Hinweise zur Bechterewbehandlung mit Kortison


1. Was ist Kortison

Kortison ist ein Hormon der Nebenniere, das bereits in geringer Dosierung von nur wenigen Milligramm (5 mg) deutlich den Stoffwechsel beeinflusst. Durch die Anregung der Nierentätigkeit wirkt es entmineralisierend. Man muss also bei einer längeren Therapie mit Kortison einen Verlust an Salzen, Kalcium und anderen Mineralen einkalkulieren.

Das Kortison wird normalerweise im Körper, wie auch andere Steroid-Hormone, über Reaktionsketten aus Cholesterin gebildet.

 

Bezeichnung der Enzyme
E1 20,22-Desmolase
E2 3beta-Hydroxysteroid-delta5-dehydrogenase
E3 17alpha-Hydroxylase
E4 21-Hydroxylase
E5 11-Hydroxylase
E6 18-Hydroxylase/18-Hydroxysteroiddehydrogenase
E7 17,20-Desmolase
E8 Testosteron-17betadehydrogenase (NADP-)[17-Oxosteroidreductase]
E9 5alpha-Reductase

2. Hinweise zur Bechterew-Behandlung mit Kortison

a) Die Dosierung

Man beginnt die Kortison-Behandlung i.a. mit einer höheren Dosierung (Initialdosis) etwa 30 mg Decortin H tgl. Die Kortison-Präparate enthalten im allgemeinen eine Vorstufe des Kortisons, das Prednisolon, bzw. andere chemisch ähnliche Substanzen. Bei der Initialdosis muss man die Dosierung über den ganzen Tag verteilen (10 mg morgens, 10 mg mittags und 10 mg abends. Am besten nimmt man sie mit der Nahrung zerkaut ein. Die Einnahme zusammen mit einer nur mäßig warmen Mahlzeit schont den Magen. Die Initialdosis sollte schon am nächsten Tag um 10 mg reduziert werden. Dann nach einer Woche jeweils eine Reduzierung um 5 mg bis zur Erhaltungsdosis. Da reichen schon etwa 5mg Decortin H tgl.

Die Erhaltungsdosis sollte man am Morgen einnehmen, da dies dem natürlichen Verbrauch des Körpers angepasst ist. Kortison darf man auf keinen Fall plötzlich absetzen. Dies kann zu schweren Herzrhythmusstörungen und zu schweren Störungen des Stoffwechsels führen.

Eine zu hohe Dosierung zeigt sich an in einem Brennen der Speiseröhre wegen Übersäuerung des Magens, vorausgesetzt man hat die Ernährungsregeln eingehalten (siehe Punkt b und c). 

b) Die Ernährung

Folgende Getränke sind insbesondere bei Behandlung mit Kortison schädlich für den Magen und verändern teilweise auch den Wirkungsverlauf: Alkoholische Getränke, Getränke, die Kohlensäure enthalten, und Aufputschmittel jeder Art. Heiße Getränke, denn sie erwärmen die Magensäure und heiße Säure wirkt stärker.

Bei Cortison wird empfohlen viel Gemüse zu essen. Nicht zu viele Süßigkeiten. Ein wenig Obst und ab und zu Fleisch, Eier. Es kann sich auch als vorteilhaft erwiesen auf bestimmte Käsesorten und auf Milch zu verzichten, insbesondere auf Camembert oder Sorten mit Edelschimmel. Käse enthält eine Menge bakterieller Enzyme und hat einen hohen Fettanteil. Bei Fetten sollte man leicht lösliche Fette bevorzugen, z. B. Olivenöl, Butter. Fette, die beim Abspülen nicht mit warmem Wasser zu entfernen sind, sollte man meiden. Meiden sollte man z. B. Schokolade, Pommes Frites, hier sind oft. gehärtete Fette enthalten. Bei zu trockener Haut sollte man auf jeden Fall den Fettanteil in der Nahrung erhöhen. Als vorteilhaft hat sich auch ein bis zweimal in der Woche ein frisch gepresster Karottensaft erwiesen (ein Glas 0,25l). Ein zu hoher Obst-Konsum kann zu einer Übrtdäuerung des Blutes fühtren. Dies hat sich insbesondere beim Auftreten einer Iritis als vorteilhaft erwiesen.

c) Zusätzliche Medikamente

Da die beim Bechterew verwendeten Kortison-Präparate auf den Mineralhaushalt einwirken, muss man den Mineralverlust gelegentlich ausgleichen. Nahrung sollte man daher gut gesalzen zu sich nehmen. 

