Ludwig Feuerbach

Sein Leben - Seine Philosophie


Ludwig Feuerbach, einer der bedeutendsten deutschen Philosophen wurde am 28. Juli 1804 als vierter Sohn des Hofrats und Juraprofessors Anselm Feuerbach und seiner Frau Wilhelmine (geb. Förster) geboren.. Die Liebe zur Philosophie hatte er wohl von seinem Vater geerbt, der selbst ursprünglich Philosoph werden wollte und in Jena 2 Jahre Philosophie studiert hatte. Sogar einen Doktortitel hatte er erworben, hatte dann aber mehr aus der Not heraus - seine Frau erwartete ein Kind - Jura studiert. Die Juristerei war ihm von seinem Elternhaus her vertraut und diesem Beruf widmete er, der Vater von Ludwig Feuerbach sein ganzes Leben.

Als Ludwig Feuerbach geboren wurde war sein Vater bereits ein angesehener Mann. Als Professor in Kiel und als Syndikus der dortigen Universität hatte er bereits verschiedene juristische Schriften verfasst. Schriften zur Strafgesetzgebung, aber auch eine gesellschaftskritische Schrift mit dem Titel "Anti-Hobbes oder über die Grenzen der höchsten Gewalt und das Zwangsrecht der Bürger gegen den Oberherrn (Hobbes: englischer Philosoph, der die unbedingte Autorität des Staates und seines Oberhauptes propagierte). Mit dieser kritischen Schrift geriet er selbst in Verdacht ein Demokrat zu sein. Vor  allem nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Reichs wurde ihm diese Schrift immer wieder von Intriganten vorgehalten.

Trotzdem hat ihn der bayerische König nach Landshut geholt. Die Angst, das Volk an fortschrittliche Kräfte zu verlieren, war wohl größer. Anselm Feuerbach gelang es später das bayerische Strafrecht zu reformieren. Er orientierte sich dabei am so genannten "Code Napoleon", dem Strafgesetzbuch Napoleons, das noch heute die Grundlage des französischen Rechtssystems ist. Anselm Feuerbach gelang es immerhin die Folter abzuschaffen. Die Abschaffung der Prügelstrafe ließ sich jedoch nicht durchsetzen. Auch seine anderen Vorschläge für einen humanen Strafvollzug wurden nur zum Teil verwirklicht.

Nun zu Ludwig Feuerbach. Er wuchs in Landshut in einer Großfamilie auf (sieben Geschwister).  Aber für seine Ausbildung war, dank der hochrangigen Stellung des Vaters, gut gesorgt. Ludwig Feuerbach absolviert 1822 das Gymnasium in Ansbach. Er entschließt sich für ein Theologiestudium in Heidelberg, das er jedoch ein Jahr später abbricht. Die Argumentation der Theologen erschien ihm wohl bereits damals zu widersprüchlich. 1824 beginnt er ein zweijähriges Philosophiestudium in Berlin, hauptsächlich bei Hegel. Da er kein reiner Theoretiker bleiben wollte, studiert er 1827 noch Botanik, Anatomie und Physiologie in Erlangen. 1828 promoviert Feuerbach mit der Arbeit "De ratione una, universa, infinita (über die eine, universelle und unendliche Vernunft). Drei Jahre lang ist er nun Privatdozent in Erlangen. In dieser Zeit entstand seine satirische Schrift "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit", die sofort konfisziert wurde. Diesen Angriff auf die Kirche bezahlte Ludwig Feuerbach mit dem Ende seiner akademischen Laufbahn.

In den Jahren 1832 bis 1836 hält er Vorträge und veröffentlicht seine "Darstellung, Entwicklung und Kritik der Leibnizschen Philosophie". 1837 heiratet Ludwig Feuerbach und lebt nun ohne offizielle Verpflichtungen auf Schloss Bruckberg bei Ansbach. Seine Frau ist an einer Porzellanmanufaktur beteiligt. Die Geburt einer Tochter macht das Familienglück perfekt.

