Zur Lebensplanung

(ein Brief an Arbeitskollegen)


Hallo zusammen,

am 30. 9. 2002 endet meine Zeit als Mitarbeiter bei der XXXXXX AG (Name geändert). Es ist also an der Zeit sich von den Kollegen zu verabschieden, an der Zeit sich für die Hilfsbereitschaft der Kollegen zu bedanken.  

Für mich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Mit 58 Jahren sind die Chancen am Arbeitsmarkt gering und so werde ich mich wohl damit abfinden müssen mit wesentlich weniger Geld auskommen zu müssen. 

Untätig werde ich nicht sein. Nach meiner Lebensauffassung ist das Leben zu kostbar, um es ausschließlich mit Vergnügungen zu vergeuden. Sicher braucht man Erholungspausen, auch um mal wieder zur Besinnung zu kommen, die eigenen Positionen / Ziele zu überprüfen, um nicht in einer Sackgasse zu landen. Aber das Leben ist unser einziger wirklicher Besitz. Über alles andere verfügen wir nur mehr oder weniger. Deshalb habe ich auch nie ganz jene Kollegen verstanden, die sich mit Alkohol oder Zigaretten voll gepumpt haben und die damit ihrem Leben schneller ein Ende gesetzt haben, als sie wohl selbst gedacht haben. Einer der Kollegen, der sich zu Tode gesoffen hat, war gerade mal 35 Jahre alt. Ein anderer Kollege, von kräftiger bayerischer Statur, starker Raucher, starb mit nur 56 Jahren an Krebs. Aber selbst wer nur die Gesundheit verliert, wird dann die unangenehme Erfahrung machen, dass sein Marktwert in dieser Gesellschaft damit ebenfalls sinkt. Man bekommt zwar von vielen Seiten Unterstützung und Hilfe, aber wenn man einen Ehepartner sucht oder eine Arbeitsstelle, dann sind die Chancen doch deutlich geringer. Ich habe diese Erfahrung schon in sehr jungen Jahren gemacht. Ich hatte ab dem siebenten Lebensjahr Bechterew, eine rheumatische Erkrankung, die ich erst Anfang der siebziger Jahre langsam unter Kontrolle gebracht habe (näheres zur Behandlung des Bechterew siehe Link Gesundheit), so dass ich heute zwar von Medikamenten abhängig bin, aber nur noch die Folgen dieser Erkrankung durch die leicht eingeschränkte Beweglichkeit merke. Andere werden diese Erfahrung im Alter machen. Wer in einer solchen Lage sein Selbstbewusstsein aus dem Vergleich mit anderen zu gewinnen versucht, wird depressiv. Ich orientiere mich daher schon lange an meiner eigenen Leistungsfähigkeit und an dem, was ich daraus gemacht habe. Das Erreichen eigener Ziele ist für mich wichtiger als das Erreichen einer von der Gesellschaft aufgezwungenen Norm, denn die habe ich schon in meiner Jugend, was die Gesundheit anbetrifft, nie erreicht.

Welche Ziele werde ich also in Zukunft verfolgen? Welche Ziele lohnt es sich überhaupt zu verfolgen? Unsere eigenen Spuren sind ja oft nach wenigen Generationen verwischt. Andererseits bauen wir alle auf den geistigen Fundamenten, die unsere Vorfahren errichtet haben. Folglich haben alle unsere Aktivitäten eine Wirkung, im positiven wie im negativen Sinne. Alles, was wir an Werten schaffen, trägt zum Erhalt der Gesellschaft bei. Jeder Schaden, den wir anrichten, hemmt das Wachstum einzelner Gruppen der Gesellschaft und stärkt dadurch das Wachstum anderer Gruppen der Gesellschaft. Die Bäume, die wir gesetzt haben, die bleiben. 

