"Gottesbeweise" - Wege oder Irrwege zu Gott
Teil 4

Textmarken: Der moralische Gottesbeweis,    Der Wandel der Moral (Willkür, Polygamie, Einehe) ,    Sklavengesetze vom "lieben Gott",    Diskriminierung der Behinderten,    Die Moral Gottes,    Die Evolution der Moral,    Das Legitimationsproblem,    Gegenläufige Ziele in der Natur,    Das Theodizee-Problem,    Das theologische Problem der Freiheit


Der moralische Gottesbeweis

Die Tatsache, dass wir ein Gewissen haben und die Sinnhaftigkeit des moralischen Gesetzes mag für manchen Gläubigen ein weiterer Beweis für die Existenz einer höheren sinnstiftenden Macht sein. Das Leben ist dadurch sinnvoll, wertvoll.

Schon Kant folgerte, dass der Mensch als Subjekt der Moralität Endzweck ist, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist, zugleich aber einen Zweck (Endzweck der Schöpfung) hat, nämlich das höchste Gut zu verwirklichen. Die Verhaltensregel, um dieses Ziel zu erreichen, formulierte er als kategorischen Imperativ. Kant fordert: "Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann." Ein Satz der sich anlehnt an ein Jesus-Zitat aus den Evangelien. In Matthäus 7:12 heißt es: "Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun; in der Tat, das ist es, was das ‘Gesetz’ und die ‘Propheten’ bedeuten."

Die beiden Zauberformeln für ein harmonisches Gesellschaftssystem haben allerdings einen Haken: Beide Regeln verbieten indirekt den Aufbau einer Gesellschaftsstruktur, denn jede Herrschaft ist ein Verstoß gegen diese beiden Regeln. Wie soll man aber für große Projekte, etwa den Aufbau einer Wasserversorgung, gesellschaftliche Kräfte bündeln? Ohne die Übertragung von Machtbefugnissen auf Einzelne oder ganze Gruppen wird dies wohl nicht zu bewerkstelligen sein. Eine Basisdemokratie für ein Millionenvolk ist eine Utopie. Freilich muss auch der Missbrauch der Macht verhindert werden. Aber wo beginnt der Missbrauch der Macht?

Der sprichwörtlich weise König Salomo hatte 700 Frauen und 300 Nebenfrauen (1. Könige 11:1-3). Ein Harem auf Staatskosten! Würde sich heute ein Beamter in Europa diesen Luxus leisten, so müsste er mit einer Klage wegen Veruntreuung von Staatsgeldern rechnen.

Abraham jagte seine Nebenfrau Hagar und den gemeinsamen kleinen Sohn Ismael mit einem Leib Brot und ein wenig Wasser davon, weil seine Frau Sara eifersüchtig war (1. Mose 21:14-16). Über diese unmenschliche Willkür verliert der Chronist dieser Geschichte kein Wort, ihm kommt es nur darauf an die wunderbare Rettung zu beschreiben (1. Mose 21:9-21). Anderen Nebenfrauen Abrahams erging es nicht besser.

1. Mose 25:5-6

Später gab Abraham alles, was er hatte, dem Isaak, aber den Söhnen der Nebenfrauen, die Abraham hatte, gab Abraham Geschenke. Dann sandte er sie noch zu seinen Lebzeiten von seinem Sohn Isaak fort, ostwärts, nach dem Lande des Ostens.

Heute wird Vielweiberei als Polygamie bestraft. Zu Zeiten Abrahams und später störte das niemanden in Israel.

Von David wird berichtet, dass er drei Frauen hatte, Achinoam (die Jesreelitin), Abigail (Nabals Frau) und Bathseba (die Frau des Hethiters Uria) 1. Samuel 27:3, 2. Samuel 12:9). Außerdem hatte er noch eine nicht näher bekannte Anzahl von Nebenfrauen (2. Samuel 16:22, 1. Könige 1:1-4).

