"Gottesbeweise" - Wege oder Irrwege zu Gott
Teil 2

Textmarke: Jesus - eine Selbstoffenbarung Gottes?,    Ist Gott eine Person?,    Der unbewegte Beweger,    Energieinhalt der Materie - in der Antike unbekannt,    Ewiges Leben lt. Küng,    Unsere angeblich göttliche Seele


- Jesus -

Eine Selbstoffenbarung Gottes?

"Die Bibel beschreibt einen persönlichen und zugleich überpersönlichen Gott. Er besitzt Charaktereigenschaften, die mit menschlichen nur schwach vergleichbar sind, die aber die menschlichen Eigenschaften weit übertreffen. So spricht die Bibel von einem Gott, der eine menschliche Eigenschaft wie Liebe aufweist. Auch haßt der Gott der Bibel, aber mit einem vollkommenen Haß, er haßt die Sünde und hat sie doch auch geschaffen. Er besitzt einen Willen und will allen Menschen helfen, daß sie seine für sie gesteckten Ziele erreichen. Er ist durchaus eine Person, wenn auch eine Überperson und die einzige vollkommene Überperson."

An dieser Stelle ist, so der Christ A. E. Wilder Smith, die ganze Frage von einem anderen Standpunkt anzufassen: "Es gibt nämlich gewisse Erkenntnisse, zu denen man durch Vernunftsüberlegungen nicht gelangen kann. Z. B. ist es nicht möglich durch Vernunftsüberlegungen festzustellen, ob sich eine Katze hinter dem Schrank oder unter dem Sofa versteckt hat. Man könnte 1000 Jahre darüber diskutieren und man käme zu keinem wirklich sicheren Resultat. Die angebrachte Methode dieses Problem zu lösen ist natürlich nachzusehen, dann weiß man Bescheid.

Persönliche Erfahrung hilft hier allein und ist allein vernünftig. Durch abstraktes Räsonieren lernt man keine Person kennen. Man lernt andere Personen kennen durch subjektive Erfahrungen. Das ist genau der Rat, so sagen die Christen, den uns die Bibel gibt, um das Problem zu lösen, ob es einen persönlichen Gott gibt oder nicht. Man muß ihm persönlich irgendwie begegnen. Und hier behaupten nun die Christen. Gott ist ja in diese Welt gekommen, als der Wanderprediger Jesus von Nazareth. Der ewige Gott wurde Mensch und in dieser Form hat er von sich all das geoffenbart, was für Menschen notwendig ist. "Wer mich sieht, der sieht den Vater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir? (Johannes 14:9-10).

Dies bedeutet, daß Gott seine Überpersönlichkeit einschränkte, so daß seine Persönlichkeit in der Form Jesus denkbar und behandelbar ist. Aus diesem ganz verständlichen Grund sagte Jesus : "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich (Johannes 14:6)." So die christliche Argumentation.

Hier steht und fällt der Glaube an diesen persönlichen und zugleich überpersönlichen Gott mit der Glaubwürdigkeit jenes Jesus aus Nazareth (siehe hierzu unter Bibelkritik Jesus Teil 8).

Gegen diese Glaubensauffassung stehen auch einige Stellen in den Evangelien, wo sich Jesus als von Gott gesandt darstellt oder als Sohn Gottes.

Johannes 7:16-18

Darauf antwortete ihnen Jesus: Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche. Wer im eigenen Namen spricht, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig, und in ihm ist keine Falschheit.

Jesus ist danach also keine Inkarnation Gottes.

Wer den Menschen Jesus als Inkarnation Gottes betrachtet, sein Auftreten als kosmisches Ereignis deutet, sollte sich einmal kosmische Dimensionen vergegenwärtigen, dann wird aus dem kosmischen Ereignis ein komisches Ereignis. Wenn man die Erde auf eine handliches Format von 1 m Durchmesser bringt, dann ist der Mensch nur noch ca 1/10000 mm groß. Diese Dimensionen ahnten zwar schon die Propheten, denn bei Jesaja steht geschrieben:

Jesaja 40:15

Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein.(Luther’84)

Aber ihr Weltbild beschränkte sich doch auf einen einzigen bewohnten Planeten.

Gott als Person ist auch heute noch ein Problem für die Theologie, denn ein Gott mit Charaktereigenschaften ist durch seine Wesensmerkmale begrenzt und nicht mehr unendlich. Andererseits kann die Kirche auf einige Wesensmerkmale Gottes nicht verzichten. Zumindest ist der christliche Gott immer gesprächsbereit und hilfsbereit, sonst wäre alles Beten und jeder Gottesdienst sinnlos.

