Kritische Fragen an die Mormonen

Textmarken: Kindheit und Jugend von Joseph Smith;   Er besuchte nur ca 4 Jahre die Grundschule;   Aus den Gerichtsakten des Staates New York;   Übersetzung des Buches Mormon durch göttliche Intuition;   Die Bücher Moses in Israel auf Messingplatten eingraviert?   Das Buch Mormon ein Plagiat?   Joseph Smith - Sein Aufstieg als Prophet;   Offenbarungseid statt Offenbarung;   Die Zeit nach der Pleite;   Joseph Smith - General der Nauvoo-Legion;   Joseph Smith als Freimaurer und Politiker;   Das Ende des Propheten;   Kritische Fragen in Gesprächen mit Mormonen;   Wieso gerade ein Brennen im Herzen?   Wie sollen sich geistig Behinderte bewähren?   Das antike Weltbild in den Offenbarungen des Joseph Smith;   . . . und die Sterne werden sich weigern zu leuchten;   Der Herr der Heerscharen;   Die Offenbarung zur Vielehe;   Das Buch Abraham - Phantasie statt Übersetzung


Einleitung

Schon in den sechziger Jahren hatten meine Eltern mal Besuch von Missionaren der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage", auch Mormonen genannt. 1969, als ich bereits berufstätig war, gab es ein Sonderangebot für einen Rundflug durch die USA für damals 695 DM. Allerdings kam da noch der Flug in die USA dazu und auch alles, was man an den einzelnen Reisezielen unternehmen wollte, musste man selbst organisieren und bezahlen. Insgesamt kostete mich die Reise damals ca. 3 Monatsgehälter. Ich konnte mir das leisten, weil ich damals bei meinen Eltern wohnte und nur 150,- DM abgeben musste.  Bei dieser Reise besuchte ich auch Salt Lake City und seine Sehenswürdigkeiten. U. a. sah ich auch den prächtigen Tempel der Mormonen, zumindest von außen. Hinein dürfen nur Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Salt Lake City erlebte ich als die sauberste und schönste Stadt, die ich in den USA zu Gesicht bekam. Nirgends verfallene Häuser, wie in den anderen Städten, die ich auf dieser Reise besucht habe. Die Lebenserwartung der Mormonen ist auch höher als der Durchschnitt der amerikanischen Bevölkerung. Joseph Smith, ihr Prophet, hat u. a. Alkohol und Zigaretten verboten.

Die Quelle Ihres Credos ist im Wesentlichen das Buch Mormon von Ihrem Propheten Joseph Smith. Daneben gibt es noch das Buch "Lehre und Bündnisse" und das Buch "Die köstliche Perle". Beide Bücher enthalten Offenbarungen des Propheten. In dem Buch "Die köstliche Perle"  ist auch eine kurze Selbstbiographie von Joseph Smith. Interessant auch das darin enthaltene Buch Abraham und seine Entstehungsgeschichte (siehe weiter unten).

Die Bibel wird grundsätzlich anerkannt, in der Praxis des Unterrichts ihrer Sonntagschulen wird die allgemein unter Christen anerkannte Bibel genutzt. In Deutschland ist es die Einheitsübersetzung. Allerdings nahm Joseph Smith an den Zitaten der King James Version einige hundert Korrekturen vor. In den allgemeinen Versammlungen wird die Bibel daher aus „mormonischem“ Blickwinkel gelesen.

Mormonen glauben z.B. nicht, dass Gott die Schöpfung in 6 irdischen Tagen vollzog. Wie bei anderen christlichen Kirchen werden aus irdischen Tagen Gottestage oder Zeitabschnitte, obwohl die Schöpfungsgeschichte hier den irdischen Tag definiert und dieser Tag identisch mit dem Schöpfungstag ist.

Schon der Kirchenvater Origines (185 - ca 254 n. Chr.) zweifelte an der Schöpfungskraft des großen Zauberers und interpretierte die Tage als Äonen (Zeitabschnitte, Ewigkeiten). Im Buch Abraham (köstliche Perle) wird durchgängig von Zeiten als Schöpfungsperioden gesprochen. Aber wer meint, dass hier eine Brücke zur Evolutionstheorie gebaut wurde, der bekommt nur die Kritik an der Evolutionstheorie zu hören.

Ähnlich wie andere amerikanische christliche Kirchen glauben auch die Mormonen an  die Sintflut, eine weltweite Überschwemmungskatastrophe infolge eines Dauerregens, die selbst die höchsten Berge bedeckt hat. Dies wird als Taufe der Erde betrachtet und stellt eine Reinigung dar (1. Petrus 3, 20 . 21). Nach dem Glauben der Mormonen wurde Amerika nach der Sintflut zum auserwählten Land, in dem auch nach dem Jüngsten Gericht das Neue Jerusalem vom Himmel herabschweben wird. (Ether 13,2). Ansonsten bezieht man sich, was die Sintflut anbelangt, auf die Bibel (Stichwortverzeichnis zum Buch Mormon "Flut zur Zeit Noahs") und auf die vielen Sagen von einer großen Flut, die sich bei Kulturvölkern finden lassen. 

Dagegen steht, u. a. dass es Noah und seiner Familie wohl kaum gelungen wäre, die Artenvielfalt der Landtiere artgerecht monatelang zu versorgen.  Es stellt sich auch die Frage, wie der flugunfähige Kiwi nach Neuseeland kam. Zu den fragwürdigen Lösungen, die hier von christlichen Fundamentalisten angeboten werden, siehe die Kapitel zum Thema Sintflut unter dem Link Bibelkritik.

Homosexualität gilt zwar als Sünde. Mormonen verhalten sich aber durchaus tolerant gegenüber Homosexuellen. Homosexuelle werden nicht aus der Kirche ausgeschlossen. Vor einiger Zeit gab es einen Kongress homosexueller Mormonen in Los Angeles, der in seiner Grußadresse an die Erste Präsidentschaft sagte, sie liebten die Kirche. Allerdings Leute die in gleichgeschlechtlichen Ehen leben dürfen keine Ämter innerhalb der Kirche ausfüllen. Geschlechtsumwandelnde Operationen können zur Exkommunikation führen. Niemand in dieser Kirche wird irgendwie behelligt, wenn er sich pro Gayehen ausspricht. Ein zur Frau umgewandelter Mann verliert seine Priestertumsrechte umgehend. Niemand darf ihn jedoch hindern die Versammlungen zu besuchen, es sei denn diese Person nutzt sein Rederecht in entsprechenden Klassen um für "Gayrechte" zu werben.

Meine Meinung: Im Allgemeinen sind Gesetze dazu da, um zwischenmenschliche Beziehungen so zu regeln, dass niemand geschädigt wird. Aber wer wird denn geschädigt, wenn ein Homosexueller einen gleichgesinnten Partner findet? Ich frage mich auch, wer geschädigt wird, wenn ich ein Wesen, das angeblich existiert, das ich aber nicht erkennen kann, nicht verehre und anbete. Einem angeblich allmächtigen Gott kann ich keinen Schaden zufügen. Die Probleme entstehen doch erst durch jene, die mit nicht überprüfbaren religiösen Argumenten Feindbilder aufbauen. Und da tragen die Religionen nach Kräften dazu bei, indem sie ihre eigenen Maßstäbe ansetzen und jene verteufeln, die anderer Ansicht sind. Der Frieden in dieser Welt ist aber nicht abhängig von einer gemeinsamen Weltanschauung, sondern von der Toleranz und Achtung mit der man dem Anderen begegnet. 

Dieses Kapitel über die Mormonen gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 enthält die Lebensgeschichte des Propheten Joseph Smith, sowie einige kritische Anmerkungen zur Entstehung des Buches Mormon. Teil 2 enthält die  kritischen Fragen zu seiner Glaubenslehre.

 

Kindheit und Jugend von Joseph Smith

Joseph Smith wurde am 23. Dezember 1805 in Sharon, Windsor-Grafschaft, im Staate Vermont, geboren. Seine Familie bestand aus 11 Personen, nämlich seinem Vater Joseph Smith, seiner Mutter Lucy Smith (ehe sie heiratete, hieß sie Mack, Tochter des Solomon Mack); seinen Brüdern Alvin (er starb am 19. November 1824 im Alter von 27 Jahren), Hyrum, ihm selbst, Samuel Harrison, William, Don Carlos und seinen Schwestern Sophronia, Catherine und Lucy.

Joseph Smith besuchte im nahe gelegenen Lebanon die Grundschule. Eine Typhus-Epidemie in Lebanon beendete die Schulzeit.  Nachdem die Familie wieder gesund, aber verarmt war, zog sie nach Norwich, Vermont. Dort lebte die Familie auf einer Farm. Aber nach mehreren Missernten zog die Familie nach Palmyra (ca 1815), wobei Joseph sen. als erster abreiste, um den Umzug der Familie vorzubereiten. Dort kaufte die Familie eine Farm, die sie bewirtschaftete und in Raten abzahlte. Lucy Mack Smith bemalte und verkaufte in dieser Zeit Wachstücher und konnte so zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Bis zu Joseph jun. fünfzehnten Lebensjahr gab es, nach den Aussagen seiner Mutter, wenig zu berichten, da sein Leben dem anderer Kinder seines Alters glich.
(Quelle  http://de.mormonwiki.com/Joseph_Smith,_Jr )

Mit dem 15. Lebensjahr, so berichtet Joseph Smith begannen seine Visionen. In "Die köstliche Perle", Joseph Smith 2, 28 f schreibt Joseph Smith dazu:

In der Zeit zwischen meiner Vision (Frühjahr 1820) und dem Jahr 1823  war ich allen möglichen Versuchungen ausgesetzt, kam mit verschiedenen Gesellschaftskreisen in Berührung, fiel oft in manche törichte Irrtümer und zeigte die Schwachheit der Jugend und Unvollkommenheit der menschlichen Natur, die mich - ich muss es leider sagen- in verschiedene Versuchungen führte, welche in den Augen Gottes nicht angenehm sein konnten.

In einer Broschüre des Materialdienstes der evangelischen Kirche, evangelische Zentralstelle  für Weltanschauungsfragen (8/78) steht dazu: Aus Gerichtsakten des Staates New York geht hervor, dass er (Joseph Smith jun.) schon als junger Mann normale Arbeit scheute und lieber als Wahrsager und Schatzgräber sein Glück versuchte.

In "Die köstliche Perle" Joseph Smith 2, 56 - 57 schreibt Joseph Smith über seine Zeit als Schatzgräber:

Im Oktober 1825 trat ich in den Dienst eines in der Grafschaft Chenango im Staate New York wohnenden älteren Herrn namens Josiah Stoal. Er hatte etwas von einem Silberbergwerk gehört, das die Spanier in Harmony Susquehanna-Grafschaft im Staate Pennsylvania, gegraben haben sollten,  und er hatte bereits, ehe er mich einstellte, zu graben begonnen, um vielleicht den Stollen zu entdecken. Nachdem ich zu ihm gezogen war, beauftragte er mich mit seinen anderen Arbeitern, diesem Silberlager nachzugraben. Diese Arbeit setzten wir ungefähr einen Monat fort, ohne jedoch irgendeinen Erfolg unseres Unternehmens zu sehen, und schließlich überredete ich den alten Herrn die Arbeit einzustellen. Daraus erwuchs das weit verbreitete Gerücht, dass ich ein Schatzgräber gewesen sei.

Während ich bei ihm arbeitete hatte ich Kost bei einem Isaac Hale von Harmony Susquehanna, Grafschaft, Pennsylvania. Dort sah ich zum ersten Mal meine  Frau (seine Tochter) Emma Hale. Am 18. Januar 1827, während ich noch im Dienste des Herrn Stoal stand, heirateten wir.

Aus den weiteren Versen dieses Kapitels geht hervor, dass er nach seiner Heirat den Dienst bei Herrn Stoal quittierte und mit seiner Frau zu seinen Eltern zog und dort auf der Farm seines Vaters bei den Arbeiten mithalf. Er hat also immerhin mehr als ein Jahr lang sein Glück als Schatzgräber versucht und nicht nur den einen Monat wie man meinen könnte. .

Am 22. September des Jahres 1827 bekam dann Joseph Smith den Ort mitgeteilt, an dem sich die Platten des Buches Mormon befanden, und er bekam sie von dem himmlischen Boten übergeben ("Die köstliche Perle", Joseph Smith 2, 59).

In dieser Zeit lernte Joseph Smith einen angesehenen Landwirt namens Martin Harris kennen, der ihn mit 50 Dollar unterstützte. Martin Harris wohnte in Palmyra in der Wayne Grafschaft im Staat New York. Nach der Darstellung in "Die köstliche Perle", Joseph Smith 2, übersetze er dann im Dezember und Januar des Jahres 1827/1828 116 Seiten des Buches Mormon im Hause seines Schwiegervaters in Pennsylvania. Auf Bitte von Mr. Harris übergab er ihm das Manuskript, da er es mit nach Hause nehmen wollte. Diese Schrift ging dann allerdings verloren.

Die Übersetzung der angeblich von einem Engel übermittelten Schrift machte dann erst wieder Fortschritte, als Joseph Smith am 5. April 1829 einen jungen Lehrer namens Oliver Cowdery kennen lernte. Zwei Tage später begann Oliver Cowdery als Schreiber für Joseph Smith zu arbeiten.  

Joseph Smith beschreibt diese Schrifttafeln so:

"Diese Berichte waren auf Platten graviert, die das Aussehen von Gold hatten; jede Platte war sechs Zoll breit und acht Zoll lang und nicht ganz so dick wie gewöhnliches Blech. Sie waren ganz mit eingravierten Schriftzeichen ägyptischer Art bedeckt und wie die Blätter eines Buches  mit drei Ringen zusammengehalten und so einem Band zusammengefasst. Dieser Band war etwa sechs Zoll stark, und ein Teil davon war versiegelt. Die Schriftzeichen im versiegelten Teil waren klein und sehr schön eingeschnitten. Das ganze Buch zeigte viele Merkmale seiner altertümlichen Herkunft und eine große Fertigkeit in der Kunst des Gravierens. Bei den Berichten fand sich ein seltsames Instrument, das in alten Zeiten "Urim und Tummin"  genannt wurde und aus zwei durchsichtigen Steinen bestand, die in ein bogenartiges Gestell gefasst waren; dieses war an einem Brustschild befestigt. Mit diesem URIM und TUMMIM habe ich den Bericht durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt." ("Seine Kirche wieder hergestellt" Seite 27)

Im Lexikon zur Bibel steht zu Urim und Tummim folgendes:

Licht und Recht (hebr. urim und tummim) sind nach 2. Mose 28,30; 3. Mose 8,8 vermutlich zwei oder mehrere kleine Gegenstände in der -› Brusttasche des Hohenpriesters, durch die er den Willen des Herrn für Israel (4. Mose 27,21) erfragen konnte. Die Antworten bestanden häufig in einfachem Ja oder Nein, umfaßten aber auch vollständige Sätze und Mitteilungen, die in der Frage nicht enthalten waren (1. Samuel 10,22; 2. Samuel 5,19.23f). Die Antwort konnte auch ausbleiben (1 Sam14,37; 28,6). In 1. Samuel 10,19-22; 14,36-42 wird das -› Los in engem Zusammenhang. mit solcher Befragung genannt; daher hat man in L. u. R. Lossteine vermutet (vgl. besonders 1. Samuel 14,41 in der ZÜ, die hier nach der LXX übersetzt). Die - allerdings nicht ganz sichere - Bedeutung der beiden Worte urim (traditionelle Deutung: Licht, vielleicht als Aufhellung einer Schuld; andere Deutung: Fluch) und tummim (= Vollkommenheit, Unschuld, Glück) würde diese Annahme stützen. Eine völlig befriedigende Erklärung ist bisher nicht gefunden worden.

Vgl. in der Bibel Exodus 28, 29 - 30
Aaron soll die Namen der Söhne Israels in der Lostasche für den Schiedsspruch über seinem Herzen tragen, wenn er zum Heiligtum kommt, zur immerwährenden Erinnerung vor dem Herrn. In die Lostasche für den Schiedsspruch steck die Lose Urim und Tummim; sie sollen sich über dem Herzen Aarons befinden, wenn er vor den Herrn kommt; Aaron trage den Schiedsspruch für die Israeliten über seinem Herzen ständig vor dem Herrn.

Gemäß dem Buch Mormon (1. Nephi Kapitel 4 und 5) soll Nephi mit seinen Brüden in Israel Messingplatten besorgt haben, auf denen die 5 Bücher Mose und die Schriften einiger Propheten eingraviert waren. Die Thora wird jedoch seit Jahrhunderten als Schriftrolle vervielfältigt, so wie dies in Ägypten schon zur Zeit der Pharaonen üblich war. Warum nur Gott nicht gleich auf die Idee mit den Messingplatten gekommen ist, dann wären seine Steintafeln nicht zerbrochen (2. Mose (Exodus) 34:28).

Wie hat nun Joseph Smith den Sinn der auch für ihn unbekannten Schriftzeichen erfasst, die zudem in einer Sprache niedergeschrieben waren, die er nicht kannte? Einen Hinweis dazu findet man im Buch Lehre und Bündnisse Abschnitt 9 einer Offenbarung Gottes in Harmony, Pennsylvania vom April 1829. Dort heißt es:

"Du musst es in deinem Geiste ausstudieren und dann mich (Gott) fragen, ob es recht sei, und wenn es recht ist, will ich dein Herz in dir entbrennen lassen. und dadurch sollst Du fühlen, dass es recht ist. Ist es aber nicht recht, so wirst Du kein solches Gefühl haben, sondern deine Gedanken werden verwirrt werden, wodurch Du vergessen wirst, was unrichtig ist; deshalb kannst du nicht schreiben, was heilig ist, es sei denn, es werde dir von mir gegeben."

Joseph Smith hat also nur auf die göttliche Intuition gesetzt. Aus atheistischer Sicht hat er seiner Phantasie freien Lauf gelassen.

 Nach dem Ende der Übersetzung hat der Engel dann die Platten wieder an sich genommen, sodass sie heute niemand vorgelegt werden können. In dem Buch "Seine Kirche wiederhergestellt" gibt es lediglich ein Faksimile von einer dieser Platten. Dieses Faksimile hat Joseph Smith angefertigt, aber keine Übersetzung speziell dazu geliefert.

