Gedanken zur Lebensenergie

Textmarken: Naturkräfte,    Der zweite Hautsatz der Thermodynamik,    Entropie


Mit dem Bau der ersten Dampfmaschine durch James Watt war es zum ersten Mal gelungen die in Kohle gespeicherte Energie in einer Maschine umzusetzen, die sich nun wie von Geisterhand getrieben bewegte. Aber im Unterschied zu den Wind- und Wasserrädern, die Naturkräfte nutzten, war hier der Mechanismus der Entstehung der Kraft, die das Rad bewegte leicht durchschaubar. Und im Unterschied zu Naturkräften, war diese Kraft steuerbar, ja sogar berechenbar. Man sprach auf einmal von der Leistung einer Maschine. Der Energiebegriff als physikalische Größe tauchte auf.

Der Begriff stammt, wie auch einige andere physikalische Begriffe, aus dem Griechischen energeia, hat aber dort eine andere Bedeutung (energeia = Wirklichkeit). In der aristotelischen Philosophie taucht der Begriff auf als Übergang von der Möglichkeit (griechisch dynamis) zur Wirklichkeit (energeia). Er beschreibt damit die Bewegung (kinesis), bzw. jede Art der Veränderung in der Natur.

Naturkräfte lagen bis dahin allesamt in der Verfügungsgewalt Gottes bzw. seiner dienstbaren Geister. Nichts bewegte sich ohne göttliche Mitwirkung. Dies lehrt die Bibel. Da war keine anonyme Naturgesetzlichkeit am Werk, sondern wenn ein Sturm die See aufwühlte dann war dies Gottes Wille und wenn sein Sohn Jesus dem Wind und dem Meer befahl sich zu legen, dann war dies ebenso Gottes Wille.

Markus 4:39 - 41

Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Zwischen den Wellenbewegungen des Meeres und dem Wind sah man damals noch keine Abhängigkeit, denn das Meer ist auch noch einen Tag nach einem Sturm unruhig oder wenn es weit draußen zu einem Unwetter kommt. Deswegen befiehlt Jesus dem Meer und dem Wind sich zu beruhigen. Für die Wellenbewegung des Meeres machte man die Geister des Meeres verantwortlich zu denen auch im Meer ertrunkene Seefahrer gehörten.

Hiob 26:5

Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.

Psalmen 89:10

Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.

Psalmen 33:7

Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten.

Psalmen 74:13

Du hast das Meer gespalten durch deine Kraft, zerschmettert die Köpfe der Drachen im Meer

Psalmen 135:6

Alles, was er will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen; der die Wolken lässt aufsteigen vom Ende der Erde, der die Blitze samt dem Regen macht, der den Wind herausführt aus seinen Kammern;

Jeremia 10:13

Bei seiner Stimme gibt es durch ihn ein Getöse von Wassern in den Himmeln, er lässt Dämpfe aufsteigen vom äußersten Ende der Erde. Er hat sogar Schleusen für den Regen gemacht, und er bringt den Wind aus seinen Vorratshäusern hervor. (siehe auch Hiob 9:6, Hiob 26:5-13)

Jona 1:15

Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.

Offenbarung 7:1

Danach sah ich vier Engel stehen an den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde (Winddämonen) fest, damit kein Wind über die Erde blase noch über das Meer noch über irgendeinen Baum.

Offenbarung 7:1 ist ein gutes Argument gegen die Verbalinspiration. Selbst wenn hier der Einwand kommt, dass hier nicht von Winddämonen gesprochen wird und Naturkräfte gemeint sind, so stellt sich doch die Frage wieso es vier Winde sind, die festgehalten werden müssen, wo doch ein Gotteswort genügt, denn in

Markus 4:39 - 41

Und er (Jesus) stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Bedrohen kann man nur eine personifizierte Naturgewalt. Zwischen den Wellenbewegungen des Meeres und dem Wind sah man damals noch keine Abhängigkeit, denn das Meer ist auch noch einen Tag nach einem Sturm unruhig oder wenn es weit draußen auf dem Meer zu einem Unwetter kommt. Deswegen befiehlt Jesus dem Meer und dem Wind.

Für die Wellenbewegung des Meeres machte man die Geister des Meeres verantwortlich zu denen auch im Meer ertrunkene Seefahrer gehörten.

Hiob 26:5

Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.

Auch Erdbeben sind gemäß der Bibel nicht einfach die Folge einer Verschiebung von riesigen Platten die auf dem glühenden Erdkern schwimmen, sondern eine Folge göttlichen Wirkens. Dies lehrt jedenfalls die Bibel.

Psalmen 29:8

...die Stimme des HERRN lässt die Wüste erbeben; der HERR lässt erbeben die Wüste Kadesch.

Jesaja 29:5

Und plötzlich wird's geschehen, dass Heimsuchung kommt vom HERRN Zebaoth mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, mit Wirbelsturm und Ungewitter und mit Flammen eines verzehrenden Feuers.

