Der Pfarrer von Arget

 


Textmarken: Der goldene Himmelsschlüssel,    Dreimal Hölle und zurück,    Von den grausamen Peinen des Fegfeuers,    Drey Tag im Geist in das Fegfeuer verzuckt,    Den dritten Tag nach seinem Tod zurückgekommen,    Mit Leib und Seel im Fegfeuer gewesen


Der goldene Himmelsschlüssel

Diese Geschichte stammt nicht von mir. So etwas könnte ich unmöglich schreiben. Trotzdem darf sie nicht fehlen, sonst könnte es sein, daß ich mir den Vorwurf machen müßte, keine ganze Arbeit getan zu haben. Auch die Überschrift ist unzutreffend und irreführend. Genau genommen, müßte sie lauten:

Dreimal Hölle und zurück

Anmerkung: Zur religionsgeschichtlichen Entstehung der Hölle siehe . . .

Weiter sei noch vermerkt, daß diese Geschichte bereits vor zweihundert Jahren zur Erbauung frommer Seelen veröffentlicht wurde. Der Inhalt ist so alt wie die Kirche und trotzdem auch heute noch hochaktuell. Kurz gesagt, es geht um die furchtbaren Ängste, welche in der Kirche von aller Anfang an bis zur Stunde geschürt werden. Nur eines hat sich zwischenzeitlich geändert. In unseren Tagen wird nichts mehr so dick aufgetragen, wie das früher der Fall war. Die Kirche hat gelernt, alles Angst machende in Watte zu packen, damit sich niemand daran stößt. Ein zweifelhaftes Verdienst der Theologie! So kommt es, daß viele Leichtgläubige nicht merken, was sie da mittragen auf dem Weg durch das Leben. Die folgenden Seiten sollen dazu beitragen, daß auch diese Blinden sehen.

Abschließend möchte ich Herrn Georg Vorndran aus München noch aufrichtig Dank sagen. Er hatte mir den Goldenen Himmelsschlüssel gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Druckarbeiten zur Verfügung gestellt. Aus einem Buch wie diesem hatte die JAGERBÄUERIN - und nicht nur sie! - ihren Aberglauben über das Fegfeuer bezogen.

Das erste Kapitel
Von den grausamen Peinen des Fegfeuers

Andächtige Seel! In diesem ersten Kapitel dieses Buchs will ich dir durch die Hilf der göttlichen Gnaden, mit Worten erklären, und mit Exempel vor Augen stellen, wie grausam die Peinen des Fegfeuers seyen, und wie theuer man in jener Welt seine Sünden bezahlen müsse: bitten, du wollest diese Materie aufmerksam durchlesen, und in deinem Herzen wohl erwegen.

Wisse, daß nach Meynung der Lehrer das Fegfeuer sey eine ungeheuer große Gruft in dem Steinfelsen der Erde, nahe bey und ober der Hölle, welche mit Feuer, Hitze, Gestank, Unsauberkeit, Finsterniß, Wurmen, Krotten und allen erdenklichen Quaalen über angefüllet ist. In diesem feurigen Kerker werden alle und jede in der Gnad Gottes hinscheidende Seelen, welche die Strafen ihrer Sünden nicht genugsam bezahlet, oder die Mackeln nicht völlig gesäubert haben, nach diesem Leben so lang aufgehalten, bis sie völlig gereiniget seynd, und alle Schulden bis auf den letzten Heller bezahlet haben. Dabey ist auch zu wissen, daß nicht alle strafmäßige Seelen in diesem allgemeinen Ort gepeiniget werden, sondern etliche haben ihr Fegfeuer an ändern Orten der Welt, oder in jenen Orten, in welchen sie bey ihrem Leben gesündiget haben. Welches der unerforschliche Gott nach seinem Gefallen angeordnet: wie aus vielen bewährten Geschichten bekannt ist, und aus der Lehre des heil. Thomä erscheinet.

Wie groß nun die Peinen des Fegfeuers seyn, mag nicht genug erkläret werden: gleichwohl lehret der heil. Augustinus, daß die geringste Pein des Fegfeuers größer sey, als die graste Pein dieser Welt: und daß eine Seel in einem Viertelstündlein mehr leide, als ein Mensch all sein Lebtag auf dieser Welt leiden könne. Derohalben so man zusammen nimmt alle Peinen, welche die Tyrannen den H. H. Märtyrern, und die Richter den größten Uebelthätern angethan haben, wie auch alle Krankheiten und Schmerzen, welche alle Menschen all ihr Lebtag gelitten, und alle Peinen, welche Christus in seinem bittern Leiden hat ausgestanden; so würden doch diese Strafen und Peinen alle zusammen, mit den Peinen des Fegfeuers nicht zu vergleichen seyn.

In meinem Ablaßbuch am fünften, sechsten und siebenten Kapitel hab ich ausführlich bewiesen, daß einige Seelen in einem Paar Augenblick eine tausendjährige Pein leiden, dieweil sie auf einmal gar viel Peinen zugleich ausstehen; und weil diese ihre Tormente so grausam seynd, daß sie allen menschlichen Verstand übersteigen. Diesen Beweisthum mag ich allhier Kürze halber nicht wiederholen, sondern bitte, du wollest dir dieß Ablaßbuch verschaffen, und gemeldte drey Kapitel aufmerksam überlesen, so wirst du gewißlich beyfallen, und wahr zu seyn erkenne, daß die liebe arme Seelen augenblicklich so viel leiden, als ein Mensch auf Erden in tausend Jahr leidet.

Wenn dann nun diesem also ist, o Gott! was müßen dann die arme Seelen in diesem feurigen Kerker leiden! Ach Gott! wie unbegreiflich groß muß dann ihre Marter und Quaal seyn! 0 Mensch! betrachte allhie die strenge Gerechtigkeit Gottes, deren er sich gebrauchet gegen seine liebe Freunde, und gegen seine auserwählte Kinder und Erben seines Reichs. Wer hat seine abgesagte Feind traktiret, wie Gott seine Freunde traktiret? Welcher Tyrann hat jemal den ärgsten Missethäter also hart gestrafet, als der erzürnete Gott diejenigen strafet, welche ihn nur mit einer geringen Sünde beleidiget haben? Ach, ach! ihr arme Seelen, was müßt ihr in jener Welt leiden! Ach, ach! ihr auserwählte Freund Gottes, wie theuer müßt ihr eure Schulden bezahlen! Der liebe gütige Gott wolle seinen Zorn über euch sinken lassen, und euch von eurer unleidentlichen Quaal bäldest erlösen.

Damit aber ein jeder desto klärlicher erkenne, was, wie lang, und warum die arme Seelen in dem Fegfeuer leiden müssen, als will ich dir drey wahrhafte Geschichten, von drey unterschiedlichen Männern, so im Fegfeuer gewesen, und wieder herausgekommen seynd, beschreiben. Davon der erste im Geist in dem Fegfeuer verzuckt, drey Tag und Nacht ausgeblieben ist. Der Zweyte ist nach seinem Tod vier Tag und Nacht lang mit seiner Seel in dem Fegfeuer gewesen. Der dritte aber ist mit seiner Seel in das Fegefeuer hinabgestiegen, und einen Tag und Nacht daselbst gepeiniget geworden. Alle diese drey haben nach ihrer Zurückkunft Wunderdinge erzählet, und der Nachwelt eine wahre Beschaffenheit des Fegfeuers ertheilet. Es seynd zwar diese drey Historien keine Glaubensartikel, sondern nur historische Geschichten, welche man ohne Sünde glauben, oder nicht glauben mag. Dannoch seynd es keine Fabeln, oder erdichtete Mährlein, sondern glaubwürdige Exempel, welche von einem fürnehmen Geistlichen, wie auch von dem hochw. Abt Petro Cluniacens, und dann von dem berühmten andächtigen Diony-sio Carthusiano (welcher 180 geistliche Bücher geschrieben, und viel Verzückungen und Offenbarungen gehabt) als wahrhafte Geschichten beschrieben worden. Er beweißt in seinem Büchlein de judicio particulari animarum durch 14. Artikel, nämlich von 19. bis auf den 33. Artikel, daß diese Historien der heil. Schrift, und Lehre der H.H. Väter gleichförmig seyn, und erötert daselbsten alle zweifelhalfte Punkten, so einer hiewieder einwenden möchte. Welche Beweisthümer ich allhier auslasse, dieweil sie den gemeinen Leuten zu hoch, und nur von Gelehrten mögen verstanden werden.

