Wer hat den Geist Gottes?


Textmarken: Die richtige Interpretation nur mit dem Heiligen Geist möglich,    Wer ist vom Heiligen Geist beseelt,    Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Intellekts,    Wer sagt die Wahrheit?,    Die Bibel - ein Buch nicht nur für Gläubige,    Die Unterscheidung zwischen dem Geist Gottes und dem Heiligen Geist,    Wer hat den rechten Glauben?    Mit dem Heiligen Geist beseelt durch die Taufe,    Befall durch Dämonen führt zum unbemerkten Verlust des Heiligen Geistes,    Die Ausgießung des Geistes in den letzten Tagen der Menschheit,    Wie merkt man, ob man vom heiligen Geist beseelt ist,    Hier irrt Paulus und auch Jesus,     Warum Johannes der Täufer nie ein Jünger Jesu wurde,    Die Widersprüche um Johannes den Täufer


E-Mail vom 9. 1. 2006     hanes2@gmx.de Hannes Sidoruk

Sehr geehrter Herr Kreudenstein, 

gestern hat mir ein Freund zum ersten Mal Ihre Website gezeigt. Es freut mich zu sehen, wie eifrig sich Menschen mit der Bibel auseinander setzten und was mir besonders aufgefallen ist, wie wortwörtlich Sie die Bibel auch nehmen. Wenn etwas dasteht, wird es für bare Münze genommen. Das halte ich für sehr richtig.  

Die Bibel ist für mich ein Buch, das ich in vielen Fällen wie andere Bücher auch behandele, z. B. das Vorwort eines Buches.  

Vorwort aus: "Das große Lexikon" von Dr. Ulrich Mohr. Stand Nov. 1994.  

"Letzte Korrekturen waren noch im November 1994 möglich."

"Es war unser Bestreben, einen Wissensratgeber für den täglichen Bedarf zu schaffen." 

Aufgrund dieses Vorwortes wäre die Behauptung, wenn ich sie heute im Jahr 2006 treffen würde, das Buch sei in den verschiedensten Aussagen nicht aktuell, falsch. 

Der Autor nimmt überhaupt nicht in Anspruch ein aktuelles Lexikon für das Jahr 2006 geschrieben zu haben.  

So verhält es sich auch mit der zweiten oben zitierten Aussage.  

Vorworte zu Büchern scheinen mir also außerordentlich wichtig zu sein. Wichtiger vielleicht, als viele Menschen meinen, denn beachte ich das Vorwort nicht, so könnte unter Umständen ein Großteil der Schlussfolgerungen, die ich aus dem Buch ziehe, falsch und schlimmstenfalls sogar lügenhaft sein. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Unkenntnis des Vorwortes.  

Ich schlussfolgere daraus, dass der Autor durch das Vorwort die Betrachtungsweisen des Buches nach Belieben einschränken kann und darf. Der Leser dagegen muss, wenn er das Buch in irgendeiner Weise anwendet, sich an diese Einschränkungen des Autors halten. Ansonsten wäre es nach meiner Auffassung eine "Vergewaltigung des Buches".  

Ich glaube bis hier hin können sie mir folgen und auch übereinstimmen.  

Dieses Prinzip wende ich auch auf die Bibel. Ich halte es für wissenschaftlich und fair, wenn der Leser der Bibel sich an die von der Bibel auferlegten Einschränkungen hält. Auch in der Bibel habe ich so was wie Vorworte oder Einschränkungen entdeckt.   

Die Bibelstellen sind nach der "Schlachter 2000" Übersetzung zitiert.  

1. Korinther 2,12-14

Wir haben aber nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, so dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist;  und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss.  

Die Bibel wird hier umfassend, weil von Gott eingegeben nach 2. Timotheuis 3,16, als unerklärlich und unverständlich definiert (Vers 14), wenn wir den Heiligen Geist nicht haben (Vers 13).  

Johannes 14,26

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.  

Die Worte Jesu werden vom Heiligen Geist erklärt. Das sind also einmal die Worte, die Jesus hier auf der Erde gesprochen hat, aber auch seine Worte, die andere für ihn gesprochen haben, als er noch nicht leibhaftig auf der Erde wandelte (zum ausführlicheren Studium bitte Johannesevangelium Kapitel 1 studieren).  

Johannes 16,13a

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten;

Nur der Heilige Geist leitet in die ganze Wahrheit.  

Ganz unabhängig ob diese Aussagen wahr sind oder nicht (ich halte sie für wahr, Sie vielleicht nicht), wenn der Autor sein Buch in dieser Weise einschränkt, dann haben sich die Leser daran zu halten. Andernfalls darf man sich nicht beim Autor über Fehlauslegungen, Widersprüche usw. beschweren. 

Ein passendes Wort dazu von Prof. Dr. Rudolf Seiß 

"Sicherlich haben wir unseren Verstand, um ihn zu gebrauchen und man braucht nicht voreilig zu einer emotionalen Leichtgläubigkeit Zuflucht nehmen. Man sollte aber anderseits begreifen, dass es Kompetenzgrenzen des Intellekts gibt, und zwar aus sehr einsichtigen Gründen: Der Intellekt lässt sich herleiten aus den Orientierungsfunktionen als einer Orientierung in Raum und Zeit und kann deshalb niemals zuständig sein für eine Beurteilung von Sachverhalten, die sich in der Raum-Zeit-Dimension nicht abbilden lassen; d. h. Geistliches muss geistlich beurteilt werden." 

Die Frage ist also, ob Sie und ich den Heiligen Geist haben oder nicht. Falls ja, heißt das noch nicht, dass alles was wir (Menschen mit dem Heiligen Geist) sagen, richtig ist, aber falls wir IHN nicht haben, ist unter Garantie jede Auslegung, d. h. jedes eingehender Studium und jede daraus schließende Lehre schlicht und ergreifend falsch.  