Joel 4,16

Und der HERR wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme hören lassen, dass Himmel und Erde erbeben werden.

Matthäus 28,2

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Offenbarung 8,5

Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben.

Mehr dazu unter Gottesbild und Weltbild im alten Israel.

Auch wenn diese Sätze in der christlichen Glaubensgrundlage stehen, so haben sie doch für viele heute keine Bedeutung mehr. Blitze lassen sich heute im Labor erzeugen, da braucht man keinen Gott mehr zu bemühen. Für die meisten gläubigen Christen greift Gott nur noch in das Naturgeschehen ein, um ein Wunder zu wirken. Und eines dieser Wunder ist für viele Christen auch heute noch die Entstehung und die Existenz des Lebens. Christen glauben an den Fortbestand ihrer Persönlichkeit nach dem Tod. Diese Behauptung von der Existenz einer unsterblichen Seele bedingt die Existenz einer metaphysischen Lebensenergie und nur diese metaphysische Energie, so die Behauptung, macht Leben überhaupt möglich.

Um diese Behauptung naturwissenschaftlich zu untermauern, wird vor allem von christlichen Fundamentalisten der zweite Hauptsatz der Thermodynamik zitiert und in religiösem Sinne interpretiert.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik bezieht sich auf die Erfahrung, dass in einem abgeschlossenen System die Prozesse im Inneren des Systems stets in einer Richtung ablaufen, bis ein Gleichgewichtszustand erreicht ist. Wird zum Beispiel in einen Behälter, der durch eine Trennwand getrennt ist, links kaltes Wasser und rechts heißes Wasser eingefüllt und man entfernt nun die Trennwand, dann wird das warme Wasser sich abkühlen, während sich das kalte Wasser gleichzeitig erwärmt. Dieser Vorgang geht solange weiter bis sich, makroskopisch betrachtet, ein Gleichgewichtszustand eingestellt hat. Mikroskopisch betrachtet nähert sich das System nur dem Gleichgewichtszustand, aber das nur nebenbei.

Ein englischer Lord sitzt im Wohnzimmer seines Landhauses.
"James!"

"Ja, my Lord..."

"Mich friert, wie warm ist es eigentlich hier drinnen?"

"17 Grad, my Lord"

Ein paar Minuten später...

"James!"

"Ja..."

"Und draußen?"

"4 Grad - Sir!"

"James, dann machen Sie doch mal das Fenster auf und lassen die restlichen 4 Grad auch noch rein!..."

Der umgekehrte Vorgang, nämlich dass das kalte Wasser sich weiter abkühlt und das warme Wasser sich dadurch noch mehr erwärmt, findet in einem abgeschlossenen sich selbst überlassenen System nicht statt. Man kann natürlich eine Maschine bauen, die das leistet (etwa ein Kühlaggregat). In diesem Fall muss aber Energie von außen zugeführt werden, um das Kühlaggregat zu betreiben, das diesen Ordnungszustand herbeiführt. Dieses System ist dann nicht mehr abgeschlossen, sondern offen, nämlich offen für die Energiezufuhr von außen. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gilt aber, wie bereits gesagt, nur für abgeschlossene Systeme.

Wenn der Ordnungszustand nicht dem Gleichgewichtszustand entspricht, muss man erfahrungsgemäß immer Energie aufwenden, um den gewünschten Ordnungszustand zu erreichen. In einem offenen System, wie der Natur, wechselt ständig das Temperaturniveau (tagsüber Zufuhr von Sonnenenergie, nachts Abkühlung)  infolgedessen finden hier ständig Anpassungsprozesse statt.

Zur Quantifizierung der Vorgänge, die gemäß dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik ablaufen, wurde von Rudolf Clausius (1865) der Begriff der Entropie eingeführt.

Von Clausius selbst wurde der Begriff wie folgt beschrieben:

"Sucht man für S (die Entropie) einen bezeichnenden Namen, so könnte man, ähnlich wie von der Größe U (der inneren Energie) gesagt ist, sie sey der Wärme- und Werkinhalt des Körpers, von der Größe S sagen sie sey der Verwandlungsinhalt des Körpers. Da ich es aber für besser halte, die Namen derartiger für die Wissenschaft wichtiger Größen aus den alten Sprachen zu entnehmen, damit sie unverändert in allen neuen Sprachen angewandt werden können, so schlage ich vor, die Größe S nach dem griechischen Worte "tropae", die Verwandlung, die Entropie des Körpers zu nennen. Das Wort Entropie habe ich absichtlich dem Wort Energie möglichst ähnlich nachgebildet, denn die beiden Größen, welche durch diese Worte benannt werden sollen, sind ihren physikalischen Bedeutungen nach einander so nahe verwandt, dass eine gewisse Gleichartigkeit in der Benennung mir zweckmäßig zu seyn scheint."