 

Die erste Historie

Von einem Mönch aus England, welcher drey Tag im Geist in das Fegfeuer verzuckt gewesen, und erschreckliche Ding gesehen hat.

In England war vor Zeiten ein gottseliger Ordensgeistlicher, welcher am grünen Donnerstag zu Abends im Geist verzuckt wurde, und bis auf den Osterabend in dieser Verzückung verharret. Als er nun wiederum zu sich gekommen, und von dem Abt befragt wurde, wo er gewesen sey, und was er gesehen habe? Sagte er unter ändern auch dieses.

Ich und mein Führer St. Nicolaus giengen in die Erden hinunter, in eine fremde, große und erschreckliche Landschaft, in welcher wir eine unzählige Menge Menschen sahen, so mit unterschiedlichen grausamen Tormenten gepeiniget wurden. Diese seufzten, weinten und heulten wegen Größe der Pein, führten eine so erbärmliche Klag, daß mir das Herz für Mitleiden krank wurde. Sie waren aber nicht verdammt, sondern in der Hoffnung der künftigen Erlösung: deßwegen sie dann auch ihre Marter mit großer Geduld übertragen. Ich hab allda so vielerley Arten die Peinen gesehen, daß ich nicht alle erzählen, noch ohne Schrecken daran gedenken kann. Dann etliche wurden in heißem Feuer verbrennt: andere wurden von den Teufeln an Bratspiesen gebraten, andere wurden von denselben mit glüenden eisernen Hacken so grausam zerhackt, daß ihnen das Fleisch von den Beinen, und die Glieder aus den Gelenken gerissen wurden. Andere wurden von abscheulichen stinkenden Wurmen zernagt, welche ihnen mit ihren giftigen Zähnen alles Fleisch von den Beinen hinweg fraßen. Andere saßen in ungläubig heißen Bädern, so aus geschmolzenen Pech, Schwefel und Erz und Bley gemacht waren: in welchen sie mit unsäglicher Hitze und Gestank gesotten und gepeiniget wurden. Etliche von diesen sprangen aus den Bädern wegen Größe des Schmerzens heraus: stießen sie aber die Teufel mit feurigen Gabeln und Hacken bald wieder zurück in das zerschmolzene Erz und Bley. Andere wurden mit ändern Peinen und Tormenten gepeiniget, und zwar ein jeder mehr oder weniger, nachdem er auf Erden mehr oder weniger gesündiget hatte.

Diejenige, welche in der Welt Vorsteher oder Obrigkeiten gewesen waren, wurden vielmehr gepeiniget, als die andere; dieweil ihnen alte Tormenten verdoppelt, oder vergrößert werden. Die Priester und Religiösen, die Layen und Weiber, sowohl geist-als weltliche, sah ich mit so vielen geringen Peinen gestraft werden, nachdem sie mit geringern Diensten und Würden waren erhebt gewesen. Ich sage es in der Wahrheit, daß ich alle und jede mit absonderlicher Schärfe in der Strafe habe gesehen an ihren Zungen gepeiniget werden, welche der ändern Richter oder Prälaten auf Erden gewesen waren. Unter allen ändern, welche ich gesehen, habe ich viele erkannt, so mir auf Erden waren befreundet oder bekannt gewesen: welche mich mit erbärmlichen Augen ansahen, und von mir Hülfe und Trost begehrten.

Diese Peinen aber, so ich alldorten gesehen, sind so unergründlich, daß keine einzige menschliche Zunge die geringste Pein genugsam mag aussprechen, noch ein einziger menschlicher Verstand die Vielfältig- oder Unterschiedlichkeit derselben begreifen; denn die arme Seelen wurden daselbst mit so vielfältiger nach einander folgender Marter gepeiniget, daß es unmöglich ist, alle dieselbe zu zählen. Gott ist mein Zeug, daß, wenn ich sehen sollte, daß ein Mensch, welcher mir und den Meinigen alle Schmach und Schanden, so einem Menschen auf Erden

könnten angethan werden, zugefügt hätte; ja wenn er mir auch meinen Vater und Mutter, sammt allen Befreundten, unschuldiger Weise hätte umgebracht, zu dieser Quaal sollte verurtheilt werden: so wollte ich lieber tausendmal, wenn es seyn könnte, für ihn den Tod leiden, als daß ich wollte zulassen, daß er solcher Marter sollte unterworfen werden; denn alles, was ich allda gesehen habe, überschreitet sogar alle Maaß und Weise aller erdenklichen Schmerzen, Aengsten, Bitterkeit und Armseligkeit, daß keine Vergleichung mit dieser oder jener Strafe zu machen ist.

Diese Worte des frommen Religiösen wolle ein jeder wohl beherzigen, und hieraus schließen, wie groß die Peinen des Fegfeuers seyen, und was für große Tormenten die Seelen allda leiden müssen. Dieweil dieser Mann Gott zum Zeugen nimmt, daß er lieber tausendmal für seinen ärgsten Feind wollte den Tod leiden, als ihn in diese erschreckliche Quaal kommen lassen, wie er auch sagte, das diese Peinen so groß und vielfältig seyn, daß kein Mensch dieselbe alle erzählen und mit seinem Mund aussprechen könnte: so müssen sie unaussprechlich grausam und unzählig vielerley seyn, wann sie kein menschlicher Verstand genugsam begreifen kann. Ach Gott! was müssen dann diese armen Seelen in jenem feurigen Kerker leiden! Ach wehe dann denjenigen, welche an diesen Ort kommen! O gütiger Gott! sey ihnen doch gnädig, und wegen des bittern Leidens Jesu Christi erlöse sie von ihren grausamen Tormenten. Nun wollen wir weiter anhören, was uns der Geistliche erzählen wird.

Nachdem ich nun (sprach er) diesen Ort genugsam mit größtem meinem Herzenleid gesehen hatte, so führte mich St. Nikolaus fort an einen ändern Ort des Fegfeuers, welcher viel erschrecklicher als der vorige war. Allda sahen wir ein gewaltiges tiefes Thal, in welchem ein sehr breiter u. tiefer Fluß war, aus welchem ein unaussprechlich stinkender Nebel aufstieg. Es war eine so dunkle Finsterniß und eine so unträgliche Kälte in diesem Thal, daß sich niemand dergleichen einbilden mag: dann die erschrecklichste Schneehagel, und Schauer herum tobten, und die allerschärfste Winde einem den Leib und das Eingeweid durchschnitten. So unleidentlich groß war diese entsetzliche Finsterniß und grausame Kälte, daß ich vermeinte, ich hätte all mein Lebtag nichts peinlichers gesehen noch gehört. Unweit von diesem kalten Teich war ein so gewaltig ungeheures heißes Feuer, daß ich vermeinte, seine Flammen schlugen bis in Himmel hinauf, und seine Hitz sollte alles Eisen in einem Augenblick zerschmelzen.

Es war allhier eine solche Menge der armen Seelen, daß sie nicht zu zählen waren, und ich ihre Menge anders nicht vergleichen kann, als einem großen ausfliegenden Immenschwarm. Diese elende Seelen wurden von den Teufeln in dieß grausame Feuer gestürzt, u. so lang darinn gehalten, bis man vermeinte, sie wären nicht allein glüend, sondern ganz und gar zerschmolzen. Alsdann nahmen sie die Teufel mit eisernen Gabeln aus dem Feuer, und warfen sie mit solcher Gewalt in den überaus kalten Teich, daß ihnen das Wasser über dem Haupt zusammen schlug. Was nun dieß für eine unerträgliche Pein war, mag kein menschlicher Verstand genugsam begreifen, dieweil die arme Seelen aus der äußersten Hitz in einem Augenblick in die äußerste Kälte geworfen wurden, und die zuvor ganz glüend zu seyn schienen; jetzt in einem Augenblick bis an das Mark erfrohren und für Größe der Kälte mit den Zähnen klapperten, und an allen Gliedern erzitterten.

