War es notwendig Osama Bin Laden zu töten?

Anmerkungen zum Tod Osama Bin Ladens (*10. März 1957  +2. Mai 2011).
Verfasst am 4. Mai 2011


Im ersten Moment ist man geneigt zu sagen: Natürlich war dies notwendig. Der Mann hat mit seinen Terrorkommandos Menschen getötet. Und das traf nicht nur den ideologischen Feind, sondern gelegentlich auch gläubige Muslime, die sich gerade dort aufhielten, wo die Selbstmordattentäter zugeschlagen haben. Aber aus seiner Sicht befand er sich im heiligen Krieg gegen die Ungläubigen und in einem Krieg gibt es nun mal auch gelegentlich Unschuldige, die getötet werden. In der Fachsprache der Militärs nennt man dies Kollateralschäden. Auch bei dem Krieg in Afganistan gibt es immer wieder Zivilisten, die zwischen die Fronten geraten. Allerdings auch das Kriegsrecht auf beiden Seiten.

War es ein gerechter Krieg, wenn es so etwas überhaupt gibt? Sein Hauptgegner waren die USA ein Land, das nach dem zweiten Weltkrieg entscheidend zur Gründung und Erhaltung des Staates Israel beigetragen hat. Dabei war Palästina ein Land, das seit dem Ende der Herrschaft der Kreuzritter muslimisches Herrschaftsgebiet war. Man hat dies Land den muslimischen Palästinensern mit der fadenscheinigen Begründung weggenommen, dass es vor zweitausend Jahren zu Israel gehörte. Aber auch die Israelis haben dieses Land vor ca 3000 Jahren erobert und die damals dort lebende Bevölkerung entweder getötet oder vertrieben. Das Recht war hier immer nur auf der Seite des Stärkeren. Für die einen ist es Diebstahl. Für die anderen göttliche Fügung.

Dabei geht es eigentlich nicht um Ideologie, sondern um Macht und Besitz. Aber bleiben wir bei der Ideologie / dem Glauben. Ist es überhaupt sinnvoll eine Idee mit Waffengewalt zu bekämpfen. Eine Idee kann man nicht töten. Man kann alle ihre Vertreter töten, vorausgesetzt sie bekennen sich offen dazu. Aber damit ist noch nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft Menschen geben wird, die auf die gleiche Idee kommen oder die im Untergrund weiter diese Idee verbreiten. Eine Idee kann man nur widerlegen. Wenn man dies geschafft hat, kann man versuchen die Anhänger der Glaubenslehre zu überzeugen. Ein schwieriger Weg, der vor allem die Geduld und die Gesprächsbereitschaft der Gläubigen voraussetzt.

Man kann zum Beispiel nachweisen, dass sowohl die Bibel als auch der Koran von Menschen geschrieben wurden, die das antike Weltbild vertreten haben.

Beispiel aus der Bibel:

Matthäus 4:8 (Lukas 4:5; Johannes 4:8)

Wieder nahm ihn der Teufel mit auf einen ungewöhnlich hohen Berg und zeigte ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit.

Jesus, der dies seinen Jüngern berichtete, glaubte offenbar, wie die meisten Israeliten seiner Zeit, dass man die Erde von einem hohen Berg überblicken kann, was wegen der Kugelgestalt der Erde bekanntlich unmöglich ist.

Meist wird bei der Interpretation nur auf den religiösen Aspekt, auf die Versuchung eingegangen. Der weltanschauliche Aspekt dieser Aussage wird außer Acht gelassen. Man könnte auch sagen es wird mit einer falschen weltanschaulichen Aussage eine religiöse Aussage gestützt.

Satan bietet als Fürst dieser Welt (Johannes 12:31) Reichtum und verlangt dafür Verehrung. Jesus widersteht dieser Versuchung und dient nur Gott. Jesus hält dagegen  "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". (Johannes 18:36).