1841 erscheint sein Hauptwerk "Das Wesen des Christentums". Mit diesem Werk profiliert er sich als Religionskritiker. Das Werk, ursprünglich nur für einen kleinen philosophisch gebildeten Leserkreis gedacht, verbreitet sich in ganz Deutschland und macht Feuerbach berühmt. Bereits zwei Jahre später folgt eine zweite Auflage. Feuerbach spürt allerdings auch den wachsenden Druck kirchlicher Kräfte. In dem Vorwort zur zweiten Auflage schreibt er u. a.: "Ich habe es mit dieser Schrift mit Gott und der Welt verdorben. Ich habe die "ruchlose Frechheit" gehabt schon in dem Vorwort auszusprechen, dass auch das Christentum seine klassischen Zeiten gehabt habe und nur das Wahre, das Große, das Klassische würdig sei gedacht zu werden. Das Unwahre, Kleine, Unklassische aber vor das Forum der Satire oder Komik gehöre."

Feuerbachs Religionskritik, die mit Zitaten namhafter Kirchenlehrer gespickt ist, wurde von den revolutionären Bewegungen der damaligen Zeit (Demokraten, Sozialisten, Kommunisten) begeistert, aber nicht unkritisch aufgenommen.

Auch Karl Marx hat das Wesen des Christentums gelesen und sah darin Ansätze für seine eigene Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Er kritisiert allerdings an Feuerbach, dass er zu sehr das einzelne Individuum und zu wenig die Gesellschaft zum zentralen Gegenstand seiner Überlegungen macht.

Feuerbach spielt bei den revolutionären Bewegungen von 1848 keine aktive Rolle. In der Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt waren Professoren, Richter, Anwälte, Lehrer und Geistliche, aber keine Handwerker und Bauern. Dieses Gremium aus dem bürgerlichen Lager  wollte gesellschaftliche Missstände mit einer neuen Verfassung bekämpfen und den Weg für eine moderne Demokratie frei machen. Ziel war aber auch die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei. Die Verfassung wurde jedoch von den deutschen Fürsten nicht anerkannt und schließlich, ein Jahr später, wurde die Nationalversammlung mit Waffengewalt aufgelöst. Damit war nun jedoch jedem klar geworden, dass die Fürsten den friedlichen Wandel nicht wollten. Es kam zu Aufständen, die wiederum mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. In dieser Zeit wurde auch Ludwig Feuerbach polizeilich überwacht und musste sogar eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen.

An der Abwehr liberalen und kommunistischen Gedankenguts beteiligten sich auch die Amtskirchen in ihrem ureigensten Interesse. So musste nun Ludwig Feuerbachs Tochter auf Anordnung des Gerichts den Religionsunterricht besuchen.

Ludwig Feuerbach versucht diesem Trend entgegenzuwirken, indem er seine Schriften verbreitet. 1849 erscheint eine weitere Auflage seines Buches "Das Wesens des Christentums", 1851 das Buch "Das Wesen der Religion", 1857 veröffentlicht Feuerbach "Die Theogonie".

Das Jahr 1860 wird für Feuerbach zum Schicksalsjahr. Er muss aus finanziellen Gründen Schloss Bruckberg verlassen und fristet nun ein eher kärgliches Dasein in Rechenberg bei Nürnberg. Aber sein Fleiß ist ungebrochen. 1866 erscheint sein Werk "Gottheit, Freiheit, Unsterblichkeit". 1868 vollendet er seine "Moralphilosophie" 1870 tritt Feuerbach der jungen sozialdemokratischen Partei bei.