Nachdem sie ganz zu Eis erfrohren waren, da fielen die leidigen Peiniger über sie her, packten sie mit ihren teuflischen Klauen grimmig an, warfen sie mit ihren Gabeln mit solcher Gewalt in das ungeheure Feuer, daß ihnen die Flammen hoch über dem Haupt zusammen schlugen. In einem Augenblick waren diejenigen, so zuvor gefrohrnes Eis zu seyn schienen, wie ein glüendes Eisen, und litten in dieser gählingen Veränderung der Quaal solche unerträgliche Schmerzen, daß auf Erden dergleichen nicht mögen erfahren werden. Man mag zwar eine geringe Gleichniß hievon haben, wenn einer gedenkt, wie schmerzlich wehe es einem thue, wann er aus einer großen Kälte gehling zu einem heißen Feuer geht; dieweilen ihm die Hitz solche beißende Schmerzen verursachet, daß er sich des laut Aufschreyens kaum enthalten kann. Gleichwohl ist dieser Schmerzen gegen jenen im geringsten nicht zu vergleichen, und möchte vielmehr ein Linderung, als eine Pein zu schätzen seyn, so man es mit jenem vergleichen wollte.

Eine weil stunden wir bey diesem Ort, und sahen aus großen Schrecken zu, wie die Teufel ohne Unterlaß die armen Seelen aus dem brennenden Feuer in den eiskalten Teich, und aus diesem Teich wieder in das Feuer warfen: und dieß hätten sie deßwegen desto öfter, ja ohne Unterlaß, damit die arme Seelen keine Ruhe haben, sondern mit stäter Abwechslung der Hitz und Kälte destomehr Peinen leiden sollten. Ich sähe allhier eine solche Noth, dessen ich mein Lebtag nicht vergessen werde: und das erbärmliche Heulen und Zähnklappern der leidenden Seelen hat mich sogar tief durchdrungen, daß ich dessen ohne großes Mitleiden nimmer mag bedenken.

Beherzige dieß, ein wenig, o frommer Christ! und in Erwägung dieser Pein tröste dich, wann du zu Winterszeit mußt Kälte leiden. Sprich dann zu dir selbsten: Meine Kälte ist noch nicht so groß, als die Kälte der armen Seelen im Fegfeuer, darum will ich sie Gott zu lieb gern leiden, und ihm in Vereinigung der Kälte, so Christus gelitten, zur Erlösung derjenigen Seelen, so die größte Kälte leiden, aufopfern. Trag auch in Beherzigung dieser schweren Peinen ein herzliches Mitleiden mit diesen Armen, und seufz zu Gott um ihre Erlösung, sprechend: O Gott! erbarme dich ihrer nach deiner großen Barmherzigkeit, und wegen der großen Kälte, so unser Herr Jesus am heil. Kreuz gelitten hat, ringere ihnen ihre Kälte und Hitz.

Nach diesem, (sprach der Religiös) führte mich mein Führer weiter an den dritten Ort des Fegfeuers, welcher mehr als man begreifen kann, grausam und erschrecklich anzusehen war. Ja, die Peinen desselben Orts waren so groß, daß keine menschliche Zung die geringste Pein aussprechen kann: denn wir kamen zu einem großen Platz, durch welchen ein Fluß von lauter geschmolzenem u. gewaltig stinkendem Schwefel floß, und ein dicker Nebel sammt einer Pechschwarzen Flamme über diesen Platz schwebte, der Boden aber dieses ganzen Orts war so voller Wurm, daß man wegen Menge derselben keine Erde sehen konnte. Diese Wurm waren wie lauter Mißgeburten, über alle Massen erschrecklich, abscheulich, giftig, stinkend, mit aufgesperrten Mäulern, aus der Nase eine schändliche Feuerflamme ausspeyend.

An diesem Ort sah ich wieder eine unzählige Menge der armseligsten Seelen, welche auf dem Boden über diesen Würmern lagen, und unsägliche Marter und Pein litten. Denn diese über alle Massen gefräßige Würmer krochen über die Armseligen her, zernagten ihr Fleisch mit einer unersäglichen Gefräßigkeit, und fraßen alles bis auf die Bein auf. Wenn nun das Fleisch dieser Elenden ganz aufgefressen war, dann wuchs es wieder durch göttliche Kraft in einem Augenblick, und wurde von neuem mit unsäglichen Schmerzen von diesen giftigen Krotten zernagt und zerfressen. Unter ihnen lagen zerbarste und todte Würmer, und Maden mit großem Haufen, welche mit dem Gestank ihrer verfluchten Fäule den ganzen Ort sogar erfüllen, daß dieser Gestank alle obbemeldte Peinen übertraf.

O was für ein Greuel muß das seyn, wenn eine arme Seele zwischen so vielen Würmern, Krotten, Eidexen, und dergleichen giftigen Ungeziefer liegen muß, ja mit demselben ganz bedeckt, und von demselben zerfressen werden. Es ist ja schier nichts auf Erden, welches dem Menschen solcher Grausen bringt, als wenn er ungefähr eine abscheuliche Krott oder Schlange, oder sonsten giftiges Ungeziefer antrift; dieweil sich seine ganze Natur darüber entsetzet, und ihm ein gewaltiger Schrecken zu Herzen stosset. Ach ihr arme Seelen, was müßt ihr doch leiden; ach wie theuer müßt ihr eure Sünden bezahlen!

Es liefen auch ganze Schaaren der Teufel über die Armseligen her, welche gleich als Rasende über sie wütheten, und ihnen nur alle erdenkliche Peinen anthaten: denn sie zerhauten selbe mit feurigen Beulen gliedweise von einander; und wenn die Elende also ganz zerstückelt waren, so wuchsen ihre Glieder wieder zusammen, und wurden von den höllischen Henkern aber u. abermal gliedweise zerhackt. Bisweilen rißen sie ihnen mit eisernen Hacken alles Fleisch von dem ganzen Leib, daß nichts mehr als die bloße Beine daran zu sehen waren. Bisweilen warfen sie selbige in hitzige Kohlfeuer, und ließen sie darinn schmelzen, gleichwie zerschmolzenes Metall.

Ich nehme meinen Gott zum Zeugen, daß alles, was ich von den Peinen dieses Orts sage, oder zu sagen begehre, wenig, ja schier

nichts zu rechnen sey, gegen dem, was es in sich ist: dann ich habe gesehen, daß die armen Seelen in kurzer Zeit hundert oder mehr unterschiedliche Dinge gelitten: so vielmal schier ganz zernichtet, und bald darauf von neuem ergänzt wurden, und abermal wieder zu kleinen Stücklein zerhackt, und bald wieder an einander gewachsen sind. Es war auch die Hitze und Gefräßigkeit dieses Orts so groß, daß alle Feuer dieser Welt dagegen zu rechnen, laulich zu seyn scheinen.

Beherzige, o Sünder! diese Worte, und erwege bey dir die Grausamkeit der Tormenten, so die arme Seelen im Fegfeuer leiden müssen. Wie erschrecklich ist es, wenn man sieht einen armen Sünder radbrecht, oder vom Henker an Händen und Füssen gestümmelt werden. Wie viel grausamer aber ist es, wenn einem ein Glied nach dem ändern abgehauen, oder mit einer Säge soll abgesägt werden? Dieß aber widerfährt den armen Seelen im Fegfeuer in kurzer Zeit viel hundertmal, wie dieser Geistliche und neben ihm viele andere in ihren Verzückungen gesehen haben, und zwar mit weit größern Schmerzen, als es einem Menschen auf dieser Welt widerfahren könnte. Wie es aber geschehen könnte, daß eine Seele, so keinen Leib hat, könne leiblicher Weise gepeiniget, zerstückelt werden, darüber disputiret gemeidter Dionysius Cartusianus, in seinem Büchlein von dem absonderlichen Urtheil der Seelen, am 8. Kapitel. Die gemeine Aussag der Lehrer ist: daß, gleichwie dem höchsten Gott alle Dinge möglich sind: also sey ihm auch möglich, auf eine ihm bewußte, uns aber unbegreifliche Weise die Seelen leiblicher Weise zu peinigen. S. Roa. de fiatus animar. cap. 4. sagt, daß die leiblichen Peinen in der Seele heftigere Schmerzen verursache, als wenn sie dieselbe mit den Leibern, und in den Leiber litte. Der Mönch sprach weiter:

„In diesen Peinen wurden fürnämlich diejenige gepeiniget, welche sich in der sodomitischen Sünde versündiget hatten; dann diese abscheuliche Sodomiten wurden immerdar von großen feurigen und erschrecklichen Unthieren angefallen, mit deren vordem und hintern Füßen umfangen, und so grausamlich gepreßt und gedruckt, daß die armseligen Seelen für unmäßigen Schmerzen so laut schrien und heulten, daß man vermeynen möchte, sie würden in der ganzen Welt gehört." O ihr elende Sodomiten! beherziget dieß, und gedenket, wie es euch einmal in jener Welt ergehen wird! Dieß Laster ist so groß, u. ein solcher Greuel vor Gott, daß es vor Zeiten mit Feuer und Schwefel von dem erzünten Gott vertilget worden ist: und wird noch in jener Welt jeweilen bis an den jüngsten Tag abgestrafet, wie aus folgenden zu ersehen ist. Dann also lautet der historische Text: In diesen Tormenten sah ich einen, welcher mir in der Welt bekannt war, und ein berühmter Doktor in Rechten gewesen. Mit diesem hatte ich ein großes Mitleiden, u. fragte ihn, ob er einmal hoffe Barmherzigkeit zu erlangen. Er sprach mit erbärmlicher Stimm: Wehe, wehe, wehe, mir Armseligen! Ach wehe mir, das ich jemals gesündiget hab! Ich weiß, daß ich vor dem jüngsten Gericht keine Verzeihung erlangen werde. Unter den tausenderley Geschlechte der Tormenten aber, so ich täglich leide, peiniget mich nichts so sehr, als die unglückliche Vorstellung meine begangenen sodomitischen Laster, deswegen ich in Gegenwart, aller, so hier seynd, gewaltiglich zu Schanden gemacht werde; dann neben der unaussprechlichen Schärfe meiner Peinen werde ich mit unerträglicher Schmach verachtet, indem ich allen Gegenwärtigen wegen meines so großen u. schändlichen Lasters ein Greuel u. Abscheu werde. Wehe, wehe, mir Armseligen! Wehe, wehe, wehe mir, daß ich also gesündigt hab! Als er dieß geredet hatte, sähe ich daß er mit unzahlbaren Tormenten gepeiniget, und durch die Größe der Peinen gleichsam zu nichts gemacht wurde.

Neben diesem hab ich auch am ersten Orte der Pein einen Vorsteher eines gewissen Klosters gesehen, welcher in den größten Tormenten selben Orts war, u. bald im Feuer, bald in dem stinkenden Schwefel u. Pechbad die größte Schmerzen litte. Ich fragte ihn, warum er doch solche Peinen leiden müsse? er gab mir zur Antwort: Dieß muß ich vielmehr wegen den Sünden meiner Unterthanen, als wegen meine eigenen Sünden leiden, denn meine eigenen Sünden pflegte ich durch öftere Beicht, durch scharfe Disciplinen, durch inbrünstiges Gebeth, und viel andere Bußwerke zu büßen, und abzustrafen: meine Unterthanen aber hab ich nicht zu schuldiger Zucht gehalten, wegen einer Furcht, daß ich nicht meines Amts entsetzt würde: deßwegen wird meine Straf täglich vermehret, dieweil ihre Sünden, so sie wegen meiner Nachläßigkeit annoch täglich begehen, mir zugemessen werden. Dahero ich nicht wissen kann, wann meine Quaal ein End, und meine Erlösung einen Anfang haben werden. Als er dieß geredt hatte, wurde er wieder vom Teufel in das glühende Feuer versenkt.

Ach wie vielerley Peinen habe ich in diesen Orten gesehen welche ich nicht alle erzählen kann, wiewohl sie zu unserer Warnung der Erzählung wohl würdig wären. Denn die geringste Peinen, so man dort wegen läßlichen Sünden, als wegen eines unmäßigen Lachens, wegen eines vergeblichen Worts, und wegen eines eiteln Gedanken leiden muß, schienen mir sehr groß und schwer zu seyn. Ich habe allda gesehen, daß etliche immerdar brennende Kohlen im Mund trugen, und von diesen erbärmlich gepeiniget wurden, dieweil sie einige Krauter oder Gewürz, oder Früchte aus Lust genossen hatten. Ich habe auch etliche fromme Geistliche bittere Tormenten leiden gesehen, dieweil sie sich in der Schönheit ihrer Hände, und in der Länge ihrer Finger pflegten zu erlustigen. Ich habe auch etliche Aebt und Abtißinnen, wie auch viele Geistliche gesehen, so sehr schwerlich gepeinigt wurden, dieweil sie ihren Verwandten mit sinnlicher Liebe zugethan gewesen waren.

In diesen Tormenten habe ich einen Bischof gesehen, welcher heimlich in seinem Herzen sehr geistlich und andächtig gewesen war: denn er hatte seinen Leib mit einem sehr scharfen härenen Kleid, schmerzlichen Disciplinen, strengem Fasten, langem Wachen und ändern Bußwerken gepeiniget: welchem auch große Belohnungen im Himmel bereit waren. Ja Gott hat auch nach seinem Tod, wegen seiner Verdienste etliche Mirakel gewirkt, dennoch war er noch in der Quaal, dieweil er in seinem Amt durch etliche Nachläßigkeiten Gott erzörnet hatte.

Wer erschrickt nicht von uns, wenn er dieß mit Aufmerksamkeit lieset und beherziget. Ach Gott! wie wird es uns Armseligen einmal ergehen, die wir nicht allein kein strenges Bußleben führen, sondern täglich ohne Scheu u. Reue viele Sünden begehen, und in stäten Nachläßigkeiten unser Leben zubringen! 0 wehe uns! o wehe uns, und abermal wehe! ach wie viel schwere Peinen und Tormenten warten auf uns in jener Welt, und wie viel Jahre werden wir müssen brennen und braten, ehe wir unsere Sünden bezahlen werden. O wenn wir doch hierdurch gewitziget würden, und hinfüro behutsamer und frömmer lebten, damit wir nicht so gar tief in diesen Ort der Peinigung gerathen möchten! Ein jeder mache sich einen ernstlichen Fürsatz, sein Leben zu bessern, und rufe die Gnade Gottes treulich an, seinen gemachten Fürsatz ins Werk zu richten.

Nach diesen und dergleichen mehrern erzählten Peinen meldete dieser Religiös, wie ihn St. Nikolaus in das irdische Paradeis geführet, und wie vielerley Seelen von Bekannten und Unbekannten er allda gesehen habe. Welches ich deßwegen auslasse, dieweil ich allhier nicht die Freuden des Himmels, sondern die Peinen des Fegfeuers beschreibe.

Ex Dionyfio Carthufiano de 4. Novissimis Art. 7. in recentior. Edit. habetur an. 13. De poenis inferni. Et in libello de pari, judicio animar. art. 23.

 

Die zweite Historie

Von einem Soldaten Namens Tondalus, welcher den drittenTag nach seinem Td zurückgekommen und was er gesehen, und gelitten, erzählet hat.

In der vorigen Historie haben wir gemeldet, wie daß ein Geistlicher nur in der Verzuckung die Pein des Fegfeuers gesehen, aber in der That nicht erfahren habe. In dieser Geschieht aber wollen wir keinen geist- sondern einen weltlichen Menschen anziehen, welcher wahrhaftig gestorben und der Seele nach im Fegfeuer gewesen ist. Auch die Peinen nicht allein mit Augen gesehen, sondern in der That erfahren hat. Es wolle ein jeder die Historie aufmerksam lesen, und wohl zu Herzen führen, so wird sie hoffentlich nicht ohne Furcht abgehen.