Faksimile aus dem Buch Mormon

Unbekannte Schriftzeichen, eine neu entwickelte Schrift, warum? Israel hatte doch eine hoch entwickelte Schrift. Auf Gold oder Messing eingravierte Schrifttafeln  gab es weder in Mesopotamien noch in Ägypten! Auch bei den Mayas oder Azteken gab es keine solchen Funde. Viel zu aufwendig für Aufzeichnungen, die man damals nur in Ausnahmefällen per Diktat vervielfältigt hat. In Mesopotamien hat man aus Ton  gebrannte Tafeln gefunden. In Ägypten fertigte man Schriftrollen aus Papyrus oder Pergament oder verewigte Verträge gelegentlich in Stein gemeißelt, wie in dem berühmten Rosetta-Stein, mit dessen Hilfe es dem Franzosen Jean-Francois Champollion gelang ägyptische Hieroglyphen zu entziffern. Im September 1822 gelang es ihm, ein vollständiges System zur Entzifferung der Hieroglyphen aufzustellen. Am 27. September 1822 stellte der Franzose den Mitgliedern der Akademie der Inschriften und der schönen Literatur in Paris einen Teil seiner Forschungsergebnisse zu den Hieroglyphen vor.

Das Buch Mormon (erschienen 1830) enthält viele Bezüge zur Bibel, besteht aber im Wesentlichen aus der Geschichte von Völkern, die auf dem nordamerikanischen Kontinent gelebt haben  sollen und den verschiedenen Offenbarungen ihrer Führer. Die Vorfahren dieser Völker waren Israeliten, die nach Nordamerika eingewandert sind. Im Wesentlichen zwei Völker, die Nephiten und die Lamaniten. Mit wenigen Ausnahmen übertreffen sich am Ende des Buches Mormon beide Völker in ihrer gegenseitigen Grausamkeit. In einer Entscheidungsschlacht werden die Nephiten fast vollständig vernichtet. Der Chronist der Nephiten vergräbt daraufhin die ganze Chronik dort, wo sie Joseph Smith dann findet.

Lt. Joseph Smith sind die Indianer in seiner Umgebung Nachfahren der Lamaniten.

Lehre und Bündnisse 32,2
Und das, was ich ihm bestimmt habe, ist, dass er mit meinen Knechten Oliver Cowdery und Peter Whitmer jun. in die Wildnis unter die Lamaniten gehen soll.

Historische Beweise für die Existenz von Völkern mit den im Buch Mormon genannten Namen gibt es nicht.

Der Mormone Gerd Skibbe verweist aber in diesem Zusammenhang auf einen wenig beachteten Eintrag im Bordbuch von Kolimbus (Christoph Columbus, "Das Bordbuch von 1492 und andere Aufzeichnungen" Erdmannverlag 1970, S. 171. Es enthält Aussagen von  Diego Alvarez und des Michele de Cuneo:  

"Als ein kleiner Trupp einmal an Land geht, stößt er unvermutet auf weißhäutige Menschen, die (inmitten sonst nackt gehender Menschen) (Einfügung von Gerd Skibbe)  eine bis zu den Füßen reichende weiße Tunika tragen und so drohend die Fäuste schütteln, dass die Spanier, von Entsetzen gepackt, auf und davon laufen . . ."

Weißhäutige Menschen unter südlicher Sonne? Das könnten auch Albinos gewesen sein. Die Haut dieser Menschen ist wegen fehlender Pigmentierung auch extrem empfindlich gegen Sonneneinstrahlung. Deshalb der bis zu den Füßen reichende Umhang. Für mich daher kein Beleg für eingewanderte Israeliten.

Kaum war das Buch erschienen wurde behauptet es sei zumindest zum Teil das Werk von Salomon Spaulding einem ehemaligen Geistlichen der Kongregationalgemeinden. Dieser hatte in den Jahren 1812 bis 1816 einen Roman über den israelitischen Ursprung der amerikanischen Indianer entworfen, diesen dann grundlegend überarbeitet, dann einem Verleger übergeben, wo es dann gestohlen wurde. Zu den Indizienbeweisen der Spauldingschen Verfasserschaft zählen die beschworenen Aussagen der Ehefrau des damals bereits verstorbenen Mr. Spaulding und seiner Tochter, sowie die Aussagen von Freunden Nachbarn und Angestellten der Druckerei in Pittburgh, die im Buch Mormon das verschollene Werk von Mr. Spaulding wiedererkannten, vor allem anhand der dort verwendeten Namen. (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen).

Mormon – Fair eine Gruppe Mormonen, die auf Attacken der  Feinde der Mormonen reagiert, veröffentlichte dazu u.a. diesen Text:

>>1833 holte Philastus Hurlbut, der aus der Kirche ausgeschlossen worden war, Informationen ein, die Joseph Smith und dem Buch Mormon schaden sollten. In diesem Zusammenhang sprach Hurlbut mit einigen Leuten aus Ohio, die das Spaulding-Manuskript kannten. Diese Leute unterschrieben eidesstattliche Erklärungen, in denen behauptet wurde, das Buch Mormon beruhe auf Spauldings Geschichte. Trotz dieser Behauptungen veröffentlichten weder Hurlbut noch andere Kritiker der Kirche zu dieser Zeit das Spaulding-Manuskript, obwohl sie es besaßen. Schließlich ging es verloren. Im Jahre 1884 entdeckte es ein Mann namens L. L. Rice zwischen anderen Dokumenten, die er erworben hatte, und übergab es dem Oberlin College in Ohio. Mit James H. Fairchild, dem Präsidenten des Oberlin Colleges, untersuchte Rice das Manuskript. Beide bestätigten, dass es keine Vorlage des Buches Mormon sein könne. Die Kirche selbst veröffentlichte die Geschichte 1886.<<

Ähnlichkeiten zwischen dem aufgefundenen Manuskript und dem Buch Mormon sind sehr allgemeiner und oberflächlicher Natur. Spauldings Geschichte handelt von ein paar Römern, die auf der Überfahrt zu den Britischen Inseln vom Kurs abkamen und stattdessen in Amerika landeten. Einer dieser Römer fungiert als Erzähler und berichtet von ihren Abenteuern und von der Geschichte und Kultur der Menschen, die sie in Amerika vorfinden. Ein großer Teil des Manuskripts beschreibt zwei Völker, die am Ohio leben. Nachdem lange Zeit Frieden zwischen den beiden Völkern herrschte, brennt ein Prinz des einen Volkes mit einer Prinzessin des anderen Volkes durch. Infolge politischer Machenschaften entsteht daraus ein großer Krieg zwischen den beiden Völkern, in dem viele Menschen ihr Leben verlieren, aber letztlich werden der Prinz und seine Prinzessin gerechtfertigt.

Wem soll man glauben? Es stellt sich die Frage, ob L.L.Rice Mormone war. Ich kam auf den Namen Spaulding erst durch meine Recherchen zum Buch Mormon. ich hätte sonst in dem Namen Spaulding keine Verbindung zu den Mormonen gesehen,

 

Joseph Smith - Sein Aufstieg als Prophet

Mit dem Buch Mormon begann nun Josph Smith Anhänger um sich zu scharen. In dieser Zeit strömten Einwanderer aus Europa in die USA, um dort ihr Glück zu versuchen. Diese Einwanderer trafen auf die dort bereits ansässige Bevölkerung, die zumindest den Osten der USA bereits unter sich aufgeteilt hatte. Joseph Smith gewann seine Anhänger unter diesen Pionieren. Im Jahr 1831 beginnt er seine Anhänger in Kirtland, Ohio zu sammeln. Eine maßgebliche Rolle spielten dabei seine Offenbarungen, die zum Teil in dem Buch Lehre und Bündnisse niedergeschrieben sind.

Nach einer Offenbarung im Mai 1831 in Kirtland verfügt der Prophet, dass jeder, der der Kirche angehört sein Eigentum einbringt und ihm dann sein Erbteil gemäß seinen Bedürfnissen zugewiesen wird. Wenn er die Kirche verlässt, hat er nur Anspruch auf dieses Erbteil. Sein Vermögen bleibt bei der Kirche. (Lehre und Bündnisse Abschnitt 51). Das Ziel von Joseph Smth war es, ähnlich wie in Apostelgeschichte 4,35 beschrieben, ein Urchristentum entstehen zu lassen.

In dem Buch Lehre und Bündnisse (LB)  sind weitere  Offenbarungen des Propheten Joseph Smith dokumentiert, in denen er über das Eigentum seiner Jünger verfügt.

Lehre und Bündnisse 64,20 (Offenbarung an die Ältesten der Kirche, gegeben durch den Propheten Joseph Smith zu Kirtland, Ohio, am 1. September 1831) Und weiter sage ich euch: Damit mein Diener Isaac Morley nicht mehr versucht werde, als er ertragen kann, und euch nicht zu eurem Schaden rate, gab ich ein Gebot, dass sein Landgut verkauft werden soll. 

Mit dem eingezogenen Geld wurden Grundstücke gekauft, die an die Pioniere der Kirche zur Bewirtschaftung übergeben wurden.

Aber Joseph Smith hat auch führende Mitglieder begünstigt.

Lehre und Bündnisse 104,29
Und meine Knechte Frederick G. Williams und Oliver Cowdery sollen die Druckerei haben samt allem, was dazugehört.  

Da die Kirche rasch anwuchs, begann man in Jackson, einem Ort in Missouri,  einen weiteren Stützpunkt zu errichten, stieß dort aber auf Widerstand.  Die aus dem Osten ankommenden Bekehrten konnten nicht nach Missuri weitergeschickt werden. dadurch wurden ein umfassendes Programm für Landkäufe  und die Einrichtung von Industrie und Handelsunternehmen erforderlich. Dazu bedurfte es eines Finanzierungsinstituts.

 

Offenbarungseid statt Offenbarung

In dem Buch "Seine Kirche wiederhergestellt" werden die Vorgänge, die zur Gründung und zum Bankrott der Bank geführt hatten so geschildert:

Im November ersuchte die Kirche in Kirtland die Staatslegislative um Gewährung einer Bankkonzession, und Oliver Cowdery wurde nach Philadelphia gesandt, um die für den Druck von Banknoten erforderlichen Platten zu kaufen. Der Widerstand gegen die Heiligen hatte in letzter Zeit stark zugenommen, und darum weigerte sich die gesetzgebende Körperschaft, die Konzession zu erteilen. Mit dem Wunsch nach einem zentralen Finanzierungsinstitut, das der Kirche bei ihrem Wirtschaftsprogramm eine Hilfe sein sollte, gründete man die „Kirtland Safety Society Anti-Banking Company“.

Das Kapital sollte vier Millionen Dollar betragen und durch den Verkauf von Anteilen mit einem Nominalwert von je 50 Dollar aufgebracht werden. Fünfzig Prozent mussten bar erlegt, der Rest sollte nach Aufruf bezahlt werden. Ohne die Bankkonzession durften keine Banknoten ausgegeben werden; aber man gab stattdessen Promessen (gedruckte Schuldscheine in Banknotenformat) aus und verwendete sie innerhalb der Kirche als Zahlungsmittel.

Gerade als die Kirtland Safety Society ihre ersten Schritte getan hatte, da brauste eine Welle wilder Spekulationen durch das ganze Land. Der Bodenwert stieg so rasch an, dass der Grundstückhandel einen großen Profit verhieß und manchen verlockte. Auch einige Heilige wurden von dieser Spekulationswoge erfasst. Man lieh sich Geld von der Society, und zwar in der Form von Promessen. Diese gab man als Sicherheit für den Ankauf von Land zu Spekulationszwecken. Die ausgegebenen Promessen überstiegen bald das eingezahlte Kapital bei weitem.

Im Frühjahr 1837 warnte Joseph Smith die leitenden Beamten der Kirtland Safety Society eindringlich vor der Ausgabe weiterer Darlehen; sie sollten vielmehr den noch nicht eingezahlten Rest des Kapitals einfordern. Die Warnung verhallte ungehört, und Joseph Smith zog sich von der Gesellschaft zurück.

Der ungezügelten Spekulationswut in den Vereinigten Staaten folgte im Sommer 1837 eine allgemeine finanzielle Panik. Hunderte Banken im ganzen Land gingen bankrott. In dieser Katastrophe wurde das kleine Kreditinstitut der Heiligen in Kirtland hoffnungslos zermalmt. Der Bodenwert fiel rapid, und die Kreditnehmer konnten weder ihr Land verkaufen noch das von der Society geborgte Geld auf andere Weise zurückzahlen. Wer eine Promesse der Society in der Hand hatte, stürzte zum Schalter, um sich gültiges Geld dafür einzutauschen. Bald waren die Mittel des Instituts erschöpft. Der noch nicht eingezahlte Rest des Kapitals wurde schleunigst eingefordert, aber die Zeichner konnten nicht zahlen. Kaufleute und Fabrikanten weigerten sich, die Promessen der Society anzunehmen und damit die Einkäufe der Heiligen zu decken. Innerhalb eines Jahres nach der Gründung musste die Kirtland Safety Society ihre Tore schließen und den Bankrott erklären.

Beinah jede Familie in Kirtland und viele in den übrigen Gemeinden der Kirche verloren bei dem Bankenkrach von 1837 ihr Geld. Der Prophet Joseph Smith wurde als der Hauptschuldige angesehen, und die Kirche geriet ganz allgemein bei all denen in Verruf, die den Sinn auf den Erwerb irdischer Reichtümer gerichtet hatten.

Joseph Smith war einer der Gründer der Society gewesen und hatte Briefe an die Mitglieder der Kirche geschrieben mit der Aufforderung, Anteile zu kaufen — jetzt war die Society pleite und das Geld verloren. Von allen Seiten war der Ruf „gefallener Prophet“ zu hören. Fünf aus dem Rat der Zwölf Apostel. dem obersten Gremium,  brachen mit dem Propheten.

 

Die Zeit nach der Pleite

Joseph Smith reist im Oktober 1837 erst mal nach Missouri, kehrt aber am 10. Dezember 1837 wieder nach Kirtland zurück.

Während seiner Abwesenheit gründeten Warren Parrish ein führender Siebziger (zweite Ebene der Hierarchie) und die Apostel John f. Boynton, Luke S. Johnson und Lyman E. Johnson  "Die Kirche Christi" und behaupteten der Tempel in Kirtland sei ihr Eigentum. David Whitmer wurde als Präsident der Kirche bestätigt, die den Namen „The Church of Christ“ (= Die Kirche Christi) trug. Whitmer begründete seine Ansprüche aus einem angeblichen Gebot des Herrn an Joseph Smith aus dem Jahr 1834, wonach er David Whitmer als seinen Nachfolger einsetzen sollte. Bei einer Versammlung des Hohen Rates in Far West im Jahr 1838 bezog sich Joseph Smith auf dieses Gebot und erklärte, dass dies dann in Geltung sei, wenn er selbst von der Kirche abfalle. Damals aber billigte Joseph die Maßnahme des Hohen Rates, nämlich dass man David Whitmer aus der Kirche ausgeschlossen hatte.(Seine Kirche wieder hergestellt Seite 193)

Brigham Young, John Taylor, Wilford Woodruff, Heber C. Kimball, Hyrum Smith und viele andere bedeutende Männer hielten dagegen der Kirche und ihrem Propheten die Treue.

Die Versammlungen des Priestertums im Tempel drohten mehr als einmal in bewaffnete Tätlichkeiten auszuarten, und so brachten manche stets einen Säbel mit. John Taylor trat bei den Versammlungen so kräftig für den Propheten ein, dass er sich den Ehrentitel eines „Löwen“ erwarb. Er konnte den Ausbruch offener Feindseligkeiten wenigstens eine Zeitlang verhindern. Brigham Young erklärte privat und öffentlich, er wisse durch die Macht des Heiligen Geistes, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes sei. Am 22. Dezember 1837 musste er aus Kirtland fliehen, um sein Leben vor dem Wüten der aufgebrachten Abtrünnigen zu retten.

Am 12. Januar 1838 folgten ihm Joseph Smith und Sidney Rigdon. Sie machten sich zu Pferd davon, in der Nacht, um dem Pöbel zu entgehen, der ihnen nachstellte.

Etwa 60 Meilen von Kirtland machten sie bei einheimischen Heiligen Rast, bis ihre Familien sie eingeholt hatten. Von dort an war auch Brigham Young und seine Familie mit von der Partie; sie legten im Planwagen mehr als 900 Meilen bis nach Nordmissouri zurück. Joseph Smith schreibt über die Reise:

„Es war außerordentlich kalt; wir mussten uns in den Wagen verstecken; denn wir mussten uns dem Zugriff der Verfolger entziehen, die uns von Kirtland aus mehr als 200 Meilen nacheilten, bewaffnet mit Pistolen und Gewehren. Sie wollten uns ans Leben. Mehrmals kreuzten sie unseren Weg, zweimal waren sie in demselben Haus, wo wir haltgemacht hatten, einmal weilten wir die ganze Nacht im gleichen Gebäude, nur durch eine dünne Wand getrennt. Wir konnten hören, wie sie fluchten und was sie mit uns anstellen würden, wenn sie uns fingen. Spät am Abend kamen sie in unser Zimmer und musterten uns, kamen aber zu dem Schluss, dass wir nicht die Gesuchten seien. Ein andermal trafen wir auf der Straße zusammen, aber sie erkannten uns nicht.“

Am Ende des Jahres 1837 und im ganzen Jahr 1838 kam es zu einem allgemeinen Auszug derjenigen Heiligen aus Kirtland, die dem Propheten die Treue hielten.

Eine Gruppe, mehr als 500 Seelen, machte sich unter der Leitung des Ersten Rates der Siebzig auf den weg. Sie bezeichnete sich als „Kirtland-Lager“ und kam am 4. Oktober 1838 in Far West/Missouri an. Far West erlebte im gleichen Jahr noch einen weiteren Zuzug von Heiligen in etwa 200 Wagen. Diese kamen aus Kanada und den Oststaaten, über eine Entfernung von mehr als fünfzehnhundert Meilen.

Der Prophet und die Heiligen aus Ohio und dem Osten wurden in Missouri von den Brüdern herzlich willkommen geheißen.

In Far West trennte sich der Prophet von zwei Mitgliedern aus dem engsten Führungskreis. von  Oliver Cowdery und, wie oben bereits erwähnt, von David Whitmer. Oliver Cowdery war einige Jahre die engste Vertrauensperson von Joseph Smith. Er stand in der Hierarchie der Kirche an zweiter Stelle.