Unter Verwendung des Begriffs der Entropie lautet der zweite Hauptsatz der Thermodynamik:

"Hat die Entropie eines abgeschlossenen Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Wert und treten späterhin Zustandsänderungen auf, so bleibt die Entropie dabei konstant, sofern es sich um reversible (rückgängig zu machende) Zustandsänderungen handelt, sie hat aber einen positiven Wert (nimmt zu), sobald die Zustandsänderung auch nur einen irreversiblen Teilschritt enthält."

Die Anwendung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik führt zu dem Schluss, dass bei jedem sich selbst überlassenen physikalischen System von selbst eine solche Energieverteilung eintritt, dass dabei diese, Entropie genannte Größe anwächst, während zur gleichen Zeit die nutzbare Energie des Systems abnimmt.

In der statistischen Mechanik wird die Entropie als Wahrscheinlichkeitsaussage definiert. L. Boltzmann erkannte, dass sich selbst überlassene mechanische Systeme (z. B. Gase oder mischbare Flüssigkeiten) dem statistisch wahrscheinlichsten Zustand zustreben.

Ein Sonderfall sind Phasenübergänge (Übergang vom festen in den flüssigen Zustand bzw. vom flüssigen in den gasförmigen Zustand) und Auflösung einer chemischen Verbindung. Hierbei erhöht sich ebenfalls die Entropie um einen materialabhängigen Betrag. Man spricht hier von der sogenannten Fehlordnungsentropie. 

Dies wird von religiösen Fundamentalisten häufig so interpretiert, dass ein System von einem geordenten in einen ungeordneten Zustand übergeht. Hierbei muss man sich jedoch daran erinnern, dass der zweite Hauptsatz der Thermodynamik für geschlossene Systeme gilt. In einem geschlossenen System (zum Beispiel einer ideal isolierten Thermoskanne) bleibt die Energie (Wärme) erhalten. Was sich ändern kann ist nur die Verteilung der Energie. 

Außerdem ist der feste Ordnungszustand (Kristallbildung) energetisch niederwertiger als der flüssige oder der gasförmige Zustand. Die Natur begünstigt also gelegentlich bei Abkühlvorgängen die Entstehung von geordneten Strukturen. 

Ohne die Entropie gemäß ihrer Definition zu berechnen, kann man sagen, dass sich lebende Wesen nicht im Gleichgewicht mit ihrer Umwelt befinden. Gemäß dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik müssten sie also sich selbst überlassen dem Gleichgewicht mit ihrer Umwelt zustreben.

Aber kommt hier der zweite Hauptsatz der Thermodynamik überhaupt zur Anwendung? Lebewesen haben per Definition einen Stoffwechsel. Es handelt sich also nicht um geschlossene Systeme. Der ständige Energieverlust durch die Abgabe von Wärme wird bei Tieren ausgeglichen durch die Nahrungszufuhr. Bei Bakterien und Pilzen treiben Gärungsprozesse das chemische Räderwerk. Bei Pflanzen sind es zum einen Gärungsprozesse und zum anderen die Photosynthese, die das chemische Räderwerk in Gang halten. Unsere Lebensenergie beziehen wir aus chemisch gespeicherter Sonnenenergie, gespeichert in chemischen Verbindungen wie zum Beispiel Zucker. Die Sonne sorgt auf unserem Planeten auch für einen Temperaturbereich/Energieniveau, der/das zahlreiche biochemische Reaktionen ermöglicht.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik verbietet nicht chemische oder physikalische Prozesse, durch die ein System von einem energetisch niederwertigen Zustand in einen energetisch höherwertigen kommt. Er sagt nur, dass dies nicht von selbst geschieht. Es muss in diesem Fall Energie zugeführt werden.

Für die Vorstellung, dass diese Energie dem Organismus durch ein im metaphysischen Bereich existierendes Wesen zugeführt wird, gibt es keine Hinweise. Dieses Wesen müsste auch exakt synchron zu den biochemischen Prozessen arbeiten, um die Zellen ständig neu zu beleben. Die Nahrungszufuhr wäre dann überflüssig.

Das elektrische Feld, das in der Umgebung eines Lebewesens aufgebaut wird (von Esotherikern als Aura bezeichnet), ist eine Folge der zahlreichen elektrochemischen Prozesse (z. B. Ionenaustausch in Nervenfasern) die in einem Lebewesen ablaufen.

Wenn es an der von Gott verliehenen Lebenskraft liegen würde, dass wir leben, dann würden die Menschen ohne erkennbare Ursache sterben, also ohne psychischen Schock und ohne körperlich feststellbare Ursachen. Der natürliche Tod ist jedoch ein schleichender Prozess, der einer Krankheit vergleichbar ist, die im Tod eskaliert.


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