In Irrland war vor Zeiten ein Soldat, Namens Tondalus, welcher bey seinem Leben auf soldatisch gelebt, und ziemlich viel Böses begangen hatte. Dieser wurde endlich krank, und verschied in Beyseyn etlicher seiner Mitbrüder an einem Mittwoch. Es wurde von etlichen an seinem Tod gezweifelt, dieweil noch ein wenig Hitze um das Herz verspüret wurde: und weil diese Hitze nicht vergieng, so schob man die Begräbniß auf, und ließ den Leichnam vom Mittwoch bis auf den Samstag liegen. Am Samstag kam der Verstorbene wieder zu sich, erschreckte mit einem ungewöhnlichen Geschrey alle Anwesende dermassen, daß sie alle von ihm ließen. Er aber rufte ihnen laut zu: sie sollten sich vor ihm nicht fürchten: dann obwohl er wahrhaftig todt gewesen, so sey er doch aus sonderlicher Schickung Gottes wieder lebendig worden: und sey nur gekommen, ihnen zu erzählen, was er in jener Welt gesehen und erfahren habe. Als nun eine große Menge der Benachbarten zugelaufen, fieng er an, folgendermassen zu erzählen sprechend:

„Als meine Seel von dem Leib abgeschieden, und nun erkannte, daß derselbe todt war, erinnerte sie sich ihrer Sünden, fieng an sich heftig zu fürchten. Sie wollte wieder in ihren Leib zurück kehren, konnte aber nicht wieder in selbigen. Da stund ich voller Angst und Schrecken, und wußte auf kein Ding mehr zu vertrauen, als nur auf die göttliche Barmherzigkeit. Unterdessen, da ich allda zwischen Hoffnung und Furcht stund, sieh, da sah ich eine solche Menge der unreinen Geister zu mir kommen, daß sie nicht allein das Haus, sondern auch alle Weg und Strassen anfüllten. Diese alle kirreten mit ihren Zähnen wider mich, u. droheten mich mit ihren Klauen zu zerreißen. In was für einem Schrecken ich allda gestanden sey, mag niemand genug erachten, dieweil ich alle Augenblick vermeinte, diese grimmige Geister würden mich fressen, und zerreißen.

In dieser meiner großen Noth rufte ich zu Gott, welcher mein Gebeth erhörte, und mir einen Engel zu Hülf sendete. Als nun meine Seel den Engel von fern zu ihr kommen sah, wendete sie sich ohne Unterlaß zu ihm, u. rufte ihn um Hülf an. Der Engel aber sprach zu ihr: Sey getrost, dann die Barmherzigkeit Gottes wird dir nicht mangeln. Du wirst aber etwas wegen deinen Sünden leiden, gleichwohl viel weniger, als du verschuldet hast, Folge nur mir nach, und was ich dir werde zeigen, das behalte wohl in deiner Gedächtniß; dann du wirst wieder zu deinem Leib kehren, und alles, was du gesehen hast, erzählen.

Alsdann giengen wir beyde einen weiten Weg stillschweigend miteinander, und kamen endlich zu einem tiefen, stinkenden, und erschrecklichen Thal. Dieses Thal ward eine lautere Flamm, und der ganze Boden war mit glühenden Kohlen dick bestreuet. In diesem Thal war ein großer feuriger Brunn, mit einem eisernen Deckel, welcher über alle Massen heiß und glühend war, und einen unerträglichen Gestank von sich gab. Allhier sah ich eine große Menge der abscheulichsten Teufel, und zugleich auch der armseligsten Seelen, welche von den bösen Geistern auf die glühende Platten geworfen, u. mit ihren eisernen Hacken so lang darauf behalten wurden, bis sie nicht allein glühend, sondern auch ganz ausgedörrt zu seyn schienen. Alsdann werfen sie selbige mit ihren Gabeln von dem Deckel hinweg, und legten sie auf die über den Boden gestreute Kohlen, gleichsam als zur Kühlung, damit sie allda die vorige Gestalt und Kräfte wieder bekommen, und zur neuen Pein tauglich werden sollten. Welches dann auch in kurzer Zeit geschehen, und die armseligen Seelen wieder auf ein neues auf den glühenden Deckel geworden worden.

Demnach ich mit großen Herzenleid diesem lebendigen Spektakel eine Weile zugesehen hatte, da führte mich der Engel auf einen sehr hohen, breiten und erschrecklichen Berg. Auf einer Seite dessen war ein stinkendes, finsteres, schweflichtes und über alle Massen heißes Feuer. Auf der ändern Seite aber war der allerkälteste See, Hagel, Eis, Sturmwind, und unerträgliche Kälte. Hier sah ich einen Jammer, darüber billig ein jedes menschliches Herz erschrecken muß, dann die grausame teuflische Peiniger hatten feurige eiserne Gabeln in ihren Klauen, welchen Sie die Seelen durchstachen, und aus dem glüenden Feuer herausnehmend, den ändern Teufeln, welche in dem kalten Eis stunden, darwarfen. Wann nun die Seelen in diesem kalten Ort ganz zu Eis erfrohren waren, so warfen sie die Teufel den ändern wieder zu, welche sie mit ihren Gabeln in der Höhe fiengen, u. wieder in das brennende Feuer warfen. Dieß hin- und herwerfen währte ohne Aufhören, die elende Seelen litten allhier so große Marter, daß keine menschl. Zung dieselbe mag aussprechen.

Nach einer Weile führte mich der Engel auf einer Seite des Bergs wieder hinab in ein anderes tiefes finsteres, stinkendes, erschreckliches Thal, in welchem eine große Menge anderer Seelen unterschiedlich und unaussprechliche Peinen litten. In diesem Thal war eine grausame Bestie, welche Acheron genennt wird, aus dessen Mund und Nasen ein unaussprechliches Feuer, und unvergleichlicher Gestank ausgieng; aus dessen Bauch und Rachen aber hörte man ein erschreckliches Heulen und Brüllen der Männer und Weiber, welche darinn gewaltige Tormenten litten. Dieß Thier oder Drach war einer ungeheuren Größe, und sein Maul und Rachen so entsetzlich weit, daß es schien, es könnte etliche tausend Männer auf einmal verschlucken. Da sprach der Engel zu mir: Von diesem Thier sagt die heil. Schrift bey Job am 30. K. Es wird einen ganzen Fluß auf einmal einschlucken, und sich nicht darüber verwundern: dann es hat noch das Vertrauen, daß der ganze Jordan, nämlich alle getaufte Menschen in seinen Rachen einfließen werden. In dem Bauch dieses Drachens waren allerhand wilde Thiere, oder vielmehr Teufel, als nämlich Hund u. Wolf, Bären, Löwen, Schlangen, Krotten u. unzählbare viele andere Mißgeburten, welche diejenige Menschen, die dieser Drach verschluckte, zerrissen, zerbissen, zerfrassen, und erschrecklicher Weise peinigten.

Als nun der Engel und ich vor diesem Thier stunden, sieh, da verschwand der Engel in einem Augenblick, und ließ mich allein bey diesem grimmigen ungeheuren Drachen stehen. O Gott! wie will ich aussprechen, wie mir zu Muth war, und was für unsäglicher Schrecken mich auf einmal überfiel; dann alsbald erschienen an selbigem Ort viele erschreckliche Teufel, welche mich als rasende Hunde anfielen, alsbald zu Boden warfen, mit ihren Zähnen zerbissen, und mit ihren teuflischen Klauen zerrissen. Andere schlugen auf mich mit feurigen Ruthen, und zerfetzten mich vom Haupt bis zu den Füßen.

Nachdem ich vermeinte, ich wäre genug von ihnen gepeiniget worden, sieh, da fieng mein Elend erst recht an, dieweil sie mir solche Marter zufügten, deren ich mein Lebtag nimmer vergessen werde; dann diese grimmige Teufel warfen mich mit solchem Gewalt in den Rachen des Drachens, daß ich ganz von ihm verschluckt, und in Mitte seines feurigen, stinken und abscheulichen Bauchs hineingezogen wurde. Was ich aber allda für Angst und Schmerzen gelitten hab, das kann ich nicht aussprechen, und niemand würde mir es glauben; dann es fielen auf einmal über mich her die rasende Hunde, die grimmige Bären, die reissende Wölfe, die grausame Löwen, die giftige Schlangen, die abscheuliche Krotten, und allerhand abscheuliches Ungezifer, welche mir nach ihrem teuflischen Haß und Muthwillen sogar auch die Gebeine ganz auffraßen und zernichteten. Kaum war ich ganz zerfressen, sieh, da ward ich wieder ergänzt, und von neuem abermal zermalmet. Ich litte auch solchen unerträglichen Gestank, Hitz, Kälte und andere Uebel, daß meine Seel hätte mögen verschmachten und vergehen. Ich hatte keine Hoffnung jemals aus dieser teuflischen Bestie heraus zu kommen sondern bildete mir nichts anders ein, wie mir dann die Teufel nichts anderes sagten, als daß ich immer und ewig in diesem lebendigen Kerker müsse verbleiben. Da fieng ich erst recht an zu zittern und zu zagen, und mit weinenden Augen Gott, und meinen Führer anzurufen.