Ich bitte Sie also, die Innewohnung des Heiligen Geistes in Ihrem Leben zu überdenken und falls nötig Änderungen an ihrer Website vorzunehmen. Diese Änderungen könnten z. B. sein 

  • Als Grundsatz auf Ihrer Site öffentlich und jedem zugänglich klarzustellen, dass, wenn Sie sich dazu bekennen, den Heiligen Geist nicht zu haben, Ihr Bibelverständnis nicht richtig ist und nicht richtig sein kann

  • Eine entsprechende Contra Site einzurichten, die auch Schwächen Ihrer Argumentation aufzeigt

  • Diesen Brief als Leserbrief zu veröffentlichen

Es würde mich auch freuen, wenn ich persönliche Antwort von ihnen erhalten würde.  

Mit freundlichen Grüßen  

Hannes

SDG


Lieber Hannes,

Du stellst zu Recht die Frage, wer vom Geist Gottes beseelt ist. Nun - die Bibel gibt darauf schon in 1. Mose 6,3 die Antwort

1. Mose 6, 3

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen.

Und in

Hiob 32:8 steht

Aber der Geist ist es in den Menschen und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.

Wer also lebt (den Odem Gottes hat) und bei Verstand ist, hat auch den Geist Gottes. Wenn Du dies anders siehst korrigiere mich bitte.

Auch Jesus bestätigt dies, wenn er sagt:

Johannes 6,63

Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch (lt. 1. Mose eine Schöpfung Gottes) nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

Deine Behauptung, dass der menschliche Intellekt nur in der Lage ist Dinge zu erkennen, die sich in der Raum-Zeit-Dimension abbilden lassen, scheint mir nicht ganz schlüssig. Denn wie willst Du Freude oder Trauer oder Ärger, also alle Spielarten des menschlichen Gefühlslebens in der Raum-Zeit-Dimension abbilden. Wir sind also durchaus in der Lage auch immaterielle Werte zu erkennen und damit auch in der Lage Geistiges zu erkennen, sonst könnten wir uns nicht verständigen. Mehr dazu auf meiner Homepage unter dem Link Religionskritik und dem weiteren Link "Dimensionen des Geistes".

Lt. Bibel haben wir also den Geist Gottes, aber es weiß natürlich jeder außer dem Papst, dass er nicht unfehlbar ist.

Wie können wir also erkennen, wer nun die Wahrheit sagt. Dazu einige Zitate von Jesus aus den Evangelien.

Markus 13:21-23

Wenn dann auch jemand zu euch sagt: ‘Siehe! Hier ist der Christus, Siehe! dort ist er,’ Glaubt es nicht. Denn falsche Christusse und falsche Propheten werden aufstehen und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich die Auserwählten irreführen. Seht euch also vor; ich habe euch alles vorhergesagt.

Matthäus 7,20-23

An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. (Jak 1,22; 1 Joh 2,17; Lk 6,46) Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? ((22-23) Lk 13,25-27) Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!

Matthäus 18,20

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Jesus warnt also vor jenen, die sagen: Hier ist der Christus / die Wahrheit. Christus steht hier als ein Synonym für die Wahrheit. Erinnert sei dazu an

Johannes 14,6

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Aber Jesus zeigt uns auch einen Weg, wie wir die Wahrheit erkennen können. Er sagt an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Die Wahrheit wird also nicht vom einzelnen erkannt, der behauptet, dass er die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, sondern die Wahrheit wird von denjenigen erkannt, die in seinem Namen (im Namen des Gesetzes) zusammengekommen sind. Also von jenen, die sich u. a. verpflichten nicht zu lügen und nicht von jenen, die den falschen Propheten nachlaufen und alles behaupten, was diese behaupten, weil sie nur nach dem ewigen Leben schielen, was ihnen von diesen Leuten versprochen wird.

Ob man nun Christ ist oder kein Christ ist. Diese Methode bringt uns jedenfalls der Wahrheit näher, denn ein einzelner irrt sich eher als eine ganze Gruppe, obwohl auch hier ein Irrtum nicht ausgeschlossen ist, wie die Geschichte lehrt. Auf diesen Weg kann man sich in der Tat verständigen. Und wenn dies alle einsehen würden, so wäre dies auch ein Weg zu einer friedlicheren Gesellschaft. Wie gesagt: An Ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

Im Übrigen spricht die Bibel nicht nur von Geistlichem. Die Schreiber der Bibel machen auch naturwissenschaftliche Aussagen, die man auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Siehe meine Homepage Link Bibelkritik und den weiteren Link "Gottesbild und Weltbild im alten Israel" .

Johannes sagt sogar, dass diese Worte geschrieben sind, damit ihr glaubt. Seine Worte sind folglich für Ungläubige geschrieben.

Johannes 20:30-31

Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. (Luther’84).

Die Bibel macht auch historische Aussagen, die man ebenfalls überprüfen kann.

Jesus selbst behauptet nirgends, dass die Bibel Gottes Wort ist, denn die Bibel ist eine Zusammenstellung von Büchern, die erst im 4. Jahrhundert entstanden ist. Und bis heute können sich die christlichen Kirchen nicht einigen, welche Texte nun zum Wort Gottes gehören und welche zu den Apokryphen gehören. Es ist also durchaus legitim die Bibel zu hinterfragen.

Herzlichen Dank für Deine Anfrage. Auch wenn die Diskussion vielleicht mit dieser E-Mail noch nicht abgeschlossen ist, so hat Deine Anfrage doch dazu beigetragen eine weitere Argumentationslücke in meiner Homepage zu schließen.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter

P.S. Einige der Gedanken in dieser Antwort stammen aus dem lesenswerten Buch "Der Pfarrer von Arget" bestellbar bei

Willibald Glas / Ringbergstr.71 / 82054 Sauerlach

Pfarrer Glas hat mir in einer Mail vom 20.1.2006 mitgeteilt, dass das Buch zu einem Sonderpreis von einem Euro zuzüglich Versandkosten bei ihm zu haben ist. E-Mail-Adresse: Willibald.Glas@t-online.de


10. 1. 2006

Sehr geehrter Herr Kreudenstein, 

vielen Dank für ihre schnelle Antwort mit wie gewohnt vielen Bibelstellen, was mich nach wie vor beeindruckt. Ich möchte mich auch entschuldigen, dass ich mich nicht deutlich ausgedrückt habe. Insbesondere in zwei Punkten war ich wohl zu oberflächlich. 