Die entbehrungsreiche Zeit in Rechenberg führt zur Erkrankung Ludwig Feuerbachs. Am 13. September 1872 stirbt Ludwig Feuerbach in Rechenberg. Das Denkmal, mit dem die Sozialdemokraten Anfang des 20. Jahrhunderts Ludwig Feuerbach ehrten, trug die schlichte Inschrift: "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde". Dies ist auch der Grundgedanke seines Lebenswerks. Dieses Denkmal auf dem Rechenberg wurde 1933 von der SA zerstört. Erst 1955 wurde es gegen den Protest der beiden Amtskirchen, wieder auf dem Rechenberg errichtet.

Feuerbach war und ist aus mehreren Gründen für die Kirchen gefährlich. Zum einen stammte er aus einer angesehenen Familie, die freundschaftliche Verbindungen zu zahlreichen einflussreichen Persönlichkeiten unterhielt. Seine Sprache ist die eines Aristokraten. Zum anderen baute er seine Argumentation mit Zitaten anerkannter Theologen und Kirchenlehrer auf. Gelegentlich zitiert er auch die Bibel und stellt deren Widersprüchlichkeit und Naivität bloß. Auf diese Weise zerstört er das Fundament der Theologie.

Quellenverzeichnis: "Die Familie Feuerbach" von Herbert Eulenberg (1924); Brockhaus Lexikon; "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde" ausgewählte Texte Ludwig Feuerbachs von Werner Schuffenhauer (1958) Dietz Verlag; "Feuerbach - Gegensatz von materialistischer und idealistischer Anschauung" von Marx und Engels 1846 handschriftlich abgefasst 1987 Dietz Verlag; "Feuerbachs Religionskritik" von Manuel Kellner isp Verlag 1988


Aus den Freigeistigen Betrachtungen des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Bayern K.d.ö.R.
im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW
am Sonntag, den 11. Juli 2004 um 7.05 Uhr

Autor: Helmut Steuerwald

Ludwig Feuerbach ­ Bayerns bedeutender Philosoph mit Weltgeltung

"Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat!"

Einen recht schönen guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

Es mag verwundern, dass zu Beginn freigeistiger Betrachtungen einige Worte aus den Evangelien - hier nach Lukas - gebracht werden. Nun, dass Propheten - bedeutende Persönlichkeiten - in ihren Heimatländern nicht anerkannt werden: dies hat es immer gegeben. Dies trifft in ganz besonderer Weise auch auf den Philosophen mit Weltruhm Ludwig Feuerbach zu, der in Bayern geboren wurde und fast sein ganzes Leben hier verbrachte: Seine Werke sind in alle Kultursprachen übersetzt worden. Seine Ansichten zu Philosophie und Religion wurden von den großen Philosophen, Religionswissenschaftlern aber auch bedeutenden Politikern und Kulturschaffenden der letzten zweihundert Jahren sehr ernst genommen ob es sich um Friedrich Nietzsche, Richard Wagner, Karl Marx und Friedrich Engels, um Gottfried Keller, Heinrich Heine oder in neuerer Zeit um Martin Buber, Bertrand Russel oder Ernst Bloch handelt. An Feuerbach kommt man nicht vorbei. Auch die gegenwärtige Philosophie, ja auch die Theologie kommt an ihm nicht vorbei. Prof. Werner Schuffenhauer betont mit Recht: "Das Werk des Philosophen, Philosophiehistorikers und Religionskritikers Ludwig Feuerbach bezeichnet in der Philosophie des 19. Jahrhunderts einen Wendepunkt."

In Bayern laufen die Uhren anders und man versucht Ludwig Feuerbach weiter möglichst totzuschweigen und ihn zu desavouieren, sowohl von kirchlicher wie staatlicher Seite. Hier verbindet man mit dem Namen Feuerbach vor allem den Vater des Philosophen, Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach, der ein bedeutender Jurist war und sich gegen Folter und für ein humaneres Strafrecht einsetzte und Anselm Feuerbach ­ ein Neffe von Ludwig - der bedeutender Kunstmaler war. Doch Ludwig Feuerbach selbst, den bedeutendsten Spross der Familie - lässt man möglichst links liegen.

