Kritische Anmerkungen zur Taufe


Textmarken: Die Proselytentaufe,    Die Wiedergeburt in der Taufe,    Die Sklaventaufe,    Die magische Macht des Wassers,    Die Vermischung der Kategorien Materie und Geist,    Die Taufe von Jesus,    Von der rituellen Waschung zum Initiationsritus,    Keine Heidentaufe unter Jesus,    Die Lockerung der Essensvorschriften,    Die Jakobusklauseln,    Die geistige Beschneidung,    Kein einheitlicher Taufritus,    Kindertaufe, Totentaufe, Fußwaschung . . .,    Formalitäten zur Taufe,    Anathema,    Sakrament


Die Proselyten-Taufe

Der christliche Tauf-Ritus entwickelte sich aus den rituellen Waschungen, die im Gesetzbuch Moses vorgeschrieben sind (Hebräer 9,10). Aber schon in vorchristlicher Zeit war die zeremonielle Reinigung von Säuglingen im Zuge der Namensvergabe bei vielen europäischen und außereuropäischen Völkern üblich. Der heidnische König Olff Tuygges taufte seine Kinder dergestalt nach heidnischem Ritus. Auch der Isis und der Mithras Kult kannten die Taufe.

Das im Neuen Testament verwendete griechische Wort für taufenbedeutet untertauchen, färben.

Die Taufe war bei den Israeliten für jene üblich, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind (Proselyten). Man taufte aber auch Sklaven bei ihrer Freilassung. Diese Taufe wurde als eine Art Wiedergeburt verstanden.

Man betrachtete die zum jüdischen Glauben Übergetretenen bzw. aus der Knechtschaft Entlassene,  als solche, die damit ein neues Leben beginnen. Das alte Leben war damit tot. Diese symbolische Tod wird durch das völlige Untertauchen und die anschließende weiße Kleidung - die Kleidung der Toten, aber auch der Engel - symbolisiert.

Auch bei Paulus kommt der Gedanke der Wiedergeburt in seinen Lehr-Briefen zum Ausdruck.

Kollosser 2,11-12 (Römer 6,2-4)
In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper. Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.

Petrus spricht ebenso von einer Wiedergeburt und versteht diese anfangs wie Paulus als Verwandlung, nämlich als Wiedergeburt zum ewigen Leben. (siehe auch Lukas 9,27; Johannes 6,48-51; Johannes 8,51; Apostelgeschichte 13,35)

1. Petrus. 1, 23
Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt.

Um Missverständnissen bei der Taufe von Sklaven vorzubeugen (siehe oben), betont Paulus mehrmals in seinen Lehrbriefen, dass Sklaven weiterhin ihrem Dienstherrn verpflichtet sind.

Epheser 6,5-6

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus,  nicht mit Dienst allein vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern als Knechte Christi, die den Willen Gottes tun von Herzen..

Römer 13,1

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.

Paulus zementiert damit die gesellschaftlichen Verhältnisse, auch wenn er zu einem menschlichen Umgang mit Sklaven aufruft (Epheser 6,9).

 

Die magische Macht des Wassers

Die rituellen Waschungen waren bei Krankheit (Leviticus 15,7) und Tod durchaus sinnvolle Maßnahmen. Sie  gründeten in dem durch Beobachtung gewonnenen Erfahrungswissen der Priester. Allerdings war in diesen Priesterschriften Sinn und Unsinn gemischt, wie die folgende Stelle aus Leviticus 11,36-40 zeigt.

Leviticus 11,36-40

. . . Jeder, der ein Aas von jenen Tieren berührt, wird unrein (ok). Wenn ein Aas von ihnen auf irgendeinen Samen fällt, der gesät werden soll, so bleibt er rein (ok). Wenn aber das Korn mit Wasser befeuchtet war und ein solches Aas darauf fällt, sollt ihr es für unrein halten (ok). Wenn eines der Tiere, das euch zur Nahrung dient, verendet war, so wird der, der sein Aas berührt, unrein bis zum Abend. Wer von solchem Fleisch ißt, muß seine Kleider waschen und ist unrein bis zum Abend; wer solches Aas trägt, muß seine Kleider waschen und ist unrein bis zum Abend (Unsinn, denn mit einer derart verdorbenen Nahrung können Krankheitskeime und Pilzgifte aufgenommen werden.).