Unterdessen kam ich in einem Augenblick aus dem Thier und, wußte nicht auf was Weiß dieß geschehen wäre. Ich kam wieder zu meinem Engel, welcher meiner wartete, und mich fragte, wie mirs ergangen sey? Da beklagte ich mich sehr über ihn, daß er mich verlassen, und den Teufeln über mich Gewalt gegeben hätte, Er aber sprach: „Dieß hattest du wegen deiner Sünden müssen leiden, u. hättest noch viel mehreres verschuldt wann dich Gott nach seiner Gerechtigkeit strafen wollte."

Alsdann führte er mich zu einem ungeheuren großen Backofen, aus welchem solche gewaltige Flammen ausschlugen, daß sie auf tausend Schritt alles, was sie antrafen, verzehrten. Vor diesem Backofen stunden viele Teufel in Schinder Gestalt, welche viele Beule, Messer, Sägen, Hobel und Bohrer in ihren Händen hatten, die Seelen damit zu schinden, und auf alle erdenkliche Weis zu peinigen. Wie wir dann mit Augen sahen, daß sie unzahlbare Seelen unter ihren Händen hatten, und sie erbärmlicher Weise zermarterten. Dann etlichen schnitten sie den Bauch auf, und dessen ihnen das Eingeweid heraus. Etlichen schindeten sie die Haut so unbarmherzig ab, daß sie auch das Fleisch zugleich damit abrissen. Etliche sägten sie mitten entzwey, andere hängten sie mit den Füßen auf, u. sägten sie nach der Länge in zwey Stück. Andere hieben sie mit den Beilen gliedweis von einander. Ändern zerspalteten sie das Haupt mit einem Henkers Schwert: etliche durchbohrten sie mit Bohrern an vielen Orten des Leibs: andere aber durchnagelten sie mit feurigen Nägeln an den Boden. In Summa, sie thaten den armen Seelen so vielfältig und schwere Marter an, dergleichen sich kein sterblicher Mensch einbilden mag. Man kann auch dieselbe nicht zählen, dieweil auf Erden solche nimmer sind erhört, noch erdacht worden. Diesem allem sah ich mit solchem Mitleiden zu, daß ich vor Herzenleid schier wäre verschmachtet, dann es war hier ein solcher Jammer zu sehen, welcher mit keinem Wort mag beschrieben werden.

O verstockter Sünder! bilde dir doch diese obenerzählte Tormenten ein, und erinnere dich dabey, was für ein Schmerz müsse seyn, solche ausstehen. Wenn du mit deinen Augen solltest sehen, einige schwere Sünder auf obbesagte Weise gemartert werden, so müßtest du dich erbarmen wenn sie schon deine ärgste Feinde wären. Ach warum erbarmest du dich dann nicht über die arme Seelen, welche alle diese Tormenten nicht allein nur einmal, sondern viel hundertmal ausstehen müssen? Erwecke doch ein herzliches Mitleiden gegen diese schmerzhaften Seelen, und nimm dir ernstlich für, inskünftig mehrer für sie zu bitten, als du jemal gethan hast. Sprich vielmal mit dir selbsten mit einem Seufzer: Ach ihr arme Seelen, was müßt ihr doch leiden; der liebe Gott wolle euch gnädig und barmherzig seyn.

Unterdessen sprach der Soldat: Da ich bey meinem Führer allda stunde, sprachen die Teufel zu dem Engel: Was bringest du uns allhier für einen? Gib ihn her, damit wir ihn ein wenig hobeln. Da sprach der Engel: Nehmet ihn hin, und peiniget ihn so lang, bis ich euch heiße aufhören. Alsdann ließen die Teufel mit allem Gewalt auf mich dar, und wiewohl ich mich an den Engel hielte, und mich aus allen Kräften widersetzte, dennoch wurde ich überwunden, und hinweg gerissen. Sie führten mich heulend und weinend auf den Schindplatz, warfen mich ganz unbarmherzig auf den Boden, schnitten mir erstlich die Haut ab, schnitten mir darnach den Leib auf, zerschnitten mich mit einer glühenden Sägen, und zerstückelten mich gliedweise mit feurigen Beulen. Was ich in dieser Marter für Tormenten gelitten habe, das weiß Gott allein; denn diese teufliche Peinen sind sogar über alle Natur, daß sie sich mit keinem Wort erklären lassen.

Demnach ich nun ganz zerstückelt war, wuchsen meine Glieder in einem Augenblick wieder zusammen, und die Teufel warfen mich mit großer Grimmigkeit in den brennenden Backofen. O Gott vom Himmel, was habe ich allhier gelitten! ach wie ist es möglich, daß ich ohne Lebensgefahr hievon mag reden, oder bedeuten. Dieß Feuer war kein irdisches Feuer, sondern unvergleichlich heisser: also, daß, wenn ein eiserner Berg in dieß Feuer sollte gestürzt werden, so würde er in ein paar Augenblicken zerschmolzen seyn. Also gieng es auch meiner armen Seel, welche in einem Augenblick so glüend war, wie ein glüendes Eisen, und schien sogar zerschmolzen zu seyn, wie ein zerschmolzenes Erz. In diesen heissen Flammen rufte ich mit flehendlicher Stimm meinen Engel um Errettung an, und bewegte ihn zu solchem Mitleiden, daß er dem Teufel befahl, mich heraus zu nehmen. Ich stunde vor ihm heulend und weinend, u. bath ihn durch das jüngste Gericht, er wolle mich nicht mehr den Teufeln übergeben. Da tröstete er mich, und sprach: Hinfüran wirst du keine Pein mehr ausstehen! gleichwohl ist noch viel übrig, das du sehen und ändern erzählen must. Fürchte dir aber nicht, dann es wird dir weiter kein Leid widerfahren.

Alsdann führte er meine Seele zu unterschiedlichen ändern erschrecklichen Orten, in welchen sie viele grausamere Tormenten gesehen: und zwar viele grausamere und unaussprechlich größere, als ich in den obgemeldeten Orten gesehen hatte. Ja er führte mich gar in die Hölle hinunter, und zeigte mir den obersten Luzifer in einer ungeheuren Größe und erschrecklichen Gestalt. Aus der Höll nahm er mich endlich heraus, u. führte mich über sich, und zeigte mir eine Mauer, welche rundum einen Ort beschloß. Durch die Pforten dieser Mauer giengen wir hinein, u. ich sah allda eine große Menge der Männer und Weiber, welche sehr traurig aussahen; dann es war an selbigem Ort sehr kalt, und ein durchschneidender Wind. Sie mußten auch Hunger und Durst, Regen und Hagel leiden. Ich fragte den Engel, was dieß für Seelen wären: Er aber sprach zu mir: Es sind Sünder, aber keine großen Sünder, welche sich in der Welt haben ehrbarlich gehalten, und einen christlichen Wandel geführt, sie seynd aber kalt in der Liebe des Nächsten gewesen, und haben ihre zeitliche Güter den Armen nicht, wie sie hätten thun sollen, mitgetheilet; deßwegen leiden sie die Kälte, und andere Peinen etliche Jahre lang, und alsbald werden sie zu der ewigen Ruhe geführt. Dieß sollen die Weltliche in Acht nehmen, welche so karg gegen die Armen sind, und ihnen oftmal nicht allein nichts geben, sondern sie auch mit rauhen Worten anfahren.