Es geht um das Streben nach materiellen Gütern oder um das Streben nach Liebe Geborgenheit, Wärme, gefühlsmäßige Aspekte. Aber da muss man sich dann fragen, warum nicht beides? Das schließt Jesus aus

Matthäus 6,24
Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Kommentar der Einheitsübersetzung; Der ursprüngliche Sinn des hebräischen und aramäischen Wortes «Mammon» ist umstritten, vielleicht: das, worauf jemand vertraut, oder: das Sichergestellte, Gesicherte. Es wurde dann zur allgemeinen Bezeichnung für Besitz und Geld. Im Neuen Testament wird es Mt 6,24; Lk 16,9.11.13 im abwertenden Sinn für die dämonische Macht des Besitzes gebraucht. )

Hier wird ein Gegensatz aufgebaut, der im Leben so gar nicht existiert. Man kann durchaus mit materiellen Gütern gesegnet sein und glücklich sein. Wer etwa von seinen Mieteinnahmen leben kann, sich in Hotels an schönen Badestränden verwöhnen lassen kann, ist sicher besser dran als jemand, der bei der Heizung und beim Essen sparen muss und dessen Wohnung an einer Hauptverkehrsstraße liegt.

Und wer meint Jesus hat die weltanschaulichen Vorstellungen seiner Zeit nur aufgegriffen, der sei daran erinnert, dass der Grieche Eratosthenes bereits um 230 v.Chr. den Umfang der Erde errechnet hat.

Markus erwähnt übrigens nur, dass der Geist Jesus in die Wüste trieb. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. (Markus 1,12-13).  Das eröffnet die Möglichkeit den Bericht der anderen drei Evangelisten anzuzweifeln und hier zu vermuten, dass es sich um eine Legende handelt. Anhand weiterer Bibelstellen lässt sich jedoch zeigen, dass alle Evangelisten davon ausgehen, dass Jesus an das antike Weltbild glaubte.

Mehr dazu unter dem Link Bibelkritik unter dem Link Bibelkritik und dem weiteren Link Jesus Teil 8

Beispiel aus dem Koran:

 

----------------- Damit die Erde nicht ins Schwanken kommt -----------------

Sure 31,10 Er hat (hoch oben) die Himmel geschaffen, ohne daß ihr (irgendwelche) Stützen sehen würdet. Und er hat auf der Erde feststehende (Berge) angebracht, damit sie mit euch nicht ins Schwanken komme, und auf ihr allerlei Getier sich ausbreiten lassen. Und wir haben vom Himmel Wasser herabkommen lassen und auf ihr allerlei herrliche Arten (von Pflanzen und Früchten) wachsen lassen.

Sure 16, 15 Und er hat auf der Erde feststehende (Berge) angebracht, damit sie mit euch nicht ins Schwanken komme, und Flüsse und Wege. Vielleicht würdet ihr euch rechtleiten lassen.

Islamische Interpreten wie Harun Yahya sehen die naturwissenschaftliche Erkenntnis bestätigt, dass Bergmassive, wie die Alpen, tiefer ins Magma der Erde hineinreichen als das flache Land.

Nach dem antiken Weltbild schwimmt die Erde auf dem Wasser. Jeder die in die Erde ein tiefes Loch gräbt merkt, dass es sich unten mit Grundwasser füllt. Damit sie nicht absäuft, steht sie auf Säulen / Fundamenten, die wiederum auf festem Grund stehen.

Psalm 75,4 Die Erde mit allen, die auf ihr wohnen, mag wanken; doch ich selbst habe ihre Säulen auf festen Grund gestellt.» [Sela]

Muhammad kannte die Psalmen, denn er erwähnt sie..

Sure 4, 163 Wir haben dir (Offenbarungen) eingegeben (ebenso) wie (früher) dem Noah und den Propheten nach ihm: Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo. Und dem David haben wir einen Psalter (zabuur) gegeben.

Aus meiner Sicht ging Muhammad wohl davon aus, dass das, was er feststehend nennt, zum Teil sichtbar ist, aber eben wie das Fundament eines Hauses (feststehende) tief hinabreicht bis auf felsigen Untergrund. Er spricht ja genau genommen nicht von Bergen.

Heute weiß man, dass die Erde einen Umfang von ca 40000 km hat, also einen Durchmesser von ca 12700 km. Da sind die 8 km eines Mount Everest noch nicht einmal 1 tausendstel. Schwankungen in der Erdumlaufbahn um die Sonne durch den Mond (Erde und Mond bilden ein Doppelgestirn) werden dadurch nicht ausgeglichen. Auch jene Schwankungen, die durch die Anziehungskraft des Mondes entstehen (ca 20 cm wird die Erde dadurch angehoben nach Satellitenmessungen) werden dadurch nicht beeinflusst. Dort wo Berge durch die Kontinentaldrift entstanden sind oder wo Vulkane zu Bergen geworden sind gibt es trotz bzw. gerade wegen dieser Berge Erdbeben. Siehe im ZDF (www.zdf.de) die Sendungen zu TerraX, speziell die Sendung zum Vesuv. Siehe auch das schwere Erdbeben, das sich in Friaul (Oberitalien) Mitte der siebziger Jahre ereignete. Wenn ich mich recht entsinne war es 1976. Erdbeben werden dadurch nicht ausgeschlossen.