  1. Es ging mir nicht um den Geist Gottes, sondern um den Heiligen Geist. Das beleuchte ich weiter unten näher.

  2. Es ging mir auch nicht um die Frage, wer den Geist Gottes hat, sondern ob ich bei Ihrer Bibelstellenargumentationen davon ausgehen kann, dass Sie die von dem Autor der Bibel genannten Kriterien eines verständigen Lesers erfüllen.

Aus Ihrer Argumentation nehme ich an, dass Sie sich als jemanden sehen, der den Oden des Lebens hat, also lebt und auch bei Verstand ist. Demnach haben Sie den Geist Gottes. In beiden Fällen muss ich Ihnen nach meinem jetzigen Wissen zustimmen. Dass Sie leben steht für mich außer Frage und Ihre Website liefert meines Erachtens ausreichende Hinweise für Ihren scharfen Verstand. Meine Frage nach dem in Ihnen wohnenden Heiligen Geist ist damit aber noch nicht beantwortet, aus dem einfachen Grund, dass es sehr viele verschiedene Geister gibt, z. B. werden in   

Jesaja 11,2

Und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Wahrheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. 

Offenbarung 4,5

Und von dem Thron gingen Blitze und Donner und Stimme aus, und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind.  

1. Thessalonicher 5,23

Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes Wesen, der Geist, die Seele und der Leib, möge untadelig bewahren werden bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus.  

einige genannt.  

Abgesehen davon, dass die Stellen ganz verschieden Dinge ansprechen, wird doch deutlich, dass es verschiedene Geister gibt.  

Stellt sich also die Frage, welcher Geist in 1Mo 6,3 und Hiob 32,8 gemeint sind. Es könnte der Heilige Geist gemeint sein, der für ein richtiges Bibelverständnis nötig ist, es könnte aber auch ein anderer Geist gemeint sein, weil es eben verschiedene Geister gibt.  

In

1. Samuel 16,14

Aber der Geist des Herrn wich von Saul, und ein böser Geist, von dem Herrn gesandt, schreckte ihn.  

weicht der Geist des Herrn von Saul, ohne das er stirbt, wie aus den folgenden Versen ersichtlich wird. Der Geist in 1. Mose 6,3 ist aber mit dem Ende des Lebens eines Menschen verbunden, also müssen diese beiden Geister voneinander unterschieden werden. Wenn der Geist in 1. Mose 6,3 weicht, stirbt der Mensch und dass soll nach spätestens 120 Jahren geschehen. Ich nenne den Geist in 1. Mose 3,6 einfach mal den irdischen Lebensgeist, der auch von Gott kommt, aber vom anderen Geist Gottes, im Verlauf der Bibel als Heiliger Geist identifiziert, unterschieden werden muss.  

Da Sie Hiob 32,8 ansprechen, nenne ich noch den dritten Hauptgeist der Bibel. Er wird uns in  

1. Korinther 2,11a

denn wer von den Menschen kennt die Gedanken des Menschen, als nur der Geist des Menschen der in ihm ist. 

beschrieben. Wir haben also den Heiligen Geist, den Lebensgeist und den Geist des Menschen.  

Die Hiobstelle hat meines Erachtens zwei Schwachpunkte.  

Hiob 32,7-9

7: Ich dachte: Die Betagten sollen reden und die Bejahten Weisheit lehren!

8: Aber der Geist ist es im Menschen, und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.

9: Nicht alle angesehenen sind weise, und nicht alle Alten verstehen sich aufs Recht.  

Es muss nicht zwingend der Heilige Geist gemeint sein und im Kontext von Vers 7-9 meint der Vers genau das umgekehrte Ihrer Schlussfolgerung, nämlich dass nicht alle "Betagten", "Bejahrten" (beides meint ältere Menschen) (Vers 7) und die den Geist des Menschen und den Lebensgeist Gottes (Odem) haben (Vers 8), weise sind und sich aufs Recht verstehen (Vers 9).  

Für mich bleibt also weiterhin die Frage offen, ob Sie den Heiligen Geist, der Ihnen die Bibel auslegt, haben. 

Im Verlauf Ihrer Antwort nennen sie einige Kennzeichen des in einem Menschen wohnenden Heiligen Geistes. Diese Kennzeichen sind aber nicht die einzigen und bei weitem auch nicht die am einfachsten nach zu vollziehensten. Ich möchte Ihnen ein einfacheres Kriterium nennen. Es steht in  

1 Johannes 4,2-3a

Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott; Und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott.

Die Unterscheidung der Geister wird im Alten Testament nicht so deutlich. Der Autor der Bibel scheint seine Anliegen nicht auf einen Schlag zu offenbaren, sondern über einen Zeitraum verteilt. Das was er offenbart, wird dann aber vorausgesetzt. Das ist wichtig, weil wir sonst mit dem Begriff Geist Gottes verwirrt werden könnten. Im Neuen Testament, ist der Geist Gottes aber eindeutig der Heilige Geist (z. B. Johannes 14-16 studieren).  

Auch wenn ich mit Ihren folgenden Bibelstellen nicht ganz einverstanden bin, möchte ich doch zuerst diese den Heiligen Geist betreffende und mir grundlegend erscheinende Frage geklärt wissen.  

So verbleibe ich also  

Mit freundlichen Grüßen  

hannes

SDG


12.1. 2006

Lieber Hannes,

vorab erst mal etwas Formales. Da Du mit Deinem Vornamen unterschreibst, bin ich davon ausgegangen, dass wir uns wie im Internet üblich mit Du anreden. Falls Du lieber mit Sie angeredet werden möchtest, so werde ich dies selbstverständlich respektieren. Und noch eine kleine Frage: Die Abkürzung SDG = soli deo gloria. Allein zur Ehre Gottes? Richtig geraten?