Von diesem Ort führte er mich zu einem verschlossnen Garten, zu dessen Thor wir hineingiengen, und sahen, daß es ein überaus schöner, wohlriechender, heller, lustiger, und mit allerhand lieblichen Blumen besetzter Ort war. In diesem war eine unzahlbare Menge der Männer und Weiber, welche fröhlich aussahen, und lustig zu seyn schienen. Denn allda war keine Nacht, und Kälte oder Hitze, sondern war ein immerwährender Frühling, entsproß allda der Brunn der lebendigen Wässer. Ich fragte den Engel, was dieß für Seelen wären? Und er antwortete mir: Hier wohnen lauter Fromme, aber nicht vollkommentlich Fromme, welche zwar von den Peinen des Fegfeuers errettet, aber noch nicht würdig seynd, den Heiligen zugesellet zu werden.

Was der Engel von diesen zwey letzten Orten meldet, das stimmt mit vielen Lehrern ein, welche dafür halten, das die Seelen, wann sie aus den Peinen des Fegfeuers erlößt seyn, nicht gleich gen Himmel fahren, sondern in dem irdischen Paradeiß, oder im Vorhofe des Himmels so lang aufbehalten werden, bis sie durch ein inbrünstiges Verlangen zu Gott würdig werden, sein liebreiches Angesicht anzuschauen. Dieß und noch viel mehrers hat gemeldter Tondalus von dem, was er in jener Welt gesehen, erzählt, wir aber wollen uns hiemit begnügen, und dasjenige, was wir gelesen haben, uns zu einer Warnung seyn lassen. Dionyf. Carthuf. de 4. Novif. Cap. 49.

 

Die dritte Historie

Von einem Soldaten welcher mit Leib und Seel im Fegfeuer gewesen, und Wunderding davon erzählt.

Christus gesagt, daß im Munde zweyer oder dreyer Zeugen alle Wahrheit, als wollen wir den zweyen vorigen Zeugen auch noch diesen Dritten hinzusetzen, und zwar einen solchen, welcher nicht nur in einer Verzückung, noch auch nur allein nach der Seele, sondern mit Leib und Seel zugleich im Fegfeuer gewesen, und erschreckliche Dinge gesehen und erfahren hat.

Als der heil. Bischof Patritius den Irrländern das heil. Evangelium predigte, und sie weder durch Wunderwerk, noch durch Drohung künftiger Strafen, noch auch durch Versprechung der himmlischen Freuden zum christlichen Glauben bekehren konnte, dieweil sie immerdar sagten, sie wollen solche Dinge, so er ihnen von der künftigen Welt predigte, durchaus nicht glauben, es sey dann eine Sach, das einer aus ihnen dergleichen Peinen u. Freuden mit Augen sähe, und ihnen wahrhaftig verkündigte. Da suchte der heil. Bischof Hilf bey Gott, und erwarb durch sein eifriges Gebeth, daß er ihm eine Grube zeigte, durch welche man in das Fegfeuer gehen konnte. Das zeigte der heil. Mann dem Volk an, und vermochte durch sein eifriges Zusprechen so viel, daß sich einige beherzte Leute hinein begaben, und etliche von denselben zurückkamen, und was sie gesehen und erfahren hatten, glaubwürdig erzählt hatten, durch welches große Mirackel das Volk den Irrthum verlassen, und den Glauben Christi angenommen hat. Nach gehends hat der H. Patritius diese Grub mit einer Mauer umgeben, und eine Abtey darauf gebaut, in welcher die Religiösen Gott dienten, die Schlüssel zu dieser Gruben hatten, u. diejenige, welche aus Bußfertigkeit

hineingehen wollten, wohl unterwiesen, und durch die Beicht und Kommunion dazu bereiteten.

Wann sich dann etwa einer hineinzugehen anmeldete, sprachen die Ordensgeistliche zu ihm: Du wirst diese Nacht erschreckliche Peinen und Anlauf der Teufel sehen und erfahren, sie werden dich aber nicht verletzen können, wofern du den Namen Jesus allzeit im Mund haben, und mit dem Herzen anrufen wirst. Wann du aber durch ihr Schmeicheln oder Bedrohungen dich wirst lasse abwendig machen, und den Namen Jesus nicht anrufen, so wirst du gewißlich zu Grund gehen, u. nicht mehr heraus kommen. Darnach setzten die gemeldeten Geistliche den selbigen Menschen gegen Abend auf die Gruben, verschlossen die Thür derselben wohl, und ließen ihn die ganze Nacht darinn. Des Morgens pflegten sie wieder zu kommen, und den Menschen herauszunehmen, fanden sie ihn dann nicht, so warteten sie weiter nicht auf ihn, wohlwissend, daß er gestorben wäre. Diese Grub hat eine geraume Zeit gewähret, und seynd viele hineingegangen, und wieder herausgekommen. Demnach aber der christliche Glaub genugsam bewähret war, ist von dem Bischof befohlen worden, hinfüro niemand mehr hinein zu lassen.

Unter ändern, welche hineingegangen, und wieder herausgekommen seyn, war ein Soldadt, Namens Oneus, welcher nach empfangener Beicht und Kommunion sich hineingewaget, und durch herzliche Anrufung des süßen Namen Jesus aus aller Gefahr errettet worden. Als er wieder heraus gekommen, erzählt er, wie daß, als er durch die giftige Gruben weit hieneingegangen, sey er erstlich auf ein großes Feld gekommen, in welchem ein schöner Pallast stand, und aus welchem vier hundert und fünfzehen heil. Männer zu ihm kamen, die ihm vorgesagt, was ihm begegnen würde, und wie er sich standhaft halten solle. Nachdem diese heilige Männer verschwunden, da erschienen ihm viel Teufel in erschrecklicher Gestalten, welche zu ihm sprachen: Kehre wieder um, du Verwegener, sonst wird es dir sehr übel gehen. Er aber sprach: Ich fürchte eure Drohworte nicht, sondern verlasse mich auf die Hilfe des allmächtigen Gottes. Auf diese Worte ergriffen ihn die Teufel, banden ihm Hand und Fuß zusammen, und warfen ihn in ein großes Feuer, er aber rufte mit Mund und Herzen den süßen Namen Jesus an, und durch die Kraft desselben wurde das Feuer ausgelöscht.

Alsdann nahmen ihn die Teufel bey den Armen, führten ihn in ein weites und dunkles Feld, und zeigten ihm die Peinen der armen Seelen, welche allda gepeiniget wurden. Erstlich sähe er gar viel, welche nach der Länge auf dem Boden auf ihren Angesichtern lagen, und mit vielen feurigen eisernen Nägeln an den Boden angenagelt waren. Auf diesen hupften die Teufel herum, zerfleischten sie erbärmlich mit feurigen eisernen Ruthen. Da sprachen die Teufel zu ihm: Dieß alles mußt du leiden, wofern du nicht wieder zurück kehrest. Als er aber sagte: Ich gehe nicht zurück, sondern verlasse mich auf die Hülfe meines Gottes. Da warfen ihn die Teufel zu Boden, und wollten ihn mit feurigen Nägeln annageln: als er aber schrie: 0 Jesu! komm mir zu Hülfe, flohen alle Teufel von ihm.

Von dannen gieng er fort, und kam an einen ändern Ort aller Schmerzen und Armseligkeit, in welchem unzahlbare Männer und Weiber, Alte und Kinder, nackend auf dem Rucken lagen, und mit Nägeln an den Boden angeheftet waren. Ueber etlichen von diesen saßen feurige Drachen, welche die Armseligen zerbißen und zerfraßen. Auf der ändern lagen ungeheure Schlangen, welche ihre Hälse und Arme, ja den ganzen Leib umringten, mit ihren Mäulern und Zähnen ihre Brüste zerbißen, und mit den Stacheln ihrer Zungen ihre Herzen durchstachen. Auf ändern saßen ungeheure feurige Krotten, welche ihre Köpfe in der selben Mäuler steckten, und ihre Zungen zernagten.

Es wolle doch ein jeder diese grausame und unmenschliche Peinen zu Herzen führen, und sich dabey erinnern, wie gewaltig streng die göttliche Gerechtigkeit sey. Ach! was muß das für eine Pein seyn, wenn einer mit feurigen eisernen Nägeln durch Hand und Fuß, durch Arm und Bein, durch Rucken und Bauch an die Erde angenagelt wird. Ach was muß das für ein Grausen seyn, wenn feurige Drachen, giftige Schlangen, und abscheuliche Krotten einem auf den Leib sitzen, die Brust zerbeissen, das Herz zerfressen, und die Zunge vergiften sollten. Kein Tyrann auf Erden thut seinen ärgsten Feinden solche Marter an, welche der liebvolle Gott seinen liebsten Freunden, so ihm etwas schuldig sind, anzuthun pflegt. Es wolle sich doch ein jeder nach Möglichkeit für Sünden hüten, und die schon begangene bey seinem Leben abbüssen, damit er nicht in jene Welt in die Hand Gottes fallen, und mit obgemeldter Marter gepeiniget werde.