Welche Welt möchte ich verändern? In welcher Welt möchte ich leben? Das Universum werde ich mit Sicherheit nicht verändern. Da bin ich nur die Mikrobe auf einem Staubkorn innerhalb einer der vielen Galaxien. Diese Welt? Junge - bleib auf dem Teppich! Selbst als Politiker oder Wirtschaftsboss ist man manchmal nur der Hampelmann der Anderen. Ich erinnere mich noch gut an eine Fernsehsendung, wo ein Journalist den ehemaligen deutschen Medienmogul Axel Cäsar Springer einige Tage begleitet hat. Man sah ein Leben in Konferenzräumen, in denen der Medienmogul meist nur sein OK oder Njet zu Vorschlägen abgeben konnte, die andere ausgearbeitet haben. Ständig in Angst um riesige Summen betrogen zu werden oder sie durch Fehlinvestitionen / Missmanagement zu verlieren. Ein Unternehmer bedient meist nur die Wünsche der Anderen. Auf dieser Welt muss sich jeder verkaufen, sagte mir einmal ein kleiner Bauunternehmer. Freilich hat der Unternehmer durch  Werbung die Möglichkeit Wünsche zu wecken. Und wenn „seine Produkte“ gekauft werden, hat er den finanziellen Spielraum sich auch seine private Welt zu gestalten. Eine verlockende Vorstellung, aber ich bin nicht der Typ des natural leaders, um den sich die Menge schart. Ich bin kein Dauerredner.  

Man muss die eigenen  Grenzen erkennen. Ich bin ein Bastler, und durch meine Lebenserfahrung ein kleiner Philosoph, jemand, der am Schreibtisch gut durchdachte Texte und Programme ausarbeitet, jemand der eher durch das wirkt, was er tut, als durch das, was er sagt. Um die Massen zu begeistern muss man selbst mehrheitsfähige Meinungen vertreten. Wer jedoch wie ich eigene Wege geht, der ist immer ein Außenseiter.  

Ich werde also - etwas bescheidener - nur die eigene Umgebung verändern. Ein lohnendes Ziel, denn in dieser Umgebung lebe ich ja. Aber kann man überhaupt etwas verändern? Reiht man sich damit nicht ein in die Geschichte der 1001 gescheiterten Weltverbesserer? Sicher werde ich mit meinen Schriften, wenn sie überhaupt gelesen werden, andere nie hundertprozentig überzeugen können, denn jeder urteilt aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und die sind nun mal bei jedem verschieden. Das ist auch nicht mein Ziel. Die Meinungsvielfalt beschert uns ja auch neue Anregungen, Gedanken über die es sich lohnt auch einmal nachzudenken. Ich sehe mich da eher als jemanden, der andere dazu auffordert ihre eigenen Positionen zu überprüfen. Mir selbst hat dies geholfen mich geistig weiterzuentwickeln.  

Diese kritische, auch selbstkritische Haltung hat mir auch geholfen meinen Gesundheitszustand zu stabilisieren (siehe hierzu das Kapitel „Das kleine 1x1 der Systeme“ unter dem Link Gesundheit).  

Ich habe viel von Ärzten und Biochemikern gelernt. Aber wenn ich den Rat der Ärzte immer befolgt hätte, dann wäre ich mit 40 Jahren im Rollstuhl gesessen und wäre wahrscheinlich mit etwa 50 Jahren gestorben. Dies ist keine Übertreibung. Einige der Rheumamittel aus den sechziger und siebziger Jahren wie zum Beispiel das Aminophenazon (wirkt kaum antirheumatisch, erzeugt aber Nierenschäden) oder das Elestol wurden in den achtziger Jahren wegen schwerer Nebenwirkungen verboten. Bei dem Rheumamittel Coxagon - ich habe es nicht genommen - gab es sogar einige Todesfälle. 

