Ihre Forderung zum Gottesbezug in der EU-Verfassung auf dem Katholikentag 2006


Eisenach, den 29. Mai 2006        

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel, 

wie Sie auf Ihrer Webseite www.angela-merkel.de betonen, wollen Sie eine Kanzlerin aller Deutschen sein (Spiegel Interview vom 25.7.2005). Andererseits vertreten sie aber, wie gerade jetzt auf dem Katholikentag mit der Forderung zum Gottesbezug in der EU-Verfassung, rein christliche Interessen.  

Für mich als Atheisten und auch für viele andere Konfessionslose unverständlich. Es ist für mich vor allem unverständlich, wie man mit einer soliden naturwissenschaftlichen Ausbildung und als logisch denkender Mensch diese Religion ernsthaft vertreten kann. 

Ist es nicht pervers, wenn man den Tod jenes Wanderpredigers Jesus von Nazareth als Geschenk eines allmächtigen Gottes deutet? Für meinen Geschmack klebt da zu viel Blut an der Verpackung. Wer genauer hinsieht, erkennt hier die Wurzeln der christlichen Religion, den alten israelitischen Opferglauben, wo Tiere stellvertretend für Menschen geopfert  werden, wo durch ein Blutopfer die Vergebung der Sünden erlangt wird. Ein Bezug auf die Theologie des alten Testament. Nähere Begründung auf meiner Webseite www.kreudenstein-online.de Link Religionskritik Siehe das Kapitel  „Schon mal nachgedacht über den Sündenfall“.  

Jener Jesus, auf dessen Aussagen Sie sich mit ihrem Glauben stützen, war nicht der allseits beim Volk beliebte Wunderheiler, wie es die christlichen Kirchen heute behaupten. Mehrfach berichten die Evangelien davon, dass er vor der aufgebrachten Volksmenge fliehen musste. Siehe Matthäus 8:28- 34;9:1; Matthäus 8:18; Lukas 4:28-29; Johannes 5:18; Johannes 8:59; Johannes 10:31; Johannes 11:53-54; Johannes 12:36; Lukas 13:31; Johannes 10:39; Matthäus 12:14; Markus 3:6; Markus 12:12; Lukas 5:16; Johannes 2:24-25; Johannes 7:1-13; Johannes 7:30,44. 

Und was jener Jesus gelehrt hat, entspricht dem alten israelitischen Geisterglauben und dem antiken Weltbild.

Matthäus 4:8

Wieder nahm ihn der Teufel mit auf einen ungewöhnlich hohen Berg und zeigte ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit.

Jesus, der dies seinen Jüngern berichtete, glaubte offenbar, wie die meisten Israeliten seiner Zeit, dass man die Erde von einem hohen Berg überblicken kann, was wegen der Kugelgestalt der Erde bekanntlich unmöglich ist. Mehr dazu auf einer Homepage unter dem Link Bibelkritik à Jesus Teil 8 à „Jesus - ein Gläubiger der Legenden und des Weltbilds des alten Testaments“.

Bibelzitate zum Geisterglauben:

Lukas 11:19

Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.(Luther’84) 

Apostelgeschichte 16:16

Und als wir zur Gebetsstätte gingen, geschah es, dass uns ein gewisses Dienstmädchen begegnete, das einen Geist, einen Wahrsagerdämon hatte. Sie pflegte ihren Herren viel Gewinn einzubringen, indem sie die Kunst der Voraussage betrieb. 

Markus 9:38

Johannes sprach zu ihm (Jesus): "Lehrer, wir sahen jemand unter Benutzung deines Namens Dämonen austreiben, und wir suchten ihn zu hindern, weil er uns nicht begleitete." 

Die Symptome jener bedauernswerten Menschen, die lt. Jesus von einem bösen Geist befallen waren, deuten bei einer der Teufelsaustreibungen einwandfrei auf Epilepsie hin - Schaum vor dem Mund, Bewusstlosigkeit, Knirschen mit den Zähnen, nervöse Zuckungen (vier Symptome der Epilepsie). Markus beschreibt dies sehr genau.

Markus 9:17

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.