Mehr dazu unter dem Link Religionskritik und dem weiteren Link "Kritische Fragen zum Koran".

Wie bereits angedeutet haben sich die Kirchen gegen diese Art der Kritik weitgehend immunisiert. Da hört man dann, dass diese Stellen methaphorisch / symbolisch zu deuten sind. Zudem findet man sowohl im Koran, als auch in der Bibel Dialogverbote, die allerdings nur autoritätsgläubige Menschen abschrecken. Mehr dazu unter dem Link Bibelkritik in dem Kapitel aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens.

Aber ist es überhaupt vernünftig an einen einzigen Gott zu glauben, der allwissend und allmächtig ist und zudem auch noch für uns Menschen ansprechbar ist?

Jeder weiß, dass vor dem Wissen der Wissenserwerb steht. Aber wie hat Gott sein Wissen erworben, wenn da Nichts war außer ihm selbst?

Jeder weiß, dass sich unsere Kultur aus kleinsten Anfängen heraus entwickelt hat. Und gemäß der Evolutionstheorie hat sich auch das Leben aus kleinsten Anfängen heraus entwickelt.

Ein Schöpfer, wenn es ihn gibt, braucht nicht zu planen. Er kann sofort die Zielsituation ansteuern (schaffen). Das Festhalten an der Zielsituation würde allerdings bedeuten, daß die Dynamik in diesem System aufhört.

Wenn die Welt nur durch einen Gedanken Gottes entstanden ist, dann kann sie auch durch einen Gedanken verschwinden. Der so verstandene Gottesglaube ist aber nichts anderes als der Glaube an einen übermächtigen Zauberer. Da erinnert man sich an Märchenbücher.

Wenn Gott allmächtig ist, dann kann er auch einen Stein schaffen, den er selbst nicht mehr tragen kann.

Wenn Gott allwissend ist, dann weiß er auch wie er selbst entscheiden wird.

Wenn Gottes Existenz gedanklich nicht fassbar ist, außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, wie können wir dann behaupten, dass er existiert?

Wenn Gott allwissend ist, dann weiß er auch, was ich tun werde. Aber, wenn er dies weiß, dann steht dies bereits fest und ich besitze keine Entscheidungsfreiheit. Und wenn ich keine Entscheidungsfreiheit besitze, dann kann mich niemand für das, was ich tue zur Rechenschaft ziehen. Das trifft natürlich auf eine rein naturgesetzlich geregelte Welt (ohne Unendlichkeitsphänomene) ebenfalls zu. Auch in einer rein naturgesetzlich geregelten Welt besitze ich keine Entscheidungsfreiheit. Die Gesellschaft wird sich allerdings von solchen philosophischen Überlegungen zur Verantwortlichkeit nicht beeindrucken lassen. Sie wird sich in jedem Fall vor Individuen (Verbrecher, Triebtätern) schützen, die für sie auf Grund ihrer Veranlagung (Struktur) gefährlich sind.

Wenn diese Seinswelt von einem Schöpfer geschaffen und von diesem in Gang gesetzt worden ist, wer hat dann diesen Schöpfer geschaffen und in Gang gesetzt? Warum muß ein wie auch immer geartetes Wesen am Anfang der Geschichte stehen? Warum muß es für die Welt einen Anfang geben, aber nicht für Gott?

Mehr dazu unter dem Link Religionskritik in dem Kapitel "Gottebeweise - Wege oder Irrwege?"

Von ihrer Entstehungsgeschichte sind Religionen begründet in damals vernünftigen Überlegungen. Rein gefühlsmäßig erfindet niemand Personen, wie sie die Götter nun mal darstellen.