Bereits 1835 zeichnete sich ein Zerwürfnis zwischen Cowdery und Smith ab. Es entzündete sich an der Beziehung Smiths zu Fanny Alger, einem sehr jungen Mädchen, das er im Sinne der noch geheim gehaltenen Vielehe, als zweite Frau genommen hatte. Cowdery hielt nichts davon und regte sich über diesen „Ehebruch“ sehr auf. An seinen Bruder schrieb er am 21. Januar 1838:

„Als er (Joseph Smith) dort war, hatten wir einige Unterhaltungen und in jeder unterließ ich es nicht zu erwähnen, dass das, was ich gesagt hatte wahr sei. Eine schmutzige, ekelhafte, dreckige Affäre zwischen ihm und Fanny Alger wurde besprochen und ich erklärte mit Bestimmtheit, dass ich niemals von der Wahrheit abgekommen sei in dieser Sache, und wie ich annehme, wurde dies von ihm zugegeben.“

Indirekt geht Joseph Smith auf diese Vorwürfe in seiner Offenbarung zur Vielehe ein

Lehre und Bündnisse Abschnitt 132 Vers 56:  
Und weiter, wahrlich, ich sage dir: Meine Magd (Emma Smith) vergebe meinem Diener Joseph seine Übertretungen; dann werden ihr auch ihre Übertretungen vergeben werden, worin sie gegen mich gesündigt hat; und ich, der Herr, dein Gott, werde sie segnen und mehren und ihr Herz mit Freude erfüllen.

Im Zusammenhang mit der schweren Finanzkrise 1837/38, die auch eine Vertrauenskrise gegenüber Smith darstellte, stellte sich Cowdery gegen Smith und brachte wieder dessen seiner Ansicht nach ehebrecherisches Verhalten in die Diskussion. Ganz wesentlich jedoch war Cowderys Ansicht, dass sich Smith als religiöser Führer zu sehr in die weltlichen Angelegenheiten seiner Gefolgsleute mische. Dies alles führte am 12. April 1838 zum Ausschluss Cowderys aus der Kirche. Begründet wurde der Ausschluss damit, dass er Smith des Ehebruchs beschuldigte, dass er in der Kirche inaktiv geworden sei und dass er als Rechtsanwalt gegen die Kirche vorgehe, um für seine Mandanten Schadenersatz für Verluste im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Kirtlandbank zu erstreiten. (Wikipedia). 

Vier Jahre nach Josephs SmithsTod und gegen Ende seines eigenen Lebens kehrte Oliver Cowdery zurück in die Kirche, die ihn exkommuniziert hatte. Er wurde als einfaches Mitglied wieder aufgenommen.

Für Mormonen ist es ein starkes Indiz für die Existenz des Buches Mormon, dass jene drei Männer, die das Buch Mormon gesehen haben, (Martin Harris, Oliver Cowdery und David Withmer) ihr Zeugnis, auch nach ihrem Austritt aus der Kirche, nicht widerrufen haben. Aber was hätte sie erwartet. Eine Anklage wegen Betrugs und der Zorn der Mitglieder, die ihr Vermögen in die Kirche eingebracht haben.

1838 kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung Missouris, weil diese fürchtete, die wachsende Anzahl der Mitglieder der Kirche könnte die Wahlen beeinflussen. Politiker und Geistliche befürchteten, Mormonen könnten öffentliche Ämter besetzen und Andersdenkende aus Missouri vertreiben. So suchte man am 6. August 1838 bei einer Wahl im Landkreis Davies, Mitglieder der Kirche daran zu hindern, sich an den Wahlen zu beteiligen. Dies führte zu einem offenen Zusammenstoß zwischen Missourern und Mitgliedern der Kirche. Daraufhin versuchte man, Joseph Smith zu verhaften, in dem man ihn des Aufruhrs beschuldigte.

Die Auseinandersetzungen in Missouri führten dazu, dass Gouverneur Lilburn W. Boggs am 27. Oktober 1838 einen Ausrottungsbefehl gegen die Kirche erließ. Joseph Smith wurde verhaftet und am 1. November 1838 von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Er sollte am 2. November 1838 um 9:00 Uhr erschossen werden. Man hätte das Urteil vollstreckt, wenn der Milizkommandeur, General Doniphan, nicht eingeschritten und dieses Urteil als „kaltblütigen Mord” bezeichnet hätte. Man überlegte, was man mit Joseph Smith machen solle und kam endlich zu dem Schluss, ihn und seine Begleiter in das Gefängnis von Liberty zu überführen. Er wurde des Mordes und Verrates angeklagt. Am 16. April 1839 gelang ihnen die Flucht, als sie zum Prozess in den Landkreis Boone überführt wurden. Einige Tage später trafen sie wieder in Quincy, Illinois auf ihre Familien und ihre Freunde.

Die Kirche war nun zerstreut, aber Joseph Smith erwarb Land in einem Dorf Namens Commerce. Das Dorf wurde in Nauvoo umbenannt und die Kirche wurde dort gesammelt. Zu seinem Schutz und dem seiner Anhänger hat Joseph Smith hier eine eigene Truppe aufgestellt, die Nauvoo-Legion. Auf ihrem Höhepunkt hatte die Legion einen Stand von 5000 Mann, bewaffnet und uniformiert. (seine Kirche wiederhergestellt Seite 149) Nauvoo wuchs rasch an, Im Juni 1844 waren es 14000 Einwohner. 

 

Joseph Smith als Freimaurer und Politiker

 

Um 1840 nahmen Mitglieder der  Freimaurer von der Loge „Zur aufgehenden Sonne“ Kontakt zu Joseph Smith auf. Den Freimaurern kann man von sich aus nicht beitreten wie einem Verein, sondern man wird ausgewählt.  Nach heutiger Ansicht geht die Freimaurerbewegung auf eine Vereinigung der Baumeister der Kirchen zurück. Das waren keine einfachen Handwerker. Es waren die Architekten der großen Bauwerke. Sie hatten das Wissen wie Gewölbe abgestützt werden mussten, sie hatten das Wissen mit welchen Symbolen Kirchen auszustatten waren, sie kannten die Bedeutung der zahlreichen religiösen Symbole. Die Freimaurerei, wie sie heute besteht, kann ihre Ursprünge nur bis zu den mittelalterlichen Steinmetzgilden zurückführen. Der erste Hinweis auf Freimaurerei findet sich 975 in York in England. Ziel der Freimaurer ist es aus einem guten Menschen einen besseren zu machen. Sie nennen dies die Arbeit am rauen Stein. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die seit jeher christlich orientierten Freimaurer immer mehr zu einer politischen Kraft. So ist bekannt, dass der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington, Freimaurer war. Die Freimaurer waren also seit der Staatsgründung in den Institutionen der Vereinigten Staaten vertreten. Wer die Macht behalten will braucht mächtige Verbündete. Joseph Smith hatte zwar durch die Bankenpleite Mitglieder verloren, aber die Mitglieder, die geblieben waren, waren ihm treu ergeben.

 

Als Joseph Smith 1842 der Loge “Zur aufgehenden Sonne” beitrat wurde er dort, so berichtet es der Freimaurer Greg Kearney   “...durch den Großmeister Jonas von der Großen Loge von Illinois „auf den ersten Blick” in diesen Stand – den höchsten, den dritten Grad gehoben. Dies ist ein seltenes Ereignis in der Freimaurerei. Normalerweise muss sich jemand, der Freimaurer wird, durch die drei Grade der Blauen Loge hocharbeiten, indem er Grad um Grad einige schwierige rituelle Bestandteile auswendig lernen muss. Im Fall von Joseph Smith jedoch wurde er durch den Großmeister Jonas – und es ist das ausschließliche Recht eines Großmeisters dies zu tun – „auf den ersten Blick” in diesen Stand gehoben.” erläutert Freimaurer Greg Kearney Meister dritten Grades (Quelle de.fairlds.org/?page_id=737 )

In der Zwischenzeit hatte das Auswirkungen auf die Innenarchitektur  und auf die Ausstattung seiner am neuen Stutzpunkt in Nauvoo errichteten Kirche. Kritiker werfen heute Joseph Smith vor er habe hier Freimaurer-Symbole übernommen (mindestens 16 ! Hauptelemente des Mormonentums und seiner Tempelrituale).

 

Aus Sicht des Mormonen Gerd Skibbe handelt es sich dabei jedoch um Symbole, die man auch in jenen Kirchen findet, die unter den Ostgoten errichtet wurden, etwa in Ravenna in San Appolinare in Classe. Die Ostgoten vertraten einen Glauben, der durch Arius geprägt war und viele Gemeinsamkeiten mit dem Glauben der Mormonen hat (u. a. Ablehnung der Trinitätslehre). Hier findet man nicht nur die Freimaurer-Symbole Kompass und Winkel, sondern auch eine Darstellung von Melchisedek.

 

Melchisedek

Arianisches Mosaik in der ehemaligen, gotischen Reichshalle zu S. Appollinare entnommen aus einem Blog von Gerd Skibbe.

 

Da dies Joseph Smith nicht wissen konnte, ist dies für Gerd Skibbe ein weiterer Beweis dafür, dass Joseph Smith sich durch göttliche Offenbarung für die richtigen Symbole entschieden hat.

 

Da jedoch die Freimaurerbewegung in ihrer Entstehungszeit sich aus den Erbauern der Kirchen zusammensetzte, ist nicht auszuschließen, dass sich Freimaurer-Symbole, die ja zugleich christliche Symbole sind, auch in Kirchen wiederfinden, die in späterer Zeit gebaut wurden. Aber auffallend ist doch der zeitliche Zusammenhang der Offenbarung, die Joseph Smith angeblich erhielt, mit dem Beitritt zu den Freimaurern. 

 

Noch ein paar Worte zu Melchisedek, König und oberster Priester von Salem, Zeitgenosse Abrahams. Abraham opfert ihm nach einer Schlacht 10 % der Beute. Melchisedek wird in der Bibel u. a. in Hebräer 7 als Priester des höchsten Gottes genannt.  

Es gibt demnach auch niedrigere Gottheiten. Die christliche Glaubenslehre ist, wie auch an zahlreichen anderen Stellen gezeigt werden kann, von ihren Ursprüngen her kein Monotheismus. Siehe hierzu das Kapitel Gottesbild und Weltbild im alten Israel. Aber das nur nebenbei.

Melchisedek ist für Paulus der Hohe Priester des alten Bundes. während nun  - gemäß Paulus - Jesus Hoher Priester des Neuen Bundes ist. Paulus rechtfertigt damit die Gesetzesänderungen unter dem Neuen Bund mit Jesus als neuem Hohen Priester, wie etwa die Abschaffung der Beschneidung (Jesus hat sich allerdings zu Lebzeiten nie für die Abschaffung der Beschneidung eingesetzt).

 

Nach Auffassung der Mormonen ist das melchsedeksche Priestertum nach wie vor das höchste Priestertum. Das melchisedeksche Priestertum wird hier gleichgesetzt mit dem Priestertum von Jesus. Gemäß der Überlieferung tauften sich die ersten Führer der Mormonen, Joseph Smith und Oliver Cowdery, auf Geheiß von Johannes dem Täufer, der ihnen erschienen ist, zuerst auf das aaronsche Priestertum und einige Zeit später dann auf das melchisedeksche Priestertum. D. h. sie waren von da an Hohe Priester des melchisedelschen Priestertums und durften damit weitere Priester ordinieren.

Joseph Smith erhielt mit den Freimaurern mächtige Verbündete, jedenfalls glaubte er dies und die konnte er auch brauchen. In dem Buch "Seine Kirche wiederhergestellt" wird die politische Lage so beschrieben:

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Heiligen machte sich besonders bei den Wahlen bemerkbar. Von dem Augenblick an, wo die Heiligen anfingen, sich in Quincy niederzulassen, wurden sie von Politikern umworben. Eine Zeitlang bildeten sie das Zünglein an der Waage der politischen Parteien von Illinois und wählten geschlossen den Kandidaten, der ihnen eine größere Anteilnahme an ihrer Wohlfahrt verhieß. Solange die Mormonen auf diese Art für das politische Gleichgewicht sorgten, bekamen sie von der Regierung jeden Gefallen erwiesen.

Als der Widerstand gegen die Heiligen wuchs, wurde deren Solidarität für einige Kandidaten zum Dorn im Auge; sie hofften nämlich auf die Stimmen der Mormonen, wollten aber die Stimmen der Nichtmormonen auch nicht verlieren. Diese Lage der Politiker — halben Weges dazwischen — wurde in dem Maß unhaltbarer, wie der Widerstand gegen die Heiligen zunahm. Im Jahr 1843 war es dann so weit, dass die Staats- und Unionspolitiker sich der Mehrheit, den Mormonengegnern, angeschlossen hatten, um ihre Karriere nicht aufs Spiel zu setzen.

Bald war die Lage so, dass die Heiligen weder die eine noch die andere Partei unterstützen konnten, und dies bedeutete, dass sie in Illinois keinen politischen Schutz mehr genossen, aber auch, dass ihnen die zuerkannten Rechte und Privilegien wieder entzogen wurden. 1843 gab es tatsächlich einen Versuch, die Stadtverfassung von Nauvoo abzuschaffen, und der entsprechende Antrag passierte mühelos das Repräsentantenhaus; denn die Abgeordneten reagierten bereitwilligst auf die mormonenfeindliche Stimmung im Land.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1843 nahm Joseph Smith mit den einzelnen Anwärtern auf den Präsidentenstuhl der Vereinigten Staaten Verbindung auf. Man befragte Clay, Calhoun, Cass und Van Buren um ihre Ansichten über die Mormonen. Die Antworten waren ausweichend. Es war offensichtlich, dass die Heiligen nur wenig Hilfe erwarten durften, ganz gleich, welcher Kandidat gewählt wurde. Eifrig darauf bedacht, ihr Stimmrecht voll auszuüben, und besonders darauf, der ganzen Nation ihre Sache, aber auch ihre Ansichten vorzutragen, machten die Mormonenführer einen überraschenden Schachzug. In einer Ratsversammlung fasste man den Beschluss, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Man berief die neugegründete „Reformpartei“ zu einer Kandidaturtagung ein; sie fand am 17. Mai 1844 in Nauvoo statt, und Joseph Smith ging daraus als Kandidat für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor. Selbst, wenn er nicht gewählt würde, so bot sich hier eine gute Gelegenheit, die Sache der Mormonen vor die ganze Nation zu bringen. Die Presse stürzte sich auf die Äußerungen eines Präsidentschaftskandidaten, wenn sie zugleich berichten konnte, dies seien auch die Ansichten eines Propheten. Die zwölf Apostel und andere Sondermissionare wurden in die Oststaaten entsandt, wo sie die Sache vorantreiben sollten. Zu ihnen sagte Joseph Smith: „In der Kirche gibt es genug Beredsamkeit, um mich schon beim ersten Mal auf den Präsidentenstuhl zu bringen.“

Die von Joseph Smith vorgetragenen politischen Ansichten, die auch in ganz Amerika abgedruckt wurden, verdienen einige Beachtung. Sie zeigen nämlich, wie weitgespannt die Interessen des Propheten waren. Er trat für folgende Programmpunkte ein:

1. Ein zentrales Banksystem, wovon sich die Hauptstelle in Washington und Zweigstellen in jedem Staat befinden sollten.

2. Der Anschluss von Texas, wenn es darum ersuche, und die Einladung an Mexiko und Kanada, ebenfalls den Vereinigten Staaten von Amerika beizutreten.

3. Die unverzügliche Besetzung und Besiedelung der Region Oregon im Nordwesten.

4. Die Reduzierung der Nationalversammlung: Das Repräsentantenhaus um zwei Drittel, den Senat um die Hälfte.

5. Freiheit für die Sklaven, indem die Bundesregierung sie kauft; die notwendigen Geldmittel sind durch den Verkauf öffentlicher Ländereien aufzubringen.

6. Eine Reform des Strafvollzugs, so dass aus den Gefängnissen Arbeitshäuser und Unterrichtsanstalten würden.

7. Die Regierung soll bei Keokuk (etwas unterhalb von Nauvoo) einen Mississippi-Staudamm bauen und Schleusen anlegen, um die Schiffsfahrt über die dortigen Stromschnellen zu erleichtern.

8. Eine Reform der ausschließlich militärischen Aburteilung von Fahnenflucht in Kriegszeiten.

9. Hohe Schutzzölle, um junge Industrien zu fördern.

(Quelle: „Ansichten über die Macht und Politik der Regierung der Vereinigten Staaten" von Joseph Smith; abgedruckt in History ol the Church, 1. Zeitabschnitt, Bd. VI, S. 197.    Seine Kirche wieder hergestellt Seite 164 und 165)

Bewertung:

Mit der unverzüglichen Besetzung von Oregon . . . Da waren doch Stammesgebiete der Ureinwohner der Indianer (gemäß Joseph Smith, Nachfahren der Lamaniten).

Freiheit für die Sklaven, indem die Bundesregierung sie kauft . . . So edel sich dieser Vorschlag anhört, er beinhaltet doch ein religiöses Problem. Weder im Alten, noch im neuen Testament wird zur Abschaffung der Sklaverei aufgerufen. Im Gegenteil! Paulus rät den Sklaven: 

1. Korinther 7:21-23

Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter. (Epheser 6,5f; Philemon 16)
Denn wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. Ebenso ist einer, der als Freier berufen wurde, Sklave Christi. Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Macht euch nicht zu Sklaven von Menschen!

Für die Mormonen sind allerdings solche Bibelstellen kein Problem, da das Melchisedeksche Priestertum auch die Vollmacht enthält Gesetze zu ändern und neue Gesetze zu erlassen.

  

Das Ende des Propheten

Im Laufe der Jahre hatte sich  der Prophet auch eine Menge Feinde in den eigenen Reihen gemacht. Den ersten Bürgermeister von Nauvoo, John C. Bennett, musste er wegen skrupelloser Machenschaften ausschließen. Gouverneur Reynolds von Missouri und Gouverneur Ford von Illinois verbündeten sich mit John C. Bennett. 

Die Zerstörung der Druckerei, wo der „Nauvoo Expositor“, eine gegenüber den Mormonen kritisch eingestellte Zeitung, hergestellt wurde, wurde zum Zündfunken für all den schwelenden Hass. Am 10. Juni 1844 loderte alles wie in einer einzigen Flamme empor. Das war die Gelegenheit, auf die die Abtrünnigen gewartet hatten, eine gesetzliche Handhabe, um den Propheten und die anderen Führer festzusetzen. Der Aufschrei, die „Freiheit der Presse“ sei verletzt worden, einigte sämtliche Gruppen, die den Heiligen übelwollten, wie es vielleicht kein anderer Umstand zuwege gebracht hätte.