Ludwig Andreas Feuerbach wurde am 28. Juli 1804 in Landshut geboren. Auf Grund von Versetzungen des Vaters musste die Familie mehrmals umziehen: zunächst nach München, dann nach Bamberg, schließlich nach Ansbach wo Ludwig 1822 sein Abitur machte. Während seiner Schulzeit hatte ihn das Studium der Bibel fasziniert. Er hatte sich deshalb sehr den alten Sprachen Griechisch, Latein und Hebräisch gewidmet und plante Theologie zu studieren. Er begann dieses Studium auch 1823 in Heidelberg. Während des Studiums zweifelte er allerdings zunehmend an den Vorstellungen der Theologen und wurde kritischer gegenüber seiner eigenen bisherigen Weltsicht. Dies war der Hauptgrund, warum es ihn nun zum Philosophiestudium zog, und er wurde, dem Zeitgeist entsprechend, Anhänger der Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels. Er verließ Heidelberg 1824 und ging zum Weiterstudium nach Berlin.

Pragmatische Gründe - der Wegfall von Stipendien und die Notwendigkeit an einer Landesuniversität sein Studium abzuschließen - bewogen Ludwig Feuerbach 1826 Berlin zu verlassen und in Erlangen die letzen Studienjahre zu verbringen. Außerdem wollte er nun auch zusätzlich empirische Fächer studieren. In diesen Jahren befasst er sich auch sehr mit den Werken Giordano Brunos. Dessen Lehre und Engagement sind für ihn in vieler Richtung Vorbild. Immer kritischer wurden seine Einstellungen gegenüber den überkommenen religiösen Vorstellungen einerseits, aber auch gegenüber der Hegel´schen Philosophie andererseits.

Mit seiner Promotion und Habilitation erhielt er dann im Februar 1829 die Genehmigung, als Privatdozent an der Universität Erlangen Philosophie zu lehren. Von 1829 bis 1832 war er dann Privatdozent an dieser Universität.

1830 erschien in Nürnberg anonym sein Werk "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit". In diesem Buch wandte er sich gegen den Unsterblichkeitsglauben und forderte eine diesseitsbezogene Lebenseinstellung. Er griff in dem Werk schonungslos starre pietistische Einstellungen an, zeigte, dass er im Grunde mit dem Christentum bereits gebrochen hatte.

Als bekannt wurde, dass das Werk aus der Feder Ludwig Feuerbachs stammte, war es für die Obrigkeit klar, dass man ihm keine Professorenstelle in Bayern übertragen würde. In den folgenden Jahren wurden auch seine Bewerbungen sämtlich abgelehnt. Feuerbach ließ sich nicht beirren und weitere Werke erschienen in den folgenden Jahren.

Anfang der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts lernte Ludwig Feuerbach Bertha Löw näher kennen. Sie war Tochter eines Porzellanfabrikanten, der sein Werk im alten Schloss im kleinen Ort Bruckberg hatte. Dieser Ort befindet sich etwa 12 Kilometer von Ansbach entfernt. 1837 kam es zur Hochzeit.

Wie Feuerbach später betonte, fühlte er sich auf dem Dorfe wohl, traf sich mit den Bauern, saß mit diesen in der Dorfschenke und hatte wenig Sehnsucht nach den Städten der Umgebung wie Ansbach oder Nürnberg. Er schrieb: "Logik lernte ich auf einer deutschen Universität, aber Optik - die Kunst zu ‚sehen', lernte ich erst auf einem deutschen Dorfe."

Glückliche fruchtbare Jahre verbrachte der Philosoph in Bruckberg, und seine wichtigsten Werke erschienen auch in dieser Zeit. 1839 erschien Ludwig Feuerbachs Werk "Zur Kritik der Hegelschen Philosophie". Der Autor zeigte sich darin bestimmten Anschauungen seines ursprünglich großen Vorbilds gegenüber kritisch.