Epileptiker waren für die Wunderheiler wunderbare  Objekte, denn nach einem Anfall waren sie wieder weitgehend normal, also nach Meinung der Beobachter geheilt. Solch einen Anfall konnte man leicht durch Hyperventilation (rasche Atmung) erzeugen. Wenn wirklich jemand bemerkte, dass die Heilung nicht von Dauer war, so war der Meister schon wieder an einem anderen Ort. Und wenn ihm tatsächlich jemand Betrug vorwarf, so hatte der Meister immer noch eine Ausrede parat.

Matthäus 12:43-45

Wenn ein unreiner Geist von einem Menschen ausfährt, durchwandert er dürre Orte, um eine Ruhestätte zu suchen, und findet keine. Dann sagt er: ‘Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin’; und bei seiner Ankunft findet er es unbewohnt, doch sauber gefegt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und nachdem sie eingezogen sind, wohnen sie dort; und die letzten Umstände jenes Menschen werden schlimmer als die ersten.

Man muss sich einmal klar machen, welche Folgen solche und ähnliche Geschichten für die Entwicklung der Medizin hatten, als die christliche Lehre zur Staatsreligion wurde. Jahrhunderte lang galt nun als erwiesen, dass die Ursache von Krankheiten u. a. böse Geister sind, die einen Menschen befallen. Der Heilige Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens, hat aus diesem Grund seinen Anhängern verboten, Medizin zu studieren. Jener Benedikt, auf den sich der heutige Papst mit seiner Namensgebung bezieht. 

Jenes Buch, die Bibel, aus dem heute in Fernsehgottesdiensten jedes Zitat mit dem Nachsatz „Wort des lebendigen Gottes“ zitiert wird, enthält deutliche Bezüge zum Animismus. Hier nur zwei Beispiele: 

Offenbarung 7,1

Danach sah ich: Vier Engel standen an den vier Ecken der Erde. Sie hielten die vier Winde der Erde (Winddämonen) fest, damit der Wind weder über das Land noch über das Meer wehte, noch gegen irgendeinen Baum.

Offenbarung 10,1-4

Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne, und seine Beine waren wie Feuersäulen. In der Hand hielt er ein kleines, aufgeschlagenes Buch (das Drehbuch Gottes?). Er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken auf das Land und rief laut, so wie ein Löwe brüllt. Nachdem er gerufen hatte, erhoben die sieben Donner ihre Stimme. Als die sieben Donner gesprochen hatten, wollte ich es aufschreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel her rufen: Halte geheim, was die sieben Donner gesprochen haben; schreib es nicht auf!

Johannes 12,29

Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet.

Man hat das Donnergrollen als Stimme Gottes oder seiner Engel gedeutet. Die Deutung war natürlich dem Priester vorbehalten. Ein frommer Betrug! Wie so vieles, was die christliche Religion lehrt.  Mehr dazu auf meiner Homepage unter dem Link Bibelkritik siehe das Kapitel „Gottesbild und Weltbild im alten Israel“.

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus meiner Homepage www.kreudenstein-online.de, die ich hiermit zur Diskussion stelle. Übrigens eine der umfangreichsten Bibelkritiken im deutschsprachigen Raum, unter anderem auch als Link in dem Internetlexikon Wikipedia genannt.

Sie mögen nun vielleicht an die christliche Ethik erinnern, die angeblich unsere Verfassung geprägt hat. Aber da frage ich Sie, was ist denn an der Ethik des Abendlands christlich? Gemäß den Empfehlungen der Bibel müsste die Prügelstrafe wieder eingeführt werden (siehe die Tempelreinigung) und die Sklaverei wäre geduldet (2. Mose 21, 1. Korinther 7:21-23, Epheser 6,5f; Philemon 16). Ein Anfang ist ja schon mit der Einführung der 1 Euro-Jobs gemacht.

Unser Gesetzbuch basiert zum Glück nicht auf der Bibel, sondern teils auf römischem, teils auf napoleonischem Recht. Die Verfassung hat sich durch Sozialdemokraten nach dem ersten Weltkrieg zu einer demokratischen Verfassung entwickelt. Demokratische Prinzipien - In der Kirche Fehlanzeige! In den Ordensregeln der Jesuiten wird Kadavergehorsam gefordert. Als Lektüre zu empfehlen auch die Ordensregeln des erst vor wenigen Jahren im Eilverfahren heilig gesprochenen Ordensgründers von Opus Dei.