Vielen Dank für Deine Antwort und die Klarstellung, dass es hier um den Heiligen Geist geht, der Menschen mit dem rechten Glauben zum rechten Verständnis der Bibel anleitet und auch im täglichen Leben die Gläubigen begleitet.

Wie überprüft man, ob man den rechten Glauben hat?

In Matthäus 14, 25-31 steht

In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. (Man teilte die Nacht in vier Abschnitte («Nachtwachen») zu je drei Stunden ein.) Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, daß ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Matthäus 21,18-21

Als er (Jesus) am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen.

Diese Prüfungen habe ich schon mal in der Weise versucht, bin aber ebenso kläglich wie Petrus gescheitert. Aber mit technischen Hilfsmitteln hat es dann doch noch geklappt. Ich bin schon mal Wasserschi gefahren. Die Prüfung mit dem Berg - da musste ich leider auch technische Hilfsmittel (Schaufel und Spitzhacke) zu Hilfe nehmen und die Berge, die ich damit versetzt habe, waren eher kleine Erdhügel. Mit gläubigem Zureden allein hat sich der Berg nicht bewegt. Ich habe allerdings noch keinen getroffen, der dies geschafft hat. Aber vielleicht hat Jesus hier nur zu seinen Aposteln gesprochen und nicht zu allen Anderen. Oder Jesus hat hier keine Erdhügel gemeint, sondern zum Beispiel einen Berg Arbeit. In diesem Sinne habe ich allerdings schon einiges bewältigt.

Die Theologin Uta Ranke-Heinemann nennt übrigens in Ihrem Buch "Nein und Amen" das Wunder mit dem Feigenbaum, das dümmste Wunder, das Jesus gewirkt hat.

Nun zur Frage, ob ich den heiligen Geist empfangen habe. Diese Frage beantwortet die Apostelgeschichte.

Apostelgeschichte 19, 2

Er traf einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, daß es einen Heiligen Geist gibt. Da fragte er: Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes. (Mt 3,11; Lk 3,16) Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen. Paulus legte ihnen die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.

Jesus hat übrigens auch die Taufe des Johannes empfangen. Aber bei ihm hat sie angeblich anders gewirkt. Mehr dazu auf meiner Homepage unter dem Link Religionskritik und dem weiteren Link "Kritische Anmerkungen zur Taufe" .

Ich bin gemäß evangelischem Ritus christlich getauft. Habe damit also den Heiligen Geist empfangen.

Zu den hier genannten Begleiterscheinungen, den Weissagungen: Ich habe zu Beginn des vergangenen Jahres meinem damaligen Bankberater bei der Hypovereinsbank vorhergesagt, dass der Dax 2005 auf 5000 Euro steigen wird. Er hatte 4800 geschätzt. Diese Weissagung ist eingetroffen. Na ja - das konnte man erwarten. Einem Arbeitskollegen habe ich vor etwa 4 Jahren empfohlen sein Geld in Platin anzulegen. Platin ist in dieser Zeit tatsächlich gestiegen. Glück gehabt. Mit Lottozahlen habe ich allerdings bisher höchsten mal 3 Richtige gehabt.

Nun kann einen ja der Heilige Geist auch verlassen. Du hattest hier 1 Samuel 16,14 erwähnt, wo der Heilige Geist Saul verlassen hat und Saul von einem Dämon befallen wurde, den ebenfalls der barmherzige Herr gesandt hatte.

Wie müssen wir uns dies vorstellen, wenn jemand von einem Dämon befallen wird? Dazu

Markus 9,17-18

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.

Aus heutiger Sicht würde man die Diagnose stellen, der Sohn hat gelegentlich epileptische Anfälle, denn der Patient erfüllt immerhin vier Symptome, die bei einem epileptischen Anfall auftreten (Zuckungen, Schaum vor dem Mund, Knirschen mit den Zähnen, und das starr werden des Körpers. Jesus hat ihn angeblich geheilt. Aber in

Matthäus 12:43-45 sagt er auch

Wenn ein unreiner Geist von einem Menschen ausfährt, durchwandert er dürre Orte, um eine Ruhestätte zu suchen, und findet keine. Dann sagt er: ‘Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin’; und bei seiner Ankunft findet er es unbewohnt, doch sauber gefegt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und nachdem sie eingezogen sind, wohnen sie dort; und die letzten Umstände jenes Menschen werden schlimmer als die ersten.

Nun kann einen der Heilige Geist offenbar auch verlassen ohne, dass man es merkt. Dies scheint beim Apostelstreit offenbar der Fall gewesen zu sein. Die Apostelgeschichte 15,7 berichtet von einem heftigen Streit jener Männer, die doch angeblich alle vom gleichen Heiligen Geist ergriffen waren.

Auf Deine Frage, ob ich bei meiner Bibelargumentation vom heiligen Geist geleitet wurde, kann ich also nur sagen: Ich weiß es nicht. Der Geist weht bekanntlich wo er will (Johannes 3,8). Allerdings steht in der

Apostelgeschichte 2,17

In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben.

Siehe hierzu auf meiner Homepage unter Religionskritik das Kapitel Glaubenserfahrungen und ihre Deutung, wo ich ein solches Erlebnis beschreibe.

Ob nun dies die letzten Tage sind, weiß niemand.

Markus 13,32

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Aber Jesus sagt auch

Matthäus 4,17

Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

Und in Markus 13:30 nennt er sogar den Zeitraum bis das Himmelreich kommt.

Markus 13:30

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. (Markus 9,1; Mt 16,28; Lk 9,27)

Paulus hat deshalb schon zu seinen Lebzeiten den Jungfrauen empfohlen jungfräulich zu bleiben, wegen der Notzeit, die dem Ende vorausgeht. Siehe 1. Korinther 7,25-26 und 1. Korinther 7,40 sowie Markus 13,14-20. Man stelle sich vor, die Christen hätten sich an seinen Rat gehalten. Es gäbe sie dann heute gar nicht mehr. Siehe auch unter dem Link Bibelkritik Jesus Teil 5 die Textmarke "Wahre Christen sterben nicht".