Die Priester kannten die Wirkung des reinen, aber auch des verunreinigten Wassers. Die Priester wussten u. a., dass mit Erde verunreinigtes Wasser zu schweren Magenbeschwerden führen kann  Dieses Wissen wendeten sie bei Frauen an, die im Verdacht standen Ehebruch begangen zu haben (4. Mose (Numeri) 5,16-31). Sie gaben solchen Frauen mit Staub des Fußbodens verunreinigtes Wasser zu trinken. Klagte die Frau daraufhin über Magenschmerzen, betrachtete man dies als Gottesurteil. Dem Gläubigen gegenüber spielte man dieses Wissen aus, indem man dieser Machtdemonstration eine religiöse Erklärung nachgeschoben hat. Der Priester schüttete ja nicht nur den Staub in das Wasser. Er verfluchte es zusätzlich und, um die Wirkung dieser Flüche zu erhöhen, schrieb er vorher diese Flüche in den Staub des Fußbodens. Je mehr Flüche er aufschrieb, um so größer die Menge an Staub, die er in das Wasser schüttete.

Jedem Priester, der selbst einmal von solchem Wasser gekostet hatte, muss sehr rasch klar geworden sein, dass hier wohl nicht seine geistige Macht wirkte, sondern die Wirkung von den eingesetzten Mitteln abhängig war. Dies ergibt sich auch aus einem anderen Beispiel angewandten Priesterwissens. In 2.Kön 2,19-22 wird von einer verseuchten Quelle berichtet. Um diese Quelle wieder nutzbar zu machen schüttete der Priester und Prophet Elischa (der Sohn Elias) Salz in die Quelle. Salz war als Konservierungsmittel bekannt. Man wusste ja welche Wirkung der hohe Salzgehalt des Toten Meeres hatte. Es war also nahe liegend es mit diesem Mittel zu versuchen. Dem gläubigen Volk präsentierte sich Elischa als Gesandter Gottes und als solcher begleitete er die Maßnahme mit seiner Zauberformel: "So spricht der Herr: Ich mache dieses Wasser gesund. Es wird keinen Tod und keine Fehlgeburt mehr verursachen."

Krankheit und Tod, so behaupteten die Priester, seien durch ein sündiges Leben verursacht. Alles Krankmachende war nach jüdischem Glauben unrein. Aber auch der geschäftliche Umgang mit Heiden führte zu einer Verunreinigung. Dagegen half die magische Kraft des Wassers.

Hesekiel 36,24-25

Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, und ich will reines Wasser über euch sprengen, daß ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.

Leviticus 17,16

Wer seine Kleider nicht wäscht und seinen Körper nicht in Wasser badet, muss die Folgen seiner Schuld tragen.

 

Die Vermischung der Kategorien Materie und Geist

Den Materialisten wird von den christlichen Kirchen häufig vorgeworfen, dass sie einen Kategorienfehler begehen, wenn sie das Gehirn zur Ursache geistiger Phänomene machen. Andererseits vermischen die Kirchen bei ihren religiösen Handlungen wie Taufe und Abendmahl selbst die Kategorien Materie und Geist. Bei der Taufe werden dem Wasser magische Fähigkeiten bei der Sündenvergebung zugeschrieben. Auch wenn darauf hingewiesen wird, dass zur Taufe der Glaube gehört.

 

Die Taufe von Jesus und die darin enthaltene Propagandalüge der Evangelisten

Ein Hinweis darauf, dass es sich auch bei Jesus um eine Proselyten-Taufe handelte, mag Johannes 1,26 und 31 sein

Johannes 1,26

Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt (also jemand, der nicht aus Israel kommt)

Johannes 1,31

Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen (also jemand, der dazugehören möchte, vielleicht auch nur jemand, der als Besucher nun mit den jüdischen Reinheitsgeboten Bekanntschaft macht).

Nach Matthäus war seine Mutter Maria kurz vor seiner Geburt nach Ägypten geflohen und zwar offenbar aus Angst um ihr Kind. Nimmt man an, dass sie sich dort mit ihrem Kind längere Zeit aufgehalten hat, dann erscheint Jesus vor Johannes tatsächlich als jemand, der in Israel unbekannt ist.

Die Frage warum Maria Angst um ihr Kind hatte, wird von Matthäus mit dem Kindermord des Herodes beantwortet. Eine Geschichte, die historisch nicht verbürgt ist, wenn man annimmt, dass es sich bei Herodes um jemand handelte, der Kleinkinder flächendeckend umgebracht hat. Wenn man dagegen annimmt, dass es sich um die Kinder Israels handelt, also um jemand der israelitische Widerstandskämpfer umbringt, wie dies der Verweis in Matthäus 2,18 auf die Prophezeiung in Jeremia 31,15 andeutet (Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder . . .), dann sind mit den Kindermördern die Söldner des Herodes gemeint.