Dazu Karl Rahner: "Selbstverständlich ist der Satz "Gott ist Person" nur dann von Gott aussagbar und wahr, wenn wir diesen Satz indem wir ihn sagen und verstehen, entlassen in das unsagbare Dunkel des heiligen Geheimnisses." (Karl Rahner Grundkurs des Glaubens Seite 82)

Und an anderer Stelle sagt Karl Rahner:

"Den Gott, den es gibt, gibt es nicht! Denn den Gott gibt es wirklich nicht, der als ein einzelnes Seiendes neben anderem Seienden sich auswirkt und waltet und so gewissermaßen selber noch einmal in dem größeren Haus der Gesamtwirklichkeit anwesend wäre. Suchte man einen solchen Gott, dann hätte man einen falschen Gott gesucht. Der Atheismus und ein vulgärer Theismus leiden an der selben falschen Gottesvorstellung; nur lehnt der eine diese ab, während der andere meint sie dennoch denken zu können." (Karl Rahner Grundkurs des Glaubens Seite 72)

 

Der unbewegte Beweger / Das unbewegte Bewegende

"Was sich bewegt, ohne jemals zum Stillstand zu kommen, ist ewig. Was aber einem anderen die Bewegung verleiht und was selber seine Bewegung anderswo erhält, dessen Leben muß einmal aufhören, wenn jene Bewegung ein Ende hat. Nur das, was seine Bewegung aus sich selber hat, hört nie auf sich zu bewegen, weil es von sich selber nie im Stich gelassen wird. Ja, es ist sogar für alles übrige, was seine Bewegung erhält, Quelle und Ursprung der Bewegung. Für den Ursprung aber gibt es keinen Anfang. denn aus dem Ursprung entsteht alles. Er selber kann jedoch nicht aus etwas anderem entstehen, denn das wäre ja kein Ursprung, was anderswoher entstünde. . . . Es steht also fest, daß das, was sich selber bewegt, ewig ist. Wer könnte da leugnen, daß dieses Element den Seelen zugeteilt ist. Unbeseelt ist nämlich alles, was durch Anstoß von außen bewegt wird. Was aber beseelt ist, regt sich aufgrund seiner eigenen, aus sich selber stammenden Bewegung. Denn das ist das eigentliche Wesen der Seele und ihre Kraft. Wenn sie als einzige von allem sich selber Bewegung verleiht, ist sie mit Sicherheit nicht entstanden; sie muß vielmehr ewig sein." (Platon, Texte zum Nachdenken / Mitte, Maß und Muße - Herder Band 1141)

Aus damaliger Sicht durchaus logisch. Der gedankliche Schritt zu den Überseelen, den Göttern, als Erklärung für Naturphänomene ist da nur noch eine Formsache.

Aristoteles und Thomas von Aquin greifen diesen Gedanken auf und gelangen über eine Kausalkette zu einem ersten unbewegten Beweger. Thomas von Aquin begründet dies folgendermaßen: Wir begegnen nämlich in dem Sinnfälligen vor uns einer Reihenstellung von Wirkursachen, ohne freilich, das ist auch nicht möglich, etwas zu finden, das die Wirkursache seiner selbst ist; es würde ja damit früher sein, als es selber ist, was unmöglich ist. Nun ist aber unmöglich bei den eine Wirkung hervorbringenden Ursachen in’s Unendliche zu gehen. Grund: Bei allen in einer Reihe stehenden Ursachen mit Wirkungen ist die erste Ursache der mittleren und die mittlere die Ursache der letzten, seien ihrer in der Mitte mehr oder nur eine; nimmt man aber die Ursache weg, so entfällt auch die Wirkung; also, falls es kein Erstes bei den Wirkursachen gibt, ist auch nicht ein Letztes und nicht ein Mittleres da. Geht man aber in’s Unendliche mit den Wirkursachen, so gibt es nicht eine erste wirkende Ursache, und so sind weder eine letzte Ursache da, noch Wirkursachen in der Mitte; es ist klar, daß das falsch ist. Es ist also notwendig, irgend eine Wirkursache als erste hinzustellen; diese nennen alle Gott.