Jesus nimmt zur Scheidung eine etwas zwiespältige Haltung ein. Einerseits bestätigt er das Gesetz Moses als göttliches Gesetz, andererseits sieht er die Unauflöslichkeit der Ehe für den Fall, dass diese Ehe mit Hilfe Gottes zustande gekommen ist. Jesus verbietet aber nicht die Vielweiberei und auch die Prostitution ist seiner Ansicht eine der leichtern Sünden (Lukas 7:47 "Deshalb sage ich dir (der Prostituierten Maria): Ihre Sünden sind vergeben, obwohl es ihrer viele sind, weil sie viel geliebt hat; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.).

Markus 10, 2 - 12
Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen. (Dtn 24,1; Mt 5,31f) Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, (Einige alte Textzeugen fügen nach «verlassen» hinzu: und sich an seine Frau binden (vgl. Gen 2,24; Mt 19,5). und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. (Mt 5,32; Lk 16,18; (11f) 1 Kor 7,10f) Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.
 

Matthäus 19.3-12

Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? (Mk 10,2-12) Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat (Gen 1,27 Hinweis auf die natürliche Ordnung / die Schöpfungsordnung) und daß er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? (Gen 2,24) Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, daß man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muß, wenn man sich trennen will? (Dtn 24,1; Mt 5,31) Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entläßt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. (5,32; Lk 16,18; 1 Kor 7,10f)

Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

 

Kommentar der Einheitsübersetzung: Die Entlassung der Frau aus der Ehe war durch das Gesetz des Mose erlaubt (vgl. Dtn 24,1); umstritten war lediglich, welche Gründe dies rechtfertigten: nach der strengeren Auffassung des Schriftgelehrten Schammai Ehebruch, ansteckende Krankheit, Geisteskrankheit, Kinderlosigkeit; nach der Auffassung des Schriftgelehrten Hillel, die zur Zeit Jesu vorherrschend war, alles, was dem Mann an seiner Frau mißfiel. Die sog. Unzuchtsklausel, die vom radikalen Scheidungsverbot Jesu den Fall der Unzucht ausnimmt, findet sich in der älteren Überlieferung, wie sie in Mk 10,2-12 und Lk 16,18 vorliegt, noch nicht.

Erst Paulus predigt den Korinthern die Einehe und die Unauflöslichkeit der Ehe. Aber bei einer Ehe mit einem Ungläubigen / einer Ungläubigen sieht auch er diese Ehe als von Gott nicht gewollt an und folglich ist die Ehescheidung erlaubt.

1. Korinther 7:15

Wenn aber der Ungläubige sich trennen will, soll er es tun. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht wie ein Sklave gebunden; zu einem Leben in Frieden hat Gott euch berufen.

Ansonsten dient nach Paulus die Ehe nur dazu die Unzucht zu vermeiden. Er empfiehlt aber wegen der unmittelbar bevorstehenden Notzeit, in der Endzeit ehelos zu bleiben. (1. Korinther 7:25-26).  Wenn alle Gläubigen diesem Rat des Paulus gefolgt wären, gäbe es heute keine Christen.

Jesus plädiert für eine sinngemäße, menschliche Anwendung von Gesetzen. So verurteilt er etwa in Matthäus 19,12 jene unmenschliche, heuchlerische  Gesetzestreue, die nur darauf ausgerichtet ist sich den Himmel zu verdienen. Siehe hierzu auch

Matthäus 23,4
Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen. (Die «schweren Lasten» sind die vielen Gebote und Verbote, die die Schriftgelehrten aus dem Alten Testament, vor allem aus dem Gesetz des Mose, ableiteten. Zur Zeit Jesu zählte man 613 solcher heiligen Vorschriften. vergleiche auch Lk 11,46)

Markus 2, 27-28

Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat. (siehe auch die bereits oben genannte Stelle Matthäus 7,12)

Jesus plädiert dafür Gesetze zu hinterfragen. Er wendet sich gegen eine Überreglementierung. Diese Gesetzeshaltung machte ihn für Frauen attraktiv, denn die Gesetze Moses sind frauenfeindlich. Und so wundert es einen kaum, dass in den Evangelien nur Frauen genannt werden, die Jesus finanziell unterstützten.

