"Gottesbeweise" -  Wege oder Irrwege zu Gott
Teil 1

Textmarken: Das unglaubwürdige biblische Bild Gottes,    Die Welt in der Gott lebt,    Die symbolische Beschreibung Gottes


"Ist denn so groß das Geheimnis, was Gott und der Mensch und die Welt sei? - Nein! Doch niemand hört's gerne; da bleibt es geheim." (Goethe, Venetianische Epigramme 1790) Mehr davon unter 'Zitate zu Religion' www.humanistische-aktion.de/religion1.htm

Der Inhalt für den Gottesbegriff wird immer von der jeweiligen Religion bestimmt. Philosophisch  steht der Gottesbegriff für das ungelöste Anfangsproblem, aber auch für die Herrschaft eines  personal gedachten Geistes über eine materiell gedachte Welt, eine Materie ohne geistige  Eigenschaften. Zuerst soll also dieses Wesen im Nichts existiert haben. Und es muss  daher sein Wissen aus dem Nichts geschöpft haben, ganz im Gegensatz zu uns. Wir brauchen die Kommunikation im weitesten Sinne, das Experiment, um Erfahrungen zu sammeln. Womit wir schon bei den Geheimnissen Gottes wären. Das Anfangsproblem wird verlagert auf ein einsames, allwissendes und allmächtiges  metaphysisches Wesen, das aber auch hören und sehen kann. Ein Wesen, das agieren kann ohne selbst durch seine Aktivitäten  sichtbar zu werden, überall dort nicht aktiv ist, wo Messgeräte stehen. Ein Wesen, das Wunder bewirken kann. Ein Zauberer, der sich selbst aus dem Nichts herbeigezaubert hat.

Der Atheist wird nun aufgefordert das Gegenteil zu beweisen, die Nichtexistenz Gottes. Verschwiegen wird, dass der Beweis der Nichtexistenz generell ein Problem darstellt. Angenommen ich behaupte: "Sie schulden mir 100 Euro. Beweisen Sie mir das Gegenteil." Da wird sehr schnell klar, dass die Beweislast derjenige trägt, der die Behauptung aufstellt.

Nun will auch der Gläubige Gewissheit darüber haben, dass er nicht einem Aberglauben aufgesessen ist, und er will den Argumenten kritischer Atheisten etwas mehr entgegenhalten als seinen Glauben an die Autorität gewisser Persönlichkeiten und deren Schriften. Seine Glaubenserfahrungen sind ohnehin häufig Erlebnisse, die sich auch anders deuten lassen.

Atheisten hielten schon Thomas von Aquin entgegen, die Religion vermehre nur die Zahl der Ursachen, mit denen sich das Geschehen auf dieser Welt erklären lässt. Aber was sich durch weniger "Urheiten" vollbringen lässt, geschieht nicht durch mehr.

Aber kann man überhaupt die Existenz eines unsichtbaren, bis heute nicht messbaren Gottes beweisen? Thomas von Aquin meint hierzu: "Wenn bewiesen würde, dass es einen Gott gibt, so könnte das nur aus den Wirkungen geschehen". Er beruft sich dabei auf

Römer 1:20, wo Paulus sagt:

"Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben."(Luther’84)

Genau genommen gilt dieses Pauluswort nur für die Schöpfung in ihrer ursprünglichen Form und nicht für das, was wir aus dieser Schöpfung gemacht haben. Diese ursprüngliche Form ist aber nicht rekonstruierbar.Aber selbt wenn dieses Pauluswort für die heutige Zeit gilt, dann scheint diese höhere Macht nur eines zu verwirklichen, nämlich die Veränderung. Das Alte wird zerzört. An seine Stelle tritt das Neue. Das ewig Gleiche, das Ewige, ewiges Leben entsteht nicht.