In Hancock und den benachbarten Kreisen wurden Protestversammlungen abgehalten. Verbitterte Gegner des Propheten stachelten die Menge an, offen mit Gewalt zu drohen. Die Zeitungen brachten die Neuigkeit in dicken Schlagzeilen. Im Hauptquartier der Mormonengegner in Warsaw brachte die Zeitung „Signal“ zuerst den Bericht des abtrünnigen Mitglieds Foster über die Zerstörung des Expositors und fuhr dann fort:

„Es bleibt uns nichts zu sagen als: Jetzt ist es genug! Krieg und Ausrottung sind unvermeidlich geworden! Bürger, erhebt euch!!! Könnt ihr länger zusehen und dulden, dass diese höllischen Teufel den Menschen ihr Eigentum und ihre Rechte rauben, ohne dass ihr Rache zu nehmen gedenkt? Wir haben keine Zeit für viele Kommentare; jedermann soll sich selbst einen machen. Gebt ihnen die Antwort mit Pulver und Kugel!!!!“

Es war ja auch in der Tat erstaunlich, woher die Mormonen das Geld hatten, um in Nauvoo einen Tempel zu bauen, dessen Baukosten sich auf 1 Million Dollar beliefen, und gleichzeitig auch noch etliche Häuser zu bauen und das nur wenige Jahre nach der Bankenpleite. (Seine Kirche wiederhergestellt Seite 160)

Die Lage wurde zusehends schlechter. Carthage und Warsaw glichen einem Truppenlager, in dem sich die Feinde der Mormonen sammelten. An den letzteren Ort wurden fünf Kanonen gebracht. In beiden Städten gingen Flugzettel herum mit der Aufforderung, die „ganze Mormonengemeinde zu massakrieren“.

Um sein Volk zu schützen, mobilisierte der Prophet die Nauvoo-Legion in voller Stärke und rief am 18. Juni 1844 in Nauvoo das Kriegsrecht aus. In einer letzten Ansprache an die Soldaten und die Bevölkerung sagte er:

„Ich rufe Gott und die Engel zu Zeugen an, dass ich mein Schwert mit der festen, unabänderlichen Entschlossenheit gezogen habe, dass dieses Volk sein gesetzliches Recht haben und vor den Ausschreitungen des Pöbels geschützt werden soll, sonst soll mein Blut wie Wasser auf die Erde fließen und mein Leib dem stillen Grab überantwortet werden. Solange ich lebe, werde ich mich niemals freiwillig der Herrschaft eines verfluchten Pöbels unterordnen.“(History of the Church, 1. Zeitabschnitt, Bd. VI, S. 499)

Die Miliz der Heiligen aus den Orten Ramus und Montrose kam ebenfalls nach Nauvoo und vereinigte sich mit den Verteidigungskräften der Stadt. Am 20. Juni sandte man Briefe an die zehn der zwölf Apostel, die auf Mission waren, und forderte sie auf, eiligst nach Nauvoo zurückzukehren. Theodore Turley wurde angewiesen, die Herstellung von Munition in die Wege zu leiten.

Am 21. Juni kam Gouverneur Ford nach Carthage und verlangte schriftlich vom Stadtrat von Nauvoo, man solle befugte Vertreter zu ihm senden, die ihm ihre Sache vortragen sollten. Der Stadtrat wählte Dr. Willard Richards, Dr. John M. Bernhisel und John Taylor für diese Aufgabe aus.

Richards wurde später von Joseph Smith für andere Pflichten zurückgehalten, und an seiner Stelle wurde am folgenden Tag Lucien Woodworth gesandt. Er hatte einen Brief an Gouverneur Ford bei sich, der darin gebeten wurde, nach Nauvoo zu kommen und eine vollständige Untersuchung vorzunehmen.

Es hat den Anschein, dass Ford sehr stark von der in Carthage herrschenden Stimmung beeinflusst worden war. In seinem Antwortbrief vom selben Tag warf er dem Stadtrat von Nauvoo Missbrauch der Amtsgewalt vor und ordnete die Auflösung der Nauvoo-Legion und die Aufhebung des Kriegsrechtes an. Er forderte Joseph Smith auf, sich der Festnahme zu fügen und in Carthage vor Gericht stellen zu lassen. Der Brief schloß mit einem Versprechen und einer Drohung:

„Wenn es notwendig werden sollte, dass vor Gericht Zeugen auftreten, will ich dafür sorgen, dass die betreffenden Personen ordnungsgemäß geladen werden; ich werde auch die Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten, wenn sie von Nauvoo nach hier gebracht werden, sei es als Angeklagte oder als Zeugen für die Beschuldigten. Wenn die Beschuldigten nicht zu finden sind, wenn der Konstabler sie fordert, betrachte ich dies als gleichbedeutend mit einer Weigerung, sich festnehmen zu lassen, und werde dann der Miliz die entsprechenden Befehle erteilen.“

Wer von den führenden Brüdern in Nauvoo war, versammelte sich am Abend des 22. Juni im Mansion House, dem Haus von Joseph Smith. Nachdem Joseph Smith den Brief Gouverneur Fords an den Stadtrat vorgelesen hatte, bemerkte er: „Da gibt es keine Gnade, überhaupt keine Gnade.“ Hyrum fügte hinzu: „Nein; in dem Augenblick, wo wir ihnen in die Hände fallen, sind wir tot.“ Ein wenig später erhellte sich Josephs Gesicht, und er sagte: „Ich sehe einen Weg. Mir ist ganz klar, was zu tun ist. Alles, was sie wollen, sind Hyrum und ich. Sagt allen, sie sollen ihrer üblichen Beschäftigung nachgehen, sich nicht in Gruppen versammeln, sondern lieber verstreut bleiben. Es besteht gar kein Zweifel, dass sie herkommen und nach uns suchen werden — sollen sie suchen! Sie werden euch nichts antun und keinen Schaden zufügen, werden euch kein Haar krümmen. Hyrum und ich werden heute Nacht über den Fluss setzen und nach Westen gehen.“

Das Tagebuch des Propheten schließt mit den folgenden Worten, die bei dieser Gelegenheit geäußert wurden:

„Ich sagte zu Stephen Markham, wenn ich und Hyrum jemals wieder festgenommen würden, dann würde man uns massakrieren, oder ich bin kein Prophet Gottes. Ich möchte, dass Hyrum am Leben bleibt, um mein Blut zu rächen, aber er ist entschlossen, mich nicht zu verlassen.“

In dieser Nacht setzten Joseph und Hyrum, geleitet von Richards, heimlich über den Mississippi nach Iowa. Der Sheriff, der in Nauvoo darauf gewartet hatte, den Propheten und den ganzen Stadtrat zu verhaften, kehrte am Morgen des 23. Juni, ohne eine Festnahme versucht zu haben, nach Carthage zurück und meldete dort, die Beschuldigten seien geflohen.

Ungefähr um 1 Uhr Mittag am 23. Juni 1844 waren drei Männer in dem Haus des William Jordan in Montrose/Iowa eifrig damit beschäftigt, Vorräte für eine Reise in das Great Basin, das große Becken, in den Rocky Mountains einzupacken. Dieser Ritt sollte ihnen und schließlich auch ihrem Volk die Freiheit bringen. Sie warteten auf die Ankunft von Orrin Porter Rockwell, der die notwendigen Pferde bringen wollte.

Rockwell kam, aber ohne Pferde. Stattdessen war er von Reynolds Cahoon begleitet, der einen Brief von Emma, der Frau des Propheten, brachte. Seine Leute in Nauvoo hießen ihn einen Feigling. Die sich seine Freunde nannten, verurteilten seine Flucht. Selbst Emma flehte in ihrem Brief, er möge zurückkehren und sich dem Gericht stellen. Cahoon sagte zu ihm, er gleiche einem Hirten, der seine Herde den Wölfen überlassen habe.

Von dem Vorwurf der Feigheit schwer betroffen, rief Joseph aus: „Wenn mein Leben für meine Freunde keinen Wert hat, dann hat es auch keinen für mich!“ In der gleichen Nacht überquerte er wieder den Mississippi, diesmal nach Nauvoo zurück, und ließ dem Gouverneur sagen, er werde sich der Festnahme fügen. Joseph war sicher, dass die Verhaftung auch seinen Tod bedeuten würde.

Die Sicherheit hatte in Reichweite für ihn gelegen; der offene Westen hatte ihm gewinkt. Der Geist hatte ihm eingegeben, dass die Flucht eine kluge Maßnahme sei. Aber Sicherheit ohne den Glauben und die Liebe seines Volkes war nur eine leere Schale.

Seit einiger Zeit hatte Joseph das Gefühl gehabt, es werde seinen Tod zur Folge haben, wenn er seine Lehren weiter verkündige. Der Tod war für ihn in den Bereich des Wahrscheinlichen gerückt. Schon am 9. April 1842 hatte er erwähnt:

„Einige Leute haben die Meinung geäußert, Bruder Joseph könne nicht sterben; das ist aber ein Irrtum. Es ist richtig, dass es Zeiten gegeben hat, wo mir das Leben verheißen wurde, bis ich dies und jenes vollbracht haben würde; nachdem ich das alles nun vollbracht habe, ist mir keine Gewähr mehr für eine bestimmte Lebensspanne gegeben: Ich bin ebenso dem Tod unterworfen wie jeder andere.“

Der Prophet bat Gouverneur Ford brieflich, man möge ihm für den Weg nach Carthage ein Geleit stellen. Der Gouverneur stand ganz unter dem Einfluss von abtrünnigen ehemaligen Mitgliedern, und die Bitte wurde abgeschlagen. Stattdessen erging an Joseph Smith der Befehl, sich am nächsten Morgen um 10 Uhr in Carthage ohne Geleit einzufinden. Wenn, so hieß es, General Smith es vorziehen sollte, nicht zu kommen, werde man „Nauvoo und alle Männer, Frauen und Kinder, die darin sind, vernichten.“

Früh am Morgen des 24. Juni 1844 machten sich Joseph Smith, der Stadtrat und einige Freunde von Nauvoo aus auf den Weg nach Carthage, um sich dem Gericht zu stellen. Es war ein trauriger Zug. Lange ließ der Prophet seinen Blick auf dem unvollendeten Tempel und auf seinem geliebten Volk ruhen. Zu seinen Freunden sagte er: „Dies ist der schönste Ort und das sind die besten Leute unter dem Himmel. Sie haben keine Ahnung, was für Prüfungen sie erwarten.“

Etwa vier Meilen westlich von Carthage wurden sie von einer Kompanie von 60 berittenen Milizsoldaten unter Captain Dünn erwartet.

Captain Dünn wies einen Befehl des Gouverneurs vor, worin die staatlichen Waffen, die sich im Besitz der Nauvoo-Legion befanden, abgefordert wurden; Joseph Smith sollte den Befehl in seiner Eigenschaft als Generalleutnant der Legion gegenzeichnen. Er tat es. Dünn hatte Angst, mit seinen Männern nach Nauvoo hineinzureiten, und brachte den Propheten dazu, mit ihm zurückzukehren und dafür zu sorgen, dass der Befehl des Gouverneurs ausgeführt wurde.

Widerstrebend gaben die Einwohner von Nauvoo ihre Waffen ab — die Waffen, mit denen sie sich gegen die Ausschreitungen des Pöbels verteidigen wollten.

Als der Abend anbrach, machte sich die Milizkompanie mit Joseph und seinen Anhängern wieder nach Carthage auf. Es war Mitternacht, als man ankam, aber der Hauptplatz war voll von Milizsoldaten, den sogenannten „Carthage Greys“; diese „Grauen von Carthage“ fluchten und brüllten und schienen bereit, den Propheten auf der Stelle umzubringen. Gouverneur Ford griff von seinem Hotelfenster aus ein und stellte die Ruhe einigermaßen wieder her. Die Verhafteten und ihre Begleitung durften sich im Hamilton House zur Ruhe begeben.

Am Morgen des 25. Juni ergaben sich Joseph Smith und seine Freunde freiwillig dem Konstabler Bettisworth. Um 8 Uhr wurden Joseph und Hyrum Smith abermals wegen „Hochverrats gegen den Staat Illinois“ verhaftet. Dieser angebliche Hochverrat bestand darin, dass sie das Kriegsrecht in Nauvoo ausgerufen hatten.

Im weiteren Verlauf des Tages stellte Gouverneur Ford, der die Milizer gern beruhigt hätte, Joseph und Hyrum den Truppen vor. Als er sie den Carthage Greys als „Generäle“ vorstellte, wäre es beinah zu einem Aufstand gekommen.

Während des Tages wurden die Mitglieder des Stadtrates von Nauvoo Robert F. Smith vorgeführt, einem Friedensrichter, der zugleich auch Captain der Carthage Greys war. Sie wurden durch Bürgschaft verpflichtet, bei der nächsten Gerichtsverhandlung zu erscheinen, die das höhere Gericht des Kreises Hancock abhalten würde. Die Anklage war „Aufruhr“. Man setzte die gesamte Kaution auf 7500 Dollar fest, eine übermäßig hohe Summe. Zum Erstaunen der Ankläger wurde sie aber bald aufgebracht, und die Brüder machten sich noch am Abend nach Nauvoo auf. Joseph und Hyrum aber, die sich um eine Aussprache mit Gouverneur Ford bemühten, wurden wiederum von Konstabler Bettisworth verhaftet.

In dieser Nacht schliefen Joseph und Hyrum zusammen mit Willard Richards, John Taylor, John P. Greene, Stephen Markham, Dan Jones, John S. Fullmer, Dr. Southwick und Lorenzo D. Wasson, die bei ihnen blieben, auf dem Fußboden der Zelle, wo man sonst säumige Schuldner einsperrte.

Am folgenden Morgen bat Joseph Smith von neuem um eine Unterredung mit Gouverneur Ford, und dieser kam auch zu diesem Zweck ins Gefängnis. Es folgte eine lange Aussprache. Der Gouverneur versprach ihnen Schutz: Wenn er am nächsten Tag seine Truppen nach Nauvoo marschieren ließe, wollte man wahrscheinlich Joseph und Hyrum mitnehmen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. In Hinsicht auf die Tatsache, dass sie fälschlich gefangengesetzt worden waren, wurde ihnen nichts zugesichert.

Der Tag zog sich hin. Die Gefangenen schrieben Briefe an ihre Angehörigen, besprachen sich mit dem Anwalt Reid und ließen sich berichten, was für Drohungen gegen ihr Leben wieder laut geworden waren.

Am Nachmittag ließ Richter Robert F. Smith die Gefangenen holen, aber der Gefängniswärter weigerte sich, sie zu übergeben; dies sei nämlich unvereinbar mit seiner beschworenen Pflicht. Das verursachte einen beträchtlichen Aufruhr. Ein Mob bildete sich, und man sandte eine Kompanie Carthage Greys aus, um die Gefangenen dem Richter vorzuführen.

Als Joseph Smith die erregte Menge in ihrer drohenden Haltung sah, ging er furchtlos vom Gefängnis auf den Platz hinaus, wo die Greys sich in offenem Karree aufgestellt hatten, hakte sich gelassen bei dem wüstesten Burschen ein, den er sehen konnte, und ging auf das Gerichtsgebäude zu. Seine Freunde folgten ihm, umgeben von einer Bewachung; sie erwarteten, jeden Augenblick massakriert zu werden.

Da sich die Zeugen nicht sofort auftreiben ließen, vertagte das Gericht den Fall auf den folgenden Mittag, später auf den 29. Juni.

Man hatte den Gefangenen das Recht eingeräumt, sich im oberen Stockwerk des Gefängnisses aufzuhalten, wo es etwas bequemer war; es gab dort ein Bett und ein paar Matratzen. Der Abend verlief in angenehmem Gespräch. Noch lange, nachdem sich die anderen zur Ruhe begeben hatten, unterhielt sich Joseph mit John Fullmer und Dan Jones, die zu beiden Seiten von ihm lagen. „Ich möchte meine Familie Wiedersehen“, sagte er, „und wollte Gott, ich könnte noch einmal vor den Heiligen in Nauvoo eine Predigt halten!“

Später sagte er zu Dan Jones: „Haben Sie Angst zu sterben?“ Worauf Jones antwortete: „Meinen Sie, dass die Zeit gekommen ist? Wenn man sich für so eine Sache einsetzt wie wir, glaube ich, dass der Tod nicht viel Schrecken hat.“ Der Prophet sagte: „Vor Ihrem Tod werden Sie Wales sehen und die Ihnen aufgetragene Mission erfüllen.“ So verging die letzte Nacht, die der Mormonenprophet auf Erden weilte.

Gouverneur Ford spielte an jenem schicksalsschweren Tag, dem 27. Juni 1844, eine sehr schmähliche Rolle. Trotz seiner hohen Stellung war er schwach und haltlos; er wollte es allen Seiten recht machen. Ob es nun Absicht war oder Unkenntnis, seine Handlungsweise an dem Tag legte das Fundament für die nachfolgende Tragödie. Früh am Morgen ließ er die Miliz nach Nauvoo abrücken, ohne das Versprechen wahr zu machen, das er Joseph Smith gegeben hatte. Fünfzig Mann der Carthage Greys wurden zurückgelassen, um die Häftlinge im Gefängnis zu bewachen. Da es sich bei diesen Männern um erklärte Feinde des Propheten handelte, machten sich seine Freunde Sorgen. Cyrus H. Wheelock holte den Gouverneur ein und trug ihm die Bedenken vor. Ford antwortete: „Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch in keinem solchen Dilemma befunden, aber Ihren Freunden soll nichts geschehen; sie sollen vor ein unparteiisches Gericht gestellt werden.

Gouverneur Ford wollte die Einwohner von Nauvoo mit einer militärischen Machtentfaltung gehörig beeindrucken. Er hatte angeordnet, dass die Miliz aus Warsaw mit seinen Truppen in Golden Point zusammentreffen sollte; dort wollte man diese Hilfstruppe auflösen und nach Hause schicken. Einige folgten dem Befehl, aber etwa 150 Mann wurden von skrupellosen Offizieren zu wütender Rachsucht angestachelt; denn sie sahen sich in ihrer Erwartung getäuscht, in Nauvoo plündern zu dürfen. Sie machten sich also nach Carthage auf, nachdem sie Joseph und Hyrum Smith den Tod geschworen hatten. Ungefähr 75 von ihnen, die sich zuvor das Gesicht geschwärzt hatten, kamen rechtzeitig an, um an der schrecklichen Tat jenes Tages teilzunehmen.