Lukas 8:1-3

Und es begab sich danach, dass er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Dabei wird an anderer Stelle auch klar, dass diese Frauen es wohl nicht nur taten, um seinen schönen Worten vom Himmelreich zu lauschen, sondern auch um den Himmel auf Erden zu erleben. Wie manche indische Gurus in unserer Zeit, hat er wohl auch Frauen durch Sex an sich gebunden.

Mehr dazu siehe Jesus und sein Liebesverhältnis, zum Thema Prostitution / Tempelprostitution siehe das Kapitel Die Stammväter "eine ehrenwerte Gesellschaft" Teil 2.

Wer glaubt, die Gesetze Moses, zu denen auch die berühmten zehn Gebote gehören, seien von göttlicher Hand geschrieben, der möge bedenken, dass in diesem Gesetzeswerk auch die Sklaverei gesetzlich verankert ist. Die Behauptung, es habe sich hierbei um ein ganz normales Arbeitsverhältnis gehandelt, wie es eben in der damaligen Zeit üblich war, mag zwar zutreffen, aber die Zeiten sind stets so, wie jene, die die Gesetze machen, und diese Gesetze waren alles andere als menschenfreundlich. Die Zeit ist nie schuld, sondern immer diejenigen, die den Zeitgeist prägen.

So steht in 2. Mose 21:20-21

"Und falls ein Mann seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt und dieser unter seiner Hand tatsächlich stirbt, so soll er unbedingt gerächt werden. Wenn er jedoch einen oder zwei Tage am Leben bleibt, so werde er nicht gerächt, denn er ist sein Geld."

Und in 2. Mose 21:8-11

Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht freigelassen werden wie die Sklaven. Hat ihr Herr sie für sich genommen und sie gefällt ihm nicht, so soll er sie auslösen lassen. Er hat aber nicht Macht, sie unter ein fremdes Volk zu verkaufen, nachdem er sie verschmäht hat. Hat er sie aber für seinen Sohn bestimmt, so soll er nach dem Recht der Töchter an ihr tun. Nimmt er sich aber noch eine andere, so soll er der ersten an Nahrung, Kleidung und ehelichem Recht nichts abbrechen. Erfüllt er an ihr diese drei Pflichten nicht, so soll sie umsonst freigelassen werden, ohne Lösegeld.(Luther’84)

Auch Paulus sieht in der Sklaverei nichts ehrenrühriges. empfiehlt allerdings sich nur zu Sklaven Gottes machen zu lassen.

1. Korinther 7:21-23

Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter. (Epheser 6,5f; Philemon 16)
Denn wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. Ebenso ist einer, der als Freier berufen wurde, Sklave Christi. Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Macht euch nicht zu Sklaven von Menschen!

Und in 3. Mose 21:16-20 steht noch ein Passus zur Diskriminierung der Behinderten:

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage zu Aaron: Wenn einer deiner Nachkommen in künftigen Geschlechtern einen Fehler hat, der soll nicht herzutreten, um die Speise seines Gottes zu opfern. Denn keiner, an dem ein Fehler ist, soll herzutreten, er sei blind, lahm, mit einem entstellten Gesicht, mit irgendeiner Missbildung oder wer einen gebrochenen Fuß oder eine gebrochene Hand hat oder bucklig oder verkümmert ist oder wer einen weißen Fleck im Auge hat oder Krätze oder Flechten oder beschädigte Hoden hat.(Luther’84)

In den so genannten zehn Geboten fehlt insbesondere ein Gebot zur Toleranz fremder Glaubensrichtungen. Statt dessen wird ultimativ gefordert einen Gott zu verehren.