Und hier bietet sich dann eine andere Erklärung an, warum Maria es schwer hatte für sich und ihren Sohn zu sorgen, bzw. seine Existenz zu sichern. Diese Erklärung wird durch eine Quelle gestützt, die aus dem außerchristlichen Bereich kommt.

Dank einer Schrift des Kirchenvaters Origenes (gest. ca. 251 n. Chr.) mit dem Titel „Gegen Kelsos“ (Gegen Celsus) sind Auszüge aus einem antichristlichen Werk erhalten geblieben, das der gebildete Heide Kelsos ungefähr im Jahre 178 n. Chr. abgefasst hat. Im Rahmen der erhaltenen Stücke bezieht sich Kelsos wiederholt auf die Aussagen eines jüdischen Gewährsmannes. In Kap. 1,28-38 wehrt sich Origines gegen die Behauptung, die Jungfrauengeburt sei von Jesus selbst erdichtet worden. In Wahrheit sei Jesus ärmlicher Herkunft gewesen und entstamme einer ehebrecherischen Beziehung seiner Mutter, einer Handarbeiterin, zu dem Soldaten mit dem Namen Panthera (Pandera). Sie sei darauf vom Ehemann, einem Handwerker, verstoßen worden und habe, ehrlos umherirrend, Jesus irgendwo im Geheimen zur Welt gebracht. Dieser sei später nach Ägypten gegangen, um dort als Tagelöhner zu arbeiten, habe dort mit magischen Kräften umzugehen gelernt und sei schließlich, stolz auf seine Fähigkeiten, in die Heimat zurückgekehrt, wo er sich öffentlich als Gott ausgegeben habe.

Vergewaltigungen, aber auch Liebesbeziehungen zu Eroberern hat es zu allen Zeiten gegeben. Gestützt wird diese Geschichte auch durch das Markus-Evangelium, wo Jesus als Sohn der Maria bezeichnet wird, eine Bezeichnung, die darauf hin deutet, dass dieses Kind aus einer außerehelichen Beziehung stammte (Markus 6,1-6, eine ausführliche Begründung findet sich in dem Kommentar zu den christlichen Weihnachtsgeschichten von dem Theologen Prof. Gerd Lüdemann).

In diesem Zusammenhang erscheint Jesus als jemand, der - vielleicht sogar mit seiner Mutter - nach Israel eingereist ist, dabei einen Übergang am Jordan genutzt hat, wo er durch Johannes mit den Reinigungsvorschriften der Juden vertraut gemacht wurde. Vielleicht hat er dies auch zur Selbstdarstellung genutzt.

Wenn Johannes ein glühender Verehrer von Jesus gewesen wäre, wie dies zwischen des Versen 26 bis 31 angedeutet wird, dann hätte es wohl ab diesem Zeitpunkt keine Jünger des Johannes mehr gegeben. Wie aus   Matthäus 9,14, Matthäus 14,12    hervorgeht gab es aber weiterhin Jünger des Johannes. Fakt scheint wohl zu sein, dass Jesus von Johannes getauft wurde und damit einer seiner Jünger war. Später hat er dann seinen eigenen Verein gegründet und eigene Jünger um sich geschart, denen er erzählte, er sei der Sohn Gottes.

Die Taufe von Jesus durch Johannes den Täufer konnten die Evangelisten nicht verschweigen, denn dies bezeugten die Jünger Johannes des Täufers. Das Johannesevangelium berichtet, Johannes der Täufer hätte selbst Jesus als das Lamm Gottes bezeichnet, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Johannes 1,29). Mag sein, dass er dies gesagt hat. Hätte er dies ernst gemeint, dann stellt sich die Frage, warum er nicht einer der Jünger von Jesus wurde.

Gemäß dem Johannesevangelium taufen Johannes der Täufer und Jesus zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.

Johannes 3, 22-24

Darauf ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden.

Anmerkung der Einheitsübersetzung: Dass Johannes in Änon taufte, wird nur hier erwähnt. Der Ort lag im nördlichen Samarien, südlich von Bet-Schean. Der Name Änon deutet auf ein Quellgebiet. Jesus oder, wie in Johannes 4,2 berichtigt wird, seine Jünger tauften in Judäa.