Inzwischen hatten die Gefangenen in Carthage ihre Zeit damit verbracht, Briefe zu schreiben und sich auf die kommende Verhandlung vorzubereiten. John S. Fullmer wurde nach Nauvoo gesandt, um Zeugen herbeizuschaffen. Dan Jones machte sich zu O. H. Browning auf den Weg; er hatte einen Brief mit, worin der Anwalt ersucht wurde, die Verteidigung der Angeklagten zu übernehmen. Jones entging mit Müh und Not einem Anschlag des Pöbels. Dr. Richards fühlte sich an diesem Morgen nicht wohl; Stephen Markham verließ das Gefängnis, um Medizin zu beschaffen. Er durfte aber nicht in das Haus zurück. Die Carthage Greys setzten ihn auf ein Pferd und trieben ihn mit blankem Bajonett aus der Stadt. So blieben also nur vier Männer im Gefängnis zurück: Joseph Smith, Hyrum Smith, Dr. Willard Richards und John Taylor.

Um 4 Uhr Nachmittag wurde die Wache abgelöst. Nur acht Mann blieben zurück, um die Gefangenen vor Gewalttaten zu schützen. Der Gefängniswärter, ein Mann namens Stigall, bemerkte das und sagte zu den Gefangenen, sie würden in der Zelle im Erdgeschoß wohl sicherer sein. Sie versprachen ihm, nach dem Abendessen hinunterzugehen. Joseph sagte zu Dr. Richards: „Gehen Sie mit uns, wenn wir in die Zelle gehen? Der Arzt antwortete:

„Bruder Joseph, Sie haben mich nicht gefragt, ob ich mit Ihnen über den Fluss setzen will; Sie haben mich nicht gefragt, ob ich mit Ihnen nach Carthage kommen will; Sie haben mich nicht gefragt, ob ich mit Ihnen ins Gefängnis gehen will — glauben Sie denn, dass ich Sie jetzt verlasse? Ich will Ihnen sagen, was ich tun werde: Wenn man Sie verurteilen sollte, wegen Hochverrats gehenkt zu werden, dann will ich mich für Sie hängen lassen, und Sie sollen freigehen."

Etwa um diese Zeit wollte die Wache Geld haben, um Wein für sich kaufen zu können, und Joseph gab es ihnen. Danach überstürzten sich die Ereignisse. Es ertönte der Ruf: „Ergebt euch!“, und man konnte Gewehrfeuer hören. Ungefähr 100 Männer stürmten das Gefängnis. Die Wache leistete mit halbem Herzen ein klein wenig Widerstand. Ein paar Kerle brachen ins Gefängnis ein und begannen, die Treppe hinauf zu schießen, während andere durch das offene Fenster herein feuerten.

In dem Kugelhagel starb Hyrum Smith, der Bruder des Propheten.

Die Gefangenen verteidigten sich mit ihren Waffen. Als letzte Rettung unternahm Joseph den Versuch, aus dem gleichen Fenster zu springen, wo schon Mr. Taylor getroffen worden war. Zwei Kugeln von der Tür trafen ihn, eine von draußen drang ihm in die rechte Brustseite. Mit dem Ruf "Mein Herr und mein Gott!“ fiel er nach draußen.

In dem Augenblick hörte man einen Schrei: ,Er ist zum Fenster hinausgesprungen!', und der Pöbel auf der Treppe und vor der Kammer rannte nach draußen.

Da ertönte draußen der laute Ruf: „Die Mormonen kommen!“, und das rettete Dr. Richards und dem verletzten John Taylor das Leben. Wer den Schrei ausgestoßen hatte, ist unbekannt. Es gab nichts, was ihn gerechtfertigt hätte. Er hätte aber keine größere Wirkung haben können, wenn er der Wahrheit entsprochen hätte. Das Gesindel zerstob in alle Winde. Die Miliz von Warsaw kehrte in aller Eile heim. Ihre Stadt wurde sofort in Verteidigungszustand versetzt, soweit es die beschränkten Möglichkeiten zuließen. Die Frauen und Kinder brachte man mit der Fähre nach Missouri hinüber, in ein Dorf am gegenüberliegenden Ufer. Die Männer hielten Tag und Nacht in den Haselgebüschen rund um die Stadt Wache. Jedermann erwartete einen plötzlichen und exemplarischen Rachefeldzug der Mormonen.

Es kam keine Rache. Auf die Nachricht von der Tragödie glich die ganze Stadt Nauvoo einer Herde, die den Hirten verloren hatte. Von dem schweren Schlag, der sie betroffen hatte, waren alle wie gelähmt. Ihr geliebter Prophet und ihr geliebter Patriarch waren tot. 

Nach seiner eigenen Vorhersage in Lehre und Bündnis hoffte der Prophet wohl auf ein längeres Leben.

Lehre und Bündnisse Abschnitt 130 14 -17
Einst betete ich inbrünstig, um die Zeit zu erfahren, wann des Menschen Sohn kommen werde. Da vernahm ich eine Stimme, die folgendes sagte: Joseph, mein Sohn, wenn du leben wirst, bis du fünfundachtzig Jahre alt bist, wirst du das Antlitz des Menschensohnes sehen. Lass dir das genügen und gehe mich nicht weiter hierum an. So wurde ich im Unklaren darüber gelassen, ob dieses Kommen den Anfang des Tausendjährigen Reiches oder ein vorheriges Erscheinen bedeute, oder ob ich sterben und dann sein Antlitz sehen würde.  Ich glaube, dass des Menschen Sohn nicht vor jener Zeit kommen wird.

Seine Anhänger in Nauvoo wurden gezwungen Nauvoo zu verlassen. In mehreren Tracks machten sie sich nach und nach auf den Weg nach Utah, damals noch Stammesgebiet der Indianer, heute Bundesstaat der USA. Die Führung übernahm Brigham Young. In Utah befindet sich auch heute noch das Zentrum der Kirche in Salt Lake City. Der Name Utah leitet sich von dem Indianer-Volk der Ute ab, die neben einigen anderen Völkern bis heute in Utah leben.

 

Kritische Fragen in Gesprächen mit Mormonen

Schon seit Mitte der siebziger Jahre besuchen mich immer mal wieder Missionare der Kirche "Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage". Bei mir waren und sind sie immer willkommen und wurden auch bewirtet. Die meisten ihrer Missionare kommen aus den USA. Es sind oft Studenten, die aber hier zum Teil selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen.

Die ersten Mormonen, die Mitte der 1970-er Jahre zu mir kamen waren zwei junge Damen, die eine Arbeitskollegin besucht haben. Diese Arbeitskollegin war Tochter eines evangelischen Pfarrers und  wusste, dass ich mich als Atheist intensiv mit der christlichen Religion auseinandergesetzt habe und in Diskussionen mit Zeugen Jehovas auf die Schwachstellen der christlichen Glaubenslehre gestoßen war. Nun gut - ich hörte mir erst mal an, was die beiden Damen verkündeten, war auch einmal bei der Taufe eines Mitglieds eingeladen und habe einmal einen der Gottesdienste besucht. Sie überredeten mich dann eines Tages, es doch einmal mit einem gemeinsamen Gebet zu versuchen. Wir knieten uns also zu dritt am Boden hin und beteten. Ich sollte dann darauf achten, ob ich dabei ein Brennen in meinem Herzen verspüren würde. Sie waren enttäuscht, dass ich kein Brennen in meinem Herzen verspürt hatte. Ich empfand diese Geisterbeschwörung eher belustigend / albern, was ich mir aber nicht anmerken ließ.

Wieso gerade ein Brennen im Herzen?

Gemäß 1. Mose 2,7 bläst Gott dem ersten Menschen den Odem (Lebensatem) in die Nase, Die Vorstellung war, dass dieser Lebensatem dann das Herz und die Lunge in Bewegung hält.  Nach antiker Vorstellung wird alles durch den Geist in Bewegung gesetzt. Im Neuen Testament steht für Geist und Wind das griechische Wort pneuma. Man vermutete in der Herz- und Nierengegend den Sitz der Seele.

Weisheit 1, 6 
Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, doch lässt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, untrüglich durchschaut er sein Herz und hört seine Worte. (Weisheit 7,23; 1 Sam 16,7; Jer 17,9f; Sir 42,18;

Kommentar der Einheitsübersetzung: "seiner heimlichen Gedanken", wörtlich: seiner Nieren. Die Nieren sind im semitischen Denken Sitz der innersten Empfindungen. Das Herz gilt als geistige Mitte, als Sitz der Gedanken und Willensentschlüsse.) 

Psalm 26:2
"Prüfe mich, Herr, und erprobe mich,
erforsche meine Nieren und mein Herz."

Offenbarung 2,23 
Ihre Kinder werde ich (der Sohn Gottes) töten, der Tod wird sie treffen, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Herz und Nieren prüft, und ich werde jedem von euch vergelten, wie es seine Taten verdienen.

Gemäß 1. Mose 6,3 kehrt dieser geliehene Lebensatem mit dem letzten Atemzug zu Gott zurück.

Matthäus 27,50 (Markus 15,37, Lukas
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus
.

Umgangssprachlich hat sich diese Vorstellung der im Herzen beheimateten Seele in Redewendungen erhalten, wie zum Beispiel "Sie sind herzlich eingeladen", "mit herzlichen Grüßen", "er / sie ist ein herzensguter Mensch" . . .

Mehr dazu unter dem Link Religionskritik und dem weiteren Link  Dimensionen des Geistes Teil1 auf meiner Homepage.

Heute weiß man, dass Gedanken / Gefühle in unserem Nervensystem entstehen. Lt. dem Mormonen Gerd Skibbe glaubt heute auch kein Mormone mehr, dass hier die Schnittelle zur Seele ist. Aber für ihn  sind es innere Erfahrungen, die ihm selbst zuteilwurden, und die zum Kostbarsten nicht nur seiner eigenen Lebenserfahrungen gehören. Dichterisch umschreibt man sie seit alters, so Gerd Skibbeauch als Herzensangelegenheit.

 
Zu der Zeit als das Buch Mormon von Joseph Smith als weiteres Evangelium in Umlauf gebracht wurde, wurde von allen christlichen Kirchen in diesem Punkt noch die antike Vorstellung von der im Herzen beheimateten Seele verkündet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben deshalb die bayerischen Könige ihre Herzen in Altötting in einem kostbaren Gefäß bestatten lassen. Hier nur einige Zitate von vielen, die man aus dem Buch Mormon anführen könnte, die belegen, dass die angeblich göttlichen Offenbarungen nur das antike Weltbild wiedergeben.

2 Nephi 20:7
Er jedoch meint es nicht so, und sein Herz denkt nicht so; sondern im Herzen ist es ihm, zu vernichten und abzuschneiden nicht wenige Nationen.

3 Nephi 19:33
Und die Menge hat es gehört und gibt Zeugnis; und ihr Herz war offen, und
sie verstanden in ihrem Herzen die Worte, die er betete.

Mosia 24:12
Und Alma und sein Volk erhoben nicht mehr ihre Stimme zum Herrn, zu ihrem Gott, sondern sie schütteten ihr Herz vor ihm aus; und er wußte die Gedanken ihres Herzens.

2 Nephi 32:1
Und nun siehe, meine geliebten Brüder, ich meine, ihr sinnt noch im Herzen darüber nach, was ihr tun sollt, nachdem ihr auf dem Wege eingetreten seid. Aber siehe, warum sinnt ihr im Herzen darüber nach?

3 Nephi 2:2
sie ersannen in ihrem Herzen irgendetwas Unnützes, dass es durch Menschen und durch die Macht des Teufels bewirkt worden war, um dem Volk das Herz zu verleiten und zu täuschen; und so ergriff der Satan wieder vom Herzen des Volkes Besitz, so sehr, dass er ihre Augen verblendete und sie verleitete zu glauben, die Lehre von Christus sei etwas Törichtes und etwas Unnützes.

Lehre und Bündnisse Abschnitt 9, 8 - 9
"Du musst es in deinem Geiste ausstudieren und dann mich (Gott) fragen, ob es recht sei, und wenn es recht ist, will ich dein Herz in dir entbrennen lassen. und dadurch sollst Du fühlen, dass es recht ist. Ist es aber nicht recht, so wirst Du kein solches Gefühl haben, sondern deine Gedanken werden verwirrt werden, wodurch Du vergessen wirst, was unrichtig ist; deshalb kannst du nicht schreiben, was heilig ist, es sei denn, es werde dir von mir gegeben."

Ja - wenn man schon Anleihen bei der Bibel nimmt, sollte man wenigsten nicht die falschen nehmen. Heute will man solche Stellen gerne symbolisch verstanden wissen. Aber diese Symbolik ist im damaligen Sprachgebrauch gar nicht enthalten. Man hat dies gemäß dem antiken Weltbild wörtlich verstanden.

In den Gesprächen mit den beiden Damen ging es aber nicht darum. Es ging zum Teil um einige Behauptungen im Buch Mormon, wie zum Beispiel der Gebrauch von Pferd und Wagen. Gerade im Inka-Reich wurden Flüsse in Gebirgstälern mit Seilen überspannt, an denen Holzstege befestigt waren. Für Pferd und Wagen völlig unpassierbar. Die Mormonen haben hier jedoch ein eigenes Geschichtsbild, das sie zum Teil mit Ausgrabungsbefunden zu belegen versuchen. Als Beweis wurde mir die Abbildung einer Plastik gezeigt, die ein Pferd darstellen sollte. Ein Ausgrabungsstück. Für mich sah der vorgelegte Beweis für die Existenz von Pferden im Zeitraum um Christi Geburt eher nach einem Lama aus. Der lange schmale Hals der Tierplastik machte mich stutzig.

Nach dem Buch Mormon sind es ausgewanderte Israeliten, die noch vor Christi Geburt zu jenen Völkern heranwuchsen, die im Buch Mormon genannt werden. Historiker gehen jedoch von einer Besiedlung aus Asien aus. Dafür spricht u. a. die Art, wie man bei den Azteken Menschen opferte. Der Priester schlitze den Opfern dazu die Bauchdecke auf und riss dann das Herz heraus. Am Baikalsee werden noch heute Schafe nach traditioneller Art auf diese Weise geschlachtet. (Quelle eine ZDF oder ARD  Dokumentation vor einigen Jahren). Auch genetische Untersuchungen an der Mitochondrien-DNA (siehe Spektrum der Wissenschaft) weisen auf eine Abstammung der indianischen Urbevölkerung aus Asien hin. Lediglich die Statuen der Olmeken mit ihren negroiden Gesichtszügen weisen auf eine Einwanderung dieses Volkes aus Afrika hin.

Neben dem Buch Mormon und dem Buch "Lehre und Bündnisse" bekam ich auch eine ausführliche Geschichte der Mormonen ("Seine Kirche wiederhergestellt" verfasst von William Edwin Berrett) von den beiden Damen geschenkt, wofür ich ihnen noch heute sehr dankbar bin. Diese Geschichte der Mormonen enthielt nämlich zahlreiche Details aus dem Leben  von Joseph Smith und den Anfängen der Kirche, die in den Werbeveranstaltungen der Missionare i. a. nicht erwähnt werden.

Die Diskussionen mit den beiden Damen drehten sich dann um das Kernstück des christlichen Glaubens, die Geschichte vom Sündenfall. Nach dem Glauben der Mormonen hat Gott einen Erlösungsplan.  Hier unterscheidet sich die Religion der Mormonen ganz wesentlich von der katholischen oder protestantischen Erlösungslehre, der so genannten Soteriologie. Nach dem Glauben der Mormonen gehörte der Sündenfall zum Plan Gottes. 

Ich erklärte ihnen, dass wir die Gabe zum Erkennen von Gut und Böse gar nicht in vollem Umfang besitzen, denn bei unseren Entscheidungen können wir die langfristige Wirkung nicht vorhersehen. Und damit stellt sich dann die Frage, wie weit wir dafür verantwortlich sind.  Daraufhin hörte ich von meiner Arbeitskollegin, dass die beiden Missionarinnen versetzt wurden.

Lt. Gerd Skibbe, Ratgeber von drei Missionspräsidenten, wurden Missionare der Mormonen schon immer von Zeit zu Zeit versetzt. Gerd Skibbe ist kein Fall bekannt, dass Missionare versetzt wurden, weil sie den Argumenten ihrer Gesprächspartner nichts entgegen setzen konnten, obwohl ähnliches  sicherlich schon vorgekommen sein könnte.

Es kamen dann zwei andere Missionare zu mir. Aber die haben auch sehr bald aufgegeben. Einer der beiden war 100% von Joseph Smith als dem wahren Propheten überzeugt. Im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz: "Wenn Joseph Smith gesagt hätte  - er hat es nicht gesagt - ich soll Erdnussbutter essen, dann würde ich Erdnussbutter essen, obwohl ich Erdnussbutter überhaupt nicht mag." Ich fühlte mich da an die Worte unserer Lehrerin Frau Dr. Ultsch erinnert, als sie uns eines ihrer Erlebnisse aus der Nazizeit erzählte. Da beantwortete ein Parteifunktionär den Hinweis vor dem Russlandfeldzug, dass man für die harten russischen Winter nicht ausgerüstet sei, damit, dass er verkündete: "Wenn unser Führer einen Krieg führt, dann schneit es nicht."

Der nächste Kontakt mit Missionaren der Mormonen kam erst wieder in Eisenach zustande. An einem warmen Sommertag sah ich zwei der Missionare der Mormonen in der Grimmelgasse, knapp  10 Minuten zu Fuß von meinem Haus entfernt. Man erkennt sie schon an ihrem Outfit, an der dunklen Hose, dem weißen Hemd, der Krawatte und den Namensschildern. Ich lud sie ein.

Ich erzählte ihnen von meiner Reise in die USA 1969 und dem Besuch in Salt Lake City. Inzwischen hatte man eine neue deutsche Übersetzung des Buches Mormon, die sie mir dann bei ihrem nächsten Besuch mitbrachten. Auch das Info-Material war neu. Es wurde eine DVD abgespielt. Ich nahm den Diskussionsfaden von damals wieder auf und schon wurden sie von der Kirche anderweitig verplant.