Worauf es Moses bei seiner Gesetzgebung ankam, erkennt man an den zahlreichen Kapiteln, die fast ausschließlich den unzähligen Opfergaben gewidmet sind, die das Volk entrichten musste (3. Mose 1-5; 22-23; 4. Mose 6,15,18). Von Gegenleistungen ist da kaum die Rede, eher von Machtansprüchen (2. Mose 29:32- 33). Der Mitmensch wird hier zur Verdienstquelle und ist nicht mehr ein Partner, der helfen kann, Probleme zu lösen. Recht ist hier nicht mehr das, was aus humanitären Gründen gerechtfertigt ist.

Was Jesus als göttliche Wahrheit anerkennt (Matthäus 5:19), ist Menschenwerk. Klar erkennbar an dem wahren Sinn der Opfergaben!

Damit soll allerdings nicht generell der Sinn einer Gesetzgebung bestritten wird. Die geschriebenen Gesetze sind im allgemeinen doch etwas humaner als die ungeschriebenen Gesetze der Natur. Sie sichern auch dem Schwachen und dem Kranken noch die Existenz. Ohne die geschriebenen Gesetze würden die ungeschriebenen Gesetze der Natur gelten.

 

Die Moral Gottes

Gemäß Römer 1, 20 ist Gottes unsichtbare Existenz seit der Schöpfung in seinen Werken erkennbar. Das heißt, hier müssten auch jene Regeln finden lassen, die in der Bibel als das Grundgesrüst unserer Moral festgeschrieben sind. Hier müsste also auch gelten: Du sollst nicht töten. Den Mord innerhalb einer Art dürfte es also bei Tieren, deren Verhalten weitgehend festgelegt ist, nicht geben. Man spricht hier von instinktivem Verhalten.   

Konrad Lorenz hielt Kannibalismus noch für eine sozialpathologische Abnormität im Tierreich: »Tiere bringen keine Artgenossen um, das wäre der Arterhaltung abträglich.« Doch in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts trugen Biologen immer mehr For­schungsergebnisse zusammen, die die Sicht des Nobelpreisträgers erschütterten.

Die Einladung nach dem Geschlechtsverkehr  »bleib doch noch zum Essen« ist für die Männchen der Schwarzen Witwe und anderer Spinnenarten lebensgefährlich. Denn das Essen sind sie selbst. Auch Gottesanbeterinnen stärken sich nach der Paarung und oftmals schon währenddessen am Vater ihrer zukünftigen Jungen. 

Doch nicht nur weibliche Tiere neigen gelegentlich zu sexu­ellem Kannibalismus. Der vielborstige Ringelwurm Neanthes caudata hat den Spieß umgedreht. Er frißt sein Weibchen nach der Eiablage. Sobald er seine zukünftigen Jungen zu Halbwaisen gemacht hat, kümmert er sich um die Eier und bewacht sie. Die Weibchen scheinen solch mörderische Väter hinreißend zu finden. Sie fechten heftige Kämpfe mit ihren Rivalinnen aus, um einen Gatten abzukriegen.

Der Kannibalismus nach der Begattung ist jedoch nur eine Variante natürlicher Grausamkeit. Junge Röhrenspinnen sau­gen ihre altersschwache Mutter aus. Gefleckte Schnirkelschnecken ernähren sich in den er­sten 16 Tagen ihres Lebens von ihren Geschwistern - dann wer­den sie Vegetarier. Unter Blauhaien ist eine extreme Form des frühkindlichen Kanibalismus üblich. Die ca 50 Jungfische, welche im Leib der Mutter schlüpfen, fangen sofort an sich gegenseitig aufzufressen. I. a. kommen dann nur zwei zur Welt. 60 bis 70 cm lang und wohlgenährt an den eigenen Geschwistern. Auch bei Alpensalamandern findet diese Form des Kanibalismus statt. 