Nach dem Markus-Evangelium  und dem Matthäus-Evangelium tritt Jesus erst öffentlich in Erscheinung, als Johannes verhaftet wird.

Nach Matthäus 11,2-3 weiß Johannes der Täufer nichts davon, dass er Jesus als den Gottessohn, bzw. den Auserwählten, den Messias bezeichnet hat (Johannes 1, 31-34). Wer hat also die "Stimme des Herrn" gehört? Nur die Gewährsleute der Evangelisten? Die Jünger kamen erst später dazu.   

Den Hinweis von Markus 1,9-11 , dass sich bei der Taufe von Jesus der Himmel öffnete und Gott zu ihm sprach, muss man im Zusammenhang mit dem Weltbild des alten Israels sehen. In diesem Weltbild war der Himmel ein Gewölbe über dem sich Wasser befand (1. Mose 1,7). Das heißt also, wenn der Himmel sich öffnete, dann regnete es. Aus dieser Sicht ist auch die Stimme Gottes zu deuten, die hier erschallte. Dies steht zwar hier nicht explizit, ist aber an anderer Stelle nachzulesen.

Johannes 12,29

Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. (siehe auch Jeremia 10,13; Ezechiel (Hesekiel) 1,24; Ijob 38,1; Offb 10,1-4)

Zum Taufwunder siehe auch Link Bibelkritik Jesus Teil 3.

Von der rituellen Waschung zur Taufe als Initiationsritus

Wie wurde nun aus den heiligen Waschungen, die der Sündenvergebung dienen sollten, ein Initiationsritus der christlichen Kirchen? Auch dies ist ein Beispiel für den Pragmatismus der Wächter der Glaubenslehre.

Die Gemeinschaft, die sich um Jesus geschart hatte, bestand ursprünglich nur aus Angehörigen der zwölf jüdischen Stämme. Jesus selbst hatte gesagt, dass er nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt ist (Matthäus 15:24). Heiden bezeichnete er als Hunde, auch damals ein Schimpfwort (Markus 7,24-30, Matthäus 7,6). Die Gemeinschaft der Jünger Jesu wurde als Sekte der Nazoräer (Nazarener) bezeichnet (Apostelgeschichte 24:5-6). Die Apostel missionierten anfangs auch nur Juden (Apostelgeschichte 11:19-20). Für sie war Jesus der im alten Testament verheißene Messias. Seine Hinrichtung änderte daran nichts.

Als Augenzeugen des Wirkens von Jesus gehörten die Apostel zum Führungskreis der Gemeinden. Die Mission war für sie zum Lebensinhalt geworden und sie pflegten ihre eigene Legende. Als Petrus von gläubigen Juden vorgeworfen wird, dass er das Haus eines Unbeschnittenen betreten hat und sich zum Essen einladen ließ, berichtet er von einer Vision, in der ihm ein Engel verkündet: "Was Gott für rein erklärt hat, das nenne Du nicht unrein." (Apostelgeschichte 10:10-16) Er erinnert sich nun an die Worte des Johannes, der gesagt hat: Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. (Matthäus 3,11) Diese Worte mit denen Johannes seine Jünger geködert hat,  bezieht er selbstbewusst auf sich und stellt sich den staunenden Jüngern als einen vom Geist Gottes beseelten Menschen dar. Und es gelingt ihm damit tatsächlich die Gemüter zu beruhigen. Was hier noch als Ausnahmeregelung zur Lockerung der Essensvorschriften für Apostel erscheint, sollte aber bald zur Regel werden.

In Antiochia war durch Missionare aus  Zypern und Zyrene, sozusagen Missionare der zweiten Generation, eine starke Gemeinde aus Griechen entstanden, denen sie das ewige Leben versprochen hatten (Apostelgeschichte 11,20). Um sie zu gewinnen hatten die Missionare Zugeständnisse bei der Beschneidung und bei den jüdischen Essensvorschriften gemacht. Paulus hatte dies sanktioniert. Das Ganze wurde nun zur Zerreißprobe, denn für gläubige Juden war dies ein klarer Verstoß gegen die göttlichen Gesetze Moses. Sie beschwerten sich beim Führungszirkel in Jerusalem, denn lt. Gesetz gehörte der Proselyt erst durch die Beschneidung  dem Volk Gottes, also dem Volk Israel an. Die Beschneidung war die Besiegelung des Bündnisses mit Gott.