Zwei Jahre später, riefen mich die neuen Elders (Ältesten bzw. Missionare) an. Man hatte offenbar meine Telefonnummer und meine Adresse gespeichert. Nun gut - ich lud sie ein. Ein Schweizer Missionar und ein Amerikaner kamen. Beides Studenten. Ich hörte mir zuerst einmal an, was sie zu sagen hatten, und las auch mit ihnen aus dem Buch Mormon. Ich äußerte aber dann doch meine Zweifel, was das Herz als Sitz der Seele anbetraf und erklärte ihnen, dass man früher dachte, dass das Herz der Sitz der Seele sei. Ich hatte inzwischen auf meiner Homepage dazu einen Artikel verfasst. den wollten sie natürlich nicht mitnehmen, denn von ihrer Kirche ist es ihnen verboten religionskritische Schriften anzunehmen. Zeitverschwendung sagt die Kirche. Ähnlich wie bei den Zeugen Jehovas wird die Angst vor dem Teufel geschürt, die Angst vor der Hölle lässt die Gläubigen zu Ignoranten werden. Und selbst wenn es ganz offensichtlich ist, dass die Bibel, aber auch das Buch Mormon sich auf das antike Weltbild beziehen, kommt immer noch die Antwort, dass diese göttlichen Offenbarungen höher sind als menschliche Vernunft (Jesaja 55, 8-9). Nur kann man mit dieser Behauptung jedes Buch zu einer göttlichen Offenbarung erklären. Ob das nun der Koran ist oder die Bibel oder das Buch Mormon. Die Frage bleibt dann offen für welches Buch ich mich entscheiden soll.

Die Argumentation mit dem Herz leuchtete offenbar ein. Aber trotzig mit Tränen in den Augen, sagte der Amerikaner, dass er dies nicht glaubt. Ich antwortete ihm auf Englisch: "You can inform yourself." (Sie können sich selbst informieren).

Erst etwa zwei Jahre später bekam ich wieder einen Anruf von Missionaren aus Gotha, den neuen Elders. Diesmal wieder zwei Amerikaner. Man hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben mich auf den rechten Pfad zu geleiten. Ich hatte für das Gespräch das Buch Mormon bereit gelegt, aber auch das Buch "Die Schöpfungslüge" von dem englischen Professor für Biologie Richard Dawkins, der in diesem Buch zahlreiche Beweise zur Evolutionstheorie  liefert. Die beiden Missionare machten sofort klar, dass sie sich nicht auf eine Diskussion über die Evolutionstheorie einlassen wollen.  Man wolle mir den Erlösungsplan Gottes genauer erläutern. Der Sündenfall von Adam und Eva gehört dabei zu diesem Erlösungsplan. Ebenso wie das Sühneopfer von Jesus, in dem er stellvertretend die Schuld der ganzen Menschheit sühnt. Diese Art der Sündenvergebung durch Stellvertreter gab es auch schon zu Zeiten Moses. Nur waren es hier Tieropfer. Geopfert wurde nicht das Fleisch, sondern das Fett und die Knochen. Das Fleisch diente der Versorgung der Priester.

Nach dem Glauben der Mormonen haben alle Menschen eine Präexistenz im Himmel in der Gegenwart Gottes. Mit der Geburt bekommt ein unsterblicher Geist einen sterblichen Körper zugewiesen. Beide zusammen bilden die Seele. Die Erinnerung an ihre Präexistenz in Gottes Reich ist vergessen. Es beginnt für diese Seele eine einmalige Bewährungszeit (keine wiederholten Reinkarnationen). Man wird geprüft, ob man auch in schwierigen Situationen die Gesetze Gottes befolgt.  Jeder der sich nun den Mormonen anschließt wird zuvor belehrt welche Verpflichtungen er damit übernimmt. Der "Bekehrte" soll wissen, dass die zehn Gebote vollen Anspruch erheben eingehalten zu werden, hinzukommen die echt "mormonischen" Auflagen, keine Drogen incl. Alkohol, Tabak und Kaffee, Wie bei Mose wird der Zehnte an die Kirche gezahlt (10% des Netto-Gehalts). Zu den Pflichten gehört auch der regelmäßige Besuch der Sonntagsversammlungen. In diesen Zusammenkünften geht es immer darum aneinander Anteil zu nehmen und den eigenen Horizont zu erweitern. Dank des Sühneopfers von Jesus wird Schuld durch echtes Bedauern und durch die symbolische Reinigung bei der Taufe gelöscht. Die Taufe muss allerdings von einem dazu bevollmächtigten Priester der Mormonen vollzogen werden, der das neue Mitglied vollständig unter Wasser "begräbt".

Nach dem Tod lebt jeder bis zum Jüngsten Gericht in einer Geisterwelt.  Nach dem Glauben der Mormonen hat jeder mit seinem Gewissen einen untrüglichen Maßstab für das, was richtig und falsch ist. Die Mormonen nennen dies das Licht Christi (Lehre und Bündnisse 84,46). Dieses Licht kann durch Sünde erlöschen. Aber nach dem Tod scheint es wieder auf. Sein Gewissen plagt nun den den Sünder. Je schlimmer das Vergehen war umso heftiger. Man wird zu seinem eigenen, möglicherweise gnadenlosen Richter. Es sind Höllenqualen die derjenige durchleidet, der beispielsweise ein Kind missbrauchte und es anschließend tötete. Wenn jemand einen anderen wirtschaftlich ruinierte, obwohl dafür keine wirkliche Notwendigkeit vorlag, wird er sich irgendwann selbst anklagen. Das ist schon hier und diesseits der Fall, wenn auch nicht immer. Hier kannst du das wieder gut machen. Aber was willst du tun, wenn du die Diesseitigkeit verlassen musst, aber dein Bewusstsein übrigbleibt? Unsere eigenes Gewissen Siehe 2.Nephi 9: 14 kann zur Plage werden. Diesen Zustand und Ort nennt das Buch Mormon Hölle.

Alma 29,5 Ja, und ich weiß, Gut und Böse ist vor alle Menschen gekommen; wer Gut von Böse nicht unterscheiden kann, ist ohne Tadel; wer aber Gut und Böse erkennt, dem wird gemäß seinen Wünschen gegeben, sei es, dass er Gutes wünscht oder Böses, Leben oder Tod, Freude oder Gewissensqual. 

Lehre und Bündnisse 137,10 Und ich sah auch, daß alle Kinder, die sterben, ehe sie die Jahre der Verantwortlichkeit erreicht haben, im celestialen Reich errettet sind.  

Wohl dem, der als Kind gestorben ist oder geisteskrank war. Auch Jesus urteilt über die Unmündigen und Kinder ähnlich (siehe Matthäus 18, 1 - 5 und Matthäus 11, 25). Alle anderen erwartet Glückseligkeit oder Gewissensqual.

Das Jüngste Gericht, wird das Endurteil Gottes sein. Das kommt aber erst nachdem du lange Zeit tot warst und dort in der Geisterwelt bereut hast. Hast du wirklich bereut wird die Schuld gelöscht und im Endurteil Gottes spielen die echt bedauerten Vergehen keine Rolle mehr!

Mit der Auferstehung erhält jeder wieder einen Körper und erhält  einen Platz in einer der drei himmlischen Sphären. Diese Auferstehung wurde möglich durch das Sühneopfer von Jesus.

Schon bei dem Kirchenvater Origenes gibt es ähnliche Überlegungen. Er meint: Alle Menschen sind von Gott geliebt. Gott hat einen Weg für alle bereitet das Höchste zu erreichen, wenn sie wollen.

Schon die unterste der himmlischen Sphären, die telestiale Herrlichkeit  – so Joseph Smith – sei von unbeschreiblicher Schönheit und Eleganz.  Siehe Lehre und Bündnisse Abschnitt 76.  

Aber in dieser Bewährungszeit sah ich nun das erste Problem. Was ist, wenn jemand schwer geistig behindert ist. Wie soll sich jemand bewähren, der geistig auf dem Stand eines einjährigen Babys stehen geblieben ist. Welchen Sinn hat dann dieses Leben? Natürlich können auch solche Menschen Erfahrungen machen. Sie können Schmerzen und Freude empfinden. Aber sich bewähren? Von den Gesetzen Gottes verstehen sie doch nur genauso viel wie die Kuh vom Sonntag. Diese Frage konnte man mir nicht beantworten. Bei der nächsten Gesprächsrunde war dann der Leiter der Mormonen in Gotha dabei, ein Dr. der Biologie und Lehrer am Gymnasium.  Auch er konnte diese Frage nicht beantworten.

Und eine zweite Frage in diesem Zusammenhang brannte mir auch auf den Nägeln. Man kann eine befruchtete Eizelle nach der Zellteilung trennen. Aus einem Individuum entstehen dann zwei. In der Natur sind Zwillingsgeburten selten, aber es kommt vor. Was passiert in diesem Fall mit der Seele. Man kann ja solch einen Eingriff auch von Hand vornehmen. Wir hätten Gott dann veranlasst eine weitere Seele zur Verfügung zu stellen. Aber kann der Mensch Gott zwingen? Drei ratlose Gesichter sahen mich an. Die Frage blieb offen.

Aus der vorangegangenen Gesprächsrunde war noch eine weitere Frage offen geblieben. Ich hatte bei der Lektüre des Buches Mormon eine Stelle entdeckt, wo von den vier Enden der Erde die Rede war. Nun hatte ich bei einer Recherche noch weitere Stellen im Buch Mormon und in Lehre und Bündnisse gefunden, die ebenfalls auf das antike Weltbild hindeuteten. Solche Stellen findet man auch in der Bibel. Zum Beispiel

Offenbarung 7, 1
Danach sah ich: Vier Engel standen an den vier Ecken der Erde. Sie hielten die vier Winde (Winddämonen) der Erde fest, damit der Wind weder über das Land noch über das Meer wehte, noch gegen irgendeinen Baum.

Jesaja 11,12
Er stellt für die Völker ein Zeichen auf, um die Versprengten Israels wieder zu sammeln, um die Zerstreuten Judas zusammenzuführen von den vier Enden der Erde.

In den Offenbarungen des Joseph Smith hört sich das dann so an.

1 Nephi 19,16
Ja, dann wird er sich der Inseln des Meeres erinnern; ja, und alles Volk, das vom Haus Israel ist, will ich einsammeln, spricht der Herr gemäß den Worten des Propheten Zenos, von den vier Enden der Erde. Und dann werden sie ihren Erlöser erkennen, nämlich Jesus Christus, den Sohn Gottes; und dann werden sie von den vier Enden der Erde in ihre eigenen Länder gesammelt werden, von wo aus sie zerstreut worden sind; ja, so wahr der Herr lebt, so wird es geschehen. Amen.

Lehre und Bündnisse 45,46
Darum, wenn ihr in Frieden geschlafen habt, seid ihr gesegnet; denn wie ihr mich jetzt seht und wisst, dass ich bin, so werdet ihr auch zu mir kommen, und eure Seele wird leben, und eure Erlösung wird vollendet werden; und die Heiligen werden von den vier Enden der Erde herkommen.

Lehre und Bündnisse 33,6
Und ebenso werde ich meine Auserwählten von den vier Enden der Erde sammeln, ja, alle, die an mich glauben und auf meine Stimme hören.

Joseph Smith—Matthäus 1,37 (steht nicht in der Bibel)
. . . und wer mein Wort wie einen Schatz hütet, wird sich nicht täuschen lassen, denn des Menschen Sohn wird kommen, und er wird seine Engel vor sich hersenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden die übrigen seiner Auserwählten sammeln von den vier Winden her, von einem Ende des Himmels zum anderen.

Lehre und Bündnisse 133,7
Ja, wahrlich, ich sage euch abermals: Die Zeit ist gekommen, da die Stimme des Herrn an euch ergeht: Zieht aus von Babylon; sammelt euch aus den Nationen, von den vier Winden her, von einem Ende des Himmels zum anderen.

Lehre und Bündnisse 34,9
Aber ehe jener große Tag kommt, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond sich in Blut verwandeln; und die Sterne werden sich weigern zu leuchten (Jesaja 13, 10), und einige werden fallen, und große Zerschlagungen erwarten die Schlechten.

Mormon 5,23 (3. Nephi 26, 3; Mormon 9, 2)
Wißt ihr nicht, dass ihr in den Händen Gottes seid? Wißt ihr nicht, dass er alle Macht hat und dass auf seinen großen Befehl die Erde zusammengerollt werden wird wie eine Schriftrolle.

Eine ebene Fläche kann man zusammenrollen, aber eine Kugel . . .? Wenn Sterne vom Himmel fallen, dann trifft dies nicht nur die Schlechten. Und wo sind denn die vier Enden der Erde? Die Erde ist doch eine Kugel. Und wer glaubt heute noch an die vier Winde (die vier Winddämonen)? . . . und die Sterne werden sich weigern zu leuchten . . . Sterne mit Bewusstsein?! 

Ähnliche Stellen findet man, wie bereits gesagt,  natürlich auch in der Bibel. Siehe  Matthäus 24, 29  und Offenbarung 6, 13; 7, 1; 12, 4; Jesaja 13, 10; Jesaja 34, 4.

Joseph Smith glaubte wie die Autoren der Bibel an Sterne als Lichtgestalten, als Engel oder als kleine leuchtende Kugeln, die am Himmel befestigt sind oder von Engeln bewegt werden. Siehe die Deckengemälde in zahlreichen katholischen Kirchen. Siehe auch Das Weltbild des Jesus von Nazareth.

Diesen Glauben haben die christlichen Kirchen auch im 19. Jahrhundert noch aufrecht erhalten und offenbar auch Joseph Smith.

Unter dem Datum vom 1. Oktober 1835 schreibt Joseph Smith:

"Heute Nachmittag habe ich mich mit dem ägyptischen Alphabet abgemüht; bei mir waren die Brüder Oliver Cowderry und William w. Phelps. Während unserer Forschung öffneten sich die Grundsätze der Astronomie, wie Vater Abraham und  die Alten sie begriffen, auch unserem Verständnis." (Seine Kirche wieder hergestellt Seite 95)

Noch in meiner Zeit zwischen 1950 und 1960 erinnere ich mich an ein Gespräch mit einem der Patres des Klosters Schäftlarn bei München. Er sagte mir: "Ja -  die Astronomen behaupten, dass Sterne riesige Himmelskörper sind. Aber das ist ja alles eine Interpretation des Lichts. Wer weiß denn schon, ob das stimmt?" Die katholische Kirche hat ja auch erst unter Papst Johannes Paul II. Galileo Galilei rehabilitiert. Trotzdem hält man daran fest, dass die Bibel Gottes Wort ist und jede Lesung in der katholischen Kirche endet mit dem Satz "Wort des lebendigen Gottes".

Na ja - in persönlichen Gesprächen einigt man sich zumindest in der katholischen und evangelischen Kirche dann auf die Formel: Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. Man entschuldigt das damit, dass Gott den naturwissenschaftlich ungebildeten Menschen zur Zeit um Christi Geburt  den Sachverhalt vereinfacht darstellen musste. Vereinfachungen findet man  auch heute in populärwissenschaftlichen Werken. Und durch diese Vereinfachungen enthalten diese Werke dann auch kleine Fehler. Beispiel: Wenn gesagt wird: Die Erde ist eine große Kugel, dann stimmt dies in erster Näherung. Genau genommen gibt es da aber Berge.

Aber bei den vier Ecken der Erde handelt es sich doch nicht um eine Vereinfachung, sondern einen groben Fehler. Auch der Mensch in der Antike hätte es durchaus verstanden, dass die Erde eine riesige Kugel ist. Der Grieche Eratostenes hat schon in vorchristlicher Zeit sogar den Umfang der Erde ziemlich genau berechnet. Und dass Sterne, mit Ausnahme der Planeten und des Mondes, riesige glühende Bälle sind. Auch das hätten die Menschen damals verstanden. Diese Ausrede ist also nicht schlüssig.

Ähnlich wie die Bibel sprechen auch die Autoren des Buches Mormon von Gott als dem Herrn der Heerscharen (Psalm 46, 4;1. Nephi 20, 2; Jakob 2, 32; 2. Nephi 28, 32; Nephi 8, 15; 2 Nephi 18, 13; 2 Nephi 20, 23). Gott verfügt auch gemäß dem Buch Mormon über ein gewaltiges Heer von Engeln. Dieses Heer wird aber erst in der Endzeit eingesetzt. In Lehre und Bündnisse 88, 110 – 115 offenbart Joseph Smith das, was in der Bibel in der Offenbarung in ähnlicher Weise verkündet wird. Da bläst der siebente Engel in die Posaune, dann wird der Teufel für 1000 Jahre gebunden, und dann wird er wieder losgelassen, um seine Heere sammeln zu können. Der Erzengel Michael sammelt nun als Feldherr Gottes ebenfalls seine himmlischen Heere und dann rappelt es nochmal so richtig in der göttlichen Spielzeugkiste. Michael gewinnt natürlich. Und der Teufel mitsamt den bösen Menschen wird in einem Feuersee versenkt, einem Ort ewiger Qual (Lehre und Bündnisse 76, 36; 2 Nephi 9, 19). Ja, da hat der barmherzige Gott schon vorausgedacht, als er diesen Ort geschaffen hat.

Dieses kindlich anmutende Drehbuch soll ein hoch intelligentes und allmächtiges Wesen verfasst haben. Schwer zu glauben! Wozu braucht ein allmächtiger Gott ein Heer? Und wieso ist seine heilige Stadt so stark befestigt (Offenbarung 21, 12 - 17)? Jemand, der allmächtig ist, kann doch niemand angreifen. Die passende Antwort dazu gibt schon Ludwig Feuerbach: "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde."

Bei den Mormonen haben Gott und Jesus eine menschliche Gestalt und einen Körper aus Fleisch und Knochen. Nur der Heilige Geist ist ein Geistwesen. (Lehre und Bündnisse 130, 22 - 23). Der Glaube der Mormonen unterscheidet sich aber in der Dreieinigkeitslehre. Nach dem Glauben der Mormonen, sind es drei Personen, die eins sind, in vollkommener Einigkeit in Absicht und Lehre (Johannes 17, 21 - 23; 2. Nephi 31, 21; 3. Nephi 1127, 36). 