Da ist zum einen die Überlegung, dass unser Geist, die Fähigkeit zu denken, doch nicht plötzlich verschwinden kann. Dies mündet dann in den Ahnenkult und in die Vorstellung von der Wiedergeburt. Zum anderen die Überlegung, dass Naturgewalten ähnlich wie auch unsere Handlungsweisen damals nicht berechenbar waren. Also personifizierte man sie in Göttern. Das galt zumindest für jenes Verständnis von der Natur, das vor zweitausend Jahren herrschte. Damals wusste man noch nichts von Nervenzellen und damals wusste man auch noch nichts vom Energieinhalt der Materie. Also personifizierte man Naturgewalten in Göttern mit menschlichen Eigenschaften. Damit waren diese Götter ansprechbar. Wer ansprechbar ist, ist nach unserem Verständnis auch beeinflussbar. Eine Bitte oder ein Opfer müsste also wirken. Mehr dazu unter dem Link Bibelkritik und dem weiteren Link "Gottesbild und Weltbild im alten Israel".

Auch Jesus droht dem Wind (Markus 4,39 - 41). Er sah also offenbar in dem Wind ein mit Vernunft begabtes Wesen. Der Autor der Offenbarung berichtet über vier über vier Engel, die an den vier Ecken der Erde stehen und die vier Winde (Winddämonen) festhalten Offenbarug 7:1).

Dieser Glaube an die Götter war aber auch geeignet gesellschaftliche Probleme zu lösen. In einer hierarchisch geordneten Gesellschaft steht die Führungsschicht immer im Verdacht Gesetze zu ihren Gunsten zu erlassen und häufig nutzt sie auch diese Chance. Götter sind per Definition mächtiger als Menschen und sind damit auch befugt Gesetze zu erlassen, nach denen wir leben sollen. Das erkannten Priester und Herrscher und legitimierten ihre Gesetzgebung auf diese Weise.

Die Priester sorgten mit ihren Schriften für den religiösen Überbau. Es rankten sich Legenden und Berichte von Gläubigen um jene Götter, wo sie überall geholfen hatten, wo man sie gesehen hat, wie es im Himmel aussieht . . . Es entstand - wie ich es nenne - die kleine Welt der Gläubigen.

Wir neigen wohl alle ein wenig zur Religiosität, weil wir unsere Träume wahr machen möchten und dabei gerne jenen vertrauen, die auf alles eine Antwort haben und alles versprechen, ohne es halten zu können.

Ein wesentliches Motiv ist sicher auch die Suche nach Geborgenheit und Verlässlichkeit. Unsere kognitiven Strukturen des Gehirns haben im Laufe der Evolution gelernt die uns umgebende Welt zu strukturieren. Wer gelernt hat jene Strukturen zu erkennen, wo Nahrung zu finden ist, hat genügend zu essen. Wir haben gelernt die Welt einzuteilen in Objekte, die sich bewegen und solche, die sich nicht bewegen. Objekte, die sich nicht bewegen sind verlässliche Orientierungspunkte. Objekte, die sich bewegen, sind eine mögliche Gefahrenquelle. Es sind unserer Erfahrung nach überwiegend Lebewesen, die sich bewegen. Die Religion ist wohl auch auch eine Antwort darauf die Welt zu strukturieren. Die etwas fundiertere Antwort ist die Naturwissenschaft. Es ist der Wunsch nach einer geordneten Welt.

Aber noch einmal zu Osama Bin Laden. der sich auserwählt sah Allahs Wille in die Tat umzusetzen, sein Werkzeug zu sein.

Ein Gedanke für den es eigentlich keine Begründung gibt, denn für die Schöpfung brauchte Gott offenbar niemand. Und es ist nicht einzusehen, wieso ein allmächtiger Gott Hilfe benötigt. Trotzdem taucht dieser Gedanke sowohl im Alten Testament, als auch im Neuen Testament auf. Und auch die Selbstmordattentäter im Islam bezeichnen sich als Werkzeug Allahs.

Hier ein Beispiel aus dem Alten Testament.

Richter 14:19

Und der Geist des Herrn kam über ihn (Simson); er ging nach Aschkelon hinab und erschlug dort dreißig Mann von ihnen, nahm ihnen ihre Kleider und gab die Gewänder denen, die das Rätsel gelöst hatten.

Simson hat hier eine Wette verloren und erschlägt, um seinen Wetteinsatz zu bezahlen, 30 Andersgläubige und dies, so die Meinung des Chronisten auf Geheiß des Herrn. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ scheint für ihn nicht zu gelten. Gleiches Recht für alle? Dieser Grundsatz gilt hier offenbar auch nicht!

In der Geschichte fallen Menschen, die sich als Werkzeug Gottes sehen, meist auf durch ihre Gewalttaten. Siehe die Tempelreinigung durch Jesus. Eine völlig sinnlose Tat, denn gemäß Apostelgeschichte 7:47-49 wohnt der Allerhöchste nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: "Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen, spricht der Herr, oder was ist die Stätte meiner Ruhe?" (Jesaja 66:1).