Heute werden diese Werke, insbesondere die Schöpfung lebender Organismen, von Atheisten als das Werk der Evolution / einer Entwicklung betrachtet, die schon bei der chemischen Evolution begann. (siehe hierzu das Buch "Evolution" Spektrum akademischer Verlag, das Kapitel von Dickerson und die Versuche von Stanley Miller und anderen). Das Weltall mit seiner Materie wird als gegeben vorausgesetzt. Christen setzen einen Gott voraus, Atheisten den Raum und die Materie mit ihren Eigenschaften. Christen glauben, dass ein so intelligentes und komplexes Lebewesen, wie der Mensch, niemals ohne die Hilfe Gottes entstanden sein kann, aber sie glauben, dass ein noch intelligenteres und sogar allmächtiges Wesen, wie jener Gott, schon immer da war.

Zugegeben, die sichtbare und messbare Welt ist nur ein Teil des gesamten Universums. Wir können nur das messen, was mit unserem Materie-Energie-System Wechselwirkungen eingeht.

Hier haken nun die Gottesbeweise ein.

Gottesbeweise sind keine Beweise im mathematischen Sinn. Für einen Gläubigen ist der Nachweis der Existenz eines oder mehrerer Götter bereits erbracht, wenn ihre Existenz im Bereich des Möglichen liegt und die Nichtexistenz im Bereich des Unmöglichen. Dem Gläubigen erscheinen sie als Entscheidungshilfen für Gott und als Bestätigung seiner Vermutungen.

Der Theologe kann freilich darauf bestehen, dass der so "bewiesene" Gott auch mit der überlieferten Offenbarung übereinstimmt.

Beschäftigen wir uns also zuerst mit dem geoffenbarten Gott.

 

Das unglaubwürdige biblische Bild Gottes

Es gehört wohl zu den Eigenarten des christlichen Glaubens, dass die verschiedenen Autoren der Bibel ihren Gott jeweils anders beschreiben. Nun kann ein und das selbe Ding durchaus unterschiedlich aussehen, wenn es projeziert wird. Aber was die Autoren der Bibel von Gott aussagen, bezieht sich nicht nur auf sein Aussehen, sondern auf seine Charaktereigenschaften und Eigenschaften gehören zum Wesen der Dinge. Charaktereigenschaften begrenzen ein Wesen, reduzieren es auf endliche Dimensionen, machen es verlässlich, berechenbar. Unendliche Dinge kann man nur summarisch beschreiben, wie etwa den Weltraum, der angefüllt ist mit Gaswolken und Himmelskörpern unterschiedlicher Größe. Aber so weit haben die Autoren der Bibel nicht gedacht. Sie liefern eine detailgenaue Beschreibung ihres Gottes.

Der Gott der Bibel wandelt im Garten Eden, Adam und Eva können sich vor ihm verstecken. Hier ist Gott nicht allwissend, was allerdings von anderen Autoren, die an diesem Buch mitgewirkt haben, bestritten wird (Matthäus 10:30, Lukas 12:7, Johannes 6:64, Johannes 18:4). Mit Adam und Eva redet Gott und er bekleidet sie, zum Entsetzen der Tierschützer, mit Fellen (1. Mose 3:8-9 und 21). Adam und Eva dürfen ihn noch von Angesicht zu Angesicht sehen. Auch Jakob darf noch das Angesicht Gottes sehen, ja er darf sogar mit ihm ringen und erhält dafür den Namen Israel, was Gottesstreiter heißt (1. Mose 32:22-32, 1. Mose 35:9-14).

Moses dagegen bekommt Gott meist umhüllt von einer Feuersäule oder von einer Wolke zu sehen (2. Mose 19:18-20, 2. Mose 20:21, 2. Mose 24:16-18, 2. Mose 34:5-7). Bei Moses war es lebensgefährlich Gott zu sehen. Zu Moses sagt Gott:

2. Mose 33:20

..."Du vermagst mein Angesicht nicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und dennoch leben."

Moses sieht nach der Überlieferung nur den Rücken Gottes. Gott hält seine Hand schützend vor seine Augen. Gott sagt hier ausdrücklich, daß sein Angesicht nicht gesehen werden kann (2. Mose 33:23). Dem widerspricht jedoch 4. Mose 5-9.