Löwen töten, wenn sie ein Weibchenrudel erobern, den Nachwuchs ihres Vorgängers, vermutlich weil sie Löwenkinder als Rivalen betrachten, wenn sie sie nicht als Babys schon kennen gelernt haben. Die Weibchen sehen dabei ungerührt zu. Die Erkenntnis, dass es Kinder des Vorgängers sind, haben sie nicht, denn dazu müssten sie wissen, welche Folgen der Geschlechtsverkehr hat. Hier hat sogar der Mensch lange Zeit falsche Schlussfolgerungen gezogen, indem er glaubte die Gebärmutter der Frau sei nur der fruchtbare Boden für den Samen des Mannes. Auch in der Bibel galten Frauen, die keine Kinder bekommen, als unfruchtbar. Der Stammbaum ist auf die männliche Linie ausgerichtet. 

Dagegen sind in der Natur Mänchen bei manchen Arten ein Wegwerfartikel, der nach der Fortpflanzung nicht mehr gebraucht wird.  Männliche Bienen entstehen aus unbefruchteten Eiern und werden von Arbeiterbienen bis zum Hochzeitsflug gefüttert, da sie sich nicht selbst ernähren können. Beim Hochzeitsflug darf die Drohne, die den ersten Preis gewinnt und die Bienenkönigin erobert, ihren Hinterleib , der die Samen enthält abnabeln und fällt zu Boden und stirbt. Die anderen Drohnen verhungern. Der Rückzug in den Bienenstoch wird ihnen verwehrt.

Bei solchen Schöpfungen, meine ich, fällt es schwer an einen barmherzigen Schöpfer zu glauben.

Aber das ist noch nicht alles! Die von Christen und Muslimen als abartig und sündhaft gebrantmarkte Homosexualität gibt es zu einem gewissen Prozentsatz bei vielen Tierarten.

Würmer und Wildschafe, Möwen und Meerschweinchen haben schwule Seiten und tun ganz unge­niert Dinge, für die in islamischen Gottesstaaten noch heute Menschen mit dem Tode bestraft werden.

Bei fünf Arten von Seemöwen wurden lesbische Verbindun­gen beobachtet. Bei einer davon, die unter Männchenmangel leidet, bestehen 8 bis 14 Prozent der Paare aus zwei Weibchen. Sie umbalzen einander, brüten gemeinsam und ziehen zu­sammen die Jungen auf. Den Samen zur Befruchtung der -> Eier besorgen sie sich bei kurzen heterosexuellen Seiten­sprüngen. 

Herrscht in einer Graugänseschar Weibchenmangel, tun sich auch Ganter zusammen. Die Forscher Robert Huber und Mi­chael Martys konnten beobachten, daß keiner der beiden Part­ner dabei weibliche Verhaltensweisen annimmt. Beide behan­deln dennoch den anderen, als ob er ein Weibchen sei. Solche Verbindungen müssen durchaus keine Notlösung sein. Forscher zählten bei lesbischen Möwen und Kanadagänsen mehr Junge als bei heterosexuellen Paaren. Die Homosexualität erhöht in diesen Fällen also den Fortpflanzungserfolg.

Gentests an jungen Kanadagänsen ergaben, daß die Nachkommen in einem Nest mit zwei Müttern von drei Vätern gezeugt worden waren. Die Gänse holen sich also Samen von mehreren Gantern.

Auch im Bibel-Zoo (ein Tierpark, der die in der Bibel er­wähnten Geschöpfe zeigt) am Rande Jerusalems kam es zu gleichgeschlechtlichen Verbindungen. Die beiden männlichen Gänsegeier Jehuda und Daschik kopulierten miteinander und bauten sogar ein Nest. Als Zoologen ihnen ein Ei gaben, brü­teten sie es aus und umsorgten ihr Küken wie ganz normale Geiereltern. Der Tierpark wurde so zum Problem für die Rabbiner, für die ja Homosexualität eine Sünde ist.