Um den Calcium-Mangel auszugleichen ist es empfehlenswert Calciumpräparate, aber auch andere Minerale einzunehmen. Caciummangel ist an der durch das Cortison verursachten Schlaflosigkeit erkennbar. Bei schwerem Mineralmangel kann es auch zu einem Nervenzusammenbruch kommen. Aber Vorsicht zu viel Kalcium kann zu Nierensteinen führen, insbesondere bei geringer Flüssigkeitsaufnahme.

Untersuchen sollte man auch, ob ein Eisenmangel vorliegt. 1979 habe ich anlässlich der Schwangerschaft meiner Frau auch mal das Eisenpräparat Ferrofolgamma eingenommen. Die Wirkung war erstaunlich. Am nächsten Morgen war die sonst übliche Morgensteifigkeit weg. Bei zuviel Eisen kann es allerdings asthmaähnlichen Beschwerden kommen und nachts können Hitzewallungen auftreten. Falls man es in geringerer Dosierung braucht empfiehlt sich ein Präparat in Tropfenform, das man zusammen mit Getränken einnehmen kann (vorher das Fläschchen gut schütteln). Eisen benötigt der Organismus u.a. zur Bildung des Hämoglobins der roten Blutkörperchen.

Ein wichtiges Mineral ist auch Schwefel. Schwefel benötigt der Organismus u.a. zur Bildung des Pankreas-Hormons Insulin (Hormon der Bauchspeicheldrüse, das bei der Verarbeitung von Zucker im Organismus eine entscheidende Rolle spielt). Auch bei Schwefelpräparaten besteht bei zu häufiger Einnahme die Gefahr von Nierensteinen.

Daneben ab und zu (ein bis zweimal im Monat) ein Multivitaminpräparat mit Mineralen (Eunova oder Tetesept A-Z >in one<). 

Minerale sind wichtig für die Bildung von Hormonen und Enzymen, da das reaktive Zentrum von Hormonen und Enzymen häufig mit einer mineralischen Substanz besetzt ist. Aber Vorsicht zu viele Minerale können zu Nierensteinen führen. Ebenso, wie auch Vitamine, im Überfluss genommen, schädlich sind.

Hier sollte man sich an Ärztespruch erinnern: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Bei akuten Schüben hat sich auch ein Tee aus Teufelskralle bewährt (Teltonal, ein Extrakt der Wurzel der Teufelskralle). Die eben genannten Medikamente abgesehen vom Kortison kann der Arzt nicht verschreiben, da sie die Krankenkasse nicht ersetzt.

3. Vorwarn-Effekte

Eine Iritis kündigte sich mit brennenden Augen und starker Müdigkeit an. Ein akuter rheumatischer Schub (Bechterew-Schub) an den Gelenken kündigt sich an mit einer leichten Verkrampfung der Muskulatur und mit einer Abkühlung der Region um das Gelenk (Reaktion auf die Atemnot der Zellen infolge der Stoffwechselbelastung). Bei einem akuten Schub ist das Gelenk dann durch die Entzündung heiß. Besserungsperioden kündigen sich bei mir durch extremen Durst an.

4. Entlastung des Stoffwechsels

Da der Bechterew, wie alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises eine Stoffwechselerkrankung ist, sollte man jede Belastung des Stoffwechsels vermeiden und alles tun, was den Stoffwechsel ankurbelt.

Ein wesentlicher Faktor, der den Stoffwechsel belastet, sind Umweltgifte. Meiden sollte man daher Autoabgase und Zigarettenqualm.

Das Nikotin der Zigaretten wirkt auf die Kapilargefäße. Es führt zu einer Verengung der Kapilargefäße und damit zu einer schlechteren Durchblutung. Zigarettenraucher erkennt man daher häufig an ihrer fahlen Gesichtsfarbe.

Zur Vermeidung von Autoabgasen sollte man jeden Gang zu Fuß erledigen und auch Umwege durch wenig befahrene Straßen in Kauf nehmen. Dadurch erhöht man gleichzeitig sein Bewegungspensum.

Das Fenster sollte man insbesondere im Winter bei Windstille nach Sonnenuntergang geschlossen halten und erst zwei Stunden nach Sonnenaufgang wieder öffnen. Grund: Bei Windstille steigt insbesondere im Winter der Abgaspegel der Luft an. Durch den Wegfall der Thermik sinkt nachts der Smog auf die Stadt herab.