Petrus hat uns immerhin gelehrt, wie lange ein göttlicher Tag sein kann.

2. Petrus 3,8

Das eine aber, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: daß beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind.

In der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose weiß Gott aber noch genau, wie lange ein menschlicher Tag ist. Und ich darf doch wohl annehmen, dass die Bibel für Menschen geschrieben wurde. Auch die Maße des himmlischen Jerusalems sind in Menschenmaß gemessen. Allerdings werden unterschiedliche Größen genannt. Siehe meine Homepage Link Bibelkritik und den weiteren Link "Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens Teil 4" Textmarke "Die kleine Welt der Gläubigen".

Ich meine, ob ich nun vom Heiligen Geist beschienen bin oder nicht ist zum Lesen der von mir zitierten Bibelstellen unerheblich. Ich überlasse es dem Leser, welche Schlüsse er zieht. Zur Interpretation von widersprüchlichen Stellen existiert auf meiner Homepage unter dem Link Bibelkritik ein Kapitel mit dem Titel "Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens" wo jene Bibelstellen genannt werden, mit denen gläubige Bibelleser diese Stellen interpretieren.

Das Problem ist nur, dass diese Bibelstellen auch dazu geeignet sind, jedes beliebige Märchenbuch zu einer Heiligen Schrift zu machen. Wie soll man also entscheiden, welche Religion nun das richtige Buch hat? Die Lösung wäre die von der Naturwissenschaft und der Philosophie erarbeiteten Wahrheitskriterien anzusetzen. Aber nach diesen Maßstäben wäre die Bibel, zumindest was ihre naturwissenschaftlichen Aussagen anbetrifft ein Märchenbuch. Ich hatte Dir ja hierzu schon das Kapitel "Der Koran, die Bibel und die Naturwissenschaft" empfohlen, wo ich Koranzitate und Bibelzitate naturwissenschaftlichen Aussagen gegenübergestellt habe. Ich habe natürlich hier auf das Kapitel "Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens" verwiesen. Mit Jesaja 55, 8-9. sinngemäß "Meine Gedanken sind höher als Eure Gedanken . . ." lässt sich allerdings keine falsche naturwissenschaftliche Aussage rechtfertigen. Und widersprüchliche Zahlenangaben bleiben auch widersprüchlich. Womit ich auf das Problem hingewiesen habe und das ist ja wohl nicht verboten. Denn wenn Probleme nicht angesprochen werden, so bemüht sich auch niemand um die Lösung.

Ich verschweige aber auch nicht, dass ich seit meinem Kirchenaustritt 1975 wahrheitsgemäß bezeuge, dass ich nicht erkennen kann, dass es einen Gott gibt und auch nicht glauben kann, dass es einen Gott gibt. Ich habe mich also in diesem Punkt, so wie Jesus es empfohlen hat, gesetzestreu verhalten und nicht gelogen.

Paulus sagt zwar in

Römer 1,20

Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.

Da gibt es aber heute die Evolutionstheorie, die aus meiner Sicht etwas glaubwürdiger ist. Zur näheren Begründung, siehe meine Homepage Link Evolution.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter


E-Mail vom 23. 1. 2006     hanes2@gmx.de Hannes Sidoruk

Hallo Dieter,

sorry, dass ich so lange für eine Antwort gebraucht habe. Es lag weniger daran, dass ich keine Zeit hatte, als viel mehr daran, dass ich mir keine genommen habe. Das will ich jetzt aber tun.

Dankeschön, dass Du mir das "Du" anbietest. Gerne will ich davon gebrauch machen.

SDG bedeutet in der Tat solo dei gloria. Es ist die bisher beste und kürzeste Lebensbeschreibung die mir untergekommen ist und deshalb füge ich es meinem Kürzel immer hinzu. Du bist übrigens einer von  wenigen, die wussten was es bedeuten. Allerdings hatten diejenigen, die es wussten, alle Latein in der Schule oder im Studium.  

So, jetzt aber zum Eigentlichen.  

Grundlegend für die Innewohnung des Heiligen Geistes verstehe ich die Stelle in Johannes 3,8.  

Hier erst mal der Text aus

Johannes 3,8-13 

Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder der aus dem Geist geboren ist.  Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann das geschehen? Jesus erwiderte und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und verstehest das nicht?  Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen und bezeugen, was wir gesehen haben; und doch nehmt ihr unserer Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ist glauben, wenn ich euch von den himmlischen Dingen sagen werde? Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, dem Sohn des Menschen, der im Himmel ist.  

Es ist für mich ein Bild für den Heiligen Geist, das verdeutlichen soll, dass kein Mensch mit vollkommener Sicherheit von einem anderen sagen kann, ob er den Heiligen Geist hat oder nicht. Deswegen das Beispiel mit dem Wind. Ich kann nicht sagen, ob jemand von Wind umgeben ist, weil ich Wind nicht sehen kann.

Anders verhält es sich mit mir selber. Wenn mich Wind umgibt, kann ich es spüren. Auch das würde ich als Bild verstehen, d. h. ich selber kann es "fühlen", nicht mit den Sinnesorganen, sondern geistlich. Dass das nicht leicht zu verstehen ist, steht in direkten Zusammenhang in den Versen 10-13.  

Um den Sachverhalt ein bisschen zu verdeutlichen, hier ein kleiner Beispiel:  

Wenn jemand blind geboren ist, dann ist es meiner Meinung nach unmöglich, diesem Menschen Farben zu erklären, aus dem einfachen Grund, wenn er sie nicht gesehen hat, kann er meine gut gemeinten und vielleicht auch gut gewählten Worte nicht verstehen. So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Wer ihn nicht empfangen hat, kann nicht verstehen was ich meine.  