Numeri 12:5-9

Der Herr kam in der Wolkensäule herab, blieb am Zelteingang stehen und rief Aaron und Mirjam. Beide traten vor, und der Herr sprach: Hört meine Worte! Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm in Visionen zu erkennen und rede mit ihm im Traum. Anders bei meinem Knecht Mose. Mein ganzes Haus ist ihm anvertraut. Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, von Angesicht zu Angesicht, nicht in Rätseln. Er darf die Gestalt des Herrn sehen. Warum habt ihr es gewagt, über meinen Knecht Mose zu reden? Der Herr wurde zornig auf sie und ging weg. (Einheitsübersetzung)

Was Moses den Israeliten von der Herrlichkeit Gottes zeigt, hört sich exakt nach der Beschreibung eines damals noch tätigen Vulkans an.

2. Mose 24:9

Und vor den Augen der Söhne Israels war der Anblick der Herrlichkeit Jehovas wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges.

Der Gott des Moses liebt Brandopfer und Schlachtopfer. Und von Gold und Silber kann er gar nicht genug bekommen. (Siehe Bibelkritik "Die wunderbaren Geschäfte des Herrn Moses" Teil 3 und Teil 4)

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, die jüdische Religion sei eine monotheistische Religion, hat sich zur Zeit Moses der Monotheismus noch nicht durchgesetzt. Moses bringt außer dem Gott Jahwe auch dem dem Wüstengott Asasel Opfer dar (3. Mose 16:7 - 10). Genau genommen ist auch die christliche Religion keine monotheistische Religion, denn Engel sind hier mit göttlichen Vollmachten ausgestattet und das Gute führt einen ständigen Kampf gegen das Böse.

Der Gott des alten Testaments lebt in dieser Welt und nicht außerhalb. Es ist ein Gott, der Krieg für sein Volk führt. Von einem Buch der Kriege Gottes berichtet der Chronist in 4. Mose 21:14.

Die Welt, in der er lebt, ist die Welt, so, wie sie die Menschen damals begriffen haben, und so, wie sich den Menschen damals darbot.

Dies ist keine bildhafte Darstellung des Wettergeschehens, sondern eine Wiedergabe des damaligen Weltbilds. Ein Vergleich mit zeitgenössischen Schriften sei hier angeführt. Die Abläufe, die in einer Gewitterwolke stattfinden beschreibt Aristoteles so:

"Wird aber der Wind, der in einer dicken Regenwolke zusammengepresst war, mit Gewalt von ihr ausgestoßen, zerreißt die zusammenhängende Wolkenmasse und erzeugt ein mächtiges Krachen und Tosen, das Donner heißt, gerade so als ob Luft gewaltsam durch Wasser gepresst wird. Gerät die Luft beim Aufreißen der Wolke ins Glühen und Leuchten, spricht man vom Blitz."

Richtig beobachtet, soweit dies damals möglich war, und doch falsch interpretiert. Ähnliche Interpretationsfehler können uns auch heute unterlaufen. Skepsis ist immer dort angebracht, wo Messergebnisse extrapoliert oder verallgemeinert werden, oder wo Grenzen festgesetzt werden. Alle Messergebnisse sind mit Fehlern behaftet und infolgedessen auch das gewonnene Ergebnis. Die Brauchbarkeit eines Ergebnisses verleitet allzu oft dazu die Mehrdeutigkeit vieler natürlicher Vorgänge zu vergessen.

Jeremia 10:13

Bei seiner Stimme gibt es durch ihn ein Getöse von Wassern in den Himmeln, er lässt Dämpfe aufsteigen vom äußersten Ende der Erde. Er hat sogar Schleusen für den Regen gemacht, und er bringt den Wind aus seinen Vorratshäusern hervor. (siehe auch Hiob 9:6, Hiob 26:5-13)

Offenbarung 7:1

Danach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen und die vier Winde festhalten, damit kein Wind über die Erde wehe oder über das Meer oder über irgendeinen Baum.

Mehr dazu unter dem Link Bibelkritik und dem weiteren Link Gottesbild und Weltbild im alten Israel.

Als orientalischer Herrscher sitzt Gott natürlich auf einem Thron und hat jede Menge Personal.

