehrt aufgrund von Neh 8,8, daß Esra diese Übersetzung einführte. Dabei war es verboten, den aramäischen Text aus einer Rolle abzulesen, wohl um einen deutlichen Abstand zum hebräischen "heiligen" Text zu schaffen. Aber später wurden diese mündlichen Übersetzungen zur Schulung und Vorbereitung der Übersetzer schriftlich fixiert. So wissen wir, daß schon zur Zeit des NT Targume aufgeschrieben wurden.

Da diese Übersetzung eine praktische, erbauliche und lehrhafte Aufgabe im Gottesdienst der Synagogen besaß, fällt sie meist sehr frei aus. Daher ist sie nicht geeignet, den hebräischen Text, den sie übersetzt, zu rekonstruieren.

b) Septuaginta

Mit dem Namen "Septuaginta" (oft nur mit "LXX" abgekürzt) bezeichnet man die griechische Übersetzung des AT. So wie in Palästina eine aramäische Übersetzung notwendig wurde, brauchten auch die Juden in der Diaspora (griech.: Zerstreuung) einen für sie verständlichen Text. Die Legende erzählt, daß 72 fromme Männer (von jedem Stamm 6) nach Ägypten geholt wurden und dort in genau 72 Tagen das AT übersetzten. Wahrer Kern dieser Legende ist, daß tatsächlich die große jüdische Gemeinde in Alexandria Ausgangspunkt der Bestrebung war, doch endlich die Schriften auch in griechischer Sprache zu besitzen.

So wurde in der 1. Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts zuerst die Thora übersetzt, und dann folgten die anderen Bücher. Wir haben es also nicht mit einer einzigen Übersetzung zu tun, sondern mit einer Sammlung von Übersetzungen. Die Übersetzer selbst unterschieden sich dabei stark in ihrer Kenntnis der hebräischen Sprache, ihrem griechischen Stil oder einfach auch in ihrer Übersetzungsweise (wörtlich - sinngemäß). So finden wir in der LXX qualitativ sehr unterschiedliche Übersetzungen der verschiedenen Bücher, was natürlich den Umgang mit ihr erschwert.

Die Bedeutung der LXX liegt nicht nur in ihrem Wert für die jüdische Gemeinde. Zum ersten Mal wurde diese Offenbarungsschrift im griechischen Imperium zugänglich. Außerdem war die LXX die "Bibel" der Urgemeinde und der Apostel. (So lassen sich viele Fragen erklären, die entstehen, wenn man ein NT-Zitat [LXX-Text] mit der AT-Stelle [bei uns heute Masoretentext!] vergleicht.)

Die Urseptuaginta wurde in der Folgezeit immer wieder überarbeitet. Viele Übersetzungen in den nächsten Jahrhunderten gehen nicht vom hebräischen, sondern von diesem griechischen Text aus.

c) Peschitta

Die syrische Kirche bezeichnete die in ihrem Gottesdienst gebräuliche Übersetzung des AT als Peschitta, d.h. "die Einfache". Über ihre Entstehung wissen wir nichts Genaues. Fest steht, daß sie zumindest den Pentateuch sehr genau und zuverlässig wiedergibt. (2. - 4. Jahrhundert n. Chr. das AT und die Apokryphen, 5.Jahrhundert auch NT).

d) Vulgata

Während die bisher angeführten Übersetzungen nur das AT wiedergaben, ist die Vulgata eine Übersetzung der ganzen Bibel, AT und NT, in die lateinische Sprache. Zwar existierten gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. bereits lateinische Übersetzungen. Diese waren jedoch sehr unzuverläßig und uneinheitlich. So wurde Hieronymus beauftragt, die Bibel neu ins Latein zu übertragen. Er war unter den abendländischen Christen einer der wenigen, der direkt vom hebräischen Text das AT übersetzen konnte. Natürlich brachte ihm das auch Schwierigkeiten. Selbst der Kirchenvater Augustin kritisierte ihn deswegen. Es gab ja keinen Theologen, der die Übersetzung auf ihre Richtigkeit hin überprüfen konnte. Außerdem galt zu dieser Zeit für viele der Text der LXX als inspiriert.

Wie der Name Vulgata (lat.: "die Allgemeine") schon andeutet, setzt sie sich im Laufe der Jahrhunderte durch. Das Dekret des Tridentinischen Konzils vom 8. April 1546 erklärte diese Übersetzung zur allgemein gültigen Übersetzung der römisch-katholischen Kirche.

Quelle: www.theo-notizen.de

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