Neben dieser liebevollen Art der Homosexualität, gibt es in der Natur auch bösartige Formen der Homosexualität. 

Die Wanzen der Art Xylocaris maculipennis praktizieren eine perfide Form der homosexuellen Vergewaltigung. Sie injizieren ihr Sperma in den Samenleiter ihrer Konkurren­ten. Wenn diese sich dann mit einem Weibchen paaren, über­tragen sie das Erbgut ihres Vergewaltigers. (Quelle: Michael Miersch, Das Bizarre Sexualleben der Tiere)

Christliche Fundamentalisten haben natürlich auf darauf eine Antwort. Im Paradies war die Welt noch in Ordnung. Gemäß Genesis 1,30 gab es im Paradies nur Pflanzebfresser

Genesis  1,30
Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es.

Und gemäß der Apokalypse des Jesaja soll dies auch im Reich Gottes nach jener Schalcht zwischen Gut und Böse im Reich Gottes wieder so sein.

Die ganze Misere in der Natur entstand nach Meinung christöicher Fundamentalisten durch den Sündenfall. Zwei Menschen, die  vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse genascht hatten,.hatten damit ein Gesetz übertreten und das hatte Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung. Man fragt sich, wieso? Und wie soll das gehen? Der Giftzahn einer Schlange und der Stachel eines Skorpions wären erst mal völlig nutzlose Schöpfungen gewesen. Und es stellt sich auch die Frage, ob sich ein Blutegel überhaupt von Pflanzen ernähren kann. Das Verhalten der Mikrobe Mensch auf dem Staubkorn Erde, soll demnach kosmische Auswirkungen gehabt haben. Hört sich das nicht nach menschlichem Größenwahn an?

Für den Menschen der Antike gab es nur diese Erde und den Himmel, wo die Götter wohnten. Der Mensch hielt sich damals für die Krone der Schöpfung.   Diese kleine Welt ist es,. die die Kirchen noch heute mit Erfolg verkünden. Hier wird den Leuten eine Geborgenheit vorgegaukelt, die es nicht gibt. 

Damit ist allerdings noch nicht erklärt, wie jene Gesetze zustande kamen, die unnser zwischenmenschlichen Beziehungen regeln und die wir als Moral bezeichnen.

 

DIe Evolution der Moral

Hierzu müssen wir zu den Anfängen des Lebens zurückgehen. Die Dynamik unseres Materie-Energiesystems führt in einem bestimmten Temperaturbereich zu einer Reihe von chemischen Verbindungen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Es entstehen, sowohl komplexe als auch einfache Moleküle. Nun hängt die Anzahl der Eigenschaften dieser Moleküle von ihrer Struktur, von den gebundenen Elementen und von der inneren Dynamik des Systems ab. Je komplexer ein System ist, desto mehr Eigenschaften kann man erwarten. Auch Eigenschaften, die das System zu seiner Selbsterhaltung nicht benötigt, können darin enthalten sein. Lebende Systeme sind per Definition Systeme, die einen Stoffwechsel haben und sich selbst reproduzieren können. Wenn sie sich darüber hinaus noch bewegen können, dann spricht man von Tieren.

Bei Lebewesen, die sich frei bewegen können, tritt folgendes Problem auf: Der optimale Lebensraum kann versehentlich verlassen werden. Das Lebewesen gerät dadurch in Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten lassen sich nun wiederum auf verschiedene Weise lösen. Entweder eine Art erzeugt so viele Nachkommen, dass der Verlust an Artgenossen durch die Vermehrungsrate ausgeglichen wird, oder das Lebewesen koordiniert seine Bewegungen so, dass es in den Lebensraum zurückfindet, oder das Lebewesen schafft sich einen künstlichen Lebensraum.

Da die Natur kein Ziel kennt, bleiben jeweils jene Arten übrig, die bestimmte Minimalbedingungen erfüllen. So kommt es, dass man in der Natur heute mehrere Varianten dieser Problemlösung findet. So kommt es auch generell zu jener Artenvielfalt, die man heute beobachten kann.