Den unbewegten Beweger definiert Aristoteles so: "Da aber dasjenige, das bewegt wird und das selbst bewegt, das Mittlere ist, gibt es also etwas, das, wiewohl es nicht bewegt wird, anderes bewegt, also etwas, das ewig ist, ein Wesen und eine Verwirklichung. In dieser Weise aber bewegt das Begehrte und das Gedachte; es bewegt, wiewohl es nicht bewegt wird." (Aristoteles, Metaphysik, Seite 312) Thomas von Aquin übernimmt diese Argumentation in seiner Summe der Theologie. (Thomas von Aquin, Summe der Theologie I, Seite 370)

Schon Ludwig Feuerbach bemängelt an diesem Beweis, daß hier absolutes, ewiges Sein nur Gedachtsein bedeutet. Das reale Sein ist jedoch nicht nur Gedachtsein. Es fehlt diesem höchsten Sein ein Attribut des Seins, die greifbare Existenz. Der Mensch besitzt beide Attribute des Seins. Er wäre daher höher einzustufen.

Der Gedanke des unbewegten Bewegers hat sich dennoch bis heute als Transzendenz Gottes erhalten. Gott steht außerhalb alles Seienden, weil eben der Geist eine eigene Dimension darstellt. Unter Transzendenz verstehen die christlichen Kirchen die Möglichkeit des Geistes das Unendliche zu denken. Indem wir die Unendlichkeit als Grenze erkennen, überschreiten (tranzendieren) wir sie gedanklich. Den Raum dahinter füllen die christlichen Kirchen mit ihrem Gott. Sie reden von der Kontingenz der Welt und beschwören ihre Begrenztheit und Bedingtheit, um Raum zu lassen für das Unbedingte, die Transzendenz Gottes.

Dazu Karl Rahner:

"Es ist hier das zu sagen, was schon Thomas von Aquin gesagt hat, wenn er betonte, daß Gott durch zweite Ursachen wirke. (Natürlich ist dieser Satz sehr differenziert zu verstehen. Die Unmittelbarkeit zu Gott, seine Vermitteltheit, seine Anwesenheit und seine Entzogenheit sind von vornherein differenzierte Größen, schon darum, weil Geist als Transzendenz nicht die Auszeichnung innerweltlichen Seienden ist, aber hier kommt es uns zunächst auf den genannten Satz bei Thomas an). Er besagt, wenn man ihn nicht verharmlost, daß Gott die Welt wirkt und nicht eigentlich in die Welt wirkt. Daß er die Kette der Ursächlichkeiten trägt, nicht aber sich als ein Glied durch sein Handeln in dieser Kette der Ursachen als eine unter ihnen hinein schiebt. Die Kette selbst als ganze also die Welt in ihrer Verflochtenheit und nicht nur ihrer abstrakt formalen Einheit, sondern ihrer konkreten Differenzierung und den tiefgreifenden Unterschieden der Momente am Ganzen der Weltwirklichkeit, ist die Selbstoffenbarung des Grundes. Und er selber ist in dieser Ganzheit als solcher nicht unmittelbar zu finden. Denn eben der Grund kommt nicht innerhalb des Begründeten vor, wenn er wirklich der radikale, also der göttliche Grund und nicht eine Funktion in einem Geflecht von Funktionen ist." (Karl Rahner, Grundkurs des Glaubens, Seite 93,94)

Der Geist wird hier zum Göttlichen im Menschen, aber der Geist ist auch Gott selbst, was noch deutlicher wird, wenn Thomas von Aquin das Wesen der Seele erklärt: "Da die Seele die erste Urheit des Lebens in dem ist, was hier auf der Welt lebt, so ist sie unmöglich ein Körper, sondern das, was einen Körper wirklicht."

Solche Gottesbilder entstanden, weil man sich die physikalischen und chemischen Zusammenhänge nicht anders erklären konnte. Die aus damaliger Sicht logisch einwandfreie und - wie noch gezeigt wird - doch falsche Argumentation des Aristoteles und des Thomas von Aquin sollte auch heute eine Warnung für all’ jene sein, die sich die Wahrheiten dieser Welt allein aus der Logik oder aus dem gesunden Menschenverstand erschließen wollen.

Unbekannt war Aristoteles und Thomas von Aquin der Energieinhalt der Materie (1), die Funktionsweise des Nervensystems (2) und die Infinitesimalrechnung (3). Auch das Entstehen neuer Eigenschaften aus Systemwirkungen (etwa bei chemischen Reaktionen) war unbekannt. Es ist durchaus möglich    das Nichts    und    das Sein    als zwei verschiedene Systemzustände des Raumes zu deuten. Der Unterschied zwischen Sein und Nichts muß nicht immer in der Weise bestanden haben, wie er heute besteht.