Daniel 7:9-10

Ich schaute weiter, bis Throne aufgestellt wurden und der Alte an Tagen sich setzte. Seine Kleidung war so weiß wie Schnee, und das Haar seines Hauptes war wie reine Wolle. Sein Thron waren Feuerflammen, dessen Räder waren brennendes Feuer. Da war ein Feuerstrom, der floss und von der Stelle vor ihm ausging. Da waren tausend Tausende, die ihm ständig Dienst leisteten, und zehntausend mal zehntausend, die fortwährend direkt vor ihm standen. Das Gericht setzte sich und Bücher wurden geöffnet.

Matthäus 11:28-29

"Wahrlich ich sage euch: In der Wiedererschaffung, wenn der Sohn des Menschen sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzt, werdet auch ihr selbst, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Ländereien verlassen hat, wird vielmal mehr empfangen und wird ewiges Leben ererben."

Offenbarung 4:2-6

Und nach diesen Dingen geriet ich sogleich unter die Macht des Geistes: Und siehe! Ein Thron war im Himmel aufgestellt, und auf dem Throne saß einer. Und der Sitzende ist dem Aussehen nach gleich einem Jaspisstein und einem kostbaren rotfarbenen Stein, und rings um den Thron ist ein Regenbogen, dem Aussehen nach gleich einem Smaragd. Und rings um den Thron sind vierundzwanzig Throne, und auf diesen Thronen sah ich vierundzwanzig ältere Personen sitzen, in weiße äußere Kleider gehüllt und auf ihren Häuptern goldene Kronen. Und aus dem Throne gehen Blitze und Stimmen und Donner hervor; und da sind sieben Feuerlampen, die vor dem Throne brennen, und diese bedeuten die sieben Geister Gottes. Und vor dem Throne ist gleichsam ein gläsernes Meer wie Kristall.

Selbst wenn man dies nur als symbolische Beschreibung jenes Gottes auffasst. So stellt sich doch aus heutiger Sicht die Frage, ob hier die richtigen Bilder gewählt wurden.

Ein Gott, der Rachegefühle hegt, steht nicht über den Dingen. Ein Gott, der sich mit Gold und Edelsteinen umgibt, der primitive Demutsbezeugungen fordert, ist primitiv. Ein Gott, der sich am Tod der Opfertiere freut, kennt nicht den Wert des Lebens.

Imaginär

Bei einem simulierten Angriff muss sich die Truppe gegen einen imaginären Feind verteidigen, wie der Feldwebel es nennt. Er bellt Befehle, doch die Rekruten zeigen nur wenig Reaktion.

"Sie da", ruft der Feldwebel, "der imaginäre Feind rückt vor, Sie geraten ins Kreuzfeuer!"

Der Rekrut geht zwei Schritte zur Seite.

"Was tun sie denn da, Mann?", brüllt der Feldwebel, rot vor Zorn. Antwortet der Rekrut ruhig: - "Ich stelle mich hinter einen imaginären Baum."

Das einzige Bild, das auch heute noch viele Menschen beeindruckt, ist das Gottesbild das der Evangelist Johannes zeichnet.

Johannes 1:1-5

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war ein Gott. Dieser war im Anfang bei Gott. Alle Dinge kamen durch ihn ins Dasein, und ohne ihn kam auch nicht ein Ding in’s Dasein. Was ins Dasein gekommen ist durch ihn, war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht überwältigt.

Gott als Geist, Gott als Lebensspender. Zwei natürliche Phänomene, werden zum Symbol Gottes, weil sie vielen Menschen auch heute noch rätselhaft erscheinen.

Gott als das Gute und das Böse, als Kraft, so wie schon Goethe im Faust Mephistopheles sagen lässt: Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Aber das neue Testament enthält in der Offenbarung auch noch jenen Weltenrichter. Die verharmlosende theologische Interpretation "Gott hält Gericht, d. h. er stellt richtig, er stellt das wieder richtig, was Menschen zerstört haben" steht im Widerspruch zu den Horrorbildern der Offenbarung. Jeder Versuch aus der Drohbotschaft eine Frohbotschaft zu machen, scheitert zwangsläufig an der Glaubensgrundlage, der Bibel.


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