Der Führungszirkel aus Ältesten und Aposteln tritt zusammen. Apostelgeschichte 15,7 berichtet von einem heftigen Streit jener heiligen Männer, die doch angeblich alle von dem gleichen heiligen Geist beseelt waren. Petrus gelingt es auch hier wieder die Gemüter zu beruhigen. Petrus sagte zu ihnen: "Brüder, wie ihr wißt, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene." Gerade den letzten Satz verwendet Paulus später in seinen Lehr-Briefen (Gal 2,16; Eph 2,4-10) Paulus erzählt nun von seinen Wundertaten bei den Heiden. Und schließlich präsentiert Jakobus, der Bruder von Jesus eine Kompromissformel:

Wer die Gesetze "Moses" verwirft, sollte bedenken, dass einige der in den Büchern Mose enthaltenen Essensvorschriften durchaus sinnvoll waren. Das Gebot kein Schweinefleisch zu essen war wegen der Gefahr an Trichinose zu erkranken durchaus auch später sinnvoll, solange es keine Fleischbeschau gab. Dieses Gebot gründete in dem Erfahrungswissen der Priester. Die hier getroffene Entscheidung war also rein opportunistisch und zudem zumindest zum Teil sachlich falsch.

"Brüder, hört mich an! Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst eingegriffen hat, um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen. Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben: Danach werde ich mich umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen, (Amos 9,11f; Jeremia 12,15) damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist - spricht der Herr, der das ausführt, was ihm seit Ewigkeit bekannt ist. Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen. (Lev 18,6-18) Denn Mose hat seit ältesten Zeiten in jeder Stadt seine Verkündiger, da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird."

Man belässt es bei einer Ermahnung der Gemeinde in Antiochia. Petrus hat sich hier mit seiner Forderung nach Lockerung der Essensvorschriften, angedeutet in Apostelgeschichte 10:10-16, offenbar nicht durchsetzen können. Man bezeichnet diese Anweisungen des Jakobus auch als «Aposteldekret» oder  auch als «Jakobusklauseln». Streng genommen gelten die Jakobusklauseln bis heute. Eine Stelle, die man all jenen christlichen Fundamentalisten unter die Nase reiben sollte, die behaupten im Namen des christlichen Glaubens seien noch nie Kompromisse gemacht worden.

Man muss sich nur einmal den Eiertanz ansehen, den Paulus im Römerbrief wegen der Beschneidung veranstaltet.

Römer 2,25-29

Die Beschneidung ist nützlich, wenn du das Gesetz befolgst; übertrittst du jedoch das Gesetz, so bist du trotz deiner Beschneidung zum Unbeschnittenen geworden. Wenn aber der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes beachtet, wird dann nicht sein Unbeschnittensein als Beschneidung angerechnet werden? Der leiblich Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, wird dich richten, weil du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist. Jude ist nicht, wer es nach außen hin ist, und Beschneidung ist nicht, was sichtbar am Fleisch geschieht, Zum Gegensatz von «Geist» und «Buchstaben» sondern Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und Beschneidung ist, was am Herzen durch den Geist, nicht durch den Buchstaben geschieht. Der Ruhm eines solchen Juden kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

Dabei muss er wohl selbst früher die Beschneidung gefordert haben, wie dies im Galaterbrief angedeutet wird (Galater 5,11).

Durch den Wegfall der Beschneidung gewinnt nun die rituelle Waschung, die Taufe, an Bedeutung.

 

Kein einheitlicher Taufritus

Aus dem oben Gesagten (anfangs keine Heidenmission) geht hervor, dass die heutige Taufformel in Matthäus 28,19 "Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." aus späterer Zeit stammt. Als Kriterium für die Gültigkeit der Taufe wird die trinitarische Formel in der Kirchengeschichte erstmals in der Synode von Arles genannt (314 n. Chr.).

Ob der Taufvorgang zur Zeit der Apostel bereits so stark ritualisiert war, dass sich gültige Formen dieses Ritus entwickelt haben, darf bezweifelt werden.

Johannes 4,1-3 erwähnt, dass Jesus nicht selbst taufte, sondern seine Jünger. Seine Jünger tauften also durch ihn bevollmächtigt, also in seinem Namen. Auch in Apostelgeschichte 2,38 fordert Petrus seine Zuhörer auf sich zur Vergebung der Sünden auf den Namen Jesu Christi taufen zu lassen (Siehe auch Apostelgeschichte 10,48).

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Taufritus jemals einheitlich war. Infolgedessen haben sich auch unterschiedliche Formen der Taufe entwickelt.