1. Der Energieinhalt der Materie gilt heute als die treibende Kraft in unserem Universum. Eine Sonne gewinnt die Energie, die sie abstrahlt, aus Kernreaktionen, die infolge des ungeheueren Gravitationsdrucks zustande kommen. Eine Sonne entzündet sich selbst, ähnlich wie eine Atombombe, wenn sie eine kritische Masse überschreitet. Nur im Unterschied zur Atombombe explodiert sie nicht, sondern wird durch die Gravitation und andere Phänomene zusammengehalten. Die Sonne ist also ein Körper, der die Ursache seiner Wirkung ist.

2. Das Nervensystem gilt heute als Quelle des Bewußtseins. Jede Verletzung des Gehirns ist verbunden mit einer typischen Funktionsstörung unseres Bewußtseins oder unseres Gedächtnisses oder unserer Gefühlswelt. Das gleiche gilt für chemische Einflüsse. Durch eine Narkose kann das Bewußtseins gezielt abgeschaltet werden, ohne daß man sich mit dem Willen dagegen wehren kann. Das Bewußtsein ist also abhängig von der Funktionsweise des Gehirns. Es existiert nicht als autonome Einheit. Die logischen Funktionen des Gehirns lassen sich heute in einem Computer als Programm darstellen. Unsere Gefühlswelt läßt sich als Systemwirkung des Gehirns erklären. Mit Sonden, an die eine Spannung von wenigen Millivolt angelegt wird, lassen sich Gefühlszentren im Gehirn lokalisieren und aktivieren. (siehe Hoimar von Ditfurth - Der Geist fiel nicht vom Himmel)

3. Seitdem wir gelernt haben mit Symbolen anstatt mit Zahlen zu rechnen, läßt sich auch mit dem Wert unendlich rechnen. In der Infinitesimalrechnung wird uns heute vorgeführt, daß man eine Kausalkette sehr wohl in’s Unendliche verlängern kann, und trotzdem zu einem brauchbaren Ergebnis kommen kann. Es besteht also keine Notwendigkeit des Abbruchs einer Kausalkette mit einem Gott als Schlußpunkt. Die Regeln für das Rechnen mit Symbolen lassen sich sogar als Computerprogramm darstellen. D. h. auch ein Computer kann mit dem Wert Unendlich rechnen. Die Unendlichkeit begegnet uns in der Mathematik als der Grenzwert von unendlichen Reihen. Sie begegnet uns in der unendlichen Teilbarkeit einer Wegstrecke und sie begegnet uns in der Unendlichkeit des Weltraums. Die Unendlichkeit verliert damit mehr und mehr ihre mystische Bedeutung. Die Unendlichkeit läßt sich durch Vergleiche, logische Rückschlüsse und die Einführung von Grenzwerten handhaben. Aber man kann nicht einfach unendlich + 1 rechnen und dann behaupten man habe hier Grenzen überschritten und damit Gott entdeckt. Unendlich ist per Definition endlos. Dies ist per Definition bereits die größte, nicht zu vermehrende Zahl.

Wenn die Kausalkette für die Vergangenheit begrenzt wird, dann ist sie aus der Zukunft rückblickend betrachtet begrenzt. Ewiges Leben als ein zeitlich unbegrenztes Leben wäre demnach nicht möglich. Der Theologe Hans Küng meint denn auch: "Ewiges Leben ist keine Fortsetzung des raumzeitlichen Lebens. Die Ewigkeit ist nicht bestimmt durch Vor und Nach. Sie meint vielmehr ein die Dimension von Raum und Zeit sprengendes neues Leben in Gottes unsichtbarem, unvergänglichen, unbegreiflichem Bereich."

Aber ist es nicht sehr seltsam, daß die angeblich göttliche Seele Gott erst nach dem Tod erkennen kann und nicht schon zu Lebzeiten. Der Seele wird eine eigene Dimension zugeschrieben, dabei zeigt sich doch die materielle Abhängigkeit der Seele schon zu Beginn ihrer Laufbahn. Bekanntlich kann man einen Zellverband zu Beginn des Embryonalstadiums teilen. Aus einem Wesen entstehen so - ein Messerchen machts möglich - zwei oder mehr, die womöglich auch noch erlöst werden müssen. Auch die geschlechtsspezifische Gefühlswelt ist ein Hinweis auf die materielle Abhängigkeit der Seele.


Inhalt

Index

  weiter