1841 erschien sein bedeutendstes Werk "Das Wesen des Christentums". Mit diesem grundlegenden Werk hat Ludwig Feuerbach größtes Aufsehen in seiner Zeit erregt - Anerkennung wie Kritik. Dieses zentrale Werk des Autors fasziniert bis in die Gegenwart, auch wenn heutzutage sicherlich manches anders gesehen wird und auch anders interpretiert wird. Im Abschlusskapitel des Werkes schreibt er:

"Wo die Moral auf die Theologie, das Recht auf göttliche Einsetzung gegründet wird, da kann man die unmoralischsten, unrechtlichsten, schändlichsten Dinge rechtfertigen und begründen."

Dass dieses Werk in einer Zeit der Reaktion, aber auch der zunehmend revolutionären Zeit des Vormärzes großes Aufsehen erregte wundert nicht. Sein anthropologischer Materialismus war bahnbrechend und richtungweisend für die weitere Entwicklung des Materialismus und beeinflusste auch verschiedene andere philosophischer Richtungen.

Am politischen Geschehen in diesen unruhigen Jahren nahm Ludwig Feuerbach interessiert teil, ohne sich bestimmten Gruppierungen anzuschließen Der junge Karl Marx bemühte sich bereits 1843 Feuerbach zur Mitarbeit für die "Deutsch-Französischen Jahrbücher" zu gewinnen. Ludwig Feuerbach lehnte dies ab. In den weiteren Jahren kristallisierten sich dann auch die unterschiedlichen Auffassungen beider Philosophen heraus. Karl Marx und Friedrich Engels stellten vor allem die ökonomischen und gesellschaftlichen Prioritäten in den Vordergrund, im Gegensatz zu Feuerbach, der weiter sein anthropologisches, auf das Individuum ausgerichtetes materialistisches Weltbild vertrat. 1843 erschien seine Schrift: "Grundsätze der Philo­sophie". Darin unterstreicht er seine Thesen eines anthropologischen Sensualismus und Materialismus und sieht die Bedeutung des Menschen sowohl als Individuum wie aber auch als Gemeinschaftswesen. So heißt es bei ihm:

“Einsamkeit ist Endlichkeit und Beschränktheit, Gemeinschaftlichkeit ist Freiheit und Unendlichkeit…"

Ludwig Feuerbach hat sich stets für die Gleichberechtigung der Frau eingesetzt, und dies in einer Zeit in der das patriarchalische Denken allgegenwärtig war. So schrieb er:

"Lassen wir die Frauen nur auch politisieren! Sie werden gewiß ebenso gut wie wir Männer Politiker sein, nur Politiker anderer Art, vielleicht selbst besserer Art als wir..."

Für den republikanisch eingestellten Philosophen war das Jahr 1848 bedeutend, er engagierte sich in dieser Zeit und unterstützte vor allem die Freiheitsideale und wandte sich gegen halbherzige Beschlüsse der ersten Nationalversammlung.

Auf Bitten vieler Studenten hielt Feuerbach in Heidelberg Ende 1848 Vorlesungen über "Das Wesen der Religion". Er hatte ein begeistertes Publikum. Neben etwa hundert eingeschriebenen Hörern konnten ihn dort viele Handwerker und Arbeiter von der Empore des Saales kostenlos hören.

Auch der bedeutende Dichter Gottfried Keller besuchte diese Vorlesungen und traf sich mit Ludwig Feuerbach. Er war tief beeindruckt von den Ideen des Philosophen, was sich auch in seinen weiteren Werken niederschlug.

Nach dem Niedergang der bürgerlichen Revolution von 1848/49 ging der Philosoph wieder zurück in sein Dorf Bruckberg. In diesen Jahren der Repression, der Unterdrückung der kulturellen Entwicklungen war für ihn kein Platz im institutionalisierten bürgerlichen Kulturleben. Auch wurde er polizeilich überwacht.