 

Nackttaufe, Erwachsenentaufe, Kindertaufe, Nottaufe, Totentaufe, Blutstaufe, Fußwaschung, Feuertaufe

Für die Taufbehandlung mit Wasser kann der Täufling untergetaucht (immersio), übergossen (infusio) oder besprengt (aspersio) werden. Um dem Gedanken der Reinigung der Sünden voll Rechnung zu tragen, war es auch üblich sich nackt taufen zu lassen und sich anschließend als Zeichen der Reinheit weiß zu kleiden. Das war allerdings keine FKK-Veranstaltung. Zuschauer waren dabei nicht erwünscht. Nur bei der anschließend stattfindenden Feier. Eine Ganzkörpertaufe allerdings mit einem Taufkleid wird auch heute noch bei verschiedenen christlichen Kirchen praktiziert. Ebenso ist auch ein weißes Taufkleid für den Säugling / Erwachsenen heute noch üblich.

Zu einem der Streitpunkte unter den christlichen Kirchen gehört die Kindertaufe. Die katholische Kirche, aber auch einige protestantische Kirchen empfehlen die Kindertaufe. Man bezieht sich dabei auf die Apostelgeschichte, wo erwähnt wird, dass sich einige Familienoberhäupter mit ihren Angehörigen taufen ließen (Apostelgeschichte 16,33, Apostelgeschichte 18,8). Schon für Paulus ist die Taufe gleichzusetzen mit der Beschneidung, einer geistigen Beschneidung (Kollosser 2,11f). Geschichtlich verbürgt ist der Brauch der Kindertaufe erst ab dem Ende des zweiten oder Anfang des dritten Jahrhunderts. Man entnimmt dies einer zweideutigen Anmerkung Tertullians. Er spricht von Paten und zitiert das Wort Jesu bei der Kindersegnung: "Wehret ihnen nicht zu mir zu kommen" (Matthäus 19,14). Wobei er mit Kindern vermutlich Jugendliche gemeint hat. Möglicherweise hat Tertullian den Brauch der Kindertaufe bei dem Orden der Montanisten kennen gelernt, in den er eingetreten ist. Er selbst ist aber gegen die Kindertaufe. Die Synode von Karthago bestimmte um 252 unter der Leitung Cyprians einmütig, dass Neugeborene bald nach der Geburt zu taufen seien. Die Entscheidung wurde auf ein Schreiben des Bischofs Fidus hin getroffen, der in Analogie zur jüdischen Beschneidung erst am 8. Tag nach der Geburt taufen wollte.

Anathema: Das griechische Wort bedeutet eigentlich Weihegeschenk, aber da dieses Weihegeschenk fremden Göttern geweiht ist, ist ein derart Geweihter dem Teufel geweiht

War die Beschneidung die Besiegelung des auf das Volk Israel bezogenen Bündnisses mit Gott, so waren mit der Taufe die Sünden und sogar die Erbsünde vergebenDie Taufe von Säuglingen ist daher eigentlich überflüssig, denn wenn die Erbsünde bei den Eltern vergeben ist, kann sie auch nicht weiter vererbt werden. Aber da sagt schon Augustinus, dass wir in jedem Fall bei der Geburt mit der Erbsünde belastet sind und folglich die Taufe notwendig ist. Die Synode von Karthago belegt sogar im Jahr 418 jeden, der in diesem Zusammenhang Zweifel an der Wirksamkeit der Taufe äußert, mit einem Fluch (Anathema). Man wollte ja schließlich an den Wendepunkten des Lebens mit einem Fest vertreten sein.  

Die Praxis der Kindertaufe wurde im Laufe der Jahrhunderte von Theologen immer wieder kritisiert, von den Waldensern im 12. Jahrhundert, von den Wiedertäufern in der Reformationszeit und im 20. Jahrhundert durch den Theologen Karl Barth.

Man sah in der Taufe aber nicht nur die Vergebung der Sünden sondern auch die Besiegelung der Gemeinschaft mit Christus.

1. Korinther 12,13
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Damit stand man unter seinem Schutz und die Seele war vor dem Zugriff des Teufel sicher. Um die Kinder vor dem Teufels zu bewahren, war daher auch die Nottaufe etwa durch die Hebamme erlaubt. Schon Tertullian erkennt die Nottaufe durch Laien an. Allerdings polemisiert er (wie auch Epiphanius und Clavin) unter Berufung auf 1. Korinther 14,34 gegen die Taufspendung durch Frauen. Erst Papst Urban II hat die Nottaufe durch Frauen 1094 anerkannt.