Somit kann ich über dich und keinen anderen Menschen sagen, ob er den Heiligen Geist hat oder nicht. Jetzt kommt natürlich schnell der Einwand der Willkür. Dann könnte nämlich jeder sagen, dass er den Heiligen Geist hat. Das stimmt aber nicht, denn Gott hat uns sehr wohl Prüfsteine gegeben, um zu prüfen, ob jemand den Heiligen Geist hat.  

Einen "Prüfstein" führst du Apostelgeschichte 19,2 an. Gemeint ist die Taufe. Diese Stelle ist in der Tat sehr interessant, aber als Prüfung für die Innewohnung des Heiligen Geistes für mich nicht relevant, weil es eine Ausnahme zu einer Regel scheint. Eine Ausnahme deshalb, weil wir in der Apostelgeschichte vier Ausgießungen des Heiligen Geistes finden, nämlich in 2,2-4; in 8,12-17; in 10,44-45 und in 19,6. Keine davon ist identisch mit einer anderen. Das ist für mich kein Widerspruch, sondern eine Ausnahme.  

Kleines Beispiel:  

Nur weil Wasser beim einfrieren an Volumen zunimmt, heißt das nicht, dass das auch für alle anderen Stoffe gilt. Es ist eben eine Ausnahme.  

Wenn wir nach Kriterien für die Innewohnung des Heiligen Geistes suchen, sollten wir aber nicht nach Ausnahmen, sondern nach der Regel suchen.  

Dazu möchte ich noch mal

1. Johannes 4,1-3 nennen.

Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn es sind viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen. Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott; Und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichristen, von dem ihr gehört habt, dass er kommt; und jetzt schon ist er in der Welt.

Es kommt also darauf an, ob jemand bekennt, dass Jesus Gott als Mensch ist. Also ganz einfach. Das hört sich ungefähr so an.  

"ich, also der Hannes, bekenne das Jesus Christus Gott ist, der als Mensch auf die Erde kam". Somit erfülle ich ein Kriterium.   

Das ist aber nicht das einzige. Ein weiteres finden wir in  

Epheser 1,13

In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung gehört habt - in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit den Heiligen Geist der Verheißung.

Hier ist das Kriterium der Glaube "an den Herrn Jesus" (Epheser 1,15).  

Ein letztes möchte ich noch nennen aus  

Römer 8,16

Der Geist selber gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

Es ist also ein inneres Wissen, dass der Heilige Geist mir schenkt. Am Ende deiner Mail schreibst du, dass du nicht weißt, ob der Heilige Geist dich geleitet hat. Das ist schon mal ein sehr schlechtes Zeichen, aber wie gesagt, ich kann und darf mir darüber noch kein Urteil bilden.  

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die Behauptung eingehen, dass man den Heiligen Geist wieder verlieren kann. Grundsätzlich scheint das ja sehr deutlich zu sein, z. B. in 1Samuel 16,14.  

Allerdings ist zwischen dem alten und neuen Testament etwas Entscheidendes passiert. Jesus Christus war auf der Erde und hat es möglich gemacht, dass ein neuer Mensch von Gott geschaffen werden kann durch die Wiedergeburt. Dadurch scheint sich auch das Ausziehen des Heiligen Geistes geändert zu haben.

Wir finden im neuen Testament zwei herausragend Fälle, bei denen Gott sehr deutlich eingreift. Einmal ist es das Musterbeispiel für schlechte Gemeinde, nämlich in Korinth.  

Erst mal der Text:

1. Korinther 11,30

Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen.

Das ist sehr interessant. Gott hat Menschen sterben lassen und doch wird hier entschlafen benutzt, d. h. die sind zu Gott gegangen. Diese Menschen wurden anscheinend trotz Sünde nicht mehr vom Heiligen Geist verlassen. Das sehen wir daran, dass sie in den Himmel gekommen sind, wo man nur durch den Heiligen Geist hinkommt. Das ist aber nur einen Annahme. Würde mir als Begründung noch nicht reichen. Also noch ein Beispiel:  

In Apostelgeschichte 5 lässt Gott auf der Stelle zwei Menschen sterben, weil sie den Heiligen Geist belogen haben. Auch hier finden wir aber keine Anzeichen dafür, dass der Heilige Geist sie verlassen hätte. Allerdings würde mir das immer noch nicht reichen. Darum eine letzte Belegstelle, die die Annahmen der beiden Beispiele unterstreicht.  

Philipper 1,6

Weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.

Um es einfach zu sagen, Gott hat das Werk begonnen und wird es auch beenden. Er lässt keine halben Sachen zurück. Wir dürfen also annehmen, dass derjenige, der einmal den Heiligen Geist bekommen hat (zur Zeit der Gemeinde) ihn auch nicht mehr verliert.  

Jetzt habe ich so viel geschrieben. Ich freue mich auf eine erneute Stellungsnahme von dir bezüglich des Heiligen Geistes und wünsche dir einen schönen Tag.

Gruß hannes

SDG


 26. 1. 2006

Lieber Hannes,

vielen Dank für Deine Mühe mir dem eventuell "Blinden" die spezielle Wirkung des heiligen Geistes  auf unseren Geist zu veranschaulichen. Als Analogieschluß zu anderen Sinneswahrnehmungen, kann damit wohl jeder die Wirkung des heiligen Geistes verstehen, obwohl wir nie wissen, was der andere sieht, wenn wir die Farbe rot sehen. Wir nehmen nur an, dass er das Gleiche sieht, weil seine Sinnesorgane einen ähnlichen Aufbau haben.

Ob jemand wirklich vom heiligen Geist beschienen war oder ob er sich dies nur eingebildet hat, stellt sich aber doch heraus, wenn das eintrifft, was er prophezeit hat. Und da habe ich bei Paulus und bei Jesus berechtigte Zweifel, die ich im vorangegangenen Brief bereits begründet habe. Leider bist Du auf diese Begründungen nicht eingegangen. Daher möchte ich noch mal auf die Stelle in 1. Korinther 7,25-26 kommen, wo Paulus den Jungfrauen zu seiner Zeit empfohlen hat jungfräulich zu bleiben und zwar unter dem Hinweis darauf dass er den Geist Gottes hat.