Aber Jesus war nicht der einzige, der sich von Gott auserwählt glaubte, ja sogar nach christlichem Glauben selbst die personifizierte Gottheit war.

Hitler sah sich nachdem er mehrere Anschläge überlebt hatte von der göttlichen Vorsehung ausersehen den Kommunismus und das Judentum zu vernichten und die Welt in seiner Ideologie zu vereinigen. Zu Beginn seiner Laufbahn war er nur ein arbeitsloser Kunstmaler, harmlos sollte man meinen, ein Flächenbrand ist daraus geworden, der nur mit vielen Opfern zu löschen war.

Aber wenn man die Geschichte der Ausbreitung der christlichen und der muslimischen Lehre betrachtet und die vielen Opfer der Inquisition und der Religionskriege betrachtet, so war auch dies ein Flächenbrand, allerdings einer, der bis heute nicht gelöscht ist. Natürlich sind nicht alle Christen radikale Kämpfer für den Glauben. Aber sowohl die christliche als auch die muslimische Lehre bietet Ansatzpunkte, um Menschen zu radikalisieren.

Die Auffassung, dass der wahre Glaube zum Leben und im Neuen Testament (Markus 16,16 und Johannes 3,15) und im Islam sogar zum ewigen Leben führt, zieht sich wie ein roter Faden durch das Alte und Neue Testament. Man könnte auch sagen wie ein blutroter Faden (die Religionskriege im Alten Testament, die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament). Wer so argumentiert macht den Glauben zum lebensnotwendigen Besitz. Hier steht Glauben nicht mehr für eine Meinungsäußerung.

Um die verheißenen Wohltaten zu erreichen, fordern die Vertreter der Religion bedingungsloses Vertrauen in ihre Verkündigung (Joh 20,29). Der Glaube steht damit nicht mehr zur Diskussion. Dies geht so weit, dass manche Gläubige religionskritische Literatur aus Angst nicht lesen. Ein echter Dialog ist dadurch nicht mehr möglich, denn der Gläubige empfindet den Andersgläubigen als latente Bedrohung seines Glaubens und damit seines Lebens bzw. seines ewigen Lebens und des Lebens seiner Kinder. Tolerant sind da nur jene, die zweifeln. Wohin dies führt kann man schon in den Büchern Mose nachlesen.

Numeri (4. Mose) 25,1-5

Als sich Israel in Schittim aufhielt, begann das Volk mit den Moabiterinnen Unzucht zu treiben. Sie luden das Volk zu den Opferfesten ihrer Götter ein, das Volk aß mit ihnen und fiel vor ihren Göttern nieder. So ließ sich Israel mit Baal-Pegor ein. Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und der Herr sprach zu Mose: Nimm alle Anführer des Volkes, und spieße sie für den Herrn im Angesicht der Sonne auf Pfähle, damit sich der glühende Zorn des Herrn von Israel abwendet. Da sagte Mose zu den Richtern Israels: Jeder soll die von seinen Leuten töten, die sich mit Baal-Pegor eingelassen haben.

Es führt also dazu, dass jene, die sich berufen fühlen als Werkzeug Gottes die Religion und damit ihr Leben zu verteidigen, auch in Friedenszeiten zum bewaffneten Kampf gegen Andersgläubige oder Atheisten aufrufen.

Zitat aus dem Koran:

4,75 Wer für die Religion Allahs kämpft, mag er umkommen oder siegen, wir geben ihm großen Lohn.

Mehr dazu unter dem Link Religionskritik und dem weiteren Link "Religion und Gewalt".

Alles angeblich, um der absoluten Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Aber welche Wahrheitskriterien werden denn da zu Grunde gelegt? In der Religion sind es Autoritäten wie Moses, Jesus, Muhammed, . . . deren Worte interpretiert werden. In der Naturwissenschaft ist es der experimentelle Beweis. Aber auch der ist gelegentlich interpretationsfähig. Der wahre Freund der Wahrheit ist also der Zweifel und die Meinungsfreiheit und da zeigt sich anhand der Kirchenaustrittszahlen, dass die Religionen an Boden verlieren, jedenfalls dort, wo sie keinen pschologischen oder militärischen Druck ausüben können und wo ein gewisser naturwissenschaftlicher Bildungsstand erreicht ist.


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