 

Paulus erwähnt die stellvertretende Taufe für die Toten, um auch diese Seelen zu retten.

1. Korinther 15,29
Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum lässt man sich dann taufen für sie?

Andererseits gehört zur Taufe auch der Glaube an Jesus (Markus 16,16, Apostelgeschichte 16,31, Epheser 4,5) und daher wird auch heute noch zusätzlich zur Taufe eine glaubwürdige Erklärung verlangt, warum man in dieser Religionsgemeinschaft sein Heil sieht. Früher wurde zusätzlich verlangt seinen alten Göttern abzuschwören. Säuglinge können natürlich solche Erklärungen nicht abgeben, daher wurde und wird diese Erklärung stellvertretend von Taufpaten abgegeben, die sich damit für die religiöse Erziehung des Kindes verbürgen. In der Konfirmation bzw. bei der Firmung bestätigt dann der Jugendliche diese Entscheidung. Dass die Kirche die Mündigkeit so früh ansetzt, hat historische Gründe. Nach dem Ende der Schulzeit mussten Jugendliche selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Der frühe Zeitpunkt war aber wohl auch damit begründet, dass man eine Ersatzveranstaltung brauchte für die heidnischen Riten beim Einsetzen der Geschlechtsreife, einem der Wendepunkte des Lebens.

 

In der Zeit der Christenverfolgung  galt auch die Blutstaufe als besonders ehrenwert. Wer sich für den Glauben opferte, dem war das ewige Leben sicher. Grundlage für diese Glaubenshaltung ist

Matthäus 10,39 (Matthäus 16,25, Lukas 17,33)
Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Markus 10,39 (Lukas 12,50)
Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

Man galt also damit als echter Nachfolger Christi.

 

Die Fußwaschung ist eine Besonderheit des Johannesevangeliums (Johannes 3,3-17).

Im Allgemeinen wird die Fußwaschung als Demutsgeste von Jesus gedeutet. Gegen diese Deutung spricht jedoch der Text des Johannesevangeliums. Da sagt Jesus nämlich: "Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr, und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. (Mt 10,24; Lk 6,40)"  -  Damit ist klar, dass er sich selbst als den Abgesandten Gottes sieht und mit dieser Tat etwas weitergeben will.

Den Zweck seiner Handlung erklärt er so: "Wenn ich dich nicht wasche, hast Du keinen Anteil an mir . . ."

Diese Worte von Jesus und dass Jesus ein Tuch verwendet, das um er um die Genitalien gewickelt hat, legen den Schluss nahe, dass Jesus die Jünger mit einem Samenerguss (einem Anteil von ihm) abgerieben hat. Die Jünger sollten so zu seinem Samen werden.

Das war nicht so ungewöhnlich, wie dies aus heutiger Sicht erscheint. Im alten Israel war es durchaus üblich jemand bei seinen Genitalien schwören zu lassen.

1. Mose 24:9

Darauf legte der Diener seine Hand unter die Hüfte Abrahams, seines Herrn, und schwor ihm hinsichtlich dieser Sache (Schwur auf die Nachkommen).

Das männliche Sperma galt als Quelle des Lebens, das nur von der Frau ausgebrütet wurde. Gemäß den Evangelien verkörpert Jesus das Leben (Joh 14,6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.)

Die Fußwaschung ist eine Besonderheit des Johannesevangeliums (Johannes 13,3-17). Sie ist ein Initiationsritus, der im Unterschied zur Taufe nicht mit der Sündenvergebung gekoppelt ist, sondern der Gläubige erhält nach einer Reinigung (Sündenvergebung) einen Anteil am Leben Christi. Mit dem Leib Christi ist heute die Kirche gemeint. Da sich Jesus aber nur als Messias und nicht als Begründer einer neuen Glaubensrichtung gesehen hat, gibt es Zweifel an der Echtheit dieser Überlieferung. Andererseits hatte Jesus Verehrer, die ihn begleitet haben. Diese Verehrer hat er durch Versprechen an sich gebunden. So verspricht er in Matthäus 19,28 seinen 12 Jüngern, dass sie im Himmel neben seinem Thron sitzen werden und die 12 Stämme Israels richten werden.

 

Gemäß Johannes dem Täufer tauft Jesus auch nicht mit Wasser, sondern mit Feuer und mit dem Heiligen Geist.

Matthäus 3,11
Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Markus 9:49
Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden.