Von dem Mormonen Gerd Skibbe kam noch ein Einwand bezüglich des Weltbilds von Joseph Smith. Er meint, dass Joseph Smith sehr wohl erkannt hat, dass Sterne keine kleinen Lichtlein sind. Er bezieht sich dabei auf folgendes Zitat von Joseph Smith:

Wörtlich sagte Joseph Smith:  Johannes (der Offenbarer "hat dort (im Himmel) Wesen in tausend verschiedenen Formen gesehen, die von zehntausend mal zehntausend Erden wie unsere" stammen."  Dokumente der Kirchengeschichte (DHC) vom 8. April 1843.

Das obige Zitat korreliert auch mit

"Die Köstliche Perle" Mose 1: 35
Aber nur von dieser Erde und ihren Bewohnern gebe ich dir Bericht. Denn siehe, es gibt viele Welten, die durch das Wort meiner Macht vergangen sind. Und es gibt viele, die jetzt bestehen, und unzählbar sind sie für den Menschen; aber mir sind alle Dinge gezählt, denn sie sind mein, und ich kenne sie.

Die Aussage, "die Sterne werden sich weigern Licht zu geben", wird von Mormonen so verstanden, dass irdische Vorgänge in unserer Atmosphäre verhindern, dass das Licht der Sterne für uns während solcher Zeit  sichtbar ist.

So weit Gerd Skibbe.

Ich bezweifle nicht, dass Joseph Smith dies gesagt hat. Aber es gibt da eine Besonderheit in der Glaubenslehre von Joseph Smith. Die Lehre von den drei Reichen der Herrlichkeit.

Zitat aus Wikipedia: Die Reiche der Herrlichkeit sind eine wichtige theologische Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (landläufig "Mormonen" genannt). Die Lehre hat zwar eine auffallende Ähnlichkeit mit einigen der Lehren des Emanuel Swedenborg, welche im frühen 19. Jahrhundert in den USA einige Popularität erlangt hatten; im Detail ist sie allerdings eine eigenständige.

Die Kirche nimmt zunächst Bezug auf eine Bemerkung von Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther, Kapitel 15 Verse 40 bis 42, die lautet: „Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mondes, anders als der Glanz der Sterne: denn auch die Gestirne unterscheiden sich durch ihren Glanz. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich.“ Diese Verse, zusammen mit anderen Aussagen im Neuen Testament und im Buch Mormon werden dahingehend interpretiert, dass es eine körperliche Auferstehung gebe, nach der im Jüngsten Gericht jeder Mensch einem von drei Reichen der Herrlichkeit zugeteilt werde, gemäß seinem Verhalten in der Zeit der Sterblichkeit. Dabei wird jedoch betont, dass der Mensch zwar seinen Teil dazu tun müsse, die höchste Herrlichkeit zu erreichen, ohne Gnade Gottes und ohne das Sühneopfer Jesu Christi der Mensch aber überhaupt nicht in der Lage sei, auch nur die geringste Herrlichkeit zu erlangen, ja, er würde (ohne das Sühnopfer) gar nicht auferstehen (siehe Buch Mormon, 2. Nephi 9:6-13)

Welche Voraussetzungen entsprechend dieser Lehre zur Erlangung welcher Herrlichkeit führen und was die einzelnen Herrlichkeiten demnach bedeuten, davon spricht der Abschnitt 76 im Buch Lehre und Bündnisse am ausführlichsten. Zum Thema ewige Ehe findet sich wichtiges im Abschnitt 132 dieses Buches.  Ende des Zitats.

Gemäß Lehre und Bündnisse Abschnitt 76, 95 werden diejenigen, die in die höchste Ebene, in die celestiale Herrlichkeit gelangen, zu  Göttern. Gott macht sie gleich an Macht und an Kraft und an Herrschaft.

Die Celestialen haben damit die Möglichkeit ihre eigene Welt zu schaffen. Eine Erde und einen dazu gehörenden Himmel, grmäß der Vorlage in der Bibel, aber nach ihren Vorstellungen.

Und damit erklärt sich auch das oben genannte Zitat von Joseph Smith und zwar in Übereinstimmung mit anderen Aussagen des Propheten im Buch Mormon und in der Bubel. Ich muss hier nicht den Sinn der Aussage . . . und die Sterne werden sich weigern zu leuchten . . . mit einer Auslegung verfälschen, nur weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Der Gedanke von der eigenen Welt hat insofern etwas für sich, als wir schon jetzt jene gedankliche Welt haben, die wir uns erschaffen. Die einen füllen sie mit den Freuden, die uns die Natur schenkt. Sie genießen den Duft der Blumen, ein gutes Essen, die Liebe in einer Partnerschaft, sie freuen sich über jede neue Erfahrung, über jedes gelöste Problem, sie genießen ihr Leben ohne es mutwillig zu zerstören, sie schaffen sich ihr Paradies, die anderen sind gequält von Existenzängsten, Depressionen, Ärger, zerfressen von Ehrgeiz und Hass. Das sind diejenigen, die sich selbst die Hölle geschaffen haben. Für uns sind diese Welten schon jetzt in gewisser Hinsicht real, aber nur solange wir leben.

Mit den beiden Missionaren gab es dann noch eine weitere Gesprächsrunde. Diesmal hatten sie aber nur wenig Zeit. Andere Termine! Es ging ihnen da nur noch um die Frage: Was ist die Wahrheit? Ich erklärte ihnen, dass die Naturwissenschaft hier klare Kriterien festgelegt hat. Zum Beispiel darf ein wahrer Sachverhalt keine Widersprüche aufweisen. Naturwissenschaftliches Wissen beruht auf nachvollziehbaren Experimenten. Da ist natürlich immer noch ein kleiner Interpretationsspielraum enthalten. Und wir wissen nicht alles. Nach dieser Gesprächsrunde verabschiedeten sich die beiden Missionare. Es wurde kein weiterer Termin vereinbart. Einer der beiden Missionare meinte: Es hätte wohl keinen Zweck. Auf der Internetseite der Mormonen in Gotha war dann zu lesen, dass man die beiden Missionare versetzt hatte. Den einen nach Bamberg, den anderen nach Ramstein. 

Einige Wochen später bekam ich aber dann doch noch mal Post aus Gotha. Eine Einladung zu einem Vortrag von Prof. Gensch aus Berlin. Das interessierte mich. Ich meldete mich an, erfuhr aber dabei, dass der Vortrag in Jena stattfindet, etwas weit weg. Das hatte ich in der Einladung übersehen. Aber man war bereit für mich eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren und tatsächlich, der Biologielehrer, der schon mal bei mir war, erklärte sich bereit mich am Bahnhof in Wandersleben, seinem Wohnort, mit dem Auto nach Jena mitzunehmen. Und so trafen wir uns in Wandersleben.

Ich hatte mich eigentlich auf eine Diskussion über die Bibel und das Buch Mormon vorbereitet, aber auf der Fahrt nach Jena ging es dem Biologielehrer um die Evolutionstheorie. Die biologische Entwicklung der Arten, das war für ihn noch glaubwürdig. Aber die vorangegangene chemische Evolution - hier setzte seine Kritik an. 

Es  waren die üblichen Argumente, wie sie zum Beispiel auch in dem Buch von Reinhard Junker und Siegfried Scherer mit dem Titel "Evolution ein kritisches Lehrbuch" zu finden sind. In der Evolutionstheorie werden zwar zu diesen Problemen Lösungen angeboten. Aber es fehlt der Nachweis. Man kann lediglich in Computermodellen mit Systemen zeigen, dass es, in jedem System, das reichhaltig genug ist, zur Bildung von sich selbst reproduzierenden Einheiten kommt. Conway hat dies schon in den sechziger Jahren mit dem sogenannten Spiel des Lebens gezeigt. Siehe das Buch "Das Spiel" von Ruth Winkler und Manfred Eigen, sowie das Buch "Die Evolution der Evolutionstheorie".(Herausgeber Wolfgang Wieser, Spektrum akademischer Verlag). 

Die Kritiker der Evolutionstheorie argumentieren hier damit, dass die Entstehung einer Zelle durch Zufall, vergleichbar ist mit der Entstehung einer chemischen Fabrik durch Zufall. Andererseits finden ja auf der Erde ständig gleichzeitig unzählige chemische Reaktionen statt. Und die Kohlenstoff-Chemie auf der alles Leben beruht ist ein äußerst reichhaltiges System. Man muss also nicht nur die Lebewesen als chemische Fabrik betrachten, sondern die gesamte Erde. Und die Evolutionstheorie behauptet nicht, dass exakt ein Coli-Bakterium  durch Zufall entstanden ist, sondern lediglich, dass in chemischen Systemen, die reichhaltig genug sind, sich selbst reproduzierende Strukturen entstehen, die sich dann in einem Evolutionsprozess weiterentwickeln. Dies muss auch nicht in jedem Fall zu komplexeren oder effizienteren Strukturen führen. Was sich behaupten kann, bleibt erhalten. Die Evolution ist nicht zielorientiert.

In Jena wurden wir freundlich begrüßt. Der Biologielehrer kannte einige der Mitglieder. Er hatte früher selbst in Jena studiert und auch einige Zeit dort gewohnt. Zum Teil waren es Studenten, die man für die Kirche gewonnen hatte. 

Es folgte nun der Vortrag von Prof. Gensch, einem ehemaligen Professor für Pharmazie im Alter von mehr als 80 Jahren. Sein Vortrag bestand im Wesentlichen aus einer Selbstbiographie. Anfang der sechziger Jahre erhielt er ein Angebot aus den USA und arbeitete dann einige Jahre in den USA. Dort lernte er in seiner Freizeit auch einige der vielen Kirchen kennen. Die "Kirche Jesu der Heiligen der letzten Tage" überzeugte ihn. In Deutschland trat er dann in diese Kirche ein und war seitdem Mitglied dieser Kirche. Bei seinem Gottesglauben berief er sich auch auf Zitate anderer gläubiger Naturwissenschaftler (zu nennen wäre hier zum Beispiel Heisenberg oder Carl-Friedrich von Weizsäcker). Der Naturwissenschaftler als Garant für das aus lauter Behauptungen zusammengesetzte Gedankengebäude einer Religion. Damit wird in den amerikanischen Kirchen gerne argumentiert, Ich kannte das schon (siehe meine Homepage Link Bibelkritik das Kapitel "Aus der Trickkiste der Vertreter des Glaubens". 

Anschließend erzählte auch der Biologielehrer, wie er zu den Mormonen gekommen ist. In manchen Freikirchen wird der Gläubige aufgefordert Gott in einem Gebet zu bitten, so auch bei den Mormonen. Der Biologielehrer kam nun am Lagerfeuer auf die Idee Gott um ein Zeichen zu bitten. Das Lagerfeuer war fast erloschen, da bat er Gott es wieder aufflammen zu lassen. Und es flammte tatsächlich wieder auf. Aus meiner Sicht war dies kein Wunder, denn die Glut in einem fast erloschenen Lagerfeuer erzeugt noch genügend Hitze, um brennbare Gase freizusetzen, die dann immer mal wieder aufflammen. Für den Biologielehrer war dies jedoch ein Beweis für die Existenz Gottes und auch ein Beweis für die Religion der Mormonen. Bis dahin war er Atheist und hatte die Bibel, wie im Sozialismus üblich, eher als Märchenbuch betrachtet.

Es folgte nun eine Diskussion, in der auch ich zu Wort kam. Einige meiner Argumente konnte ich so anbringen. In den anschließenden privaten Gesprächen bei einer Art Stehparty interessierte sich u. a. auch Prof. Gensch für meine Homepage. Ich konnte einige Visitenkarten verteilen. 

Auf der Rückfahrt ging es wieder um die Evolutionstheorie. Da ich hier kaum vorbereitet war, schickte ich dem Biologielehrer einige Tage später eine SMS, mit einem Link, der eines seiner Argumente widerlegte. Daraufhin bekam ich einen Anruf, in dem er behauptete, ich würde nur streiten wollen (Ist denn ein sachlich geführter Dialog schon ein Streit?) und ich werde mich einmal vor Gott deswegen verantworten müssen. Er sei mit seiner Religion zufrieden und ich sollte ihm in Zukunft keine SMS mehr schicken. Es war offenbar gelungen ihn einzuschüchtern.

Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an die Worte aus dem Buch "1984" von George Orwell: "Ignorance is strength" - Die Ignoranz der einfachen Leute begründet die Stärke einer Glaubensgemeinschaft. Die Leitung einer Glaubensgemeinschaft weiß sehr genau, dass der Kontakt zu Personen, die nicht der Gemeinschaft angehören für ihre Existenz eine Gefahr ist. Insbesondere der Kontakt zu Aussteigern ist deshalb bei vielen Kirchen streng verboten. Schrifttum darf nicht angenommen werden (gilt lt. Gerd Skibbe bei den Mormonen nur für Missionare). Zeitverschwendung sagt die Kirche. So muss der Kritiker seine Argumente in kurzen Statements verpacken, wenn man ihn überhaupt in einer größeren Runde zu Wort kommen lässt. Eigenartig ist, dass niemand auf die Idee kommt, dass eine Organisation, die sich nicht mit Argumenten überzeugend zur Wehr setzen kann, nicht glaubwürdig ist.

 

Die Offenbarung zur Vielehe

Geoffenbart am 12. Juli 1843 in Nauvoo, widerrrufen am 6. Oktober 1890

Schon 1831 hatte Joseph Smith gesagt, er habe darüber eine Offenbarung erhalten und die Angelegenheit mit ein paar engen Vertrauten besprochen. Zu der Zeit wurde sie aber nicht schriftlich niedergelegt, nicht verwirklicht und nicht allgemein bekanntgegeben. Einige führende Brüder wurden 1840 von der Lehre unterrichtet, und sie, ebenso wie der Prophet, schlossen heimlich im darauffolgenden Jahr mit weiteren Frauen die Ehe. Das Geheimnis konnte nicht lange gewahrt werden, aber trotzdem wurde die Lehre nicht öffentlich besprochen. Dieser Zustand war die Ursache, dass es außerhalb der Kirche zu vielen üblen Verleumdungen kam. (Seine Kirche wiederhergestellt Seite 166)

Lehre und Bündnisse Abschnitt 132, 61 - 62
Und weiter, betreffs des Gesetzes des Priestertums: Wenn ein Mann eine Jungfrau heiratet, und wünscht noch eine andre zu heiraten, und die erste gibt ihre Einwilligung dazu; und wenn er dann auch die zweite heiratet, und sie Jungfrauen sind, und haben keinem andern Mann ein Gelübde gegeben, dann ist er gerechtfertigt. Er kann keinen Ehebruch begehen, denn sie sind ihm gegeben. Mit dem, was ihm gehört und keinem andern, kann er keinen Ehebruch begehen. Und wenn ihm durch dieses Gesetz zehn Jungfrauen gegeben werden, so kann er keinen Ehebruch begehen, denn sie gehören ihm und sind ihm gegeben; deshalb ist er gerechtfertigt.

Der Plan von Joseph Smith war die Wiederherstellung der Kirche gemäß den Gesetzen Moses. In der Offenbarung von Joseph Smith wird gleich zu Beginn auf die Vielehe bedeutender Männer wie Abraham, David und Salomo hingewiesen. Um jedoch nicht in Konflikt mit dem Neuen Testament und damit mit dem von Jesus verkündeten neuen Bündnis mit Gott zu kommen, verkündet Joseph Smith einen neuen Bund mit Gott, in dem die Vielehe erlaubt ist. Für den Propheten wird sie sogar zur Pflicht. In den Evangelien (nicht im restlichen Neuen Testament) gibt es im Übrigen keine Aussagen gegen die Vielehe.

Später steht jedoch dieses Gesetz von Joseph Smith im Widerspruch zur amerikanischen Verfassung und so wird diese Offenbarung so gedeutet, als sei diese Offenbarung nur zu Lebzeiten von Joseph Smith und noch einige Zeit danach gültig gewesen.

Lehre und Bündnisse Seite 263

Amtliche Erklärung

An alle, die es angeht:

Pressemeldungen sind zu politischen Zwecken von der Salzseestadt aus weithin verbreitet worden, worin gesagt wird, der Utah-Ausschuss behaupte in seinem Bericht an den Staatssekretär des Innern, es würden noch immer Vielehen vollzogen, und seit Juni letzten Jahres seien in Utah vierzig oder mehr solcher Ehen geschlossen worden; auch hätten die Kirchenführer in öffentlichen Ansprachen in diesem Sinne gelehrt und zur weiteren Ausübung der Vielehe ermuntert oder aufgefordert. - Demgegenüber erkläre ich als Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hiermit feierlich, dass diese Behauptungen falsch sind. Wir lehren Polygamie oder Vielehe nicht, und gestatten auch niemandem ihre Ausübung. Ich bestreite, dass während jener Zeit vierzig oder irgendeine Zahl von Vielehen in unsern Tempeln oder sonstwo in Utah geschlossen wurden.

Ein Fall wurde berichtet, wo die Parteien behaupten, die Trauung sei im Frühjahr 1889 im Begabungshaus in der Salzseestadt vollzogen worden. Ich konnte aber bis heute nicht ermitteln, wer die Verordnung vollzogen haben soll. Was immer aber in dieser Sache geschehen sein mag, ist ohne mein Wissen geschehen. Infolge dieses angeblichen Vorkommnisses wurde das Begabungshaus auf meine Anordnung hin sofort niedergerissen.

Da nun der Kongress Gesetze erlassen hat, welche die Vielehe verbieten, und da der Oberste Gerichtshof diese Gesetze als verfassungsgemäß bestätigt hat, spreche ich hiermit meine Absicht aus, diesen Gesetzen zu gehorchen und meinen Einfluss auf die Mitglieder der von mir geleiteten Kirche geltend zu machen, dasselbe zu tun.

In der von mir oder meinen Amtsbrüdern während der genannten Zeit der Kirche erteilten Belehrungen ist nichts zu finden, was von gerecht Denkenden so aufgefasst werden könnte, als werde dadurch zur Vielehe aufgefordert oder ermuntert. Wenn irgendein Ältester eine Sprache führte, die solche Belehrungen zu enthalten schien, wurde er sofort zurechtgewiesen. - Und nun erkläre ich feierlich, dass ich den Heiligen der Letzten Tage rate, vom Eingehen jeder Ehe abzusehen, die nach dem Gesetz des Landes verboten ist.

Wilford Woodruff,

Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.