Ich habe auch viel von Theologen gelernt. Das Kapitel „Das zusammengeschusterte heilige Buch“ ist, nur um ein Beispiel zu nennen, im wesentlichen ein Mix aus zwei theologischen Webseiten, in denen ich nur die religiös schwärmerischen Passagen entfernt habe. Ich werde mich für das Wintersemester sogar an der Hochschule für Philosophie als Gasthörer einschreiben, einer Jesuitenhochburg. Früher war die Hochschule eine Jesuiten-Ausbildungsstätte in Pullach, an der ich öfters vorbeigefahren bin, wenn ich im Bus von meinem früheren Wohnort Ebenhausen nach München gefahren bin. Das so genannte Berchmannskolleg war eine eigene Haltestelle in der Nähe von Pullach. Heute ist diese Hochschule in der Kaulbachstraße (gegenüber der Uni-München) und sie ist öffentlich zugänglich. Lt. Webseite  http://www.hfph.mwn.de/12_gruende.html hat man in dieser Hochschule einen guten Zugang zu Professoren. Lauter Jesuiten! Da ergeben sich sicher interessante Diskussionen. Ich werde Euch dann gelegentlich mal darüber berichten. 

Privat werde ich weiter an dem Ziel arbeiten Bausteine für ein naturwissenschaftlich begründetes Weltbild zu sammeln. Das Thema Religion hat ja angesichts der Bedrohung durch Fundamentalisten in aller Welt an Aktualität gewonnen, auch wenn in der Bundesrepublik inzwischen ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos ist. Es gibt ja nicht nur die Bedrohung durch islamische Fundamentalisten aus den arabischen Ländern, sondern auch die Bedrohung durch christliche Fundamentalisten in den USA. Sicher finden Menschen immer einen Grund, um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, aber bei Religion sind sie rationalen Argumenten oft nicht mehr zugänglich.  Die Behauptung dass der Verlust des Glauben den Verlust des ewigen Lebens bedeutet, ist eine psychologische Barriere, die viele davon abhält sich kritisch mit Glaubensinhalten auseinander zu setzen. Aber wer es nötig hat solche Informationsbarrieren zu setzen, der spielt gewöhnlich nicht mit ehrlichen Karten. 

Wozu ich Euch also auffordern möchte: Legt ab und zu mal eine Denkpause ein, natürlich nicht während der Arbeitszeit. Meine Homepage steht immer offen und sie wird ständig erweitert. Erst vor kurzem habe ich das Kapitel zum „Sündenfall“ überarbeitet (siehe http://www.kreudenstein-online.de/Religionskritik.htm ). Ein Kapitel, das bei oberflächlicher Betrachtung, aussieht wie ein Kapitel aus einem christlichen Lehrbuch. Wer aber einmal darüber nachdenkt, dem wird der Betrug klar, der in der christlichen Lehre steckt. Einen Teil dieses Kapitels werde ich als Werbung für meine Homepage vor Kirchen und in christlichen Zirkeln verteilen (siehe Werbung.exe unter Downloads). Unter dem Link Programme habe ich einige Spielprogramme abgespeichert. Programme mit denen man spielen kann, die aber auch von ihrem Lösungsansatz her interessant sind. Die Programme zum Rubik-Würfel und zum englischen Spiel Peg, arbeiten beide mit einprogrammierten Strategien, die den beiden Programmen eine gewisse Kreativität verleihen. Auf Wunsch kann ich Euch auch den Source-Code zur Verfügung stellen. Unter den abgespeicherten Links sind auch Links zu naturwissenschaftlichen Seiten. Eine gute Abhandlung zur Evolutionstheorie mit ausführlicher Diskussion der Kritik zur Evolutionstheorie stammt von einem Mitarbeiter der Uni München. Mit dem Autor stehe ich über Email in Kontakt. Siehe Link neukamm unter Links auf meiner Homepage http://www.kreudenstein-online.de/ .  

Noch mal besten Dank für die gute Zusammenarbeit. Einige von Euch werde ich ja ab und zu beim XXXXX-Stammtisch (Name geändert) sehen, vor allem bei Biergartenwetter, denn verrauchte Lokale sagen mir weniger zu. 

Mit besten Grüßen und den besten Wünschen für Euere Zukunft

Dieter


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