Aus dieser Sicht wird auch das Pfingstereignis als Taufe gesehen (Apostelgeschichte 2,1-13). Das Wasser als notwendiges Taufmittel wurde daher von den Gnostikern, später von Katharern und Waldensern abgelehnt; sie betonten die Geist- oder Feuertaufe und wurden u. a. auch deshalb von der katholischen Kirche als Ketzer verfolgt.

 

Die Formalitäten zur christlichen Taufe in Deutschland

Sakrament: Das Neue Testament kennt diesen Begriff noch nicht. Ursprünglich bedeutet das Wort den Fahneneid des Soldaten. Es bezeichnet aber auch eine Geldsumme, die bei einem Prozess als Kaution gestellt wird. In der lateinischen Bibel wird das Wort als Übersetzung des griechischen "mysterion" verwandt und bekommt damit die Grundbedeutung "Geheimnis" (Epheser 5,32). Der afrikanische Kirchenvater Tertullian (um 200) verwendet das Wort "sacramentum" für die Taufe in der Bedeutung von Fahneneid auf die Kirche. Augustinus erweitert die Bedeutung dahingehend, dass dieser Begriff ein Geheimnis oder ein Erlösungswerk Gottes versinnbildlicht.

Sowohl die evangelische Kirche, als auch die katholische Kirche betrachten die Taufe als Sakrament. Katholische und evangelisch lutherische Kirche erkennen sich gegenseitig ihre Taufe an, wenn sie gültig, das heißt durch "Waschung" des Täuflings mit Wasser unter Anwendung der trinitarischen Formel "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" gespendet wurde. Dies war nicht immer so. Eine Kirchenversammlung der afrikanischen Bischöfe in Karthago im Jahr 215 setzte fest, dass Ketzer erneut zu taufen sind. Ansonsten ist die Taufe ein einmaliger Vorgang, der nur bei den Wiedertäufern, einer protestantischen Gruppierung, wiederholt wird.

Da aber für die evangelische und die katholische Kirche die Taufe auch die Aufnahme in die jeweilige Kirche bedeutet, spielen die unterschiedlichen Auffassungen vom Wesen der Kirche in das Verständnis der Taufe hinein. Die katholische Lehre versteht die Kirche wesentlich auch als Gemeinschaft, der Christus eine bestimmte rechtliche Verfasstheit grundsätzlich eingestiftet hat. U. a. muss eine Kirche, in der getauft wird, das Taufrecht besitzen. Die Taufe wird in die Taufmatrikel eingetragen. Für viele protestantische Kirchen ist dies gegenstandslos, weil sie eine andere Auffassung vom Wesen der Kirche haben.

Wie bei der Eheschließung muss die standesamtliche Eintragung des Namens und ggf. der Religionszugehörigkeit vor der kirchlichen Handlung der Taufe erfolgen. Mit der Eintragung der Religionszugehörigkeit beim Standesamt und der Taufe ist gemäß dem Konkordat auch jeder evangelische und katholische Christ zur Zahlung der Kirchensteuer verpflichtet. Jeder Arbeitgeber in Deutschland muss dies bei seiner Lohnabrechnung berücksichtigen. In den Gebieten der ehemaligen DDR fühlte sich der Staat, solange die DDR existierte, nicht an dieses unter Hitler vereinbarte Gesetz gebunden. Die evangelische und die katholische Kirche lebten in dieser Zeit von Spendengeldern. Im Zuge der Widervereinigung durchforsteten die Kirchen ihre Taufregister und forderten eine Nachzahlung der Kirchensteuer. Bei Vereinen sind solche Nachforderungen i. a. nicht üblich. Hier wird das Vereinsmitglied ausgeschlossen, wenn es keine Beiträge entrichtet. Inzwischen wurde ein neues Konkordat für Brandenburg vereinbart und das obwohl die christlichen Kirchen hier in der Minderheit sind.

 

Zur Kritik der Taufe siehe auch Feuerbachs Kritik an den Sakramenten.

Verwendete Literatur:

Zedler Universallexikon von 1744 Band 47

Die Entstehung des christlichen Dogmas, Martin Werner, Urban-Taschenbücher 1959

Lexikon für Theologie und Kirche Band 9, Herder-Verlag 1964

Neues Glaubensbuch - Der gemeinsame christliche Glaube, J. Feiner und L.Vischer, Herder 1979

Katholische Dogmatik Band 7, Scheffzyk und Ziegenaus, MM Verlag 2003

Die Weihnachtsgeschichten der Bibel: Fiktionen, Fakten, Fantasien Vortrag des Theologen Prof. Dr. Gerd Lüdemann


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