Präsident Lorenzo Snow stellte folgenden Antrag:

„Wir anerkennen Wilford Woodruff als den Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und als den einzigen Mann auf Erden, der gegenwärtig die Schlüssel zu den versiegelnden Verordnungen besitzt. Wir halten ihn deshalb kraft seiner Stellung für völlig befugt, die uns vorgelesene, das Datum des 24. September 1890 tragende, Amtliche Erklärung abzugeben. Als eine, in einer Generalkonferenz versammelten Kirche, nehmen wir demzufolge seine Erklärung über die Vielehe als maßgebend und verbindlich an.“

Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Salt Lake City, Utah, den 6. Oktober 1890.

 

 

Das Buch Abraham - Phantasie statt Übersetzung

Irgendwann im Jahr 1828 bekam ein französischer Abenteurer namens Antonio Sebolo von Mehmed Ali, dem Vizekönig von Ägypten, die Erlaubnis, einige Ausgrabungen im Land am Nil vorzunehmen. Sebolo verschaffte sich die notwendigen behördlichen Bewilligungen und begann 1831, eine alte Grabstätte in der Nähe des alten Theben auszugraben. Er beschäftigte dabei 433 Männer vier Monate und zwei Tage lang und zahlte ihnen je etwa 6 Cent pro Tag. Die alte Gruft war ein Massengrab, das heißt, es waren darin Hunderte von Mumien, die auf drei verschiedene Arten bestattet worden waren. Nur elf Mumien der höchsten Begräbnisordnung waren so gut erhalten, dass man sie herausnehmen und transportieren konnte. Sebolo machte sich mit den Mumien, die noch in ihrer äußeren Umhüllung steckten, auf den Weg nach Paris. Er machte unterwegs in Triest Station, dort aber starb er nach zehntägiger Krankheit.

Die Mumien gelangten als testamentarischer Nachlass in den Besitz seines Neffen, eines Mr. Michael H. Chandler. Dieser wohnte damals in Philadelphia im Staat Pennsylvania. Auf Grund einer Vermutung, dass er in Irland lebe, sandte man die Mumien zunächst dorthin. Nach vielen Umwegen kamen sie nach zwei Jahren schließlich in New York an, adressiert an Michael H. Chandler. Das war im Winter 1832 oder Frühjahr 1833.

Jedenfalls zahlte Mr. Chandler im April 1833 die Zollgebühren und nahm sein Eigentum in Besitz. Beim Öffnen der Särge sah Chandler voll Enttäuschung, dass nichts Kostbares — Edelsteine oder wertvoller Schmuck — zu finden war; nur an zwei Leichen waren leinene Schriftrollen befestigt, die offenbar mit der gleichen Sorgfalt und auch Methode präpariert waren wie die Mumien selbst. In den Leinenüberzügen waren Papyrusrollen, die eine sehr sorgfältig geschriebene Aufzeichnung in Rot und Schwarz enthielten; sie waren vollkommen erhalten. „Bei anderen Leichen fand man Papyrusstreifen mit Totengedichten und astronomischen Berechnungen.“ Chandler war natürlich neugierig und wollte wissen, was die Schriftzeichen auf dem Papyrus bedeuteten, aber er erfuhr „noch im Zollschuppen, dass es in der ganzen Stadt keinen Menschen gäbe, der die Schrift entziffern könne; der gleiche Gentleman, ein Fremder, verwies ihn aber an Joseph Smith jun.

Mr. Chandler nahm die Mumien und Schriftrollen nach Philadelphia mit, aber unter den dortigen Gelehrten fand sich keiner, der ihm die Schrift entziffert hätte.

In dem Buch "Life of Joseph Smith, the Prophet", von Cannon ist zu lesen:

„Die Gelehrten von Philadelphia und anderen Orten kamen scharenweise an, um diese Reliquien einer längst vergangenen Zeit zu sehen, und Chandler forderte sie auf, doch ein paar Schriftzeichen zu übersetzen. Selbst die klügsten unter ihnen waren nur imstande, ein oder zwei Zeichen zu deuten.“

Chandler bildete hierauf ein Konsortium zu dem Zweck, das Land mit den Mumien zu bereisen und Vorträge darüber halten zu lassen. Mit nur noch vier Mumien und den Papyrusrollen kam er schließlich am 3. Juli 1835 in Kirtland an. Er fragte nach dem Propheten der Mormonen und bekam Gelegenheit zu einer Unterredung.

Oliver Cowdery berichtet darüber: „Mr. Chandler bekam (von Joseph Smith) gesagt, dass seine Schriftzeichen entziffert werden könnten, und er gab mir sehr freundlich die Erlaubnis, vier oder fünf separate Stücke abzuzeichnen; gleichzeitig bemerkte er, wenn er nicht bald jemand fände, der sie ihm übersetzen könne, wolle er sie nach London bringen.“ Chandler bat Joseph Smith um seine Meinung über die Altertümer und um eine Übersetzung wenigstens einiger Schriftzeichen. „Bruder Smith deutete ihm einige zu seiner Zufriedenheit.“ Auf die Bitten von Joseph Smith hin — zu dem Zeitpunkt war von einem Kauf der Mumien und Papyrusrollen noch keine Rede — schrieb Chandler ihm einen Brief:

Kirtland, den 6. Juli 1835

„Hiermit sei es allen kundgetan, welche gern erfahren wollen, ob Joseph Smith jun. imstande ist, die alten ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern, die sich in meinem Besitz befinden und welche ich in vielen hervorragenden Städten den gelehrtesten Leuten vorgeführt habe; und nach allem, was ich erfahren habe oder herausbringen konnte, stelle ich fest, dass das von Herrn Joseph Smith jun. bis in die kleinsten Einzelheiten stimmt.
MICHAEL H. CHANDLER Reisender Schausteller und Besitzer ägyptischer Mumien.“

Ein Gutachten von einem, der weder die ägyptische Sprache kannte, noch die Schriftzeichen entziffern konnte. Der Franzose Champollion hatte erst gerade mal etwa 10 Jahre vorher einige Hieroglyphen entziffert und seine Arbeiten waren in Gelehrtenkreisen noch umstritten und waren erst mal nur in französisch veröffentlicht.

Später kauften Freunde des Propheten die vier Mumien von Mr. Chandler, dazu auch die Papyrusrollen. Der Prophet begann 1835 mit der Übersetzung, wobei William W. Phelps und Oliver Cowdery die Schreibarbeit verrichteten. Die Arbeit ging allerdings nur langsam voran. Erst 1842 konnte Joseph Smith die erste Veröffentlichung herausbringen. Die Papyrusrollen wurden jedoch nie vollständig übersetzt.

Vermutlich hat sich der Prophet auch hier von seiner Inspiration leiten lassen. In den Aufzeichnungen des Propheten steht unter dem Datum 1. Oktober 1835:

„Heute Nachmittag habe ich mich mit dem ägyptischen Alphabet abgemüht. Bei mir waren die Brüder Oliver Cowdery und William W. Phelps. Während unserer Forschung öffneten sich die Grundsätze der Astronomie, wie Vater Abraham und die Alten sie begriffen, auch unserem Verständnis.“

Alphabet? Die ägyptischen Hieroglyphen hatten ursprünglich den Charakter einer reinen Bilderschrift. Im weiteren Verlauf kamen Konsonanten- und Sinnzeichen hinzu, so dass sich die Hieroglyphenschrift aus Lautzeichen (Phonogrammen), Bildzeichen (Ideogrammen) und Deutzeichen (Determinativen) zusammensetzt (Wikipedia). Und anhand der Faksimiles im Buch Abraham ist doch erkennbar, dass Elemente einer Bilderschrift verwendet wurden.

Unter dem 7. Oktober und dem 24. November des gleichen Jahres und an anderen Stellen bezieht er sich auf seine Arbeit bei der Übersetzung der Papyrusrollen. Am 16. Dezember 1835 trug er folgendes ein: „Die Ältesten William E. M’Lellin, Brigham Young und Jared Carter haben mir einen Besuch gemacht, der mich sehr gefreut hat. Ich habe ihnen die ägyptischen Dokumente gezeigt und erläutert und ihnen einiges über den Umgang Gottes mit den Alten und über die Entstehung des Planetensystems dargelegt.“

Zu den astronomischen Erkenntnissen Abrahams, hier ein Zitat aus Kapitel 3 des Buches Abraham:

Buch Abraham Kapitel 3, 1 - 10
Und ich, Abraham, hatte den Urim und Thummim, den mir der Herr, mein Gott, im Ur der Chaldäer gegeben hatte; und ich sah die Sterne, dass sie sehr groß waren, und dass einer von ihnen dem Thron Gottes am nächsten stand; und es waren viele große nahe dabei; und der Herr sagte zu mir: Diese regieren, und der Name des großen ist Kolob, weil er nahe bei mir ist, denn ich bin der Herr, dein Gott; ich habe diesen bestimmt, alle die zu regieren, die von der gleichen Ordnung sind wie der, auf dem du stehst. Und der Herr sagte zu mir durch den Urim und Thummim, dass Kolob in den Zeiten und Jahreszeiten seiner Umdrehungen der Weise des Herrn entspreche; dass eine Umdrehung dem Herrn, so wie er rechnet, ein Tag sei, und das sind eintausend Jahre nach der Zeit, die dem Planeten gesetzt ist, worauf du stehst (2. Petrus 3,8). Das ist die Zeitrechnung des Herrn nach der Zeitrechnung Kolobs. Und der Herr sagte zu mir: Der Planet, der das geringere Licht ist, geringer als der den Tag regierende, und der die Nacht regiert, ist in bezug auf seine Zeitrechnung über oder größer als der, worauf du stehst, denn er bewegt sich langsamer in seiner Ordnung. Das ist der Ordnung gemäß, weil er über der Erde steht, auf der du dich befindest; deshalb sind seiner Tage, Monate und Jahre nicht so viele, seiner Zeitrechnung gemäß. Und der Herr sagte zu mir: Nun, Abraham, diese zwei Tatsachen bestehen: siehe, deine Augen sehen es; es ist dir gegeben, die Zeitrechnungen und die gesetzten Zeiten zu kennen, ja die gesetzte Zeit der Erde, auf der du dich befindest, und die dem größeren Licht gesetzte Zeit, das gesetzt ist, den Tag zu regieren, und die dem geringeren Licht gesetzte Zeit, das gesetzt ist, die Nacht zu regieren.  Dann ist die gesetzte Zeit des geringen Lichtes länger nach seiner Zeitrechnung als die Zeitrechnung der Erde, auf der du stehst. Und wo diese zwei Tatsachen bestehen, da soll eine andre Tatsache über ihnen sein, das heißt, es soll einen andern Planeten geben, dessen Zeitrechnung noch länger ist;  und so soll die Zeitrechnung eines Planeten über der des andern sein, bis du nahe zu Kolob kommst, der seine Zeitrechnung von der Zeit des Herrn hat, und Kolob ist in die Nähe des Thrones Gottes gesetzt, um alle Planeten zu regieren, die zur gleichen Ordnung gehören wie der, auf dem du stehst. Und es ist dir gegeben, die gesetzte Zeit aller Sterne zu kennen, die gesetzt sind, Licht zu geben, bis du in die Nähe des Thrones Gottes kommst.

Diese Zeilen offenbaren einiges über die astronomischen Vorstellungen von Joseph Smith. Falsch ist, dass die Tageslänge eines Planeten von seiner Entfernung zum Zentralgestirn abhängt.  Und Joseph Smith war offenbar der Meinung, dass der Thron Gottes sich im Weltraum befindet. Er hatte wohl keine Ahnung, wie lebensfeindlich der Weltraum ist, denn er verkündet in 

Lehre und Bündnisse Abschnitt 130   22
Der Vater hat einen Körper von Fleisch und Bein, so fühlbar, wie der des Menschen; der Sohn desgleichen. Der Heilige Geist jedoch hat keinen Körper von Fleisch und Bein, sondern ist eine Person aus Geist. Wäre dem nicht so, dann könnte der Heilige Geist nicht in uns wohnen.

Oliver Cowdery behauptet gar, Abraham hätte schon von der Dreieinigkeit Gottes gewusst. Ein Begriff, der erst in nachchristlicher Zeit auftaucht und der innerhalb der Kirche umstritten war. Unter dem 25. Dezember 1835 schreibt Oliver Cowdery:

„Die Sprache, in der dieser Bericht abgefasst ist, schließt sehr vieles in sich, und viele Hieroglyphen sind sehr auffallend. Beim ersten Blick schon ist es offenbar, dass der Bericht von Leuten geschrieben worden sein musste, die die Geschichte von der Schöpfung, vom Fall des Menschen gekannt haben und ein mehr oder weniger richtiges Bild von der Gottheit besessen haben.

Die Darstellung der Gottheit — drei Personen, und doch ganz eins — ist so seltsam gezeichnet, dass man daraus die einfache, aber eindrucksvolle Vorstellung vermittelt bekommt, die der Schreiber von dem erhöhten Wesen gehabt hat. Die Schlange ist so dargestellt, als ob sie gehen würde oder gehen könnte, und sie befindet sich vor oder neben einer weiblichen Gestalt — das ist für mich eine der großartigsten Darstellungen, die ich je auf Papier oder sonst einem Schreibmaterial gesehen habe. Dies muss sehr dazu beitragen, auch die skeptischen Gemüter von der Richtigkeit und göttlichen Echtheit der heiligen Schrift zu überzeugen.“

Die Mormonen  verstehen allerdings Trinität in einem anderen Sinn, etwa so wie ihn Irenäus versteht. Auch Irenäus  spricht von der Trinität in dem Sinne wie ihn Joseph Smith versteht (eine Dreigottheit die völlig eins ist – „eins“ im Sinne von Einigkeit)

Auch „Irenäus stellt das Gottsein von Sohn und Geist klar heraus, „beiden kommt ein personales Sein zu, da sie gemeinsam mit dem Vater handeln.“

Gemäß dem Buch "Seine Kirche wieder hergestellt" wurde nur ein Teil der Schriftrollen, die vom Leben Abrahams handelten, vom Propheten zu Ende übersetzt. Es scheint, dass ein Papyrus, worauf die Schriften Josephs enthalten waren, jenes Josephs, der nach Ägypten verkauft worden war, niemals so weit übersetzt wurde, dass an eine Veröffentlichung zu denken war.

Das Buch Abraham erschien zuerst in der Zeitschrift "Times and Seasons"; die Veröffentlichung begann im März 1842 mit Wiedergaben einzelner Teile der Papyrusrollen. Die Holzschnitte für die Faksimiles wurden von Reuben Hedlock angefertigt, einem Graveur aus Kanada. John Taylor, ebenfalls ein gelernter Holzbearbeiter, war auch zugegen; er war damals Mitarbeiter der Zeitschrift "Times and Seasons". Noch Jahre nach der Veröffentlichung der Faksimiles waren die Originale vorhanden. Sie galten als Eigentum der Familie Smith, und nach dem Märtyrertod des Propheten kam seine Frau Emma in ihren Besitz. Sie verkaufte sie später an ein Museum in St. Louis, von wo sie in das Museum von Chicago wanderten. Während der großen Feuersbrunst in Chicago 1871 brannte auch das Museum nieder, und man musste annehmen, dass die kostbaren alten Urkunden vernichtet worden waren.

Aber 1966, wurde das Original des sogenannten Faksimiles Nr. 1 aus dem Buch Abraham wieder aufgefunden. Ein ägyptischer Gelehrter, Dr. Aziz Atiya, der in New York lehrte, entdeckte es mit zehn anderen Papyri im New Yorker Museum of Art; er erkannte es als jenes Dokument, das Joseph Smith einst in Händen gehabt hatte, und veranlasste die Museumsleitung, es der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zurückzugeben. Das geschah am 27. November 1967. Die Papyri, von denen das Buch Abraham übersetzt worden war, waren aber nicht dabei. So wird es jedenfalls im Buch "Seine Kirche wieder hergestellt" berichtet (Seite 93 bis 97).

Dass die Schriftrollen über das Buch Abraham nicht dabei waren, ist nicht glaubwürdig, denn man hat die Papyrusrollen anhand der  im Buch Abraham veröffentlichten Faksimiles als das Eigentum der Mormonen identifiziert.

Die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen bezieht sich in diesem Zusammenhang auf eine Forschungsarbeit von Howard A. Davis, Donald R. Scales und Wayne L. Cowdrey, die 1977 unter dem Titel „Who Really Wrote the Book of Mormon?" im Verlag Vision House Publishers, Santa Ana, California 92705 USA veröffentlichten.

Cowdrey, Davis und Scales berichten:

Viele Jahre lang waren die Originalpapyri, mit Smiths Bemerkungen darauf, verschwunden. Die Mormonenkirche war überzeugt, sie seien durch einen Brand in Chicago zerstört worden. Doch wurden sie schließlich im Metropolitan Museum gefunden und der Mormonenkirche übergeben.

Dass es sich hierbei tatsächlich um die Papyri handelt, die Joseph Smith als Vorlage für sein „Buch Abrahams" dienten, wurde von niemandem bezweifelt. Sie tragen handschriftliche Vermerke von Joseph Smith, und es finden sich auch jene Teile darin, die als Faksimile im „Buch Abrahams" abgedruckt worden sind.

Die Verantwortlichen der Mormonenkirche sahen nun hier eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Qualitäten Joseph Smiths als Übersetzer zu beweisen. Sie übergaben die Papyri Prof. Dee Jay Nelson, einem Ägyptologen von Rang, der zugleich Mormone war, und baten ihn, sie zu übersetzen.

Prof. Nelson entdeckte bald, dass es sich bei dem Material um gewöhnliche Begräbnispapyri handelte, nämlich um das ägyptische „Buch der Atemzüge", einer Kurzfassung des früheren „Buch der Toten". Die Papyri hatten also weder mit Abraham und dessen Religion zu tun, noch stammen sie aus seiner Zeit (etwa 1800 v. Chr.). Prof. Nelson datierte sie auf etwa 100 v. Chr.

Obwohl Nelson sich seiner Sache sicher war, tat er ein Übriges und legte die Papyri drei weiteren Ägyptologen vor, die seine Übersetzungen voll bestätigten. - Daraufhin erklärte der Professor seinen Austritt aus der Mormonenkirche. In seinem Schreiben vom 7. Dezember 1975 heißt es: „Wir möchten nicht mit einer religiösen Organisation verbunden sein, die Lügen lehrt..." (Reiner Kallus Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen).
 


 

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