1. Korinther 7,40

Glücklicher aber ist sie zu preisen, wenn sie nach meinem Rat unverheiratet bleibt - und ich denke, daß auch ich den Geist Gottes habe.

Paulus hat sich hier eindeutig geirrt. Damit steht doch einwandfrei fest, dass Paulus sich nur eingebildet hat, vom heiligen Geist geleitet zu sein.

Bei Jesus habe ich auf zwei seiner "Wundertaten" verwiesen und auf seine Aussage

Markus 13:30

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. (Markus 9,1; Mt 16,28; Lk 9,27)

Der Weltuntergang, den er prophezeit hat, hat in dieser Zeit nicht stattgefunden.

Dein Prüfstein in 1. Johannes 4,1-3 wonach jeder, der glaubt, dass mit der Person Jesus Gott als Mensch auf die Welt gekommen ist. widerspricht seiner eigenen Aussage wonach er sich als Sohn Gottes bezeichnet.

Markus 13,32

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Wäre er Gott gewesen, dann hätte er Tag und Stunde nennen können.

Noch ein weiteres Argument: Gemäß der Bibel hat sich Jesus  für die Sünden der Menschheit geopfert. Diese Opfergabe ging an Gott, der nach jüdischem Glauben allein Sünden vergeben kann.

Hintergrund dieses Glaubens ist die jüdische Glaubensauffassung wonach Leiden und Sterben Sühne bewirken. Erlaubt ist nach dieser Auffassung auch die stellvertretende Sühne durch ein Tieropfer oder bei besonders schwerer Schuld durch ein Menschenopfer. Dieser Glaubensauffassung folgt auch Paulus in

Römer 3,25

Ihn (Jesus) hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. (siehe auch Leviticus 16,12-15)

Hebräer 9,11-14 (Das einmalige Opfer Christi)
Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; und durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist, ist er ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.

Mehr dazu siehe unter Religionskritik das Kapitel "Schon mal nachgedacht über den Sündenfall".

Wenn Jesus Gott wäre, dann hätte er sich als Opfer dargebracht, um selbst dieses Opfer gnädig entgegenzunehmen.

Hast Du Dir übrigens schon mal die Frage gestellt, warum Johannes der Täufer nie ein Jünger Jesu wurde, wo er doch angeblich davon überzeugt war, dass er der Sohn Gottes ist und warum es auch nach der Taufe Jesu noch Jünger des Johannes gab? (mehr dazu siehe unter Religionskritik das Kapitel "Kritische Anmerkungen zur Taufe")

Ich bin also gespannt, wie Du mir dies mit dem Beistand des heiligen Geistes erklärst.

 Mit freundlichen Grüßen

Dieter



francesco_musica@gmx.de    -    Montag, 15. Januar 2007 23:20

Lieber Dieter,

ich bin kein großer Schreiber, dennoch möchte ich kurz eine Antwort auf deine Frage geben, die an Hannes ging. Deine Frage lautete:

Zitiere aus deiner Email: "Hast Du Dir übrigens schon mal die Frage gestellt, warum Johannes der Täufer nie ein Jünger Jesu wurde, wo er doch angeblich davon überzeugt war, dass er der Sohn Gottes ist und warum es auch nach der Taufe Jesu noch Jünger des Johannes gab?"

Aus Matthäus Kapitel 4,12-14 kannst du lesen:

Matthäus 4,12-14

Als nun Jesus hörte, daß Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist.

Johannes der Täufer wurde durch Herodes gefangen genommen und später enthauptet. Johannes Anhänger (Andreas, ein Jünger Jesu, war einer davon) gab es vor und nach dem Wirken Jesu. Jesus predigte sogar über Johannes selbst. Er konnte nicht sein Jünger werden NO CHANCE!

Lies aber bitte Kapitel 11 weiter.

Matthäus 11,1-6 (Die Anfrage des Täufers)

Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, daß er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen. Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Wenn schon der Täufer sich über Jesus unsicher war, wie sollten denn seine Anhänger sich zu Jesus hingezogen fühlen? Der Täufer stellt die Frage ob „er (Jesus) es ist“

Matthäus 11,7-10 (Jesu Zeugnis über den Täufer)

Als sie fort gingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet. Dieser ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.»

Hier liest du wie Jesus zu den Anhänger des Täufer spricht.

Matthäus 11,11-19

Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; und wenn ihr's annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen. Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

Liebe Grüße

Francesco


Dienstag, 16.01.2007 21:53

Lieber Francesco,

Vielen Dank für Deine Antwort.

Mit meiner Frage wollte ich auf eine Ungereimtheit in der Bibel hinweisen, die im Johannesevangelium Kapitel 1, 19-40 steht. Hier erzählt der Evangelist Johannes, dass die Juden aus Jerusalem (der Hohe Rat) Priester und Leviten zu ihm (Johannes dem Täufer) sandten mit der Frage, wer er sei, ob er ein Prophet sei, oder der Messias oder eine Wiedergeburt Elijas. Johannes der Täufer merkt, dass man ihm offenbar etwas anhängen will und antwortet: "Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat". (Johannes 1,23; Jesaja 40,3). Eine neutrale Antwort, mit der Johannes sagt, ich bin nur ein Diener des Herrn und das ist ja wohl nicht verboten.

Aber die Abgesandten aus Jerusalem legen ihm nun zur Last, dass er ja Leute tauft, obwohl er weder ein Prophet, noch ein Messias, noch eine Wiedergeburt Elijas ist. Mit dem Taufritus war eine Sündenvergebung verbunden. Johannes betrieb hier ein Geschäft, das Priestern vorbehalten war. Johannes kann nun nicht leugnen, dass er die Leute am Jordan tauft. Er versucht nun seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem er seine Taufe entwertet. Er antwortet: "Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren" (Johannes 1,26-27).