Nach diesem führten die Teufel den Soldaten auf das dritte Feld, welches ebenmäßig mit unzähligen Seelen der Männer und Weiber, Jungen und Alten erfüllet war. Die alle waren von der Scheitel des Hauptes bis auf die Sohlen der Füsse, gar mit Nägeln durchschlagen, daß an ihrem ganzen Leib kein einiger Ort ohne Nagel war, Sie konnten für Größe des Schmerzes nicht reden, noch Athem schöpfen, sondern waren so kraftlos, und voller Peinen, als einer, der hart mit dem Tod ringet. Gleichwohl war dieß nicht genug, sondern sie wurden darneben mit einem gar kalten durchschneidenden Wind gepeiniget, und von den Teufeln mit feurigen Ruthen gegeißelt. Ach Gott! wie streng und erschrecklich ist deine Räch! daß du die armen Seelen so grausamlich magst peinigen und martern! Um desjenigen Willen, welcher über drey Stunden lang an dem Kreuz mit Nägeln angeheftet gehangen, erlöse doch solche arme Seelen von ihrer erschrecklichen Quaal, welche an jetzo im Feuer durchnagelt seynd.

Ferner führten die Teufel den Soldaten auf ein anderes Feld, welches voller Feuer war, und im ersten Augenblick ihm einen unsäglichen Schrecken einjagte. Allda sah er wieder eine unsägliche Menge der Menschen, unter welchen er auch sehr viel kannte, und mit mitleidigen Herzen ansähe. Dieser Ort war ganz mit Galgen und Rädern besetzet, an welchen etliche mit feurigen eisernen Ketten mit Füßen, etliche mit den Händen, etliche mit den Aermen, und etliche mit den Lenden hiengen. Aller derer Häupter hiengen unter sich, und waren in schweflichte Flammen eingedruckt: andere hingegen über die Flammen an eisernen Hacken, welche Hacken etlichen durch die Augen, etlichen durch die Ohren, etlichen durch den Mund, und etlichen durch die Brust, und etlichen durch die Geburtsglieder giengen. O Gott! was für ein Greuel! o Gott, was für ein Pein!

Weiter sähe er etliche, welche in schweflichten feurigen Backöfen verbrennt, etliche in eisernen Bratpfanen zerschmolzt, und etlich an glüenden Bratspießen gebraten wurden: andere wurden mit zerschmolzenem Erz übergössen, oder mit heißem Gift, und Galle getränket, und andere mit allerhand unerdenklichen Peinen gemartert. Das Heulen und Schreyen, das Seufzen und Jammern, das Weinen und Klagen aller und jeder war so groß und erschrecklich, daß es keine menschliche Zunge ausspreche, noch ein menschlicher Vertand begreifen kann. O wer mag dieses ohne Grausen anhören: wer mag es ohne Herzensdauer

betrachten! Wann einer solchen Peinen sollte nachdenken, so wäre es kein Wunder, daß er von Sinnen und Verstand käme. Aber noch ein größeres Wunder ist es, daß ein Mensch, der dieß weißt und glaubt, noch weiter sündigen mag, und sich vermessener Weise solchen grausamen Strafen unterwerfen.

Endlich kamen sie in ein großes, breites und grausamlich rauchendes Haus, dessen Boden war voller runden, mit geschmolzenen Metall erfüllten Gruben. In diesen siedenden Gruben und heißen Bädern saß eine große Menge allerhand Menschen, deren etliche bis an den Nabel, etliche bis an die Aerme, etliche bis an den Hals, und etliche bis an den Mund darinn versenkt. Was für Schmerzen aber diese armselige Seelen in diesen feurigen Bädern und geschmolzenen Erz leiden mußten, ist leichtlich zu erachten: dieweil ja auf Erden keine größere Hitz zu erdenken, als zerschmolzenes Bley, Eisen und Erz.

Darnach sah er ein Rad mit eisernen und feurigen Speichen, und Schienen, welches die Teufel schnell Umtrieben, und die arme Seelen, so unter dem Rad lagen, grausamlich zerknirschten, und zersetzten. Als er nun diesem Torment mit großem Schrecken eine gute Weil zusah, da wurde er von einem starken Wind zu einem reißenden, stinkenden und eiskalten Fluß getrieben, die göttliche Gnad aber hat ihn durch die Anrufung des Namens Jesu an das andere Gestadt getragen. Nachdem er hinüber gekommen, sah er einen feurigen Brunnen, aus welchem ganz feurige Menschen aufstiegen, doch allzeit wieder hinunter gestürzt wurden.

Endlich wurde er zu einem ändern Fluß geschleift, darüber eine hohe, enge und schlüpfrige Brücke geschlagen war, über welche er durch Antriebe der Teufel passiren mußte. Er machte das heilge Kreuzzeichen vor sich, rufte den Namen Jesu an, und gieng beherzt über die Brücke: wiewohl die Teufel mit feurigen Hacken nach ihm schlugen, und sich bemüheten, ihn hinunter zu stürzen. Als er glücklich hinüber kam, da erhebten die Teufel ein so schreckliches Geschrey, daß es ihm unerträglicher fürkam, als alle erlittene Peinen.

Nach diesem verließen ihn die Teufel: er aber gieng eine Weil fort, und sah vor sich eine große und hohe Mauer, von solcher Schönheit und kunstreichen Gebäu, daß alle Meister der Erden keine solchen machen könnten. In dieser Mauer war eine kostbare Pforte von Gold und Edelgesteinen gemacht, aus welcher ihm eine große Proceßion mit Kreuz und Fahnen, und mit vergoldenen Palmenzweigen entgegen kam, und empfiengen den Soldaten mit großen Ehren, und führten ihn mit süßen Gesang durch die Pforten in den herrlichen Ort. Alsdann sagten zwey Erzbischöf zu ihm:

Diese Landschaft ist das irdische Paradeiß, aus welchem Adam wegen seiner Sund ist verstossen worden. Wir alle seynd, durch die peinliche Orte, so du gesehen hast, zu dieser Ruhe hinüber gegangen, zu welcher auch alle, welche du in den Peinen des Fegfeuers gesehen hast, nach ihrer Reinigung kommen werden. Keiner von uns weiß, wie lang er hier verbleiben müsse, sondern verlangen mit großer Begierd nach den himmlischen Freuden. Und obschon wir von aller Schuld befreyet seynd, so seynd wir dennoch nicht würdig, zu der Freud der Heiligen hinauf zu steigen. Unsere Gesellschaft nimmt täglich zu und ab; dieweil täglich etliche aus dem Fegfeuer zu uns, und von uns zum Himmel hinauffahren. Weil du dann mit Augen gesehen hast,wie streng der gerechte Gott die Sünden strafe, deßwegen führe hinfüro ein frömmeres Leben; wofern du nicht willst die Peinen,

welche du gesehen hast, erfahren. So gehe nun wieder hin, wo du hergekommen bist, und erzähle alles, was du gesehen und erfahren hast.

Nach diesem gieng der Soldat zurück, und fand einen richtigen Weg zu dem Ausgang der Grube. Des Morgens früh wurde er von den Religiösen daselbst gefunden, und durch die eröffnete Thür herausgeführt. Alsdann erzählte er alle Sachen, so er gesehen und erfahren hatte, jagte allen seinen Zuhörern einen großen Schrecken ein. Er fieng hernach ein besseres Leben an, reisete als Pilgram nach Jerusalem, und in das heil. Land, wurd nach seiner Zurückkunft ein Ordensgeistlicher in Irrland, führte ein gar heiliges Leben, und starb selig im Herrn.

Hanc Hifloriam conscripsit etiam R. P. Gregorius Rau Societatis Jesu in libello titulato: Herold aus der andern Welt, cap. 4: Ex quo, quod in Dionysio deest, supplevi.


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