Dies erklärt auch warum sich bei Lebewesen, die sich frei bewegen können, Steuerungsmechanismen finden lassen oder sogar ein Nervensystem zum Erkennen der Umwelt, während Lebewesen, die sich standorttreu verhalten (Pflanzen) sich oft erstaunlich gut an ihre Umwelt angepasst haben.

Für ein Lebewesen, das sich bewegen kann, ist es sicher von Vorteil, wenn es die Gegebenheiten seiner ökologischen Nische als optimalen Lebensraum interpretieren kann. Außerdem ist es für eine Art vorteilhaft, wenn tödliche Kämpfe innerhalb der eigenen Art weitgehend vermieden werden, und die eigene Art, der eigene Körper als Nahrungsquelle ausgeschlossen wird (Minimal-Bedingungen). Hier wird schon sichtbar, wie ethische Normen entstehen. Es sind Minimalbedingungen. Eine Art, die diese Bedingungen erfüllt, wird sich vermehren.

Allerdings werden diese Bedingungen nicht vollkommen erfüllt, denn die Natur erzeugt stets eine Vielzahl von Varianten einer Art, woraus sich schließen lässt, dass die Natur nicht weiß, wann ein Ziel erreicht ist. Die den Evolutionsmechanismen innewohnende Dynamik findet neue Wege für das Leben durch Millionen erfolgloser Experimente. Eine äußerst ineffiziente Vorgehensweise für jemand, der angeblich allwissend ist.

Wir erfüllen die oben genannten Minimalbedingungen mit unseren Sinnesorganen. Unsere Gefühlswelt ist so eingestellt, dass diese Bedingungen erfüllt werden. Der Wert, den unsere Gefühlswelt den Dingen beimisst, erfüllt den Zweck. 

Wer z. B. die Farbe grün sieht, der weiß noch nichts über die über die wahre Natur des Lichts. Wir erkennen daran weder die Wellenlänge noch die elektromagnetische Natur des Lichts. Das Ergebnis des Interpretationsvorgangs ist die Aktivierung einer der zahlreichen Eigenschaften unseres Nervensystems und hierzu zählen eben auch unsere Gefühle.

Wenn nun mehrere Lebewesen sich einen Lebensraum teilen müssen, so entstehen Konfliktsituationen. Um dem Nahrungsmangel zu entgehen, begeben sich Herdentiere auf die Wanderschaft. Auch der Mensch hat sich einst als Nomade auf die Wanderschaft begeben, aber er hat gelernt mit einem verhältnismäßig geringen Lebensraum auszukommen. Wir haben gelernt Konfliktsituationen verstandesmäßig zu bewältigen. Dies geschieht über die Definition von Gesetzen, die Rahmenbedingungen festlegen. Gesetze werden erlassen und durchgesetzt von den jeweils Herrschenden.

Für das Legitimationsproblem haben sich in gesellschaftlichen Prozessen mehrere Lösungen herauskristallisiert. Menschen werden heute auf vier verschiedene Weisen regiert, Spielarten nicht eingerechnet. Es gibt die diktatorische Regierungsform, den Gottesstaat, den Ein-Parteien-Staat und die Demokratie. Bei jeder dieser Varianten kann optimale Stabilität erreicht werden, zumindest vorübergehend. Sie muss jedoch nicht erreicht werden. In vielen Staaten sind heute innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen religiöse, demokratische und diktatorische Herrschaftsformen gleichzeitig zugelassen.

Als Menschen gehören wir zu den wenigen Lebewesen, die sich zu großen Gruppen zusammenschließen. In der Natur ist dies eher die Ausnahme. Pflanzen und die meisten Tierarten sind Einzelgänger. Wenn die Welt von einem Schöpfer geschaffen wurde, so stellt sich die Frage, warum dieser Schöpfer eine Welt des Gegeneinander und nicht eine Welt des Miteinander geschaffen hat.