Bewegung ist insbesondere für die Ernährung der Knorpel zwischen den Gelenken wichtig. Durch Be- und Entlastung werden die Knorpel zwischen den Gelenken besser mit Nährstoffen  versorgt. Daher langes Stehen und langes Sitzen vermeiden. Beim Sitzen in gewissen Abständen die Haltung verändern. Keine verkrampfte Haltung einnehmen, nur weil man gehört hat, dass man aufrecht sitzen sollte. Ab und zu frei (nicht angelehnt) sitzen. Dies verbessert die Durchblutung des Rückens. Stoßbelastungen wie Skifahren, Springen, Wasserskifahren vermeiden. Gesunde Sportarten sind Wandern (mit Pausen jede halbe Stunde, maximal 2 Stunden am Tag).

Schwimmen/Baden in warmen Wasser (maximal 2 Stunden pro Tag). Das Wasser dringt dabei durch die Poren der Haut und wird dadurch reinigend.

Wenn man keine Probleme mit Herz und Kreislauf hat, ist auch ein Besuch in er Sauna empfehlenswert. Ansonsten im Dampfbad. Mit dem Schweiß wird auch eine Menge an Stoffwechselprodukten aus dem Körper entfernt.

5. Behandlung einer Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut des Auges)

a) Allgemeines

Als Begleiterscheinungen des Bechterew können Iritis und Sporiasis (Schuppenbildung der Haut) auftreten. Bei einer Iritis sollte man unbedingt das Auge ruhig stellen. Am besten liegen, das entzündete Auge mit einer Augenklappe mit Augenkompresse verdecken und vielleicht auch noch das zweite Auge schließen. Nicht Fernsehen! Beim Fernsehen, insbesondere bei schwacher Nebenbeleuchtung, ist die Iris (Regenbogenhaut des Auges) durch den raschen Helligkeitswechsel extrem stark belastet, da sich die Iris wie die Blende eines Fotoapparats ständig dem Helligkeitswechsel anpasst. Stark belastet wird die Iris ebenfalls durch den raschen Helligkeitswechsel beim Autofahren.

b) Medikamente

Die heute noch übliche behandlung führt zu folgenden Problemen.  Die kortisonhaltige Salben können zu Erscheinungen führen, die dem grünen Star ähnlich sind. Insbesondere beim Helligkeitswechsel sieht man dann nur noch farbige Ringe. Die Gefahr eines Glaukoms (grüner Star) ist bei dieser Behandlung bekannt. Das Atropin, sowie das Alternativ angebotene Scopolamin führten führen meist nach einer Woche zu Gegenreaktionen des Organismus. Es kommt dann zu schmerzhaften Verkrampfungen des Auges, die nur noch mit einer Erhöhung der oral eingenommenen Kortisondosis aufgelöst werden können.

Daher empfiehlt sich  folgendes Behandlungbehandlungskonzept:

1. Um die Iris beweglich zu halten kratzt man von einer frischen Butter die oberste Schicht ab. und nimmt dann aus der Mitte der abgekratzen Stelle ein kleinen Stück Butter heraus, das man auf auf dem geschlossenen Augenlied zergehen lässt (nicht ins Auge geben, Butter ist meist leicht gesäuert).

2. Die Kapseln mit dem Trocknextrakt der Teufelskralle (Medikament Teltonal) löst man in abgekochtem Wasser auf. und mache daraus ein Getränk, Dosierung gemäß der Packungsbeilage.

3. Soweit wie möglich in abgedunkelten Räumen aufhalten am besten im Schlafzimmer auf, möglichst mit geschlossenen Augen. Das sorgt dafür, dass die Iris weit geöffnet bleibt.

4. Die die Decortin H Dosis von 5 auf 10 mg täglch erhöhen (Früh und Mittag oder sogar am Abend eine Tablette, wobei man keine Schlafmittel nehmen darf, denn das Kortison bewirkt, dass man nachts die Toilette aufsuchen muss.

5. Da die Ursache einer Iritis oft mit einer Übersäuerung des Blutes zusammenhängt, soll man den Obstkonsum reduzieren. Ein bis zwei Tage kein Obst.

c) Zusätzliche Versorgung

Nützlich sind auch Karotten. Sie enthälten mit dem Carotin eine chemische Vorstufe des Vitamin A. Aber auch hier gilt: Allzuviel ist ungesund, denn das Vitamin A wird nur sehr langsam abgebaut.


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