Johannes der Täufer weiß nun, dass er unter Beobachtung des Hohen Rats steht. Er muss sich etwas einfallen lassen. Die Abgesandten aus Jerusalem suchen jemand, dem sie etwas anhängen können. Im Moment ist er selbst derjenige. Am nächsten Tag sieht er nun Jesus, jemand, den er mal getauft hat, der aber nicht zu seinen Jünger gehört, sondern nun als Wanderprediger umherzieht. Er behauptet nun, dass seine eigene Taufe ja nur dazu dient herauszufinden, wer der Messias ist. "...ich bin gekommen", sagt Johannes der Täufer, "und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm (dem Messias) bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes (nach anderen Textzeugen "der Erwählte Gottes", lt. Anmerkung der Einheitsübersetzung) (Johannes 1, 31-34).

Johannes der Täufer müsste nun eigentlich allen seinen Jüngern empfehlen Jünger Jesu zu werden und vor allem er selbst müsste zu einem Jünger Jesu werden, denn seine Mission ist damit beendet. Davon ist aber im Johannesevangelium nicht die Rede. Das Johannesevangelium berichtet:

Johannes 1,35-40

Am Tag darauf stand Johannes wieder dort (am Jordan), und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, daß sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.
 

Nach dem Markus-Evangelium  und dem Matthäus-Evangelium tritt Jesus erst öffentlich in Erscheinung, als Johannes verhaftet wird. Die Berufung der ersten Jünger spielt sich hier so ab:

Markus 1,16-20 (Matthäus 4,18-22)

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Lukas lässt vor der Berufung der Jünger noch das Wunder vom reichen Fischfang geschehen. Dadurch beeindruckt folgen Jesus die ersten Jünger. (Lukas 5,1-11)

Johannes der Täufer macht hier eine doppeldeutige Aussage: Das Lamm Gottes ist das Opferlamm, das Lamm, das nun geschlachtet wird. Die beiden Jünger des Johannes glauben aber, dass Johannes der Täufer mit diesem Lamm das Lamm meint, das die Sünden der Welt hinweg nimmt, also den Messias, wie er dies am Tag vorher gesagt hat. Wenn Johannes der Täufer dies gemeint hätte, müsste er aber ein Jünger Jesu werden. Er wurde jedoch nie ein Jünger Jesu!

Auch scheinen dies die beiden einzigen Jünger des Johannes zu sein, die Jesus nachgefolgt sind und die damit lt. Johannes zu seinen ersten Jüngern werden, denn Matthäus berichtet:

Matthäus 9:14-15 (Markus 2:18-20, Lukas 5:33-35)

Dann kamen die Jünger des Johannes zu ihm und fragten: "Warum pflegen wir und die Pharisäer zu fasten, deine Jünger aber fasten nicht?" Darauf sagte Jesus zu ihnen: "Die Freunde des Bräutigams haben doch nicht etwa Grund zu trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten."

Gemäß dem Johannesevangelium taufen Johannes der Täufer und Jesus zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.

Johannes 3, 22-24

Darauf ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden.

Anmerkung der Einheitsübersetzung: Dass Johannes in Änon taufte, wird nur hier erwähnt. Der Ort lag im nördlichen Samarien, südlich von Bet-Schean. Der Name Änon deutet auf ein Quellgebiet. Jesus oder, wie in Johannes 4,2 berichtigt wird, seine Jünger tauften in Judäa.

Hier ist der biblische Bericht widersprüchlich, sowohl was die Berufung der ersten Jünger  betrifft, als auch was über den Zeitpunkt der Verhaftung Johannes des Täufers und das erste öffentliche Auftreten von Jesus ausgesagt wird.

Nach Matthäus 11,2-3 weiß Johannes der Täufer nichts davon, dass er Jesus als den Gottessohn, bzw. den Auserwählten, den Messias bezeichnet hat (Johannes 1, 31-34). Gemäß dem Matthäus-Evangelium hört also nur Jesus bei seiner Taufe die Stimme des Herrn. Zur Erklärung siehe Gottesbild und Weltbild im alten Israel den Abschnitt "Kann man Gott sehen und hören?"

Aus meiner Sicht ist der Bericht über die Berufung der ersten Jünger Jesu im Johannesevangelium glaubwürdiger als der Bericht in den anderen Evangelien, denn das Johannesevangelium liefert eine plausible Begründung, warum die beiden Jünger des Johannes in ihrer fast kindlich anmutenden Naivität Jesus gefolgt sind, der selbst überrascht ist und wissen will, warum ihm die Beiden folgen. Auch dass Jesus und Johannes der Täufer als Konkurrenten auftreten - dies wird zwar in Johannes 3,22-36 durch eine Erklärung gemildert - erscheint aber angesichts der Tatsache, dass Johannes der Täufer nie ein Jünger Jesu wurde, glaubwürdig. Für mich zählt daher dieser Bericht zu den ursprünglichsten Schichten der Überlieferung.

In den anderen Evangelien erscheint die Berufung der Jünger als Wunder. Jesus ruft und schon hat er ein paar Jünger.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter

Die Annahme eines Schöpfers stammt aus einer Zeit als Naturkräfte wie der Wind wegen ihrer Unberechenbarkeit personifiziert wurden. So berichtet die Offenbarung (Offenbarung 7,1) über vier Engel, die an den vier Ecken der Erde stehen und die vier Winde (Winddämonen) festhalten. Auch Jesus droht dem Wind (Markus 4,39 - 41). Er sah also offenbar in dem Wind ein mit Vernunft begabtes Wesen. Der Überlieferung nach erzählt er seinen Jüngern, dass ihm der Teufel von einem sehr hohen Berg aus alle Königreiche dieser Welt gezeigt hat (Matthäus 4,8). Er sah angeblich den Teufel wie einen Blitz aus dem Himmel fallen (Lukas 10,18). Er glaubte also an die antike Weltsicht, wonach die Erde eine Scheibe ist über der das Himmelsgewölbe aufgebaut ist. Mehr unter dem Kapitel "Das Weltbild des Jesus von Nazareth"


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