Die Kirchen bestehen noch heute auf einem eigenen Arbeitsrecht, das geradezu erpresserische Züge trägt. Lassen Sie sich doch einmal ausrechnen, was ein Ordensmann, der zum Beispiel dem Orden der Jesuiten 40 Jahre lang gedient hat, an Rente bekommt, wenn er aus der Kirche austritt. Nach meinen Informationen wird der Mann zum niedrigsten Satz der bfa nachversichert und erhält lt. Auskunft der bfa weniger als 200 Euro Rente im Monat. Das liegt unter dem Sozialhilfe-Niveau.

Die Geschichte des Christentums ist bis heute eine Geschichte der religiösen Intoleranz, wie dies die Kirchen auch unverblümt mit ihren Tendenzbetrieben (Krankenhäuser, Kindergärten, Gaststätten, Schulen …) demonstrieren. Nicht zu vergessen auch die Medienübermacht. Vergleichen Sie doch mal die Sendezeiten von Konfessionslosen mit der Sendezeit der Kirchen. Hier ist am Bevölkerungsanteil gemessen (ca 1/3 Konfessionslose Tendenz steigend) ein krasses Missverhältnis.  

Und lesen Sie einmal nach wie die katholische Kirche mit Religionskritik umgeht, wenn sie aus den eigenen Reihen kommt. Da wird nicht diskutiert, sondern nur suspendiert. Siehe das Buch „Der Pfarrer von Arget“ des Priesters Willibald Glas, das Herr Glas den Lesern meiner Homepage für einen Euro zuzüglich Versandkosten anbietet (sein Lebenslauf als Missionar, Priester und Kritiker). Siehe meine Homepage Link Briefe das Kapitel „Wer hat den Geist Gottes“.  

Die Kirche hat längst nicht mehr die Kraft sich atheistischer Argumentation zu stellen. Sie versucht daher an der Macht zu bleiben, indem sie ihre Medienmacht  und ihre wirtschaftliche Macht ausspielt. Mit geschickter Werbung kann man  unkritischen Mitbürgern alles verkaufen. Das ist auch der Grund dafür, dass die katholische Kirche immer noch einen guten Ruf genießt. 

Über eine Antwort von Ihrer Seite würde ich mich freuen und ich lade Sie hiermit ein zu einem friedlichen Dialog, denn die Friedfertigkeit einer Gesellschaft ist messbar an ihrer Bereitschaft zum Dialog und da ist jeder aufgerufen diesen Dialog zu führen. Ich stelle daher diesen Brief und wenn Sie nichts dagegen haben auch Ihre Antwort(en) auf meine Homepage (Adresse siehe oben) unter dem Link Briefe. 

Mit freundlichen Grüßen 

Dietrich Spreter von Kreudenstein 

Zitat Prof. Dr. Hubertus Mynarek (1971-72 Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, im November 1972 aus der Kirche ausgetreten)

"Tatsächlich war ja ein Grund meines Kirchenaustritts, dass ich so vielen Agnostikern, ja Atheisten unter den hohen Würdenträgern der beiden Kirchen begegnete, die aber zugleich vor dem kirchlichen Fußvolk, den staatlichen Behörden und der Öffentlichkeit die angebliche Kraft ihres Glaubens betonten. Es gibt nur wenig Schlimmeres als diese heuchlerische Schizophrenie, die aber groteskerweise die Stabilisierung des charakterlosen staatskirchlichen Mischverhältnisses noch verstärkt." Quelle: http://www.schmidt-salomon.de/mynarek.htm


Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat auf diesen Brief bis heute nicht geantwortet. Aber Radio Vatikan meldete:

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keine Möglichkeit mehr, in die neue EU-Verfassung einen Gottesbezug aufzunehmen. Nach einem Treffen mit hochrangigen Repräsentanten der großen Weltreligionen sagte Merkel in Brüssel, sie könne in dieser Frage keine Hoffnungen machen. Während des deutschen Ratsvorsitzes müsse sie sich darauf konzentrieren, einen Ausweg aus der Verfassungskrise zu finden, um die EU handlungsfähig zu halten. Noch vor kurzem hatte die deutsche Kanzlerin eindeutig für einen Gottesbezug plädiert (Archivton 28.08.2006).

(dw/rv 16.05.2007 bp)
 


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