 

Gegenläufige Ziele in der Natur

Wenn Gott zielgerichtet handelt (z. B. lebenserhaltend), wie lässt sich dann dies mit der Realität vereinbaren? Zahlreiche Lebewesen auf unserer Erde müssen genetisch bedingt gegenläufige Ziele verfolgen. Viele Lebewesen sind gezwungen andere Lebewesen zu fressen, einige fressen sogar ihre Partner (z. B. Spinnen). Wir leben von den friedlichsten Lebewesen auf unserem Planeten, den Pflanzen. Auch die Menschen im Paradies ernährten sich der Legende nach von Pflanzen. Wer schuf die Bakterien und Viren, die uns krank machen? Wie ist dies vereinbar mit einem liebenden und barmherzigen Gott?

Das Übel in der Welt war schon zu Zeiten eines Augustinus und eines Thomas von Aquin ein Problem, denn Atheisten argumentierten: "Wenn von zwei geraden Gegensätzen der eine unendlich ist, wird der andere erdrückt. Nun wird beim Worte "Gott" das verstanden, dass er ein gewisses unendliches Gut ist. Wenn es also Gott gäbe, so würde man kein Übel finden. Man begegnet aber Üblem in der Welt." (Thomas von Aquin in Summe der Theologie I Seite 22) Augustinus wehrt sich im Enchiridion gegen dieses Argument: "Da Gott höchst gut ist, so würde er keineswegs etwas Übles bei seinen Werken zulassen, wenn er nicht so sehr allmächtig und gut wäre, dass er auch mit dem Üblen gut täte." (Thomas von Aquin Summe der Theologie I Seite 25) Dagegen spricht: Wenn das Leben eines Mitmenschen durch eine Viruserkrankung beendet wird, dann gibt es für diesen Menschen im Diesseits keine bessere Zukunft mehr und für seine Familie in den meisten Fällen wohl auch nicht.

 

Das theologische Problem der Freiheit

Paulus äußert sich recht widersprüchlich zum Thema freier Wille. In 1 Korinther 12,6 sagt er: "Gott bewirkt alles in allen." Eine Bibelstelle, die die menschliche Freiheit negiert, aber in "Galater 5,1 sagt er: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit." Wenn dies nur für Christen gilt, dann sind nur diese im Besitz der Freiheit. Die genannte Stelle im Korintherbrief wird daher meist so interpretiert, dass man sagt: Gott ermöglicht alles in allen. Die Ausgestaltung dieser Möglichkeiten ist dann der dem Menschen gegebene freie Wille. Dagegen steht aber Psalm 139,16: "Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war".  Gemäß diesem Psalm ist alles vorherbestimmt.

Auch die angeblich erfüllten Prophezeiungen setzen ja voraus, dass die beteiligten Personen erwartungsgemäß handeln, z. B. dass der Hohe Rat Jesus verurteilt und Pilatus ihn hinrichten lässt . . .  Gott weiß also wie die Menschen handeln, aber er greift nicht ein. Mit anderen Worten: Der barmherzige Gott schaut bei einem Mord seelenruhig zu.

Als Schöpfer dieses freien Willens hat er den freien Willen nicht sinnvoll eingeschränkt. Wir können zum Beispiel, wenn wir sehen, dass ein Kind einem Ball nachjagt und dabei auf eine verkehrsreiche Straße läuft, höchstens das Kind warnen, aber wir können nicht wie Superman eingreifen und das Auto anhalten. Aber wir haben die Möglichkeit einen anderen Menschen anzulügen oder andere unmoralische / ungesetzliche Dinge zu tun. (vgl. Prof. Gerhard Streminger

http://members.aon.at/gstremin/index2.htm ). Mehr zum Thema freier Wille siehe "Der Zufall und das Problem des freien Willens".


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