Die Schöpfungsgeschichte nach Mark Twain

Satans vierter Brief


Und so verließ das erste Paar den Garten unter einem Fluch – einem dauernden Fluch. Sie hatten all die Freuden verloren, die sie vor dem „Sündenfall“ besessen hatten; dennoch waren sie reich, denn sie hatten eine erhalten, die soviel wert war, wie alle anderen zusammen: Sie wussten die Allerhöchste Kunst zu praktizieren.

Dies taten sie eifrig und es erfüllte sie mit Zufriedenheit. Gott befahl ihnen, es zu tun. Dieses Mal gehorchten sie. Aber genauso gut hätte es verboten sein können, denn sie hätten es so und so getan, wenn tausend Götter es verboten hätten.

Die Resultate ließen nicht lange auf sich warten. Sie hießen Kain und Abel. Und diese hatten einige Schwestern und sie wussten, was man miteinander tun konnte. Und also gab es mehr Resultate. Kain und Abel zeugten Nichten und Neffen. Diese wiederum zeugten Cousinen und Cousins zweiten Grades. Ab da wurde die Klassifizierung der Verwandtschaft schwierig und daher aufgegeben.

Die angenehme Arbeit die Welt zu bevölkern ging so durch die Zeitalter vor sich hin und war von vorzüglicher Effektivität, denn in jenen glücklichen Tagen waren die Geschlechter noch fähig zur Allerhöchsten Kunst, wenn sie von Rechts wegen schon achthundert Jahre tot sein sollten. Das süßere Geschlecht, das liebenswürdigere Geschlecht, das lieblichere Geschlecht war damals in Bestform, denn es war sogar in der Lage Götter anzuziehen. Echte Götter. Sie stiegen vom Himmel herab und hatten eine wundervolle Zeit mit diesen heißen, jungen Blüten. Die Bibel berichtet uns davon.

Mit Hilfe dieser auswärtigen Besucher wuchs und wuchs die Bevölkerung, bis es einige Millionen waren. Aber sie waren eine Enttäuschung für Gott. Er war mit ihrer Moral, die in einigen Teilen nicht besser war, als seine, unzufrieden. Tatsächlich waren sie ein so gutes Abbild seiner selbst, dass es wenig schmeichelhaft war. Sie waren sehr böse Leute und da er keine Ahnung hatte, wie er sie bessern könne, beschloss er weise, sie wegzufegen. Das ist die einzige wahrhaft von Erleuchtung zeugende und hervorragende Tat, die ihm die Bibel zugesteht und hätte ihm einen guten Ruf für alle Zeiten bescheren können, wenn er sich nur daran gehalten und es durchgeführt hätte. Aber er war immer wankelmütig – außer was die Eigenwerbung anbetrifft – und so bröckelte sein guter Vorsatz ab. Er war stolz auf die Menschen, sie waren seine beste Erfindung, sein Lieblingstier, gleich nach der Hausfliege und er konnte es nicht ertragen sie ganz zu verlieren ; so entschied er sich schließlich ein paar zu retten und den Rest zu ertränken.

Das war absolut typisch für ihn. Er erschuf all diese niederträchtigen Leute und war allein verantwortlich für ihr Betragen. Keiner verdiente den Tod, dennoch war es sicherlich eine gute Taktik sie alle auszulöschen; besonders da mit ihrer Schöpfung das Hauptverbrechen ja schon geschehen war und ihnen zu erlauben, sich zu vermehren wäre eine weitere Steigerung desselben. Aber aus diesem Grund konnte auch irgendeine Bevorzugung nicht gerecht oder fair sein – alle hätten ertränkt werden sollen, oder niemand.

Nein, das wollte er so nicht haben, er würde eine Auswahl retten und es mit dieser Rasse noch mal versuchen. Er war nicht in der Lage vorherzusehen, dass sie wieder verderben würden, denn nur in seiner Werbung ist er der große Hellseher.

Er rettete Noah und seine Familie und betrieb die Vernichtung des Rests. Er plante ein Arche und Noah baute sie. Keiner von ihnen hatte je vorher eine Arche gebaut oder wusste irgendetwas über Archen; also konnte man Ungewöhnliches erwarten. Das geschah. Noah war Landwirt und obwohl er wusste, was von der Arche gefordert war, war er nicht in der Lage zu sagen, ob diese groß genug für die Erfordernisse war oder nicht (was sie nicht war) und so wagte er keine Kritik. Die Gottheit wusste nicht, dass sie nicht groß genug war, sondern hatte auf diese Größe getippt und so kamen die inadäquaten Maße zustande. Die Folge war, das Schiff erfüllte nicht die Anforderungen und die Welt leidet bis zum heutigen Tage darunter.

Noah baute die Arche. Er baute sie so gut er konnte, ließ aber die wichtigsten Teile weg. Sie hatte kein Ruder, keine Segel, keinen Kompass, keine Pumpen, keine Karten, kein Senkblei, keinen Anker, kein Log, kein Licht, keine Belüftung und was den Stauraum betrifft – was die Hauptsache war – je weniger man darüber sagt, desto besser. Sie würde elf Monate auf See sein und soviel Frischwasser benötigen wie in zwei Archen passt – dennoch gab es keine zusätzliche Arche. Wasser von außerhalb konnte nicht verwendet werden, es wäre zur Hälfte Salzwasser und die Menschen und Tiere konnten es nicht trinken.

Denn nicht nur eine Auswahl Menschen sollte gerettet werden, sondern auch einige Musterexemplare der anderen Tiere. Ihr müsst wissen, dass als Adam den Apfel aß und lernte sich zu vermehren und auszubreiten, lernten dies die anderen Tiere ebenfalls indem sie ihm zusahen. Das war raffiniert von ihnen und geschickt; so kamen sie in den Genuss von allem was das Leben wertvoll macht ohne den Apfel zu probieren und sich damit mit dem zerstörerischen Gewissen zu belasten, der Ursache von allem Übel.


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