In den letzten zehn Jahren in Bruckberg gab er die Schriften seines Vaters heraus, schrieb aber auch weitere eigene Werke. 1860 verließ Ludwig Feuerbach mit seiner Familie Bruckberg, nachdem die Porzellanmanufaktur 1859 ihren Bankrott erklären musste. Verarmt zog die Familie nach Nürnberg. Man hatte eine mietgünstige Wohnung am Rechenberg, im östlichen Randgebiet Nürnbergs, gefunden. Er lebte in diesem Haus mit Frau und Tochter bis zu seinem Tode.

Enge Freundschaft verband Ludwig Feuerbach in den Nürnberger Jahren vor allem mit Konrad Deubler, den verkannten österreichi­schen Bauernphilosophen aus Bad Goisern, dem man erst in neuerer Zeit wieder mehr Beachtung schenkt. 1865 traf Deubler Feuerbach das erste Mal am Rechenberg. Zu einem Gegenbesuch in Bad Goisern kam es 1867.

Ludwig Feuerbach fühlte sich stets dem einfachen Volk verbunden - vor allem den Bauern. Zur Nürnberger Arbeiterschaft fand der Philosoph weniger Kontakt. Allerdings war er bereits gesundheitlich angeschlagen, als er nach Nürnberg umzog. In den letzten Jahren war er häufiger krank, erlitt einige Schlaganfälle, baute ab. Am 13. September 1872 verstarb er mit 68 Jahren.

Die Nachricht seines Todes verbreitete sich in der Bevölkerung Nürnbergs rasch. Die Bestattung am 15. September auf dem wunderschönen Johannisfriedhof in Nürnberg wurde zu einer Kundgebung ohnegleichen. Viele tausende Menschen begleiteten den Toten zur letzten Ruhestätte.

Zum 125. Geburtstag wurde in einem Aufruf, der vom Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe und vielen Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik unterschrieben war, der Bau eines Denkmals für den großen Philosophen gefordert und Mittel für dessen Errichtung gesammelt. Gegen den Widerstand der Kirchen, konservativer Kräfte und der stärker werdenden Nationalsozia­listen wurde schließlich das Denkmal errichtet und 1930 feierlich enthüllt. Das Denkmal trägt die Inschriften: "Dem Freidenker Ludwig Feuerbach zum Gedächtnis 1804 ­1872" und die Worte des Philosophen: "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde" sowie "Tue das Gute um des Menschen Willen."

Drei Jahre später, nach Hitlers Machtergreifung, wurde unter Führung des Nazi-Oberbürgermeisters Liebel das Denkmal wieder beseitigt.

Nach dem Ende der 12jährigen Nazidiktatur wurde mit Stadtratsmehrheit beschlossen das Denkmal wieder zu errichten. Obwohl das eigentlich ein selbstverständlicher Akt der Wiedergutmachung war, gab es heftigen Widerstand von Seiten der Großkirchen, einiger Sekten und Stadträten der CSU.

Nicht nur Philosophen und Wissenschaftler, sondern auch bedeutende Künstler und Dichter der Vergangenheit wurden von Feuerbachs philosophischem Werk beeinflusst; sie erkannten seine große Bedeutung. Auch in der modernen Zeit und der Gegenwart ist dies nicht anders. So schrieb der Schriftsteller Hermann Kesten, Ehrenbürger Nürnbergs und langjähriger Vorsitzender des PEN Klubs:

"Feuerbach war einer der mutigsten Menschen seines Jahrhunderts, der offen aussprach, was die klügsten und freiesten Denker zweier Jahrtausende nur verhüllt und verstohlen anzudeuten gewagt hatten."

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag. Lassen Sie mich schließen mit den Worten Feuerbachs:

"Ich wünsche nur, dass ich die mir ... gestellte... Aufgabe nicht verfehlt habe... Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits... gemacht zu haben."


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