Der Pfarrer von Arget

 


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Schlussbemerkung

An einigen Beispielen sei noch aufgezeigt, worauf es mir in diesem Buch besonders angekommen ist.

Die alte JAGERBÄUERIN hatte ihren Mann nicht von mir beerdigen lassen, weil ich ihre Vorstellungen über das Fegfeuer als reinen Aberglauben abgelehnt hatte. Sie konnte mir das nicht verzeihen. Mit glühendem Ernst hatte sie mir damals vorgehalten: „Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." Dieser Ausspruch stammte natürlich nicht von ihr. Sie hatte ihn aus der Bibel. Im Brief an die Hebräer ist er nachzulesen (Hebr 10,31).

Für diese und viele andere Hoffnungslosigkeiten sind allein die Bischöfe verantwortlich. Sie wollen nicht einsehen, daß der Glaube einzig und allein für die Menschen da ist. Sie möchten uns immer noch weismachen, daß der Mensch für ihren Glauben dasein müßte. Dabei ist es mit dem Glauben, wie mit der Nahrung. Diese ist nur gut, wenn sie uns bekommt und uns neue Kraft verleiht. Auf keinen Fall darf sie uns schaden, oder zum Erbrechen führen. Ähnlich sollte auch der Glaube unser seelisches Leben nähren und stärken, auf keinen Fall aber zerstören.

Bei Matthäus heißt es: „Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?" (Mt 7,9). Darauf ist zu antworten: Die Amtskirche gibt ihren Gläubigen nicht nur Steine und Schlangen. Sie raubt ihnen auch die Hoffnung und füttert sie mit Ängsten. Für sie ist die Bibel wichtiger als der Mensch! Das ist mein Hauptvorwurf gegen die Kirche. Es kann nicht wahr sein, wenn es heißt:

„Fest soll mein Taufbund immer stehn. ICH WILL DIE KIRCHE HÖREN. Sie soll mich allzeit gläubig sehn UND FOLGSAM IHREN LEHREN!

Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat! Nie will ich von ihr weichen."

(Gotteslob, Nr. 848)

Auf weiten Strecken ist die Amtskirche zum Ärgernis geworden. Ein Unglück für die Menschen! Um ihren eigenen Einfluß in der Welt zu stärken, hat sie ihrem Handbuch, der Heiligen Schrift, eine göttliche Autorität verliehen. Gegen besseres Wissen behauptet sie felsenfest, es handele sich dabei um nichts Geringeres als um das Wort des lebendigen Gottes. Das ist ein weiterer Vorwurf, den ich dem Papst und den Bischöfen nicht ersparen kann.

Was als Offenbarung Gottes ausgegeben wird, hat schon manchen an den Rand der Verzweiflung gebracht. Nur ein Beispiel. Bei Matthäus heißt es: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel" (Mt 5,48). Auf dieses Wort hin hatte schon mancher versucht, seine menschliche Unvollkommenheit mit aller Macht zu überwinden. Er glaubte, vollkommen sein zu müssen, weil er nur so in den Himmel kommen würde. Diese Überforderung hatte nur Unglück gebracht. Das Vertrauen in Gott und in sich selbst wurde völlig zerstört. Von Erbarmung und Erlösung keine Spur!

Eine andere fromme Seele hatte sich einen Zettel in das Gebetbuch gelegt, auf den sie geschrieben hatte: „Betrachte jeden Tag als verloren, an dem du nicht für Jesus gelitten hast." Opfer bringen war für sie der einzige Sinn und Zweck eines christlichen Lebens. Jedes nur erdenkliche Opfer war für sie eine willkommene Gelegenheit, sich den Himmel zu verdienen. Es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, die Notwendigkeit eines Opfers in Frage zu stellen.

Die Kirche hat uns von klein auf zum Opfer bringen erzogen. Je mehr und je größer die Opfer, desto besser! Nicht umsonst hat die Kirche das Opfer zum Mittelpunkt ihrer Lehre und ihres Lebens gemacht. Sie ist dadurch groß, mächtig und reich geworden. Dagegen sage ich mit allem Freimut: „Gott verlangt keine Opfer! Es genügt, wenn wir jene Opfer bringen, die das Leben von uns fordert." Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Gläubige dem „heiligen Opfer" fern bleiben und sogar aus der Kirche austreten.


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